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Kultur : Die Barfliegen im Web, aber warum beim "Der Freitag"?

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Die Barfliegen im Web, aber warum beim „Der Freitag“?

Wenn nichts mehr zieht unter Bloggern und Bloggerinnen, dann kommen die Körperöffnungen und die Ausscheidungen. Dafür gibt es die Stilblüte des, wie ein freundlicher Blogger jüngst ausdrücklich betonte, "zufälligen Darüberstolperns" im Web. - In Wahrheit ist natürlich nichts ohne Absicht in diesen Fällen, 100- prozentig. Es geht auch rein technisch nicht.

Die Absicht sogar der allermeisten jener unmöglichen Webseiten und kautzigen Webmeinungen ist, kontinuierlich hinein zu treten, in fast Alles. Daher sind sie ubiquitär, die Seiten, die Fliegen und die Blogger, die solches gerne tun.

Man kann ihnen nur mit Absicht ausweichen, keinesfalls unbeabsichtigt reinfallen. Das behaupten nur sie. - Im Ausweichen besteht die eigentliche Kunst und die eigentliche Weisheit.

Hier ergibt sich übrigens eine Parallele zum Marketing und zu manchem Auswuchs moderner Kunst. "Mach´ Dein Ding so groß, dass niemand daran vorbei kommt."

Es ist zwar inhaltlich Alles scheinriesig, aber faktisch nicht zu übersehen. - Das Übersehen kostet Kraft und ist die eigentliche geistige und kulturelle Leistung.

Der Trick der virtuellen Barfliegen liegt allerdings darin, immer wieder die ausgetretene Pfade zu beschreiten, auf denen naturgemäß nur die Worte mit den vier englischen Buchstaben und die, nur bei den Buchstaben länglicheren deutschen Worte, gebräuchlich und die Inhalte der „Schiffsmeldungen“ an Lakonie nicht zu überteffen sind. -"Treffer, untergegangen, versenkt, gekentert." - „Wie zufällig“, wir wissen das ja jetzt, hängen diese Leute nicht herum, sondern suchen gezielt den Ort, den Zustand und die Möglichkeit.

Man muss also zwingend davon ausgehen, dass ein gewisser Teil der Netzgemeinde mit Vorliebe in Scheiße tritt, weil das bemerkt wird und andere Liebhaber anregt in der gleichen Form etwas hin zu zu legen.

Es gibt noch einen weiteren Trick. Der lautet, ich mach´ es, weil ich es kann. Ätsch!

Das ist aber höchstens jener einfache Trick, den der endlich fällige „Gröhlemeyer“, gefährlich in jedes willige Publikum hinein brüllt. Er hält es für die Rettung, dabei wäre es der sichere Weltuntergang. So aber grient er die Leute an und singt ihnen seit Jahren ins Ohr: „Kinder an die Macht.“ - Wer die eigenen Kinder fragt, die lehnen das mehrheitlich glatt und hartnäckig ab.

Das sollte „Der Freitag“ allerdings auch tun, denn sowas, die 150-millionste Seite über die Körperöffnungen und die wenigsilbigen Tresen-Worte, die eindeutgigen Bilder und netten Bonmots dazu, gibt es schon zu oft, als dass deren derzeitige Verwendung hier in der Community reiner Zufall sein könnte.

Christoph Leusch

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.