Empfehlung der Woche

Generation rechts?

Generation rechts?

Rüdiger Maas

Hardcover, gebunden

288 Seiten

24 €

Zur Empfehlung
Meine Frau weint

Meine Frau weint

Angela Schanelec

Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
ab dem 11. Juni im Kino!

Zur Empfehlung
Gefühlte Wahrheiten. Zeppeline und Nationalsozialismus

Gefühlte Wahrheiten. Zeppeline und Nationalsozialismus

Zeppelin Museum Friedrichshafen

Seestraße 22 | 88045 Friedrichshafen

Vom 22. Mai 2026 bis 4. April 2027!

Zur Empfehlung

Politik : PISA-Ohrfeige für unsere politische Klasse

Zum Kommentar-Bereich

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community.
Ihre Freitag-Redaktion

Ö

http://www.leiden-schaft.org/images/stories/artikelbilder/sarkozy_merkel.jpgSchon wieder kam Fürst Nicolai aus Paris zu einem Krisengipfel nach Berlin geflogen. In der anschließenden Pressekonferenz war ihm und Fürstin Angela anzuhören und anzusehen, wie sehr sie das Wohl unserer Währung umtreibt. Leider teilen immer weniger Untertanen die Sorgen unserer Hoheiten. Verglichen mit dem amerikanischen Dollar, dem britischen Pfund oder dem japanischen Yen steht der Euro recht gut da. Amerika und Großbritannien versorgen ihre Banken fortlaufend mit "billigem Geld". Trotzdem zeichnet sich in diesen Ländern kein wirtschaftlicher Aufschwung ab. Also ist billiges Geld keine Lösung.

Aber auch unsere europäischen Banken haben sich daran gewöhnt, vom Staat subventioniert zu werden. Auf dieses Privileg wollen sie selbst in Krisenzeiten nicht mehr verzichten. Sie haben über Jahrzehnte durch großzügige Staatsanleihen unseren Politikern das Schuldenmachen leicht gemacht. Wie sie betonen, im guten Glauben, dass dieses Geschäft risikofrei sei. Deutsche und französische Großbanken haben dieses Leben auf Pump selbst dann noch finanziert, als selbst in Brüssel offen Zweifel an den von der griechischen Regierung vorgelegten Haushaltsdaten geäußert wurde.

Inzwischen muss man offenbar wieder grundlegendes in Erinnerung rufen. Wer einem anderen Geld leiht, ist verpflichtet, sich sachkundig zu machen. Wofür braucht der andere das Geld und wird er in der Lage sein, den Kredit zurückzuzahlen. Um das zu beurteilen, arbeiten nicht nur in den Großbanken Sachbearbeiter und Analysten. Diese wurden ausgebildet, die Seriosität eines Kreditnehmers zu überprüfen. Auch wenn die Politik in punkto Staatsanleihen ein risikofreies Geschäft versprochen hat, entlastet das die beteiligten Banken nicht völlig von ihrer Verantwortung.

Amerika hat sich seit über dreißig Jahren daran gewöhnt, auf Pump zu wirtschaften. Bei jeder kleinsten Krise wurde und wird die Geldpresse angeworfen. Amerikanische Banken schickten ihre Sachbearbeiter in die Slums, um völlig verarmten Menschen Kundenkredite aufzuschwatzen. Oft genügten bei einem Kreditantrag irgendwelche Vermögensangaben, ohne dass sie auf ihre Richtigkeit überprüft wurden. Diese von Anfang an wertlosen Papiere wurden in geschickt aufgezogenen Finanzprodukten versteckt. Profitiert haben von dieser Scheinwirtschaft vor allem Investmentbanken. Im Widerspruch zu ihrem Namen investieren sie nicht in die Realwirtschaft. Sie erzielten und erzielen ihre hohen Renditen in erster Linie durch Spekulation.

Verführt durch den Renditerausch an der Wall Street wollten auch deutsche Landesbanken absahnen. Selbst die Sparkasse, als Genossenschaftsbank weniger anfällig für Spekulative Geschäfte, hat mit gezockt. Über 800 Millionen Euro hat allein die Hamburger Sparkasse in den Sand gesetzt. Auch wenn die Kleinanleger vor Gericht nachweisen konnten, falsch beraten und über die Risiken nicht ausreichend informiert worden zu sein, müssen sie ihre Einlagen und Lebensversicherungen abschreiben.

In einer Marktwirtschaft müsste eine Bank, die sich verzockt hat, Konkurs anmelden. Wird sie als systemrelevant für den allgemeinen Geldverkehr eingestuft, kann sie verstaatlicht werden. Das machte die schwedische Regierung, als das Land Anfang der neunziger Jahre von einer Finanzkrise heimgesucht wurde. Als die Banken von ihren toxischen Papieren befreit und re-kapitalisiert waren, wurden sie wieder verkauft. Von dieser Art der Sanierung profitiert der Steuerzahler.

Bei uns in der Euro-Zone müssen die Steuerzahler für immer größere und waghalsigere Rettungsschirme haften. Die Gewinne der Banken werden privatisiert, ihre Verluste sozialisiert. Was macht man, wenn wie in Frankreich viele Banken bereits verstaatlich sind?

Dann reist Fürst Nicolai zu Fürstin Angela und hält die Hand auf. "Ach Nicolai!", sagt Angie mit feuchten Augen. " Jetzt haben wir in Griechenland zwei Jahre lang die Renditeerwartungen unserer Großbanken befriedigt. Trotzdem bleibt der Finanzmarkt misstrauisch. Er hat ja nicht unrecht. Ohne einen Schuldenschnitt kann Griechenland nicht auf eigene Beine kommen. Ich wollte das auch lange nicht wahrhaben!"

"Meine Banken wollen Geld sehen!", knurrt Fürst Nicolai und dann stehen er und Angie leutselig der internationalen Presse Rede und Antwort.

www.leiden-schaft.org

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.