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Gestern habe ich vom Thai-Imbiss meines Vertrauen kostenlos –ich betone kostenlos- die Bild-Zeitungs-Sonderausgabe vom 12.09.2011 aus New York überlassen bekommen. Eine gelungene Rezension dieses epochalem Meisterwerks mit viel Tränen, Staub und Pathos wurde ja bereits von Christian Bartels geschrieben: www.evangelisch.de/themen/medien/bild-in-new-york-gro%C3%9Fes-pathos-garniert-mit-eigenwerbung48271
Ich schlage die Zeitung auf und lese – mein Horoskop. Da steht: „Bleiben Sie bei den Fakten!“
Gut, dann halt nicht! Ich schlage die Zeitung wieder zu.
Später juckt es mich doch in den Fingern. Ich lese und gucke Bilder. Der damalige Kanzler Schröder hing also am 11.09.2001 um 14:35 Uhr sein Sakko über die Lehne seines schwarzen Ledersessels und las. So, so. Bei seinem ersten Statement zu den Anschlägen trug er eine dunkelbraune Krawatte mit silbernen Punkten, weil er seine schwarze verschlampt hatte. Mhm.
Dann eine in tiefstem Mitgefühl verpackte Homestory. Neu-Amerikaner Karl-Theodor zu Guttenberg und Frau Stephanie gucken betroffen aus dem Fenster des World-Trade-Centers Nr. 7 und erzählen, dass sie am 11.09.2001 bei Freunden in Berlin waren.
Ich kann nicht mehr. Denke wieder an mein Horoskop.
Drei neue Erkenntnisse, die ich aus dieser Ausgabe mitnehme, sollten nicht unerwähnt bleiben:
Kai Diekmann hat eine neue Brille. Karl-Theodor zu Guttenberg hat keine Brille mehr. Bei ALDI gibt es diese Woche Kettensägen im Sonderangebot.
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Passt in die BILD, fällt aber trotzdem aus dem Rahmen. Pures Pathos ohne Informationsgehalt. Brillenlose Kettensägen vom ALDI sind da jedenfalls keine Gegenmaßnahme. Auch die Kombination BLDI bringt da wenig.
Aber jetzt: Brille ab zum Gebet. |
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Ach Du meine Güte ist es schon so weit? Sind wir heute schon Papst? Und ich halte mich noch mit so etwas weltlichem wie Krawatten auf. Asche auf mein Haupt.
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Ach was. Nix Asche. Oder doch. War ja ziemlich teuer das neue Anwesen der zu Guttenbergs. Die Brille ist jene Fehlende vom Plagiatus Maxim-US.
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Schönes Wortspiel, Herr Steiner! :)
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Ich lese auch seit Jahren die BLID kostenlos - jeden Morgen beim Vorbeiradeln am Aufsteller vor dem Zeitungsladen. Zugegeben, man kriegt nicht alle Einzelheiten mit (Stichwort Sonderangebote), aber das wesentliche doch.
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Ja, so ist das. Überschriften wie "Wir sind Papst" oder "Werden wir bald Afrikaner?" sind einem auch nach Jahren leider noch immer präsent, auch wenn man damals mit Überschall-Geschwindigkeit am Zeitungsaufsteller vorbeirauscht ist...
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Mich interessiert: "Bei ALDI gibt es diese Woche Kettensägen im Sonderangebot." Für wieviel gabs die denn?
Gern gelesen ;-) |
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@ Neobe
Für was brauchst Du eine Kettensäge im Sonderangebot. Der Titel des Blogs heißt doch "Verschlampte Krawatten". |
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Vielen Dank. Gerne hätte ich Ihnen das Sonderangebot abfotografiert. Das Werk ist jedoch schon recycled.... Ich glaube 39,90 EUR im Rahmen der Themenwoche: Machen Sie Ihren Garten winterfest... oder so ähnlich. :)
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@ Achtermann
Damit kann man einen haufen Bildzeitungen in den Himmel befördern -ich fand diesen Hinweis am Informativsten ;-) |
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Herzlich gelacht. Habe mir erlaubt, gnä´Frau, einen Textteil im Bildjargon zu ändern:
"Der eiserne Kanzler Schröder hing also am 11.09.2001 um 14:35 Uhr seinen Gehrock über die Lehne seines schwarzen Ledersessels und aß. Oh,oh. Sein erster Gang den er in Angriff nahm (die BILD schreibt so, nicht ich), bestand aus reichlich dunkelgebräunten Crevetten mit silbernen Punkten beim Thai, weil die schwarze Trüffellinguine in Girgios "Roma" ihm heute reichlich verschlammt vorgekommen war. Mhm, Mhm, Mhm." Weiter, weiter Christoph Leusch |
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Das ist ein charmante Idee lieber Christoph Leusch. Leider habe ich, mit Verlaub, die Gazette bereits in den Kehricht gleiten lassen.
Ansonsten hätte man das komplette historische Protokoll jenen Tages durch den "Bismarckator" jagen können. |
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Das ist ein charmante Idee lieber Christoph Leusch. Leider habe ich, mit Verlaub, die Gazette bereits in den Kehricht gleiten lassen.
Ansonsten hätte man das komplette historische Protokoll jenen Tages durch den "Bismarckator" jagen können. |
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Also Frau Brandt, das hätten Sie vermeiden können. Auch kostenlose BILD_Lektüre ist ein Jammer. Ich meide jede Art von BILD, auch als Aufsteller, ich gehe extra Umwege. Nur hier beim Freitag wird man mit BILD in dieser oder jener Form konfrontiert: Sie kriegen einen alle.
Ansonsten, gern gelesen. :-)), aber ein bisschen abgewandt dabei. |
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Vielen Dank! Auch Sie liebe Magda sollen in Genuss der großen deutschen Zeitung mit den vier Lettern kommen. :)
Obwohl, ich schwanke auch. Der Bild ist ja jede Art von Publicity recht, die man nicht forcieren sollte. Auch wenn es Kettensägen und Krawatten sind... Moralisch somit bedenklich, was ich getan habe. Passt, da ich gestern Abend einen Vortrag über die Flexibilität der Moral besucht habe..... Viele Grüße |
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„Karl-Theodor zu Guttenberg und Frau Stephanie gucken betroffen aus dem Fenster des World-Trade-Centers Nr. 7 und erzählen, dass sie am 11.09.2001 bei Freunden in Berlin waren“
Das ist ehrlich, das Betroffensein beschränkt sich nämlich auf 2011 bzw. auf eine gute Erziehung. Betroffensein findet nie statt wenn man in Unterhose mit Kaffee vor dem TV lümmelt. Da deucht einem eher so etwas wie dass man mal duschen müsste. Überhaupt ist das ein schönes Potpourri dort oben, man versteht es zwar nicht so recht, und was egal ist. Ähnlich der Bilder im ober-oberen Bereich wo normalerweise ein hübsches Bild vom Elbsandsteingebirge oder einer Schar wilder Mustangs im Abendlicht zu sehen ist. Verschlampte Krawatten ist gut, Verschlampte Krawatten 'Gefällt mir'- uns, mit Daumen! Aufgrund sehr entfernter Bekanntschaft zu der damaligen Nachmittagsgesellschaft hatten wir Gelegenheit quasi Mäuschen in dieser schönen Altbauwohnung zu spielen in der sich der Besuch Bei Freunden In Berlin abspielte. Wie es genau dazu kam soll hier nicht ausschwadroniert werden, nur so viel sei gestattet: Der Hafer juckte, nein, er ging zu neige und Döner ist ein Vollblut nicht.. Nochmal, bei sehr, sehr entfernten Bekannten schellte man damals aus Not die Türglocke. Was Karl und Stephanie damals wirklich erlebten, und was auch die meisten Menschen empfanden, das steht hier: „Wir waren begeistert von dem Spektakel! Damals am 11.09.2001. Diese riesigen brennenden Häuser live im Fernsehen. Die Tatsache dass das World Trade Center zerstört wurde war Atemberaubend. Wir, unsere Berliner Freunde, Stephanie und ich, fragten uns, spekulierten was wohl als nächstes geschieht. Stundenlang. Das weisse Haus? Das Pentagon? Das Kapitol? Gigantisch. Wird alles in die Luft fliegen, bombardiert? Und werden Sprengsätze oder Flugzeuge in anderen Städten wie San Francisco, LA oder Chicago für Angst und Verderben sorgen? Spannung, ob wir es sehen werden. Die Frau unseres Berliner Freundes: "Stephanie ruf doch mal die Nina in Boston an, ich könnte wetten das Telefon-System ist zusammen gebrochen.“ Wir Männer in der kleinen Runde bestätigten uns mehrmals, dass der Präsident garantiert schon in Sicherheit gebracht wurde. Stephanie„Vielleicht isser schon tot..“ Die Frauen waren da weniger gefasst, Stephanie war sogar etwas irritiert dass dort Menschen aus den eigentlich nicht zu öffnenden Fenstern sprangen. Eine Freundin unserer Berliner Freunden: "Ja was soll denn das, die kommen doch nie heile unten an? Ohjeh.“ Unser Berliner Freund sagte aus seinem Wohnzimmerfenster auf die Oranienburger Strasse schauend, dass es schon seinen Sinn hat dass man die Fenster in der fünfhundertsten Etage nicht öffnen kann. Seine Frau fragte „ehrlich?“, er sagte „ja Schatz“. Das war ein spannender Tag damals, grandiose Bilder wie es sie selten alle hundert Jahre zu sehen gibt. Wir wussten dass damals Geschichte geschrieben wurde. Und wir waren live dabei. Gott sei dank hatte Fridolin uns gleich nach dem 'ersten Flugzeug' angerufen. Wir haben etwa sechs bis sieben Minuten verpasst.“ Da war jetzt viel von „normalerweise“, „man“, „ eher“ usw. die rede, das liegt daran dass die Welt so ist und das alles nur so hingehuschelt ist. Auch keine sooo prickelnde Soirée, actually. Wir möchten aber trotzdem nicht dass dadurch irgend ein Licht unter einen Scheffel gestellt sein werden wird. Dann, die Sache mit den Mustange, Mustangen oder Mustangs ist noch interessant. und ob die Dänen, sich noch wähnen, unterhalb von Kristiansand. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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