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Ich geb, wenn's recht ist, dem Gedanken von heute früh ein wenig Raum, sich zu entfalten. Überwachen.

Lesen ist ähnlich. Manche reden davon, dass ein Computer lesen könne bzw. dass ein Text eingelesen wird. Wolln wir mal sehen. Jemand, der ein Buch liest, identifiziert den Verlauf der schwarzen Linien mit einer gewissen Automatik; das ist unterstes Level, diese Abläufe nimmt er gar nicht bewußt zur Kenntnis. Das Lesen im eigentlichen Sinne ist Nachempfinden des Inhalts, Abwägen der Bedeutung, einfühlendes Wahrnehmen usw. usf. Dass ein Computer lesen könnte - absurd. Oder dass ein Gerät einen Text einläse - aufgeblasene Wortakrobatik.

Den Gedanken weiterführend fällt auf, dass es generell schwerfällt, Worte zu finden, die die Tätigkeit von Maschinen bezeichnen. Mal sehen. Mein Herd? Der wird eingeschaltet, dann - es geschieht etwas mit ihm - wird er heiß. Er erhitzt sich? Nein, falsch. Die Platte wird eingeschaltet, damit sie heiß wird. Was tut sie? Sie tut gar nichts, oder?

Mein Auto. Es fährt? Nein, das Auto kann nicht fahren, sondern ich fahre das Auto, ich fahre bei Grün über die Kreuzung. Die Karre fährt nicht mehr, klage ich in der Werkstatt und personifiziere schon. Will aber sagen: Der Wagen lässt sich nicht mehr fahren, er springt nicht mehr an.

Und - springt nicht an - wir benutzen Metaphern. Hilfsweise. Warum? Weil die Sprache originär über keine Wörter verfügt, die Tätigkeit von Maschinen zu beschreiben?

Hm. Ist das so? Spuck endlich die Zigaretten aus, du blöder Automat!! Wieder personifiziert plus Metapher. Diese komplexe Automatik produziert 946 Nivea-Einheiten pro Stunde. Nein, produziert ist falsch. Sie produziert nicht, sie ist selbst ein Produkt: Mit dieser komplexen Automatik produzieren wir ...

Ist es richtig zu sagen, sie mischt die angelieferten Komponenten und füllt sie vollautomatisch ab in Dosen? Hm. Also doch? Ich lese auch hier wieder eine Personifizierung. Die Maschine kann nicht abfüllen. Sie ist auf eine bestimmte Menge justiert, dann wird eine Sperre geöffnet und die entsprechende Menge wird abgegeben.

Die Sprache gibt keine Wörter an die Hand, um die Tätigkeit von Maschinen zu beschreiben. Ich finde die These vielversprechend. Aber ist erstmal genug.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.