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Kultur : Linkomanie

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Linkomanie

Was mir auffällt ist, daß es anscheinend, egal ob in Blogbeiträgen selbst oder in Kommentaren dazu, mehr und mehr zur Vorgehensweise wird, Argumente mittels Links zu belegen und Links wie eine Art Schützenhilfe, Souffleurmuschel oder auch Eideshelferschaft im Sinne von Legitimation zu verwenden.

Anstatt Thesen mit zusammenfassenden eigenen Worten wiederzugeben, dies in den eigenen Argumentationsstrang einzubinden, wird z. B. auf „Wikipedia“ wegen irgendwelcher Definition verwiesen (wobei manche Fehler sich auch in dieses vorgeblich omnipotente Nachschlag“werk“ eingeschlichen haben, welche oft genug modischer Fehlinterpretationen unterliegen); oder es wird mit und auf Seiten von Hinz & Kunz verlinkt, auf denen dasjenige, was eigentlich selbst ausgedrückt werden sollte, nachzulesen sei.

Ich empfinde das als eine sehr unangenehme Entwickelung. Es sind ja nicht Zitate, die als solche gekennzeichnet in Blogtexten dann verwendet werden, die den Text auch noch flüssig lesbar halten, sondern gleichsam oftmals Gänge in die unterschiedlichsten Bibliotheksabteilungen. Ganze Bezüge und Inhalte werden nur noch angedeutet mit einem unterstrichen „hier“.

Wie oft kommt es auch vor, daß ein Blog oder ein Kommentar selbst, in seiner ihm eigentlichen Argumentationsbreite und –tiefe nur noch andeutet; daß im Verlaufe der Diskussionen „A“ von „B“ darauf hingewiesen wird, „A“ habe sich irgendeinem Link nicht ausgiebig genug gewidmet (wobei dieses Widmen nicht selten als lesen langer Dritt- und Vierttexte aufgegeben wird), und „A“ sei deshalb zu anderen, nämlich falschen Annahmen zur Intention über die (fragmentarischen) Statements von „A“ gekommen, weil er das alles nicht gelesen habe. Dabei, so sehe ich das häufig, erscheint es mir so, daß lediglich „B“ schlicht und einfach zu faul oder bequem gewesen ist, die von ihm angegebene Literatur eigenständig zu einer Essenz zu bringen und diese mit eigenen Worten konsistent in seinen Blogtext einzubinden.

Ich finde es übel, dergestalt vornehmlich Blogtexte zu verfassen, die mir oft vorkommen, als würde einem – als durchaus bereitwilligem Leser – nur noch was vorgeschmissen, aus dem man sich was zusammensuchen soll. Oder empfinde nur ich das als Linkomanie?

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.