Als vor einiger Zeit ein Bekannter alte Fotos seines Vaters auf den Tisch gepackt hat, wurde der „Russlandfeldzug“ in Schwarz und in Weiß veranalogisiert. Das ist nun 65 Jahre her und die Bilder waren immer noch deutlich.
Was ist in 65 Jahren mit unseren heutigen Daten und Bildern? Gebranntes können wir vergessen, die Rohlinge haben sich bis dahin aufgelöst. Ob man die Grafikdateien und deren unterschiedlichste Formate noch lesen und verarbeiten kann, ist fraglich.
Es ist einige Monate her, dass das Cloudanwesen von Amazon und Microsoft Probleme mit den Daten hatte. Ob Blitz oder Regen? Egal. Nutzer wurden informiert, dass ein Datenverlust aufgetreten ist.
Höhlenbewohner haben uns eingeschlagene Botschaften hinterlassen. Vielleicht finden unsere Nachfahren dann eine tief einbetonierte Cloud, bei der nach Jahrtausenden die Kapazitäten dahinkorrodieren. Als erstes werden die Kondensatoren auslaufen, nach wenigen Jahren.
Seit Jahren schiebe ich von einem PC zum anderen einen Grafikwulst an JPG-Dateien umher. Natürlich werden auch Bilder klassisch entwickelt. Doch wohin damit? In die Cloud?
Vielleicht sollte ich ins Gebirge fahren, mir eine Höhle suchen und die Daten dort digital einschlagen. Ich werde einige Jahre brauchen, um alles im Strichcodeverfahren an der Steinwand unterzubringen. Zum Testen kann ich ja dann paar Technikfreaks einladen, die mit ihren Androiden die Höhle abtasten.
Wenn alles digitalisiert ist, können wird das Rad nicht mehr neu erfinden. Digital erinnert an eine Treppe, auf der wir immer schneller hochsteigen sollen. Für Nuancen gibt es keinen Halt mehr.
Analog war gestern. Da spielte Jan Michel Jarre noch sein Oxygène, 1976. Es gab noch Zeit für Höhen und Tiefen, Berge und Täler, Rauschen.
http://kyf.net/freitag/utb.php?d=10.09.2011
Kultur : Keine Zeit zum Rauschen
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