Am Morgen treibt dicke Soße über die Straßen. Es ist noch dunkel, wenn der Berufstätige sein Tun zum Beruf bringt. Es bleibt eine 3viertel Stunde Zeit, um dem Autoradio die Kultur zu entlocken, Ideen zu entwickeln, Selbstgespräche zu führen, etwas zu gähnen.
Der November ist immer etwas Besonderes, irgendwie sammeln sich alle Veranstaltungen, die man das ganze Jahr schon im Plan hat. Es wird schön.
Wir werden Jane Michel Jarre zuhören, dem Elektronikpionier, der schon auf
knisternden Schallplaten Analogien auftürmen konnte. Dann darf uns bei Volker Pispers das Lachen im Halse stecken bleiben, wenn Zusammenhänge von der Bühne fallen, Kurt Krömer wird wirklich berlinblöd lustig und Horst Evers darf dann wieder etwas berlinernster sein.
Wenn die Tickets dann abgerissen sind, ist der Kulturetat für 2011 erschöpft, Künstler und Künstliche können sich vom Eingespielten endlich Weihnachtsgeschenke kaufen und werden sich sagen: "Bloß gut, dass es Lebendiges und 4. Reihe noch nicht in den Tauschbörsen gibt."
Der Novemberkult ist nur Novemberkultur. Im Sommer am erträumten Strand gibt es Kultur wirklich kostenlos, ticketlos, auch zum Tauschen, legal.
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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