Zwischen den Semestern, Prüfungszeit.
Mathe und Physik gehören oft dazu, wenn man studiert. Ein Grundirrtum ist wohl oft, man könn(t)e Informatik oder Verkehr studieren und benötigt dazu keine Mathematik. Umso überraschter zeigen sich die ersten Semester, arg Grundlagenverstaubt.
Prüfungszeit, Schmiere stehen, Prüfungsaufsicht nennt man das.
Ich schaue mir die Mathefragen an. Viel könnte ich wohl davon nicht mehr lösen, zu lang her. Den Grundlagenstaub habe ich schon lange entsorgt, obwohl mein Mathe ein Fan von mir war.
60 Minuten dauert die schriftliche Matheprüfung, dann Pause, dann 60 Minuten schriftliche Physikprüfung. Ein Student bringt ein ganzes Kuchenblech mit, dann steht da noch eine Käsetorte, für die Pause. Es krümelt in der ersten Reihe.
Wie haben wir früher studiert? Wir durften nicht krümeln!
Ich schaue über die Tische. Wie haben wir vor Jahrzehnten nur Prüfungen überstanden ohne Red Bull, ohne Dextro Energy?
Ich schaue in die Gesichter. Manch Prüfling würde auch bei 10 Kilo Traubenzucker und 10 Liter Aufputschgetränk nicht besser abschneiden können. Da müsste schon Botox her, um gleichmäßig verspannt durchzufallen.
Niemand kontrolliert, ob die Taschenrechner wirklich nicht programmierbar sind. Wenn angehende Ingenieure doch hier etwas kreativer wären, sie könnten eine ganze Sammlung von angestaubten Spickzetteln dort ablegen.
Am Ende fragt noch ein Prüfling, ob denn auch der Lösungsweg bewertet würde, denn das Ergebnis ist falsch, er habe sich verrechnet. Man wolle ja nur bestehen.
Es macht mich nachdenklich, wenn Zukunft nur bestehen will. Genügend Platz für Gestalter bleibt.
http://kyf.net/freitag/utb.php?d=01.02.2012
Kultur : Prüfungssicht
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