Die Generation Mittelwelle
In der Küche stand ein Radio, natürlich mit „neuester“ Röhrentechnik. Hinter dem Radio stand eine Milchkanne mit Wasser darin. In die Milchkanne führte ein Draht, der aus dem Radio kam. Somit war das Radio für den Mittelwellenempfang gut geerdet.
Morgens lief dann immer „Aus Ostberliner Zeitungen“ im Deutschlandfunk. Dank Mittelwelle konnte Freideutschland bis weit in die besetzte Küchenzone meiner Oma vordringen. Wir wären nie auf die Idee gekommen, am Radiogerät einen anderen Sender einzustellen. Damals galten Oma, Opa und Röhren noch was.
Die Generation Kurzwelle
Ein kleines Kofferradio, betrieben mit Batterie, hatte einen Schieberegler, um den Wellenbereich auf „KW“ (Kurzwelle) zu stellen. Dort befanden sich dann auf dem 49-Meterband eine Vielzahl von Sendern, die man nach heutigen Hörgewohnheiten als kosmische Strahlung einordnen würde. So konnte RTL wie aus einer anderen Galaxie empfangen werden. Die Drahtvollen unter den Hörern haben in ihrem Garten ein 49m langes Drahtseil als Antenne gespannt, um den Hörgenuss für die RTL-Hitparade zu vervollkommnen.
Man mag sich heute kaum noch vorstellen, was damals für eine relativ einfache Infrastruktur notwendig war, um Menschen zu versorgen.
Heute kommen Informationen per Satellit, terrestrisch von Sendeanlagen und als Stream übers Kabel durch die vier Wände.
Ich stell mir immer zu gern vor, ein Land würde den Sendenotstand ausrufen. Nur auf dem 49-Meterband auf Kurzwelle konnte die Regierung der freien Küchenrepublik einen Notkanal einrichten, um Menschen mit Informationen zur aktuellen Gemüselage zu versorgen.
Wir würden uns in die Keller, auf die Böden begeben, Wühlkisten durchsuchen, ob da irgendwo noch ein Radio mit Schieberegler ist.
Die Generation Smartphone
Hat ja alles. Oder? Zumindest UKW.
Ein Sendersuchlauf zum Nachhören:
http://kyf.net/freitag/utb.php?d=03.06.2011-2