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Politik : Günter Grass sei Dank: endlich eine Debatte!

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Günter Grass hat sich zu Wort gemeldet. Ein regelrechter Widerspruchsorkan fegt seither über ihn hinweg. Wenige prominente Stimmen, die ihm zustimmen oder zumindest sein Recht auf seine Äußerung verteidigen, wie z.B. Klaus Staeck oder Dennis Scheck. Dabei müsste es eigentlich selbstverständlich und häufige Praxis sein, dass ,unsere‘ Intellektuellen sich zu Wort melden, ihre Kommentare zu den aktuellen und Grundsatzfragen der Gegenwart der öffentlich anbieten müssten. Aber weit gefehlt!

Es fällt auf, wenn es denn doch einmal geschieht, wie es vor einigen Wochen bei Ingo Schul oder jetzt bei Sven Regener in Sachen Urheberrecht/Piraten der Fall war bzw. ist. Oder eben jetzt bei Günter Grass.


In den ganzen Fernsehtalkshows sitzen die immer gleichen Verdächtigen aus Politik und Wirtschaft, der omnipräsente Arnulf Baring; dann und wann ist Richard David Precht mit von der Partie, wird dafür aber dann auch wieder kritisiert und als Philosoph für die niederen Stände abqualifiziert, weil er jeden akademischen Habitus vermeidet. Jedenfalls lese ich selten inhaltliche Einwände gegen ihn. Man kann aber auch nicht behaupten, dass die Redaktionen ein lebhaftes Interesse an den Schriftstellern und Künstlern, den streitbaren Wissenschaftlern hätten.

Die Frage ist hingegen auch, wie es mit deren Interesse an öffentlichen Wortmeldungen und öffentlichem Diskurs aussieht. Anders als etwa in Frankreich verhalten sie sich bei uns, so weit ich es zu beurteilen in der Lage bin, vergleichsweise ruhig.

Ich habe mich wiederholt gefragt, wo ihre Stimmen bleiben zu den ganzen sozialen Gegenwartsfragen: Globalisierung, Harz4, Verteilungsgerechtigkeit, Verflachung der öffentlich-rechtlichen Anstalten. Dazu müsste es doch heftige Stimmen des Protests und der Analyse geben! Aber von unseren „Grossschriftstellern“ und anderen Künstlern ist da eher wenig zu vernehmen. Jedenfalls sehe ich keine lebendige Debatte. Dafür sind wir dem täglichen Politikersprech ausgeliefert oder lesen die zahmen, wohlgewogenen Leitartikler der Nation. Ein Karl Gerold (früherer Herausgeber der „Frankfurter Rundschau“), der auch mal schrieb:“ Man sollte der Union ihre Argumente pausenlos um die Ohren schlagen“, ist nicht zu sehen. Oder man denke an Bölls Springer-Abrechnung im „Spiegel“ in den 70ern, die einen ähnlichen Streit wie jetzt das Grass-Gedicht auslöste. Solche Töne sind viel zu selten zu zu hören!

Alles ist verhalten, wirkliche Gegenpositionen tauchen zumindest in den Hauptmedien kaum auf. Fast kommt es mir manchmal vor, als müsste man hierzulande Leuten wie Georg Schramm, Hagen Rether oder einem Volker Pispers zuhören - so sie mal im TV oder Radio zu hören sind -, um wirkliche Gegeninformationen und Gegen-Stimmen zu vernehmen. Eine lebendige, auch zuspitzende Debatte ist die grosse Ausnahme. Allein dafür gebührt Günter Grass Dank!

P.S.: Um nicht missverstanden zu werden, das ist kein Plädoyer gegen das eigen

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