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Kultur : 1 im Sinn

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in der grundschule lernten wir die sogenannten kulturtechniken, den umgang mit buchstaben und zahlen. im fortgeschrittenen stadium war unter anderem pensum die addition größerer zahlen. die summanden der hunderte und tausende wurden ordentlich, d.h. einer unter einer, zehner unter zehner usw., untereinandergeschrieben und von rechts nach links der reihe nach addiert, also erst die einer, dann die zehner usw. überschritt die summe der einer die 9, etwa bei der addition 7 plus 8, so hieß es "1 im Sinn" für die nächste kategorie, die addition der zehner usw. die 1 (im sinn) kam zu den zehnern hinzu. (dies beschreibe ich so ausführlich, weil ich nicht weiß, ob grundschüler heute noch sowas üben)

die zeitrechnung war nie thema in meiner schulzeit. die welt war sozusagen noch in ordnung, es gab nur den einen christlich-abendländischen kalender. auch in den übersetzungen aus dem russischen fand ich keine erläuterung der orthodoxen abweichungen, die heute von den medien gemeldet werden, wenn in moskau z.b. weihnachten im januar gefeiert wird. für die ostkirche gilt noch der julianische kalender, nicht der päpstlich reformierte gregorianische.

ein schaltjahr wie dieses 2012 könnte auslöser sein, sich für die ganze geschichte der chronologie oder kalenderwissenschaft zu interessieren. zum beispiel für die frage, warum der vatikan vor gut 400 jahren 10 tage aus dem kalender strich. verkürzt verrate ich nur soviel, dass man den fehler der alten ägypter nicht wiederholen wollte, im laufe der jahrtausende mit den fest- und feiertagen durchs ganze jahr zu rutschen.

keine gedanken machten sich päpste und chronologen über das loch im christlichen kalender. damit meine ich nicht das historisch schwarze loch um das geburtsjahr jesu; vielmehr meine ich die tatsache, dass die alten römer die mathematische null noch nicht kannten, weshalb sie gleich mit dem jahr 1 zu zählen begannen. angaben für die jahre "v. Chr." müssen immer durch dies kalendarische schlagloch und nehmen nicht selten schaden dabei.

wissenschaftlich kritischen ansprüchen können alle bekannten kalender nicht genügen. sie gleichen eher den überholten regionalen maßeinheiten wie klafter, elle, barrel und pfund. um dem krummbunten durcheinander der regionalen chronologien schlicht etwas menschheitliches entgegenzusetzen, empfehle ich die formel "1 im sinn". stelle der jahreszahl in gedanken eine 1 voran, und schon bist du in einer anderen welt im jahre 12 012.

die jahreszahl der globalen zeitrechnung weist zurück auf den welthistorischen beginn der landwirtschaft, die nach der erdgeschichtlich vorläufig letzten eiszeit zum fundament der zivilisation wurde. die überkommenen regionalen kalender sind teil der untergehenden traditionen, die noch ihre regionale bedeutung haben. doch wie der europäische kalender im zuge der europäischen expansion alle anderen kalender überlagert und verdrängt, so wird die wissenschaftliche ära die mythisch-abendländische überlagern und schließlich verdrängen.



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