h.yuren

die seen gehn unter

07.01.2012 | 19:57

Alle Tradition auf den Prüfstand!

a) der buchstabe ß

den meisten europäischen schriften liegt das lateinische alphabet zugrunde. das hat eine lange tradition, die bis ins alte rom zurückreicht.  im laufe der zeit schlichen sich in etlichen schriften der europäischen länder zeichen ein, die es im lateinischen nicht gegeben hatte. nationale besonderheiten wie etwa die verschiedenen akzente im französischen oder das schräg durchstrichene o im dänischen als ö.

das nationale abzeichen des deutschen ist das sz genannte ß. und es ist ebenso entbehrlich wie die anderen nationalen spezialzeichen. dass dem so ist, beweisen alle anderen schriften, die ohne sonderzeichen auskommen.

wozu müssen deutschlernende sich einprägen, "eis" mit -s am ende zu schreiben, "weiß" aber mit -ß? warum endet "fluß" auf -ß, "bus" aber auf -s? usw.

um das zeichen ß, das auf einem irrtum von schriftgelehrten beruht, zu ersetzen, ist nur eine einfache rechtschreibregel anzuwenden, die es übrigens vor ein paar generationen ansatzweise schon einmal gab.

nach langem vokal schreibe -hs (grohs, gruhs, lahs, grahs, mohs); doch vor endungen verschwindet die auslautverhärtung, sprich: stimmlosigkeit des -s
und auch das -h- (grahs - grasen, lahs - lasen,  lohs - losen, dühs -düsen), in allen anderen fällen bleiben das -h- und die stimmlosigkeit des -s- erhalten (gruhs - grühse, fuhs - fühse, grohs - gröhser, giehs - giehsen). nach kurzem vokal und nach doppellauten (diphtongen) steht immer nur -s, das vor endungen verdoppelt wird (bus - busse, flus - flüsse, schlos - schlösser).

mein beitrag zur rechtschreibreform.

 
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Kommentare
kay.kloetzer schrieb am 07.01.2012 um 21:52
zwar sey ihn sein thun hoch anzurechnen, doch was ist mit den familiennamen, die buchstabengetreu wiederzugeben ja auch des einen oder anderen begehr sein mag?
h.yuren schrieb am 08.01.2012 um 08:41
ja ja, liebe kk, so viele problemfamilien gibt es im lande, und du sorgtst dich im kontext zu recht um die namenschreibe derselben. aber das problem ist schon gelöst, ohne dass es sich herumgesprochen hätte. statt der hochkompliziert zusammengesetzten patchworknamen wird künftig nur noch der vorname gebraucht, fakultativ ergänzt durch das ende der identifikationsnummer des finanzamts. wie viele ziffern jemand bereit ist preiszugeben, ist dann die persönliche note.
Achtermann schrieb am 07.01.2012 um 22:19
wozu müssen deutschlernende sich einprägen, "eis" mit -s am ende zu schreiben, "weiß" aber mit -ß? warum endet "fluß" auf -ß, "bus" aber auf -s? usw.

Ein Hinweis: Ich fahre mit dem Bus über den Fluss.

Du glaubst gar nicht, wie viele Menschen, insbesondere Kinder, Probleme haben, die Differenz von langem und kurzem Vokal wahrzunehmen, einfach weil das keine festzulegende Größe ist: Ab wann ist ein Vokal lang-, ab wann kurzgesprochen? Nur einen Bruchteil der Rechtschreibung lernt man über Rechtschreibregeln, die so komplex sind, dass sie eigentlich niemand vollständig beherrscht. Betrachte das Problem der Getrennt- und Zusammenschreibung, ein unendliches Thema. Rechtschreibung wird vornehmlich über das Einprägen des Wortbildes geübt. Je öfter man das Wort sieht, desto sicherer wird man. Denk' mal an die lesenden und die nichtlesenden (getrennt oder zusammen?) Kinder. Wer viel liest, verbessert, ohne dass Regeln gebüffelt werden müssen, seine Rechtschreibung. Den Erwachsenen geht es kaum anders.

Frage: Ist deine durchgängige Kleinschreibung auch Bestandteil des Traditionsbruchs?
h.yuren schrieb am 08.01.2012 um 08:52
lieber achtermann, du hast ja vollkommen recht. durch lesen lernten wir wie im chinesischen die wortbilder auswendig. wer nicht las, forderte viel rote tinte.
problem: wer liest denn heutzutage noch dicke bücher am laufenden band?
noch früher war noch mehr auswendiglernen üblich. das muss nicht sein. mehr raum fürs selbständige denken ist besser.
die kommissionen mit dem auftrag, die tradition der rechten schreibe zu pflegen, sind inzwischen hoiffnungslos ins hintertreffen geraten. der rechner rechnet uns vor, wie es sein sollte, aber wir brauchen die kontrolle/hilfe nicht. ich schalte sie ab. weil sie stört.
nein, meine radikale kleinschreibe sagt nichts über meine radikalen gedanken. ich tus nur aus bequemlichkeit wie einst stefan george.
tlacuache schrieb am 08.01.2012 um 09:00
:-)
"Frage: Ist deine durchgängige Kleinschreibung auch Bestandteil des Traditionsbruchs?"

dAS iST eIN zEITGEIST: mAN hETZT dIE gANZE zEIT iM hAMSTERRAD uND hAT kEINE zEIT sICH gEDANKEN üBER gROSS uND kLEINSCHREIBUNG gEDANKEN zU mACHEN...
dAS kOSTET sO vIEL eNERGIE...

p.S.
iCH sCHEIßßßE nUR iN dEN bUßß, fAHRE aBER dAFUER nICHT üBER dEN fLUßß
h.yuren schrieb am 08.01.2012 um 20:39
lieber tlacuache, in deinem kommentar zeigst du ansätze zu tieferer einsicht, aber auch schwere fehler. "fluss" z.b. wird nie mit 2 ßß geschrieben, auch wenn er noch so schnell fliehst.
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