h.yuren

die seen gehn unter

17.04.2010 | 11:36

Allegria

ALLEGRIA  DI  NAUFRAGI

 

E subito riprende

Il viaggio

Come

Dopo il naufragio

Un superstite

Lupo di mare.

 

 

das poem von guiseppe ungaretti, mit dem ich die Reihe Zitate fortsetze, ist eines, das ich auswendig kenne - seit vielen jahren und für immer.

 
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Kommentare
jayne schrieb am 17.04.2010 um 11:47
Und hier eine Übertragung ins Deutsche von Ingeborg Bachmann:

Freude der Schiffbrüche

Und plötzlich nimmst du
die Fahrt wieder auf
wie
nach dem Schiffbruch
ein überlebender
Seebär
Magda schrieb am 17.04.2010 um 11:55
Das ist ja wunderbar.
Gleich eine so hochpoetische Übersetzung.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 17.04.2010 um 13:47
drei damen. sehr schön. viel dank.
h.yuren schrieb am 17.04.2010 um 20:39
danke, jayne, dass du die bachmannsche übertragung eingestellt hast.
allerdings, mit dem schluss verbinde ich etwas anderes als die übersetzerin, die ihre sache natürlich gut gemacht hat.
in superstite höre ich die verkürzte version von superstizioso und im lupo di mare mehr den piraten als den gestrandeten seebär.
ingeborg bachmann war in italien. sie kannte die sprache des landes. sie liegt schon richtig mit ihrer übertragung.
ich höre nur eigenwillig was andres am ende. die assoziationen si-ind frei, wer kann sie erraten...
ed2murrow schrieb am 17.04.2010 um 13:41
Ognuno sta solo sul cuor della terra

trafitto da un raggio di sole:

ed è subito sera.

Den Dreizeiler, ohne Titel, von Salvatore Quasimodo lernte ich sehr früh im Leben. Eine Übersetzung von Gianni Selvani:

Ein jeder steht allein auf dem Herzen der Erde
getroffen von einem Sonnenstrahl:
und schon ist es Abend.

(was ich immer für mich selbst gelesen habe:
Jeder allein ist auf dem Herz der Welt
durchdrungen von strahlender Sonne:
und schon ist es Abend.)
h.yuren schrieb am 17.04.2010 um 20:45
das subito ist das gemeinsame der beiden poeme.

dass du den vers anders aufgefasst hast, ed2murrow, ist das gemeinsame in unserer rezeption oder besser einbildung des jeweiligen gedichts.
ed2murrow schrieb am 18.04.2010 um 00:08
Wobei ich glaube, dass Quasimodo eine andere Deutung zuläßt: Ein ständiges Mühen, auf einer Welt, die sich dreht; die eine Einholbarkeit nur suggeriert und immer schneller ist, als man selbst: Kreislauf.

Deswegen sehe ich das "subito" nicht im Sinne von "improvviso", was es im Sprachgebrauch der Zeit Quasimodos als Synonym hergäbe, wie Bachmann es bei Ungaretti tut: Dort ist das, was eintritt, ein punktuelles Ereignis wie die Reaktion darauf.

Was auch das Verständnis von "lupo di mare" beeinflussen dürfte. Ein erfahrener Mensch wird heute in geläufiger Sprache als "persona navigata" beschrieben, also einer, der schon viel herumgeschippert ist: Bildlich würde es ein "mit allen Wassern gewaschen" tun, paßt aber nicht. Deswegen finde ich, zu der Zeit Ungarettis, den Seebären sehr treffend. Auch wenn es wohl 1917 geschrieben wurde und daher Assoziationen zu Piraten, Korsaren, Freibeutern nicht ganz fern liegen.

Für Ihre Vorlage jedenfalls danke ich und den anderen Teilnehmern dieses kleinen Forum amichale.
dame.von.welt schrieb am 18.04.2010 um 00:20
Alle sind sehr schön - vielen Dank.
ed2murrow schrieb am 18.04.2010 um 00:24
...amicale
ed2murrow schrieb am 02.05.2010 um 15:39
Dieser Blog hat mich einfach nicht in Ruhe gelassen, allegro, ma non troppo.

Quasimodo rumorte und etwas, was mir entging, fort, nicht fassbar, ça m'échappait.

Bis das etwas einrastete: Warum „auf“ dem Herz, nicht „im“, was nahe liegen würde? Und warum allein (also im Sinne von solitär)?

Es lag am „solo“. Was auf ersten Blick hin tatsächlich alleine beutet, Abwesenheit von anderen. Aber in der gesprochenen, alltäglichen Sprache ist es auch das „nur“, etwa: Sono solo stanco, ich bin nur müde.

Ich bin nur auf dem (und nicht im) Herz der Welt, ich durchdringe es, und damit die Welt, nicht, obwohl ich mich von der Sonne beschienen fühle. Und schließlich die Erkenntnis: Unweigerlich der Abend.

Danke für den Blog, der mir nun eine gewisse Heiterkeit gegeben hat. Fern allen Humors.
h.yuren schrieb am 02.05.2010 um 21:21
das freut mich, lieber e2m. a thing of beauty is a joy for ever.
h.yuren schrieb am 17.04.2010 um 15:35
auch meinen dank den 3 damen und 3 herren, bevor ich wieder das rad nehme und den hügel hoch trete in wolkenlosigkeit mit aussichten.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 17.04.2010 um 15:47
verfahr dich nicht und komm bald heim
dann ist dies von mir dein reim
h.yuren schrieb am 17.04.2010 um 20:13
danke für den wunsch im reim, rainer. verfahren hab ich mich nicht und nach 2h war ich auch in time heim, aber ein kleines missgeschick musste mich unterwegs doch ereilen: der linke fuß musste auf socken weitertreten, nachdem der schlappen den haltenden plastikriemen freigegeben hatte.
und hast du gesehen, wie tüchtig die isländer den himmel gefegt haben?
archinaut schrieb am 17.04.2010 um 18:16
Lupo di mare
- ist ja gar kein Fisch?

Ein schönes Gedicht,
lieber h.yuren
"und für immer"
h.yuren schrieb am 17.04.2010 um 20:24
nein, kein fisch, archie, ein blinkender vokalklangfischfang und vielleicht, ich weiß nicht warum, ist der seewolf kein seebär. vielleicht ist er ein seeräubär.
ja, lieber archinaut, ein möglicher grund, italienisch zu lernen. nicht die zitronen, die sprache könnte mich nach italien ziehen.
archinaut schrieb am 17.04.2010 um 21:27
die Zitronen
- und das Meer!
h.yuren schrieb am 17.04.2010 um 21:39
"und das Meer!"
es sieht strandig aus auf deinem ausweisfoto, du darauf aber nicht wie ein gestrandeter, lieber archinaut, eher wie ein ins weite ausschauender.
archinaut schrieb am 18.04.2010 um 01:15
...und bei Deinem Bildchen ist ja auch das Meer zu sehen,
aus einem sehr erhabenen Blickwinkel.....
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