h.yuren

die seen gehn unter

10.04.2010 | 16:58

Comeback des Religiösen?

der spiegel führte ein interview mit dem verfassungsrichter di fabio. im artikel darüber ist vom comeback des religiösen die rede. dies angesichts der krise der kirchen durch die erst jetzt in ihrem ganzen ausmaß erkennbaren fälle von kindesmisshandlungen in kirchlichen einrichtungen in den zurückliegenden jahrzehnten. mit der folge, dass die anzahl der kirchenaustritte steigt. und selbst in erzkatholischen regionen nimmt die zahl der kirchenschließungen zu.

in dieser situation vom comeback des religiösen zu reden, findet eine fatale parallele in der propaganda der atomlobby, die angesichts des einstürzenden versuchsendlagers für radioaktiven müll, asse, frohlockt, es gebe eine renaissance der reaktortechnik.

 

immerhin hält es di fabio für möglich, dass "die Erosion der Kirchen vielleicht noch nicht ihr Ende erreicht hat".
auf die bemerkung des spiegel hin, dass der wahrheitsanspruch der religionen eine totalitäre tendenz habe, räumt der verfassungsrichter ein, die glaubensgewissheit könne unerbittlich, absolut und intolerant sein; eben aufgrund dieser tendenz sei "unser Verfassungsstaat" weltanschaulich neutral.


wie neutral, das verrät der jurist mit dem anschließenden geständnis, dieser staat hege eine positive grundeinstellung zur religion und setze nicht auf strikte trennung von staat und kirche.

begründung: der staat wisse, dass seine kulturellen grundlagen durch aktive glaubensgemeinschaften gestärkt werden. 
das erklärt so einiges.

kein wort über die grundlagen von wissenschaft und recht, speziell menschenrecht, in der europäischen aufklärung. kein wort über die strukturelle gewalt in staat und kirche seit menschengedenken. kein wort über die unvereinbarkeit von naturwissenschaft und aufklärung einerseits und von religiösen vorstellungen sowie dem verbindenden herrschaftsinteresse von staat und kirche andrerseits.


wenn es nach den traditionen von staat und religion gegangen wäre, hätten wir anstelle der grundrechte heute noch hexenverfolgung, folter und todesstrafen.

wie aber der staat ein gerüttelt maß an macht eingebüßt hat durch privatisierungen und durch die eu, so haben die kirchen an macht und mitgliedern verloren durch säkularisierung und den tribut an kleinere glaubensgemeinschaften, die gern von den volkskirchen als sekten abgekanzelt werden, wie die vertreter der volksparteien gern die kleinen politischen gruppierungen als splitterparteien abtun.

das weltanschauliche umfeld ist insgesamt unübersichtlicher geworden, aufgeklärter mitnichten. das come-in der muslime, juden, orthodoxen, buddhisten etc. als comeback des religiösen zu bezeichnen, scheint mir eine missdeutung zu sein. dafür gibt es ein deutsches wort: wunschdenken.

 
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Kommentare
Deaktivierter Nutzer schrieb am 10.04.2010 um 17:08
Im März sind in Münster 200 Menschen aus der kath. Kirche ausgetreten. Im März 2009 waren es zum Vergleich 126. Wenn der Trend anhält, und Kirchenzeitungen beklagen starke Aborückgänge, dann können bald einige Kirchengebäude zu Studenten-WGs umgebaut werden.
h.yuren schrieb am 10.04.2010 um 17:23
als ich in der übersicht den ersten kommentar angezeigt fand, dachte ich noch, wer da wohl so schnell angebissen haben könnte. ich habe tatsächlich an dich gedacht, lieber rainer.
wir kennen unser münsterland von klein auf. und staunen nicht schlecht über die entwickung.
ich sehe noch die heimlich von mir verehrte mitschülerin vor versammelter klasse zusammengestaucht, nicht bloß von der lehrsche, die in der ersten stunde unterricht gab, sondern vom baas, der herbeigerufen worden war, um das schöne kind möglichst wirkungsvoll anzuprangern, weil es nicht, schon wieder nicht in der messe vor der schule zugegen gewesen war.
ich weiß nicht mehr, in welchem jahrgang das war. ich weiß aber, dass es an der anstalt nicht wenige nazi-lehrer gab, die nicht an den pranger gestellt wurden. die waren wunderbar integriert.
jayne schrieb am 10.04.2010 um 17:39
ich verstehe das mit der rückkehr oder renaissance des religiösen etwas anders, denn "religiös" kann ja nur mittelbar mit kirche(nzugehörigkeit) gleichgesetzt werden. Aber was wir erleben seitens konservativer politikerInnen, ist das vermehrte insistieren auf eine sogen. christlich fundierte wertegemeinschaft. Da gab es vor nicht allzu langer zeit den versuch, diesen grundwertebegriff in das grundgesetz zu implentieren. Und in sachsen beispielsweise behauptet die cdu, die akteure des 89er herbst seien in mehrheit leute mit christlichem hintergrund gewesen, deren beweggrund zum einen die "Gestaltung der erneuerten Gesellschaft nach christlichem Grundverständnis" gewesen sei.
h.yuren schrieb am 10.04.2010 um 18:51
das sehe ich genauso wie du, jayne. und wenn ich richtig rechne, wird der krise der kirchen über kurz oder lang die krise der c-parteien folgen.
geschichtsklitterung gehört zum politischen alltag. aber was für einen geschichtsunterricht haben die leute im lande genossen, hüben wir "drüben". du kennst die drübendeutung der historie, ich kenne die hübenhybris in der hinsicht und in anderer.
naja, irgendwas wahres wird ja schon dran sein, wenn die frauenkirche so gefeiert wird in sachsen und im ganzen land. und wo so eine kürche steht, muss es natürlich auch eine unmenge kürchlicher geleute gegeben haben, wahrscheinlich viele millionen.
Achtermann schrieb am 10.04.2010 um 18:41
An die Kirchenkritiker aus NRW!

In der Landesverfassung von NRW heißt es in der Präambel immer noch:

In Verantwortung vor Gott und den Menschen, verbunden mit allen Deutschen, erfüllt von dem Willen, die Not der Gegenwart in gemeinschaftlicher Arbeit zu überwinden, dem inneren und äußeren Frieden zu dienen, Freiheit, Gerechtigkeit und Wohlstand für alle zu schaffen, haben sich die Männer und Frauen des Landes Nordrhein-Westfalen diese Verfassung gegeben…

In Artikel 7 zur Schule etc. steht in Abs. 1 noch heute:

Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor der Würde des Menschen und Bereitschaft zum sozialen Handeln zu wecken, ist vornehmstes Ziel der Erziehung.

Eine Verfassungsänderung wird es wohl erst dann geben, wenn der vorletzte Abgeordnete aus der Kirche ausgetreten ist. Solange bleiben die Privilegien dieser Einrichtungen erhalten. Also steht weiterhin stramm und habt Ehrfurcht.
h.yuren schrieb am 10.04.2010 um 18:57
tja, lieber vor- und achtermann, "noch heute" ist jut. wenn ich mich richtig erinnere, ist dieser fromme passus dieser nrw-regierung zu danken. vorher stand das da nicht.
was "Ehrfurcht vor Gott" praktisch bedeutet, habe ich in den 50er jahren im schulbetrieb erlebt und oben im kommentar angedeutet. misshandlung von menschen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 10.04.2010 um 18:59
Tja, für Gott und Vaterland, und nur ein kurzes, schlimmeres Zwischenspiel.
h.yuren schrieb am 10.04.2010 um 19:07
in der leitkultur unseres teutonischen vaterlandes gibt es wichtigeres als die würde des menschen und die bereitschaft zum sozialen handeln, und das muss an erster stelle stehn.
denn nur hier in unserem teutonischen weltbezirk werden die irdischen widersprüche aufgehoben im göttlichen all, in der coincidentia oppositorum.
umgangssprachlich: metaphysische synthese.
Achtermann schrieb am 10.04.2010 um 19:25
Tja, h.juren und Rainer Kühn,

in Eurer Verfassung steht noch mehr. Die Jugend soll erzogen werden in Liebe zu Volk und Heimat.

Stellt Euch mal kurz vor, die NRW-Wahl würde bewirken, dass die Sozialdemokraten mit den Grünen zusammen keine Mehrheit erreichten. - Ich denke, diese Einschätzung ist sogar realitätsgerecht. - Und beide Parteien erinnerten sich dunkel an ihre politische Herkunft und gewönnen die Erkenntnis: Wir machen Realpolitik und bilden eine Koalition mit der Linken, um der Bundespolitik des Neoliberalismus einen Prellbock in den Weg zu stellen. Niemand, nicht mal Die Linke, käme auf die Idee, an ihrer Liebe zu Volk und Heimat zu zweifeln. Ein bißchen NRW-Patriotismus muss eben sein.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 10.04.2010 um 19:28
Für mich bitte nur das Münsterland, home sweet home.
Alles andere ist Karneval!
h.yuren schrieb am 10.04.2010 um 19:38
auch das muss neu hineingestrickt sein. oder vielmehr, das muss jemand irgendwo abgeschrieben haben, jemand, der mal ins archiv geht oder in krypten oder so. das klingt doch verdammt heimatlich und lieblich und und völkisch.
die armen kinderlein werden also immer noch misshandelt.
Rahab schrieb am 11.04.2010 um 09:28
ich sag es mal so:
die art von 'gottesbezug', wie sie in der NRW-verfassung zu finden ist, hat kaum bis nichts mit religion zu tun, dagegen aber mit obrigkeitsstaat sehr viel wenn nicht gar alles. da bedient sich staat auch dessen, was staat/macht für religion bzw. religiöse bezüge hält.

etwas völlig anderes wäre es, hätte der schul-artikel bezug auf die bergpredigt genommen. beispielsweise.
oder für einen wirtschafts-artikel, den es sicher auch gibt, auf die geschichte verwiesen, in der Jesche die händler aus dem tempel rausschmiß.

wenn die verfassungsgeber das getan hätten, wären sie allerdings in sozialismus-verdacht geraten. ob zu recht oder unrecht, lassen wir mal dahingestellt.

so aber haben sie die gute, alte verbindung von thron&altar in die verfassung reingeschrieben. das steht dann, meine ich, weniger für die rückkehr von was religiösem, sondern mehr für die rückkehr des absoluten herrschers.
h.yuren schrieb am 11.04.2010 um 10:54
das hast du sehr schön differenziert, rahab.
nur eine kleine marginalie möchte ich anranden. was du die gute, alte verbindung von thron & altar schimpfst, pflege ich mit bewährter uralter komplizenschaft von wahn & gewalt zu umschreiben.
rolf netzmann schrieb am 10.04.2010 um 19:23
vielleicht sollte man "religiös" weiter fassen, dass in zeiten zunehmender unsicherheit und werteverfalls immer mehr menschen beispieilsweise im spirituellen versuchen halt zu finden, ist leider eine tatsache. es ist schon eine weile her, als ich bei hugendubel war. es war interessant zu beobachten, wie viele menschen vor den regalen mit spiritueller literatur standen und wieviele menschen sich literatur zur gesundheit ansahen ( beide bücherstände standen nebeneinander).wenn wir den begriff der religiosität so weit fassen, ist es eben doch nicht so weit hergeholt, von einem comeback des religiösen zu sprechen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 10.04.2010 um 19:31
viele tatsachen sind schlimm. am schlimmsten sind meistens comebacks.
Achtermann schrieb am 10.04.2010 um 19:32
Langsam wird mir klar: Ich bin doch religiös. Lange Jahre der Unsicherheit könnte ich hinter mir gelassen habe, wenn ich meine Entspannungsübungen, etwa Spaziergänge im Wald, als religöse Taten interpretierte. Sowas könnte durchaus in die NRW-Verfassung aufgenommen werden.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 10.04.2010 um 19:43
Jetzt faßt Du das aber sehr sehr weit ... ;-)
h.yuren schrieb am 10.04.2010 um 19:44
lieber rolf, du hast natürlich recht. religion und kirche sind nicht so identisch, wie die kirchenleute immer behaupten. religion geht viel weiter.
was die suchenden vor den regalen betrifft, bin ich mir nicht so sicher, ob die wirklich wissen, was sie suchen. klar ist nur, dass ihnen etwas fehlt. dafür habe ich viel verständnis.
rolf netzmann schrieb am 10.04.2010 um 20:07
@h yuren, das stimmt, nur ist die frage, wer bietet halt an. die katholische kirche verliert durch das hausgemachte problem des jahrzehntelangen missbrauches an autorität, die parteien sind zu kungelrunden verkommen und die medien? sehe ich mir DSDS an, kommt mir, gelinde gesagt, das kotzen. hier wird jungen menschen etwas vorgemacht, wie sie schnell zu superstars werden können, absturz inbegriffen. dass da so mancher seinen halt in schnellen lösungen sucht, verwundert mich nicht. nur ist das ein thema, um das sich die etablierte politik nicht kümmert, sind doch solche menschen nicht gefährlich für die etablierten parteien, weil sie nichts in frage stellen...
ich bin mir sicher, je deutlicher dieser verfall bisheriger werte spürbar wird, je mehr die veränderung ihrer gewohnten umwelt die menschen erreicht, umso mehr menschen werden ihre antworten und ihren halt
in oskuren sekten oder glaubensgemeinschaften suchen....
und was die nennung kirchlicher werte in einer landesverfassung betrifft, so gehört diese daraus wieder gestrichen, wir haben eine trennung von kirche und staat...
h.yuren schrieb am 10.04.2010 um 22:06
o ja? haben wir die trennung von staat und kirche? in einem cdu-land? hast du nicht gelesen, wie der verfassungsrichter di fabio die neutralität des staates versteht?

zum verfall bisheriger werte hätte ich ein paar fragen. welche werte drohen denn zu verfallen?
mensch braucht auch den halt der festgefügten konventionen. die sind im umbruch überall. das geht manchen ans gemüt.

die mehrheit der menschen begreift nicht, wohin die reise geht. wenn die leutchen es kapierten, gäbe es sofort den aufstand. es stört jetzt vor allem die beschleunigte veränderung aller umstände. und gleichzeitig lassen sich die menschlein auf wachstum einschwören. wüssten sie, dass sie auf der titanic angeheuert haben, sprängen etzliche ins kalte wasser oder starteten eine meuterei.
das falsche spiel ist kein neuer wert, auch kein alter. ich weiß nicht, was du meinst mit dem verfall bisheriger werte, rolf.
rolf netzmann schrieb am 10.04.2010 um 22:19
ich bin alter rockfan, musikalisch, alle bands, denen ich huldige, haben lange in kleinen clubs gespielt, sich ausprobiert, waren mit 30 fans zufrieden, sehe ich heute DSDS und die bohlensche illusion, oder das knallharte geschäft?, dass der schnelle ruhm via tv kommt, so kommt das grübeln bei mir.... mal als ein beispiel
ich meine werte wie verlässlichkeit im umgang miteinander, dass der mensch zählt, was er leistet und nicht nur, wie er sich verkaufen kann, ich meine das sich fallen lassen in das genießen anstatt oberflächlich von einem event zum nächsten zu springen, siehe auch mein blog-gedicht "permanent vibrieren"...
h.yuren schrieb am 10.04.2010 um 23:05
lieber rolf, ich war nie ein rockfan, war aber auf anhieb begeistert (und bin es noch) von The Wall, war so begeistert im ganz wörtlichen sinn, dass ich ein hörspiel damit gemacht hab, das dann auch ankam: Der Zau-aun, wdr, 1981.
gedichte hab ich auch mal geschrieben, nur wenige gereimte.
ich verstehe, was du sagst. aber ich glaube auch, dass du es nicht gar so schlecht fändest, wenn dir erfolg blühte. denn wer schreibt, will gehört oder gelesen werden.
das elektrisierte vibrieren im stress ist zeittypisch, und wenn du dir die verdrehten flugbahnen der kirmesgeräte ansiehst, kannst du nur staunen, warum leute sich das antun, in so'ne schleuder einzusteigen und dafür auch noch zu zahlen.
nimms mir bitte nicht allzu übel, rolf, aber ich finde deine prosa besser als dein gedicht. es vibriert nicht, hätte ich fast gesagt. du hast ein phänomen erkannt und kannst darüber schreiben. ein poem lebt oder vibriert in seiner künstlichkeit aus sich, es trotzt dem gegenstand oder überformt ihn, aber beschreibt ihn nicht. bin kein literaturrezensent. bloß ein ehemaliger praktiker. das trial and error bleibt dir nicht erspart.
carlfatal schrieb am 10.04.2010 um 22:21
Lieber h yuren,
Wenn ich mich richtig erinnere, gehört dieser di Fabio so ziemlich zum rechtesten Rand dessen, was sich hierzulande konservativ nennt. Für diese Klasse von Herrenmenschen war Religion immer ein probates Mittel zur herstellung von Zucht und Ordnung. Fragen verboten ist das, wovon diese durchtriebenen Scheinheiligen träumen, damit ihr korruptes Gehabe, ihre Unehrlichkeit und ihr Diebesdasein nicht weiter auffallen.
Wenn die Kirche ihre Rolle nicht mehr spielen kann, werden diese Gestalten sicher etwas finden, das in ihrem Sinne möglicherweise noch erfolgreicher die Menschen in Befehlshabende und Befehlsempfänger aufteilt: deshalb auch das Gerede von einer neuen Religiosität. Und wenn die Kirche dank staatlicher Unterstützung nicht mit dem Paragraphen 129 rechnen muß, passt so ein Wort des Herrn di Fabio doch ganz hervorragend, der ist durchaus ein Stratege.
mfg cf
h.yuren schrieb am 10.04.2010 um 23:15
lieber cf, den verfassungsrichter kenne ich überhaupt nicht. ich habe ihn bzw. seine worte schlicht kritisiert. bei gedichten müsste ich die biografie des mannes vielleicht berücksichtigen. so reicht das bisschen, was er im interview gesagt hat.
aber du hast recht, der springende punkt ist die herrschaft. für die kirche wie für den staat. ohne beider gewaltbereitschaft gäbe es sie nicht. religion oder kirche ist für den staat nur ein mittel zum zweck der herrschaft. das hat der mann nicht wörtlich gesagt, aber indirekt unleugbar zugegeben.
hibou schrieb am 11.04.2010 um 09:01
Wir haben jüngst an einer stinknormalen Führung durch Ephesus (da werden jaehrlich Millionen von Leuten durchgeschleust). Unser Führer, ein völlig durchschnittlicher Junge - ich glaub, Necdet hiess er, sagte (es war die "deutsche" Gruppe): Ich bin auch Epheser! meine Kirche ist hier drin! und schlug sich ans Herz.
h.yuren schrieb am 11.04.2010 um 11:03
das erinnert mich an die auffassung der friends in der society of friends (zu dt. kwääker). george fox störte die gottesdienste in den turmhäusern, wie er die christlichen kirchen nannte, indem er seine predigt gegen die worte des priesters stellte.
die friends legten größten wert auf das inner light. die bauten waren für sie überflüssiger prunk. macht- und imponiergehabe.
hibou schrieb am 11.04.2010 um 09:06
Bin auch der Meinung, dass Glaube und Kirche zwei verschiedene Bibeln sind. Die meisten Leute glauben heute eh an Raab, Gottschalk, Brisant, Bild und Spiritus.....
Die Kirchen, Moscheen, Synagogen und Tempel gehören strikt vom Staat abgetrennt und ihre Anhaengsel vor allem aus den Schulen verbannt.......
Heimat. Puh. Ja, warum nicht das Münsterland? Oder Kemer Mevkii
h.yuren schrieb am 11.04.2010 um 11:06
so ähnlich sehe ich das auch, hibou. die massenmedien haben für die herrschenden längst die rolle der kanzeln übernommen.
rolf netzmann schrieb am 11.04.2010 um 20:44
@ h.yuren, ich danke dir für deine mühe. stimmt, ich möchte gerne gehört und gelesen werden und gehöre zu denen, die in berlin als hobby kultur anbieten bei lesungen und diskussionsrunden, was mir spass macht und mich als autor weiterbringt. Lyrik hat mich immer gereizt, deshalb ist mein erstes buch auch ein gedichtband. bloggen ist neu für mich, ich möchte einfach gedanken, ideen, die ich habe, in einer neuen form präsentieren...
und bloggen bietet die möglichkeit eines dialoges mit anderen usern...
h.yuren schrieb am 12.04.2010 um 22:21
bist du der typ mit dem hut, rolf? ich dachte im ersten moment, ich wärs.
meine lyrischen übungen in der frühzeit möchte ich nicht missen. sie sind eine ganz wichtige, um nicht zu sagen unentbehrliche einlassung auf wort für wort. die musik und das licht der worte kann man, glaube ich, nur so richtig kennen lernen.
später war (und ist noch immer) die wortkritik für mich die fällige fortführung in der auseinandersetzung mit sprache.
bloggen ist für mich auch noch relativ neu. ca. 1 jahr bin ich dabei. das dialogische prinzip ist im netz unmittelbarer als in der schrift gegeben.
viel erfolg mit deiner sprach- und sacharbeit! du hast das zeug dazu.
h.yuren
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