h.yuren

die seen gehn unter

01.02.2010 | 12:08

Datenschutz teutonisch

es war in den 70er jahren. die stimmung im lande war nicht gut. auch damals schon gab es eine terroristische gefahr. sie drohte nicht von außen, sondern im innern. sie war hausgemacht. die sogenannte baader-meinhof-bande verunsicherte die regierenden.
dass die sogenannte friedliche nutzung der kernenergie seinerzeit fleißig auf- und ausgebaut wurde, ließen die regierenden sich bzw. die steuerzahler etwas kosten. das beunruhigte sehr viele menschen in der bonner republik. "Atomkraft, nein danke" wurde ein bekanntes logo.
die geheimdienste hatten viel zu tun. immerhin wurde mit dem gesetz zum großen lauschangriff ihre arbeit ordentlich erleichtert. dabei durchkreuzten sich die doppelaufgaben in den kleinen köpfen der agenten. sie observierten emsig einen leitenden manager der atom-industrie, den sie verdächtigten, er stehe in verbindung mit den terroristen. die unhaltbaren nachstellungen kosteten klaus traube die karriere als manager der atomwirtschaft. die sache wurde öffentlich. es gab eine regierungskrise. der verantwortliche minister trat zurück. und klaus traube wandelte sich zum prominenten gegner der atompolitik.

heute ist die übereinkunft zwischen der eu und den usa in kraft getreten, die den geheimdiensten der usa erlaubt, die daten der auslandsüberweisungen im eu-bereich nach dem SWIFT-abkommen zu durchleuchten. die begründung lautet: aufspüren möglicher verbindungen zum terrornetzwerk al-quaida.
die teutonische regierung in berlin hat der datenkontrolle durch die us-agenten zugestimmt. dass diese besichtigung der geschäftlichen beziehungen von der berliner republik ins ausland die us-behörden aus ganz anderen gründen interessieren könnte als offiziell angegeben, stört die regierenden in berlin nicht, datenschutz hin, datenschutz her.
allerdings sehen die abgeordneten des europa-parlaments in straßburg den deal wohl etwas anders. sie werden, wie es scheint, nächste woche dagegen stimmen. und da das europäische parlament nach dem lissabon-vertrag mitbestimmen kann, wäre der deal dann hinfällig. aber das nützt nur für die zukunft etwas. die aktuellen bankbeziehungen sind bis dahin längst in den usa gespeichert, wo sie in ruhe ausgewertet werden können.

wir erinnern uns noch deutlich an den angriff des innenministers in berlin auf die online-daten möglichst aller pc-benutzer. der minister begründete seine lust auf die online-durchsuchungen, naja, du weißt schon, mit der dringenden abwehr des terrorismus.
nachdem die debatte über den überwachungsstaat fast schon versandet ist, taucht jetzt eine CD auf mit daten von konten der steuerhinterzieher, die aus der schweiz kommen. der informant bietet den datensatz gegen ein honorar von bescheidenen 2,5 millionen euro an.
der präzedenzfall mit ebensolchen daten von steuerflüchtlingen, allerdings aus liechtenstein, ist noch in guter erinnerung. dem anbieter wurden von der berliner regierung 5 millionen euro gezahlt. der gegenwert der hinterzogenen steuern lag bedeutend darüber. es war ein guter deal, was die zahlen betrifft.
ähnlich sind die regierenden anderer länder vorgegangen. aber jetzt meldet sich laut widerstand aus den reihen der schwarzgelben mannschaft in berlin. die bedenkenträger möchten die neue CD nicht annehmen, weil es staatsrechtlich nicht in ordnung sei, den datenklau zu belohnen.
gegen die juristischen bauchschmerzen der schwarzgelben könnte die kronzeugenregelung angeführt werden, die dem verräter strafmilderung bis straffreiheit in aussicht stellt. aber die scheu der hüter des rechts ist eine durchsichtige finte, um den schutz  einer gewissen klientel sicherzustellen.
merke: datenschutz in teutonien ist traditionell hauptsächlich vorgeschützt.

 
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Kommentare
Alien59 schrieb am 01.02.2010 um 12:29
Den größten Teil des Artikels würde ich so unterschreiben. Ich bin gespannt, ob das EU-Parlament es schafft, den SWIFT-Deal noch zu kippen. Ich würde es mir wünschen, auch wenn ich mangels Konto im EU-Bereich nicht mehr betroffen bin^^

Was den neuesten Fall von Datenankauf angeht: so weh es tut, ich muss dir widersprechen, aus pur strafprozessualen Gründen. Ich gehe davon aus, dass die Art der Datenverschaffung ein Beweisverwertungsverbot auslösen könnte - weil der Staat durch den Ankauf eine Art Hehlerei, also eine Straftat, begehen würde. Das ist etwas anderes als eine Kronzeugenregelung. Das ist in diesem Falle schmerzlich, weil es dieser Klientel der schwarz/gelben mit Sicherheit in die Hände spielt und denen daher recht ist, aber im Interesse der Einhaltung von strafprozessualen Grenzen würde ich lieber diese Kröte schlucken.

Auch wenn es hier nicht um Folterandrohung geht - Regeln zur Verschaffung von Beweismaterial sollten eingehalten werden.
h.yuren schrieb am 01.02.2010 um 20:34
liebe alien, eben höre ich im radio, dass die kanzlerin und der finanzminister die daten haben wollen. und sprecher verweisen auf den präzedenzfall liechtenstein-deal.
ich bin kein jurist. das recht ist so schlecht wie diejenigen, die es machen. oder chinesisch:
"glücklich sind die menschen, die nicht wissen, wie gesetze und würste gemacht werden."
Alien59 schrieb am 02.02.2010 um 05:49
Das finde ich nichtsdestotrotz übel. Das Recht sollte der Gier nicht weichen müssen.
h.yuren schrieb am 02.02.2010 um 11:23
du hättest ja auch vollkommen recht mit deiner rechtsauffassung, alien59, wenn, ja, wenn die politclowns beizeiten über die folgen der entgrenzung des kapitals nachgedacht und verhandelt hätten. es ist nur flickschusterei, was sie tun und lassen.
aber das ist nicht neu.
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