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in münster wir seit jahren versucht, einige straßennamen und namen von plätzen zu ändern. beispiel hindenburgplatz. das ist der raum vor dem schloss, dem sitz der uni. jede/r studierende lernt diesen namen zuerst kennen.
im rat der stadt münster liegt ein antrag vor, den platz umzubenennen. neueste forschungen haben ergeben, dass es wahr ist, das der herr hindenburg gute bande zu den nazis unterhielt und seine unterstützung hitlers nicht von ungefähr ins bild passt.
nach der einsetzung einer untersuchungskommission mit fachgelehrten, die das bild des hindenburg als wenig ehrenwert zeichneten, hat der rat der stadt kaum noch gegenargumente. aber die aufgeregten leserbriefe und andere wortmeldungen gegen die namensänderung reißen nicht ab.
symptomatisch, wenn auch nicht repräsentativ war die telefonumfrage des wdr-studios münster heute abend. auf die frage, stimmen sie der umbenennung zu oder sind sie dagegen, antworteten weit über tausend anrufer/innen zu 12 prozent für die änderung, aber 88 prozent für den alten namen hindenburgplatz.
was für eine schwarmintelligenz da am werke ist, dürfte klar sein. auf der straße eingefangene stellungnahmen zum "problem" befanden, der alte name gehöre zu münster, der hindenburg sei teil der deutschen geschichte und ähnliches für den abfalleimer.
nach den sarrazynischen und jubelzustimmungen zum kriegsminister tg ist es keine frage, was große teile der bevölkerung bewegt. das ochlokratische moment gewinnt an gewicht, je weiter das land zur sogenannten normalität zurückkehrt. wenn du dir unter dem horror vacui nichts vorzustellen vermagst, nimm münster als beispiel.
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@ yuren, dann wird dann in Münster dann doch auch noch das Bild eines der ehemaligen Regierungspräsidenten aufgehängt...
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schrieb am
07.07.2011 um 00:14
bischen viel "dann ;-))
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Hindenburg war weder im 1. Weltkrieg - da wurde er reaktiviert mit schlimmen Folgen, weil er und Ludendorf gegen die Aufnahme von Friedensgesprächen war und diesem Irrwisch Willi II einen Endsieg in Aussicht stellte - und noch weniger in der Weimarer Republik eine Figur, die vernünftig gehandelt hat, handeln konnte, weil er im Bismarckschen Reich und im europäischen Imperialismus sozialisiert wurde. Dass man die Schatten des schlimmen Teils unserer Geschichte nicht abschütteln kann oder will, ist mehr als bedauerlich. Als aufrechte Demokraten sollte man sagen, den nicht! 88% für Hindenburg - mir gruselts. Und das in einer der größten Universitätsstädte!
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von wegen universitätsstadt: wissen ist nicht genug, wenn das gewissen nicht mitspielt.
das wissenschaftliche gutachten ist eindeutig, nur die stimmung in gewissen kreisen der einwohnerschaft stimmt mutwillig bzw. stumpfsinnig dagegen. |
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Gemach gemach.
Wenn dereinst Gerhard Schröder und Josef Fischer in die schwarze Kiste hupfen, dann wird man eine Umbennung der vielen Hindenburgplätze und Bismarckstrassen finden, die alle Stammtischkrieger zufriedenstellt... |
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im osten war man da bedeutend rascher mit der bilderstürmerei, auch nach 89, und zeitigte manchmal seltsame blüten - statt antifaschistischer widerstandskämpfer z.b. plötzlich militärs wie scharnhorst, helden der befreiungskriege anno 1813 ...
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schrieb am
07.07.2011 um 09:20
>>statt antifaschistischer widerstandskämpfer z.b. plötzlich militärs wie scharnhorst,<<
klar, die Siegermacht pinkelt den Verlierer möglichst schnell mit seinen Duftmarken voll... |
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schrieb am
07.07.2011 um 09:23
Korrektur:
die Siegermacht mit ihren Duftmarken, nicht den Verlierer mit seinen.. |
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liebe claudia, du trippelst mir zu leichtfüßig durchs gemüse.
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liebe jayne, du weißt, dass die pharaonen die steinbilder der ungeliebten vorgänger demolieren ließen. auf der spur schleicht die geschichte bzw. die politik noch immer.
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schrieb am
09.07.2011 um 01:24
>>liebe claudia, du trippelst mir zu leichtfüßig durchs gemüse.<<
Da ist was dran lieber h. yuren Das kommt möglicherweise daher, dass mir die Antikriegsdemo auf dem Hindenburgplatz lieber ist als der Vodafoneshop in der Karl-Marx-Allee... ;-) |
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nu is klar, liebe claudia, dass der streit um namen gewiss ein nebenkriegsschauplatz ist. dennoch verrät auch der streit um symbole, wes ungeistes kinder das spiel verderben.
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Dass die Popularität des Hindenburgplatzes unter den Münsteranern ein Indiz für deren Provinzialismus, historische Ahnungslosigkeit oder gar Respekt für einen militaristischen Antidemokraten ist, möchte ich nicht glauben. Sie sind in ihrer Mehrheit wohl einfach Traditionalisten, die am Gewohnten festhalten wollen - ziemlich unabhängig von den Inhalten dieser Tradition. Das ist blöd, aber man sollte diese Haltung nicht dämonisieren, indem man sie in die Nähe der Begeisterung für Sarrazin und Guttenberg rückt und sie als Beleg für die These interpretiert, die "Berliner Republik" bedeute eine Rückkehr zur "Normalität" nationaler Machtpolitk.
Der Titel spielt auf das Theaterstück "Die Plebejer proben den Aufstand" von Grass an. Der zeigt hier das Versagen der Intellektuellen im Konflikt mit der Staatsmacht im Kontext des 17.Juni 1953 und ihren Verrat an den aufständischen "Plebejern". Das Blog verwendet den Begriff als Kampfbegriff einer Elite gegen eine angeblich unbelehrbare und bornierte Mehrheit - das scheint mir nicht besonders links und klug zu sein. |
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lieber koslowski, möglichst schön konkret bleiben. das beispiel münster, wo seit 10 jahren versucht wird, militaristen- und nazinamen aus der straßenlandschaft zu entfernen, ist ein trauerspiel 66 jahre nach dem ende des 1000-jährigen wahnsinns.
du gibst zu, dass der traditionstrott blöd ist. diese blödheit hat folgen im gesamtbetrieb. die normalität der berliner republik zeigt sich unter anderem in den waffengeschäften, panzer für die saudis sind ein ordentlicher brocken, aber längst nicht die ganze unverschämtheit nach 2 jahrhundertkriegen. das ist auch ein teil der blöden traditionen. das ist auch ein teil der normalität. |
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Warum ist das eigentlich so?
Warum benötigen so viele Menschen, als "Halt" den "Nationalstolz"? Warum greift dieses Pathos geladene Konstrukt so gut? Das war ja damals zu Adis Zeiten besonders auffällig bei dem pseudoreligiösen Budenzauber der SS (Stichworte: Runen, Sonnenwendfeiern vermischt mit heidnischem Brauchtaum und nordischer Götterwelt). Das hat viele begeistert. Warum greifen simple Feindbilder so hervorragend? Fehlt den Menschen für das eigene Leben Sinnstiftendes? Diese Fragen müssten sich linke Intellektuelle meiner Meinung nach stellen, denn ganz offensichtlich folgt der Großteil der Menschen lieber einfachen (obwohl eigentlich verkomplizieren solche Weltbilder ja alles) Sichtweisen. |
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lieber technixer, du siehst den fall esotechnisch. das ist leider kein ansatz zu einer lösung des problems.
bleiben wir doch einfachheitshalber beim beispiel schlossplatz in münster. von zwei seiten erhoffen sich die gemüter hilfe: a) von der wissenschaft, b) vom bürgerwillen. leider ist das ergebnis der wissenschaft: umbenennung; das der vielen, wenn auch nicht repräsentativen umfragen: alles beim alten belassen. in der demokratie und in der ochlokratie zählt die (ab)stimmung, in der wissenschaft zählen die beweise. mein vorschlag zur güte (denn zwischen den positionen ist kein kompromiss denkbar): die münsteraner trennen sich von ihrer uni und behalten ihren "hindenburgplatz". |
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Ok, bleiben wir bei deinem Beispiel.
Man klammert sich gern an Altes. Gut. Aber warum nicht Rosa-Luxemburg-Platz oder damit es nicht Politisch ist, jemanden aus der Klassik oder Literatur. In Berlin sind auch haufenweise Straßen nach irgendwelchen preußischen Militärs benannt worden. Warum finden das die Leute denn gut? Es sind ja vor allem "christlich-wertkonservative" die da mitmachen. Warum greift "Stolz" auf so etwas so gut? Diese fehlgeleiteten Emotionen, sind ja der Grund warum der Hindenburgplatz auch weiterhin so heißen soll. beste Grüße :-) |
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"Man klammert sich gern an Altes. Gut. Aber warum nicht Rosa-Luxemburg-Platz...?"
die frage ist nur zu berechtigt, lieber technixer. die sozialisation in münster ist eben so eine. aber ich sehe noch ein allgemeineres problem. der gute alte antisthenes forderte die athener auf, esel zu pferden zu befördern per mehrheitsbeschluss. geht nicht. völliger blödsinn, hieß es. und warum ernennt ihr dann unfähige leute zu leitenden figuren? das ist doch auch durch abstimmung möglich. schätze mal, er dachte nicht nur an alcibiades. damit traf er den wunden punkt aller demokratie. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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