die berliner republik machts möglich. teutonen können wieder wie einst im mai deutschselig sein und sich ihrer deutschen seele vergewissern. thea dorn machts vor in ihrem neuesten werk, das tatsächlich nicht vor hundert jahren, sondern voriges jahr erschienen ist und "Die deutsche Seele" titelt.
sich gedanken zu machen über die deutsche sprache ist, wenn die denker mindestens eine weitere sprache fließend beherrschen, die sache allemal wert. aber über die deutsche seele zu spekulieren, kann nur ein deutliches zeichen der rückwärtsrepublik sein, die krampfhaft die heimattreue leitkultur beschwört.
ich habe das buch von thea dorn und ihrem coautor richard wagner nicht gelesen. das sei zugegeben. was heißt zugegeben? ich wollte mir das nicht antun. aber ich habe ein wenig gegoogelt, um eine bestätigung für meinen generalverdacht zu suchen. und bin fündig geworden.
der schriftsteller richard wagner hat titel wie "Der deutsche Horizont" geschrieben. der gute mann beklagt den werteverfall im abendland und in teutonien, ist mithin im sinne der rückwärtsrepublik tätig. und er macht, was dazu prima passt, in broders netzwerk "Achse des Guten" mit. das soll genügen.
auf die einzelnen kapitel des buchs, dessen kapitel begriffen wie fußball (Wunder von Bern, Sommermärchen) folgen, gehe ich mangels lesemasse nicht ein. mir reicht die tatsache, dass ein neuer buchtitel "Die deutsche Seele" heißt und nicht ironisch oder satirisch gemeint ist im sinne von "Ein Herz und eine Seele".
das ist der versuch einer wiederbelebung der ach so teutschen nationalro(h)mantik, mit der wir, ja, wir es doch einst so weit gebracht haben. nach der deutschen aufklärung zu suchen, wäre freilich etwas anstrengender bis frustrierend.
fazit:
im deutschen blätterwald turnen ganz unten die glatzen- und springerstiefelträger herum, ganz oben so fesche mädels wie thea dorn. dazwischen treibt sich weniger auffälliges, aber ebenfalls tüchtig deutschseliges herum. mensch muss nur den blick schärfen für die ganze variationsbreite der rückfälligen.