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Kultur : Diskrepanzen

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thilo sarrazins medial inszenierte und mit gewaltigem medienecho quittierte veröffentlichung hat eine unschöne diskrepanz in der öffentlichen reaktion gezeitigt.
einige haarsträubende thesen aus seinem buch führten zu direkten angriffen gegen den autor (parteiausschglussverfahren und kündigungsbeschluss der bundesbank).

in krassem gegensatz zu diesen sanktionen gegen die person steht die ganz selbstverständliche rasante verbreitung seiner schrift. mit anderen worten, der autor als bürger wird abgestraft, der bürger als autor aber zugleich reichlich belohnt.

diese diskrepanz wird noch dadurch verschärft und unerträglich, dass nicht die person als bürger (parteimitglied und banker) den stein des anstoßes darstellt, vielmehr allein die person als autor. der schaden für die republik, der durch die massenhafte verbreitung unhaltbarer und verletzender thesen entsteht, ist weit größer als die rufschädigung einer partei oder bank.

das verhalten der gesellschaft im fall sarrazin will so gar nicht zur goldenen regel der humanen diskussion passen: nicht ad personam, sondern stets ad rem zu argumentieren und zu agieren.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.