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was wäre denn eine mainacht ohne nachtigallen? jetzt schluchzen und schlagen, jetzt flöten und schallen sie wieder. gar nicht mal selten an viel befahrenen straßen. autos sind taub. keins hält an und lauscht.

das pluralische "sie" (im 2. satz) muss niemanden stören oder verunsichern, wenn auch die grammatik das personalpronomen für den plural gleich lauten lässt wie dasjenige für den singular femininum, wo das englische klar unterscheidet zwischen "they" und "she".

verstörend werden die einflüsterungen der dusseligen deutschen grammatik allerdings, wenn sie stur an der realität vorbeigehen, wenn die sprachliche konditionierung "die" nachtigall souffliert und daraus in liedern die "frau nachtigall" wird.

hier kollidieren (natur)wissenschaftliche kenntnis und sprachprogramm: für ornithologen steht fest, dass nur das männchen singt, für die deutschsprechenden, dass es "die" nachtigall heißt, niemals masculinum "der".

leider singt im dusseligen deutsch nicht nur die falsche nachtigall. die sprache ist voll von falschen tönen. so verdanken auch "mutter natur" und "vater staat" ihr geschlecht zuerst der grammatischen vorsage und -schreibe: "die" natur bzw. "der" staat.
diese zwei beispiele erhalten sozusagen nachträglich und von außen eine gewisse plausibilität, falls nämlich die natur als schöpferisch kreis(s)ende aufgefasst und im staat die herrschaft der patriarchalischen gesellschaft gesehen wird.

kurz: die nachtigall kann (uns) ein lied davon singen, dass den vorgaben der deutschen sprache, hier: speziell der grammatik, nicht zu trauen ist.

merke: natürliche sprachen sind steinalte und updateresistente gewohnheiten.

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