h.yuren

die seen gehn unter

20.03.2010 | 23:11

Fremdwort Kontrolle

wahrscheinlich ist lenin schuld, dem ja nachgesagt wird, er habe das vertrauen gewürdigt, doch die kontrolle vorgezogen.
die von preußischem drill und gestapomethoden befreiten teutonen sind ins andre extrem gekippt. wo immer von kontrolle die rede ist, fühlen sie sich in ihrer freiheit eingeschränkt. und sie reagieren allergisch mit protest und verweigerung. das sind gefühlsmäßige reaktionen.

"deregulierung" war für teutonier genau das richtige start- und stichwort. davor hatte man hier schon heftig "Freiheit statt Sozialismus" gewählt. für die autobahnen hatte nach dem motto "Freie Fahrt für freie Bürger" ein vernünftiges tempolimit erfolgreich verhindert. und auch als die ganz deregulierten banken in die dickste krise geschlittert waren, blieb es bei vorsichtigen mahnungen zu mehr transparenz.

nach den amokläufen an verschiedenen schulen riefen zwar einige betroffene nach mehr kontrolle und verschärfung des waffenrechts, aber einstweilen kann noch jede/r in teutonien jäger/in oder sportschütze/in werden und den waffenschein erhalten. gedenkfeiern werden dagegen allenthalben veranstaltet.

wenn bei lkw-kontrollen auf der autobahn jedes zweite fahrzeug stehen bleiben muss wegen mängeln an der ladung oder am lkw selbst, werden die polizeikontrolleure nicht personell verstärkt, damit die sicherheit auf den straßen erhöht wird. zusätzliches personal kostet nämlich zuviel.

nicht zuletzt lassen die lebensmittelkontrollen sehr viel zu wünschen übrig; zur verringerung der skandale um gammelfleisch etc. wäre aber wieder mehr personal nötig, das aber wieder zuviel geld kosten würde, heißt es. es muss bei stichproben bleiben.

so lässt man in teutonien auf fast allen gebieten - die ausnahme war z.b. die datenüberwachung, die nun vom höchsten gericht kassiert wurde - die zügel schleifen. zur freude der waffenschieber und anderer lobbyisten.
achja, auch die kirchen wünschten sich von herzen weniger austrittsfördernde "kampagnen", hört man.

 
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Kommentare
Alien59 schrieb am 21.03.2010 um 06:01
Stimmt wohl irgendwo - aber an manchen Stellen gibt es meiner Meinung nach immer noch zuviel Kontrolle, oder sagen wir mal, zuviel Vorschriften. Immer, wenn ich mir ueberlege, warum es in Deutschland so ungleich viel schwieriger ist, irgendwie selbst Geld zum Leben zu verdienen, faellt mir ein, wie ueberregelementiert gerade das Geldverdienen im kleinen Rahmen ist.
Da jedoch wird eng kontrolliert.
h.yuren schrieb am 21.03.2010 um 08:53
schon um 6 oder noch um 6 in der community, alien?
hier hängen die wolken schwer überm land und regnen, regnen und lassen nur wenig licht durch.
etwas für frühjahrsmüde.

liebe alien, recht hast du, dass mehr als bloß irgendwo ein paar paragraphenreiter am werk sind wie dunnemals. meist an stellen, die nur ärgern und lästig sind, nicht aber beim u-bahn-bau, wo viel auf dem spiel steht.
die kleinkarierten sind nicht kleinzukriegen. das ist wahr. ändert aber nichts an der tatsache, dass die neuralgischen punkte vergessen werden oder bewusst ausgeblendet bleiben wie etwa die regierungstätigkeit, die lediglich durch das höchste gericht mal geärgert werden kann, wie jetzt bei der datenspeicherung. über den kabinettsentscheidungen (von geldes gnaden) ist die luft sehr dünn, praktisch herrschaftlich.
Alien59 schrieb am 21.03.2010 um 11:34
Immer bedenken, dass es bei mir ja schon 7 Uhr ist, wenn sie bei dir auf der 6 steht :-) - und ich bin Fruehaufsteherin, derzeit meist um 5 h Ortszeit auf den Beinen.
Wetter: kuehl (morgens vielleicht 12 Grad), aber schoen sonnig.

Tja, wer kontrolliert im Grossen? Ich denke, wenn die Frage eindeutiger beantwortbar waere, wuerde das auch der zunehmenden Wahlmuedigkeit - die ja schon bis hin zur Demokratiemuedigkeit geht - helfen. Aber ist es vielleicht auch der Mangel an Alternativen im Allgemeinen?
Zu Zeiten der Monarchie gab es die Demokratie als Ziel fuer die einen und Schreckgespenst fuer die anderen. Eine solch klassische, auch leicht verstaendliche Gegenloesung ist heute ja nicht mehr im Angebot.
Und dann lese ich Umfragen, dass einer hohen Prozentzahl die Freiheit egal waere, gaebe es nur Sicherheit ....
Wer ist noch bereit, auf Kosten seiner eigenen Sicherheit (der materiellen) zu kaempfen?
h.yuren schrieb am 22.03.2010 um 20:38
dann ist es bei dir ja noch finster, wenn du frühaufsteherin den tag beginnst, alien.
knappe 12 grad gibts hier heute mittag.

wer ist noch bereit zu kämpfen?
diejenigen, die nichts zu verlieren haben und/oder viel zu gewinnen hoffen.
aber wenn du sagst, eine alternative zur bekannten herrschaft sei nicht im angebot, hast du ein bisschen recht. die leute, die sich z.b. fürs weltsozialforum engagieren, sehen das wahrscheinlich anders.
in wirklichkeit befinden wir uns im kampf ums überleben der menschheit. nur wollen viele das nicht wahrhaben oder haben schlicht einen zu engen horizont. es steht nicht gut für die chancen der menschen, den kampf zu gewinnen. zu viele alarmlämpchen funkeln rot.
die betonung der sicherheitsfragen ist angesichts der dunklen aussichten nur zu verständlich.
Alien59 schrieb am 23.03.2010 um 05:30
Finster nicht mehr, aber da das erste Gebet vor Sonnenaufgang stattfindet, habe ich immer das Vergnügen, der Sonne beim Augenreiben zuzugucken ;-) .

Ich denke, ein großer Teil der Menschen ist - grade heute - mit dem Überleben, mit dem nächsten Tag, in Deutschland vielleicht mit dem nächsten Jahr beschäftigt. Das ist für die Herrschenden natürlich sehr praktisch. Aber ich kann es den Menschen auch nicht verdenken - gerade in Deutschland, wer rechnen muss, kauft nicht Bio.
h.yuren schrieb am 23.03.2010 um 10:40
liebe alien, das war mir nicht klar, dass die gläubigen im islam ihr erstes gebet vor sonnenaufgang sprechen.
das vergnügen, der sonne beim bettentsteigen zuzusehen, kenne und schätze ich auch.
die herrschenden haben es noch ein paar tage leicht, ja. aber dann wird es anders.
rechnen muss fast jede/r, bio kaufen will trotzdem nicht jede/r, weil anderes vorrang hat (von den ärmsten angesehen).
born2bmild schrieb am 21.03.2010 um 08:38
Otto Normalbürger und Frau Mustermann wird fortwährend kontrolliert. Kameras allerorten.
Lasche Kontrolle von Unternehmen wird hingegen bewusst als 'Wirtschaftsförderung' eingesetzt. In den meisten Fällen werden deren Steuererklärungen ohne weitere Nachprüfungen 'durchgewunken'. Und Steuerprüfer, die ihre Arbeit ernst nehmen, werden gar mit psychiatrischen Gefälligkeitsgutachten 'freigesetzt', siehe Hessen.

"Die Steuererklärungen werden häufig nur noch im Schnellverfahren bearbeitet. Den Bearbeitern bleibt nichts anderes übrig, als die Angaben ganz überwiegend zu übernehmen und „abzuhaken“.
Der Bundesrechnungshof ist der Auffassung, dass der gesetzmäßige und gleichmäßige Vollzug derSteuergesetze nicht mehr gewährleistet ist."

(Der Präsident des Bundesrechnungshofes
als Bundesbeauftragter für Wirtschaftlichkeit
in der Verwaltung
Bonn, den 3. August 2006)
h.yuren schrieb am 21.03.2010 um 09:06
so ist es, born2bmild. wo es um die cents geht, wird oft auf zehntel cent genau gerechnet nach vorschrift, wo es um milliarden euro geht, darfs auch schon mal etwas mehr sein.
herrschaft, gleich welcher sorte, verbittet sich möglichst jegliche kontrolle. die frage ist nur, wer hierzulande die größte macht ausübt, der verschlankte staat (der sich wehrt gegen die schlankheitskur) oder die geldtürme in den größten städten.
Carl Gibson schrieb am 21.03.2010 um 15:30
Lenin wird auch das "Lernt, lernt, lernt!" nachgsagt, das gerade heute bedeuten könnte:
Denkt nach, seid wachsam, schaut hin, analysiert, prüft was der Staat in der Überwachungsgesellschaft so mit euch macht.

Was denke ich, wenn ich über die Autobahn fahre?
"Freie Fahrt für freie Bürger" ... in die Überwachungsgesellschaft?

Was ist in den Mautkästchen dor oben ... noch?
Welcher große Bruder verfolgt uns auf der Autobahn,
auf der Daten-Autobahn?
Wer kontrolliert uns auf der Datenautobahn im Netz, beim Telefonieren?

Freie Fahrt - das genießen heute nur die Verbrecher, EU-weit.

Die Kontrolle des Staates aber versagt gerade dort, wo sie angesagt gewesen wäre:
Die BAFIN schlief, als "Bangster" sich hier breit machten und den Ahnungslosen Derivate und Schrottpapiere andrehten, als Steuer-Gelder an ein insolventes Unternehmen (Lehmann Brothers) überwiesen wurde ... in ein Schwarzes Loch.

Cui bono? Wer haftet?
Wer kontrolliert die Politiker und Lobbyisten, wenn sie auch künftig die Türöffner spielen?
Carl Gibson
h.yuren schrieb am 22.03.2010 um 20:20
und der gipfel der kontrolle der bankster, lieber carl, ist die belohnung des versagens (durch den staat im namen des volkes).
bundesrechnungshof und landesrechnungshöfe sind dekorative einrichtungen, die bezahlt werden, nicht aber gehört. was hat sich wer dabei nur gedacht, als die nachrechner installiert wurden?

was die überwachungsapparaturen betrifft, die technik, die es gibt, wird auch gebraucht. aber versetz dich mal für 1 sekunde in die rolle der verwalter und verweser: würdest du keinen gebrauch machen von geräten, die dir mehr macht versprechen?
und um macht gehts doch vor allem.
wie viele besoffene sich und andere totfahren, ist dagegen nebensächlich.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 22.03.2010 um 21:09
Kontrolle ist schwierig, laissez faire leichter.
Deshalb eben Freie Fahrt für unkontrollierbare Bürger und Lebensmittelkontrolle für gewissenlose und/oder arme Allesessenmüsser.
h.yuren schrieb am 22.03.2010 um 22:03
und über allem leuchtet hell der heiligenschein des freien marktes, lieber rainer.
wenig bis keine fraternité, wenig bis keine égalité, aber frisch-fromm-fröhlich viel freiheit ...
Alien59 schrieb am 23.03.2010 um 05:26
Freiheit ... da könnte man jetzt schon wieder den nächsten Text schreiben. Für wen, wovon, wofür?
h.yuren schrieb am 23.03.2010 um 10:29
liebe alien, was willst du über die freiheit lange schreiben?
für die hemdsärmeligen mit den stabilen ellenbogen, von der kontrolle durch vernunft und gewissen, for making money and having fun.
h.yuren
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