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die wortgeschichte oder etymologie ist auch nicht einfacher zugänglich als andere fakten, die herkunft betreffend. aber sie ist weniger umlagert und umkämpft von mächtigen interessenverbänden. darum erlaubt sie oft bemerkemswerte durchblicke.

ein beispiel sei das gebräuchliche adjektiv kaputt. es ist sehr produktiv in einer großen wortfamilie, die jede/r kennt: kaputtarbeiten, kaputtdrücken, kaputtfahren, kaputtgehen, kaputthauen, kaputtkriegen, kaputtlachen usw. zurückgeführt wird das wort auf das französische capot, das vor etwa 400 jahren ins deutsche übernommen wurde.

anfangs hatte es im französischen den bug oder kopf eines schiffs bezeichnet. daraus entstand das verb capoter (= kentern). kartenspieler griffen das bild des sinkenden schiffs auf und nutzten es für ihre zwecke. die wendungen faire/ etre capot waren auf den spieler gemünzt, der unterging, keinen stich hatte, verlor. im 30jährigen krieg, im neudeutsch sogenannten ernstfall, hatte man reichlich gelegenheit vom "capot machen" zu reden, das heißt, vom erschlagen.

das deutsche adjektiv gleicht dem altrömischen ursprungswort caput mehr als das französische vorbild capot, dessen -t nicht ausgesprochen wird, aber wenigstens im schriftbild die verbindung zum lateinischen vorwort hält. die urbedeutung kopf, haupt war längst vergessen, aber im bug oder kopf des schiffs noch lebendig.

nun ist unleugbar, dass aus derselben wurzel und wiederum durch freundliche vermittlung frankreichs auch im 17. jahrhundert die lemmata kapital und kapitalist ins deutsche kamen. bis zum 'kapitalismus' dauerte es dann noch 200 jahre. das geld wurde zur hauptsache.

in der wendung "sich den kopf zerbrechen" treffen beide elemente, kopf und kaputt, zusammen. über den inneren zusammenhang von kapitalismus und kaputt muss sich heute niemand den kopf zerbrechen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.