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die ferienhaussiedlung von gut hundert einheiten wurde von anfang an mit fllüssiggas durch das leitungsnetz zentral versorgt. eine sauber geplante lösung.
vor 30 jahren war kaum die hälfte der parzellen bebaut. nur holzhütten, die pioniere hatten sie noch selbst errichtet.

im laufe der jahre und jahrzehnte wechselte der gasanbieter mehrmals, aber die preise blieben stabil auf dem weg nach oben. bis jemand, inzwischen dauersiedler mit erstem wohnsitz, die verträge untersuchte mit dem ergebnis: er war gar nicht mehr an die zwangsabnahme des flüssiggases gebunden.
und bald blinkten die metallischblanken schornsteine der neu installierten holzöfen über so manchem dach. nicht stets zur reinen freude der nachbarn, die je nach windrichtung und feuerungstechnik im rauchfang hängen. in einem gerichtsverfahren wurde das rauchrecht ausdrücklich bestätigt, was den geräucherten zur aufgabe und zum verkauf seiner hütte veranlasste.

ein anderer wochenendhausbesitzer errechnete einen erklecklichen vorteil in der separaten gasversorgung und pflanzte konsequent den ersten bombigen gasbehälter in seinem garten. auch diese methode der selbständigen energieversorgung fand viele nachahmer. mittlerweile gibt es im gesamten ferienhausgebiet etwa 50% hausnahe flüssiggasballons und etwa ein drittel der häuser mit silberglänzenden schornsteinen der holzfeuerer.

der zentrale gasanbieter sah seine felle schwimmen, sann auf rettung des geschäfts und versprach eine preiswertere versorgung mit erdgas. doch dafür ist ein komplett neues leitungsnetz erforderlich.
die aussicht auf die kosten und die erdarbeiten für das günstige erdgasangebot lockte wenige. die folge ist vielmehr der verstärkte ausbau der separat neben den häusern aufgestellten gasbehälter. die hellgrün lackierten bollen blühen in immer mehr gärten. und immer öfter quälen sich die großen lieferwagen mit den 25000-liter-tanks durch die engpässe der siedlung.

die planung der entwickler dieser ferienhaussiedlung war perfekt, was die zentrale versorgung mit flüssiggas betrifft. die fehlende kontrolle der gaspreise durch eine übergeordnete stelle hat aus der guten idee eine schlechte realität entstehen lassen. die versammelt qualmenden holzkamine und die separate gasversorgung per lkw kann nicht wirtschaftlicher sein als das vorhandene leitungsnetz, schon gar nicht ökologischer.
ich erhebe keinen anspruch auf prophetische gaben, wenn ich voraussage, dass die erdgasanlage nicht gebaut werden wird, die private energieversorgung aber schon bald 100% erreicht.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.