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es ist keine neue erkenntnis, dass die ökologie eine relativ neue naturwissenschaft ist, deren erkenntnisse politisches gewicht haben. aber erst seit den jüngsten umfragen und wahlergebnissen wird auch den letzten klar, was das bedeutet: die partei bündnis 90/ die grünen, die einzige partei bis dato hierzulande mit einem hauptsächlich ökologischen programm gewinnt von wahl zu wahl deutlich hinzu. vorläufiger höhepunkt: die anstehende koalition mit grünem ministerpräsidenten in baden-württemberg.
alle welt glaubt zu wissen, was der grund für das wahlergebnis im wirtschaftlich starken flächenstaat war: der schock der atomkatastrophe in japan, der die "Atomkraft? - Nein, danke!"-partei nach oben katapultierte.
auf den ersten blick stimmt der schlichte befund. in wahrheit ist aber etwas mehr im spiel. wie bei der gebirgsbildung, die, gemessen an einem menschenleben, sehr langsam und unbemerkt geschieht, bis ein starkes erdbeben auf den prozess aufmerksam macht, haben die grünen in drei jahrzehnten ganz allmählich an boden gewonnen, nun aber durch die schockwellen aus japan sprunghaft zulegen können.
bündnis 90/ die grünen ist die einzige partei, die im wesentlichen auf einer naturwissenschaft basiert. die ökologie hat hier die funktion, die in anderen parteien die ideologie oder religion hat. ökologisches denken und handeln bestimmt bei stets mehr menschen in gegenwart und zukunft alle lebensbereiche wie früher die religion. von der ernährung bis zur außenpolitik.
den parteipolitischen dolmetschern zwischen umweltwissenschaft und parlament ist viel glück und erfolg zu wünschen im interesse von mensch und erde. den realos kann und muss es gelingen, ein gremium aus hervorragenden ökologen zu konstituieren, das ein korrektiv und beratungsorgan darstellt zur knochenarbeit im politischen alltagsgeschäft. keine andere partei könnte das leisten. die ethikkommission von frau merkel ist nur eine karikatur dazu.
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>>bündnis 90/ die grünen ist die einzige partei, die im wesentlichen auf einer naturwissenschaft basiert.<<
Das halte ich aber für ein Gerücht. Die Grüne Partei, wie sie heute ist, basiert wesentlich auf einer anderen "Wissenschaft": Der Betriebswirschaft ihrer Lobbyisten. Ich habe die Gründungzeit miterlebt. Es gab damals tatsächlich einen Teil der Günder, die sich naturwissenschaftlichen Erkenntnissen verpflichtet fühlten und diese in ein gesellschaftliches Konzept, "ökosozial" genannt, einzuarbeiten. Gerade diesen Teil hat die Grünpartei entsorgt. Es begann in der Zeit, als Josef Fischer hessischer Umweltminister war. Die Grüne Partei erhielt erstmals eine 50 000-DM-Spende vom Verdand der chemischen Industrie. Fischer wurde gegenüber den Farbwerken Höchst, die er bei Amtsantritt noch zur Einhaltung damals gültiger Umweltstandards zwingen wollet, ganz weich und schmusig und die Entwicklung zur handelsüblichen Lobbypartei nahm ihren Lauf... Die Regierungszeit von 1998 - 2005 zeigte die Qualitäten der Grünen: Zum Beispiel ein "Atomausstiegsgesetz" mit der eingebauten Hintertür zur Laufzeitverlängerung. 1998 erschien ein Buch, indem die Umwelt- und Gesundheitsschäden (z.B. durch Lärm, Abgase & Feinstaub in Wohngebieten) durch den Strassenverkehr als gesellschaftliche Kosten beschrieben wurden. Es wurde auch gesagt, wie hoch eine Treibstoffsteuer nach dem Verursacherprinzip bemessen sein müsste: In der Schweiz, wo das Buch erschienen war, hätte das einen Benzinpreis von 4 Franken bedeutet. Eine Diskussion darüber lief in der Grünpartei nur sehr kurz: 1998 war ein Wahljahr und der Parteivorstand befahl kurz & knackig: "Aus wahltaktischen Gründen und wg. Koalition mit Autoschröder kein Thema". Sogar die damalige Bundesumweltministerin, eine Naturwissenschaftlerin, war mutiger. Sie sagte öffentlich: "Eigentlich ist das ja vernünftig". Erst als Wolfgang Schäuble ihr den Maulkorb umhängte, aus den gleichen Gründen wie der Grünvorstand, schwieg sie still. Ein wahltaktisch agierender Lobbyverein im grünen Mäntelchen? Nein danke? --- Ein ökosoziales Gesellschaftskonzept gibt es wieder, denn wieder existiert eine lobbyunabhängige Partei. Die hat nach Mainstreammeinung den gleichen Makel wie vor 30 Jahren die Grünen: "Die diskutieren zuviel und sie haben keine professionelle Werbeagentur!". Damit setzt sich der brave Bürger also nicht auseinander. Besser wählt er, wie damals die FDP, heute die Grünen. Die FDP hatte auch mal ein paar Umweltfloskeln im Programm. Noch vor der Gründung der Grünen übrigens. |
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liebe claudia, danke für die kritische erwiderung.
für mich war der knick der partei fischers eintritt in den krieg. bomben sind alles andere als ökologisch. aber fischer war ja auch ein flexibler realo. als minister dann ein staatsmann mit internationalem renommee... fischer war genauso ökologisch wie schröder sozial. lassen wir das. spätestens, als die grünen bei 10% angelangt waren, gehörten sie zum establishment. klar. mir geht es um das ökologische gewissen bei vielen, nein, den allermeisten grünen, die mir begegnet sind. die paar leutchen in regierungswürden können wir abhaken. denn nach einem wenig bekannten gesetz der parteistruktur sind die mitglieder an der basis meist auf der linie des programms, mit aufsteigender treppe in der hierarchie herrscht das persönliche machtstreben vor und taktieren. das ist bei der spd nicht anders als bei den grünen. das image der partei ist aber bestimmt vom widerstand gegen umweltzerstörung. darum flüchten so viele wähler/innen zur ökopartei, wenn es mal wieder so richtig kracht im gebälk wie jetzt in fukushima. etwas mehr als umweltfloskeln gibt es bei den grünen schon. kein vergleich mit der fdp. dass ich mir ein gremium fundamentaler ökologen wünsche, hat sicher gründe. |
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schrieb am
12.04.2011 um 11:18
lieber h.yuren,
>>das image der partei ist aber bestimmt vom widerstand gegen umweltzerstörung.<< Das Image ja. Die Grünen sind in einer komfortablen Situation: Sie haben das Bioladen/Windkraft- Image und können das Hartz4/Kriegs - Image der SPD überlassen. Dass Kapitalismus, Armut, Krieg und Umweltzerstörung durch uneffizienten Umgang mit Energie und Rohstoffen Synonyme sind, kann man innerhalb des "Grünseins" gut ausblenden. Eine Integration in die Natur unseres Planeten ist nicht erreicht, wenn ein paar Besserverdiende mit ihrem Benzinkocher Einkaufsfahrten zum Biobauern unternehmen und Windpark-Anteile kaufen. Da schliesse ich mich doch lieber einer Richtung an, die ein gesamtökonmisches Konzept als ferneres Ziel diskutiert: Wenn unsere Arbeitskraft nicht mehr von Käufern der AK als renditemaximiernder Faktor missbraucht werden kann wenn wir dazu kommen, dass wir gebrauchswert- und nicht wachstumsorientiert wirtschaften, dann können wir erstmals ein ökonomisches Konzept entwickeln, das Umwelt- und Lebensfreudekompatibel ist. Das würde heissen, dass man nicht mehr mit "Image" die Realität verschleiern müssten. sondern an der Realität selber arbeiten könnte. Das Image der Grünen zehrt noch von der Zeit, als Leute wie Jutta Dithfurt dabei waren und es ernst meinten. Das ist aber lange her... |
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Die "grünen Realos" erzeugen entweder massenhaft Raps- oder Maisfelder. Leider Gottseidank wächst hier kein Rohrzucker.
Ich fürchte Realos, sie haben keine Visionen. |
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lieber luggi, deine furcht verstehe ich und teile sie.
mein vorschlag eines seriösen gremiums zur kontrolle der taktischen winkelzüge in der realpolitik kommt nicht von ungefähr. der parteienstaat ist ja unabhängig von der farbe ein betrieb ohne glaubwürdigkeit. dies wort macht nun dauernd die runde. der apparat der sog. volksgruppierungen wie volkskirche und volkspartei hat sich noch nie nett verhalten. glaubwürdig ist daran nix. auch ich tanke kein e 10. mit mais habe ich nichts am hut. aber rapsöl ist mein wichtigstes küchenfett. |
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schrieb am
12.04.2011 um 11:41
In der Küche ist Rapsöl ok, ich verwende es auch... :-)
E10 oder Benzin ohne E brauche ich nicht. Mein Fahrrad fährt tatsächlich mit Rapsöl, wenn ich zuvor welches verspeist habe. Meine Monatskarte fährt weitgehend mit Elektronenergie, und das sehr effizient. Das System ist ausbaufähig, und zwar sofort. Dabei kommt es natürlich trotzdem darauf an, wie der Strom erzeugt wird. Aber ein Schienensystem ist eben auf zwei Arten energieeffizient: Einmal durch die geringe Reibung, mit der mehr Energie ín Bewegung umgesetzt werden kann, zum Anderen durch Stromabgabe ins Netz beim Bremsen. Dazu gab es schon mal eine Diskussion: www.freitag.de/wissen/1044-der-halbierte-b-rgersteig?searchterm=der+halbierte+B%C3%BCrgersteig Und damit kommen wir zu Expertengremien: Wissen ist verfügbar, Techniken für energeieffizienten Verkehr und Transport sind verfügbar, das Wissen über überflüssige Transporte ist verfügbar, Techniken für Rohstoffkreisläufe sind verfügbar, auch Gerätetechnisch kann der Verbrauch umgehend gesenkt werden. Wir wissen auch sehr gut, wie viele Produkte haltbarer hergestellt werden können, sodass der Verbrauch an Energie und Rohstoffen für dei Neuproduktion drastisch gesenkt werden kann. Aber solange wir dem Arbeitsziel "Kapitalrenditewachstum" die absolute Macht über unser Leben einräumen: Dann liegt das Wissen brach. Ob mit oder ohne Expertengremien... |
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liebe claudia, es fällt mir nicht schwer, dir in allen punkten zuzustimmen. es ist aber verdammt schwer, die trägheit der masse zu überwinden. die eigene trägheit und dann die aller anderen. wo anfangen?
natürlich bei mir selbst. nutze sonne und regenwasser. demnächst auch die windenergie. bin seit jahrzehnten vegetarier. gönne mir allerdings den luxus, draußen zu wohnen - mit auto. (straßenbahn oder buslinien werden hier erst greifen, wenn die menschheit bei 12 milliarden köpfen angekommen ist.) hier liegt ein buch mit dem schönen titel "Gemeinwohl-Ökonomie", untertitel "Das Wirtschaftsmodell der Zukunft". vom österreichischen autor Christian Felber. kennst du den und das? du hast recht, theoretisch sind "wir" möglicherweise schon sehr weit fortgeschritten, praktisch haperts. |
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schrieb am
14.04.2011 um 07:32
Ich meine, lieber h.yuren, es bleibt nichts Anderes übrig, als gegen die alltägliche Debilisierung anzugehen.
Ist hoher Materialverbrauch per Wegwerfschrott wirklich "Lebensqualität"? Oder kann Lebenzufriedenheit und Lebensfreude auf andere Weise in höherem Masse erreicht werden? Wenn die Industrie mit dem von mir immer wieder als Beispiel angeführten "Ein/Ausschalter", der nicht nicht wirklich ausschaltet, einen Extraprofit generiert, dann den Leuten sagt: "Ja ihr wollt doch so viel Strom verbrauchen" und das gedankenlos nachgeplappert wird, ohne sich mal über ein paar technische Zusammenhänge zu informieren: Warum lassen wir uns so gnadenlos verarschen? Warum lassen wir uns ohne jeden eigenen Willen von einer suggestiven Produktwerbung einreden, dass für uns das Beste sei, was die höchste Kapitalrendite einbringt? Warum wehren wir uns nicht dagegen, dass unsere Arbeitskraft, von deren Verkauf wir leben müssen, von Käufern der Arbeitskraft gegen unsere Interessen benutzt wird? Es gibt viele Fragen, die gestellt werden müssen. Als steter Tropfen, der den Stein höhlt. Überall, bei jeder Gelegenheit. |
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liebe claudia, wie wahr: "Es gibt viele Fragen, die gestellt werden müssen."
zum beispiel diese: wen meinst du, wenn du schreibst, dass "wir" uns verarschen lassen, dass "wir" uns nicht wehren, dass "wir" uns was einreden lassen? in dem berühmten bericht an den club of rome über die lage der menschheit und "Die Grenzen des Wachstums" gibt es eine grafik, die zeigt, wie wenig menschen global über den tag hinaus denken und über den engen eigenen horizont hinaus. wenn ich mich einigermaßen richtig erinnere, sind das mehr als 90%. und walter lippmann hat bereits 1922 den mündigen bürger als garanten der demokratischen gesellschaft zu grabe getragen in seiner schrift "Public Opinion". und wo sind "wir" in diesem planetarischen treiben? |
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schrieb am
15.04.2011 um 06:31
>>wen meinst du, wenn du schreibst, dass "wir" uns verarschen lassen, dass "wir" uns nicht wehren, dass "wir" uns was einreden lassen?<<
"wir" meine ich im Sinne von "wir sind das Volk". Wenn ich nämlich versuchen würde, einen Keil zwischen mich und meine Mituntertanen zu schieben, indem ich sage: "Ich, die Grosse Erleuchtete Claudia, folge nicht der Propaganda der Massenmedien und der INSM, sondern bevorzuge, den eigenen Kopf zu benützen. Ihr jedoch, ihr Schrumpfköpfe, ihr seid des Selberdenkens unfähig!!": Dann hätte ich auf den Montagsdemos nichts mehr verloren und müsste mich zum Sofarevoluzzer umschulen. |
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liebe GEC (=Große Erleuchtete Claudia), wenn ich jetzt am kommenden ostermontag mich an der demo gegen die atomkriminellen beteilige, bin ich mir darüber klar, dass bei entsprechend eindrucksvollem schwarm eine unbestimmbare menge von mitläufer/innen dabei ist. das stört mich aber nicht so sehr, wie das wissen, dass die verdrucksten und ahnungslosen abwesenden noch mehr sind.
z.b. die biedermänner, die sich in geschäften und banken weigern, ein plakat zur demo ins fenster zu hängen, weil das politisch ist (göthlinge: ein politisch, ein garstig lied). aber die ausreden sind auch sonst grimmig-amüsant. der sohn des apothekers ist fdp-mitglied. der mensch im kiosk murmelt gequält, da kämen jeden tag leute mit plakaten. und die leiterinnen anderer läden verweisen auf die ablehnung von ganz oben. herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun, ist mir der sympathischste spruch der christianer, der nichts von seiner aktualität verloren hat. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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