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Der ver.di-Erwerbslosen-Ausschuss veranstaltete am Dienstag eine Aktion vor der ARGE in Halle/S.: public viewing der Karlsruher Urteilsverkündung auf einem Akku-gespeisten Laptop. Ich durfte leider nicht hinunter, denn just zu diesem Zeitpunkt war ein wichtiges brainstorming zum Thema ’littering durch Jugendliche’ angesetzt. Das flache denglische Wort bezeichnet einen tiefen Sachverhalt, der weit mehr als das schlichte deutsche ’Vermüllung’ umfassen soll. Aber wir ABM-Forscher werden ihn schon noch ergründen. In der Mittagspause traf ich in „Teddys Backdiscounter“ zwei ver.di-Aktivisten bei der Auswertung ihres Protests. Neben dem harten Kern seien auch ARGE-Besucher und Passanten leicht ansprechbar und zu mobilisieren gewesen. Nur ein Presseecho würde es nicht geben: DuMont ignoriere konsequent alles auch nur entfernt kritische und BILD fahre gerade wieder eine Kampagne, irgendwas mit Neid und Wut. Nur das NKL-Radio Corax würde berichten, am Montag in 14 Tagen im Arbeitslosen-Magazin.

Am Rande wurde auch noch einmal mein kritischer Rundumschlag vom Wochenende angesprochen. Ein Gewerkschafter legte Wert auf die Feststellung, dass die Kolleginnen von der ARGE mit dem Begriff (Plural der Koseform von Tusnelda) nur unzureichend charakterisiert seien. Viele von ihnen kämen aus den Transfergesellschaften von Telekom, Post oder Bahn und ohne deren Sachverstand sei die Arbeit in der ver.di-Fachgruppe kaum vorstellbar. In jene Transfergesellschaften seien seinerzeit die Jüngsten und Rangniedrigsten gekommen, die gerade noch Kündigungsschutz erlangt hatten. Scherzhaft gestehe ich zu, dass die ver.di-Mitglieder unter den ARGE-Damen keine (Plural der Koseform von Tusnelda) seien. Die GewerkschafterInnen reagierten eher humorlos, empfahlen mir zur Weiterbildung die Corax-Sendung „No Job FM“ am Montag, dem 22.2. um 19.00 Uhr auf UKW 95,9 MHz im Raum Halle und als Stream im Internet.

Am endlos langen Nachmittag in der „Maßnahme“ schreckte mich dann ein unangenehmer Signalton aus meinem Dämmerzustand auf. Ich hatte versäumt, das Netbook zu Hause aufzuladen, war nun ganz ohne elektronisches Hilfsmittel. Aber ein gutes Buch hilft, die Zeit bis zum Feierabend durchzustehen. Ein heißer Tipp von meiner ganz persönlichen Gewerkschaftssekretärin: Stanislaw Ossowski. Klassenstruktur im sozialen Bewusstsein.

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