"Der tschechische Energiekonzern ČEZ ist offenbar zum Verkauf seiner 50%igen Beteiligung an der deutschen Bergbaugesellschaft Mibrag bereit", meldet das Nachrichten-Portal nov-ost.info . Der angekündigte Ausstieg des tschechischen Braunkohle- und Atomkraft-Monopolisten könnte mindestens zweierlei bedeuten:
1. Das neue europäische Verbandsklagerecht wirkt bereits abschreckend.
2. Die Tschechen wollen ihre Mibrag-Anteile an einen energiepolitischen Hardliner wie Eon oder Vattenfall weiterreichen, der im Windschatten des Merkelschen Atomausstiegs zügig neue Braunkohlegruben in den "armen Bundesländern" aufschließt.
Das beträfe Lübtheen (Meck.-Pomm.), Lützen (Sa.-An.) und eine unbekannte Anzahl von Grubenerweiterungen in Sachsen. In Sachsen wurde bereits das teilweise Abbaggern des Dörfchens Kieritzsch genehmigt und auch die neue Sachsen-Anhaltinische Wirtschaftministerin Birgitta Wolff (CDU) will "die Bevölkerung für ein neues Braunkohle-Kraftwerk gewinnen." Die drei alten Kraftwerke im Süden Sachsen-Anhalts haben wirklich einen eher miesen Wirkungsgrad - das Problem ist, dass der Kraftwerks-Neubau nur zusammen mit einem Tagebau-Neuaufschluss bei Lützen erfolgen soll. Während DuMonts Mitteldeutliche Zeitung Birgitta Wolff und ihre Positionen in extrem schleimigen Artikeln hochschreiben lässt, ist die Lokalpolitik im südlichen Sachsen-Anhalt da skeptischer.
"Ja die Gitta, wenn sie doch nur mal zum Friseur gehen würde", kommentierte ein schwergewichtiger CDU-Grande im Halleforum. 2012 ist in Halle/S. OB-Wahl und die bürgerliche Nomenklatura möchte endlich die "Vereinigung von Stammtisch und Müslischälchen" hinbekommen. Da wäre eine Diskussion über drohende großflächige Naturzerstörungen in idyllischen Nachbar-Landkreisen eher kontraproduktiv. Und vielleicht sollte "die Gitta" wirklich mal zum Friseur gehen, um sich den strukturkonservativen Kopf durchlüften zu lassen?
Politik : Wenn sie doch nur mal zum Friseur gehen würde
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community.
Ihre Freitag-Redaktion
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.