Harm

Piratenbraut

29.10.2011 | 18:24

Occupy the World: Eine ganz einfache und simple Forderung ...

Seit Tagen beklagen sich die Medien darüber, dass eine klare Forderung fehlen würde. Diese Klage halte ich für ein Störfeuer der Lobbyisten, da die Kernforderung sehr vielstimmig und auch ziemlich deutlich kommuniziert wird.

"TUT ETWAS!!!"

Für manche Demonstranten sind die heutigen Regierungen weltweit nur noch der Übergang zu einem neuen, demokratischeren System. Für andere Demonstranten soll die Regierung eigentlich nur das wieder gut machen, was in den vergangenen Jahrzehnten massiv falsch gemacht wurde.

Wenn man unter all den Forderungen einen Querschnitt zieht und eine Kernforderung daraus formuliert, ist sie ganz simple: Liebe Regierungen, tut etwas gegen diesen Wahnsinn! Uns ist egal, ob ihr vor 2008 schon mitregiert habt oder nicht. Uns ist egal, wie und wodurch diese absurden Finanzspielregeln durchgesetzt wurden. Uns eint nur eines: Wir wollen das die Demokratie wieder ihre Macht zurückholt und die Finanzmärkte reguliert.

Klarere Forderungen sind dabei unwichtig, weil eine weltweit vernetzte Bewegung natürlich nicht mit einer klar formulierten Forderung an den Start gehen kann. Jedes Land hat andere Fehler gemacht. Jedes Land muss auf eigene Weise wieder aus dieser korrupten, gierigen Glücksspielhölle hinausfinden. Da gibt es keine einheitliche Betty-Ford-Klinik für die Spekulationssüchtigen. Jedes Land muss eigene Schritte in die Wege leiten, um sich das Geld zurückzuholen. Warum soll ausgerechnet die große Mehrheit der Bevölkerung darauf einstimmige Lösungsansätze anbieten. Wir wissen doch nicht einmal genau, wie und warum wir in erster Linie dieses absurde, ehemals "alternativlose" System so verkommen lassen haben!

Der Protest muss keine Lösungen anbieten. Der Protest sagt nur: "Genug ist genug!"

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 29.10.2011 um 18:54
"Genug ist genug!"

aber jetzt, wo schon mal "alternativ" die HRE-Bank verstaatlicht wurde, gehts doch erst richtig los: 55,5 Milliarden Euro mal eben!

und zwar von richtigen ehrlichen Staatsbeamten. Bin schon gespannt auf die neuen Ausreden.
canguilhem schrieb am 30.10.2011 um 08:44
Wenn Protest keine Lösungen anbieten muss, dann muss er mit der Lösung zufrieden sein, die ihm vorgesetzt, vorgekaut, vorgegaukelt wird.
Harm schrieb am 30.10.2011 um 16:15
Und wenn Protest Lösungsvorschläge liefern müsste, dann haben wir bald keine 99% Bewegung mehr, sondern ganz viele kleine unter 15% Bewegungen.

Jeder der "klare Forderungen" fordert, hat diesen globalen Protest noch nicht verstanden und provoziert dessen Spaltung.

Die Stärke der Occupy-Bewegung liegt darin, dass die Menschen weltweit genug haben. Wie soll eine globale Bewegung nun Lösungen fordern, die für Deutschland und für ein "Entwicklungsland" gleichermassen sinnvoll sein sollen?

Obwohl die Proteste weltweit den selben Grund haben, kann man nicht sagen, dass jedes Land die selben Schritte gehen muss. Insgesamt muss die Korruption bekämpft werden. In allen Ländern. Nur in westlichen Ländern müsste man dafür erst ein paar Gesetze/-slücken entfernen, damit Korruption nicht mehr durch Gesetze umbenannt und legitimiert werden kann. Ein Problem, welches eher die "Rechtsstaaten" betrifft und weniger die Entwicklungsländer, wo die Korruption vermutlich insofern ehrlicher ist, dass sie nicht durch eine Umbenennung legalisiert wurde.

Insgesamt müssten die "Industrie-" und "NATO-" Staaten viel mehr tun, als es die anderen Länder müssten. Die anderen Länder brauchen unsere Revolution dringender, als wir die Occupy Bewegung brauchen. Immerhin haben wir diese Länder über Jahrzehnte industriell ausgebeutet oder drakonisch sanktioniert, wenn sie unser Monopoly-Spiel nicht mitmachen wollten.

Wenn ich mich aber nun mit einem Schild auf die Straße stelle und fordere: "G8 Staaten sollen die Banken entmachten und Reparationszahlungen an die Entwicklungsländer zahlen!" ... dann wäre die Bewegung sicher stark gespalten. Selbst die Demonstranten, die dem aus Vernunft theoretisch zustimmen würden, würden vielleicht wegen der eigenen Kinder/Situation diese Forderung schon nicht mehr mitgehen.

Warum sollte man also einen Protest zu kompliziert machen, wenn wir doch bereits alle das selbe fordern!?
Harm
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