21
]
Seit gestern macht im Netz - vor allem via Blogs und Twitter - das Duell JAKO vs. Trainer Baade die Runde. Ausgangspunkt des inzwischen zumindest aus der Warte des Netzbürgers als PR-Debakel für JAKO zu bezeichnenden Scharmützels war die aus Firmensicht etwas unfeine Auseinandersetzung des Blogs mit der Gestaltung des neuen Firmen-Logos. Dieses wurde qualititiv in die Nähe deutschlandweit bekannter Lebensmitteldiscounter gerückt.
Was folgte war ein Rechtsstreit, der in seiner Gänze hier nachzulesen ist. Das Ende des Lieds: eine Forderung über ca. 5000 € von JAKO gegenüber Frank Baade, dem Betreiber des Blogs. Dabei handelt es sich nicht um den ersten Fall einer Firma, die versucht, einen unliebsamen Blogger mit Kanonen zum mundtoten Spatzen zu machen. Das Paradebeispiel ist der gern zitierte Zwist zwischen Jens Weinreich und dem DFB, dessen Kosten von Weinreich nur durch einen zugegebenermaßen erfolgreichen Spendenaufruf aufgefangen werden konnten.
Diese "Kultur der Einschüchterung", wie sie Carta nennt, erstreckt sich aber nicht nur auf das Gebiet Sport, sondern ist per se beliebtes Mittel großer Firmen Interessen im Internet durchzusetzen. Ein anderes Beispiel ist das Ressort Musik und der teils schizophren anmutende Umgang mit Blogs, über den ich kürzlich schrieb.
Neben dem (hoffentlich) zum Scheitern verurteilten Versuch offensichtlich gängige Unternehmenspraktiken auf das Netz zu übertragen bleibt allerdings ein zweiter Eindruck: Das Netz selbst hat ein kleines wenig Macht, wenn es gemeinsam laut genug ins selbe Horn stößt. Zumindest JAKO fühlte sich durch den Sturm der Empörung, der durchs Netz fegte, so sehr auf Augenhöhe zurückgeholt, dass man vermeintlich über eine "gütliche Einigung" nachdenkt - was auch immer das heißen mag.
Einen faden Beigeschmak hat die Sache aber unabhängig vom Ausgang: zu schön gliedert sich JAKOs Verhalten in die Geschehnisse der letzten Monate ein, die der "Internet Community" mehr als deutlich zeigten, das alte Strukturen lieber noch ein bisschen rosten, bevor sich unsere Altvorderen zu der Erkenntnis durchringen können, dass Zukunft etwas ist, das man nicht mit allen Mitteln versuchen sollte zu verhindern. So sehr es auch schmerzt.
Update:
"Am Mittwoch versuchte die Firma dann, den Schaden einzudämmen. Sanguinettes Kollege Giuseppe D'Antuono kündigte gegenüber der SZ an, dass Baade in Kürze eine Erklärung veröffentlichen wolle. Der Fußballtrainer sagte jedoch, die Anwälte hätten ihn zu einer für Jako günstigen Meinungsäußerung überreden und ihm im Gegenzug die zweite Forderung über 5100 Euro erlassen wollen. Er aber wolle sich erst dann positiv im Internet äußern, wenn alle Forderungen fallengelassen würden." Aus der Sueddeutschen Zeitung (via Nerdcore)
Die Einschläge kommen näher. Oder wie diese neumodischen Tweaterer sagen würden: #fail.
Update 2:
„Wir haben uns rein rechtlich überhaupt nichts vorzuwerfen“, betont Rudi Sprügel, „aber rückblickend betrachtet, wäre es viel besser gewesen, wir hätten mit Herrn Baade persönlich Kontakt aufgenommen und die Sache mit ihm direkt geklärt.“
Sprügel kündigt an, er werde den Logo-Kritiker in die Firmenzentrale nach Mulfingen-Hollenbach einladen. Dabei werde man sehr gerne mit ihm über das neue Logo diskutieren und Baade könne sich ein eigenes Bild vom JAKO-Spirit und der Qualität der Produkte machen. Rudi Sprügel, der in jungen Jahren selbst in der zweiten deutschen Fußballliga spielte, will sich dafür einsetzen, dass Baade aus dieser Auseinandersetzung „keine finanziellen Nachteile erwachsen.“ Sprügel wörtlich: „Ich bin mir sicher, dass beide Seiten aus dieser unerfreulichen Geschichte gelernt haben.“ Pressemitteilung JAKO
Späte Einsicht ist vermeintlich besser als keine. Schön verpackt in PR-gerechte Sprache verdeutlicht aber unter vielen vor allem der Satz "Ohne die endgültige Klärung des Sachverhalts unter den Rechtsanwälten abzuwarten, alarmierte Baade daraufhin die Bloggerszene." ziemlich anschaulich, wo das Problem wirklich liegt: Das Unternehmen scheint sich mit den Gepflogenheiten der "Internet-Community" ebesno wenig auszukennen wie einige Bundesväter und -mütter.
Trotzdem ist alles noch mal glimpflich ausgegangen und beide Seiten haben "aus dieser unerfreulichen Geschichte gelernt": Die Blogger, dass sie potenzielles Freiwild sind und die Unternehmen, dass Jagdsport im Internet kein gutes Standing genießt. Bravo.
---
Eine das Thema betreffende Frage wird auch auf meinem Ziehkind, der Fußballarena, diskutiert.
|
|
das bedauernswerte an dieser vorstellung ist:
wieviel blogbeiträge und tweets braucht es um beim handelsblatt und spiegel online zu landen? 80 blogsbeiträge 600 tweets und bei all der empörung schwingt dann doch irgendwie durch, dass der hauptgrund für die empörung weniger die art und weise ist, wie trainer baade angegangen wird, sondern hauptsächlich das rechtsverständnis, dass er das internet nach zitaten zu durchsuchen habe, die dann rausgenommen gehören. es ist nicht das erste mal und es gibt wenige ausnahmen, dass die kraft des internets sich hauptsächlich dann entfaltet, wenn es gegen das große ganze zu gehen droht. das einzelschicksal, für das man durchaus auch kämpfen könnte und für dass der kampf sich lohnen würde, ist da immer nur die nebensache, nie der auslöser. in dem sinne wird das internet auch stark überschätzt, ist vom grunde her auch einfach nur menschlich und genauso altbacken verarbeitend wie die totgesagte zeitung. mfg mh |
|
|
Es geht eben um Skandale: man regt sich auf, weil man es will, nicht weil man mitfühlt. Und aufregen will man sich immer nur, wenn es groß genug ist, damit es sich auch lohnt. Das ist ganz normal.
Dass zwischen Weinreich und Baade jede Menge kleinerer Blogger/User vor die Hunde gegangen sind, ohne dass ein Hahn danach gekräht hat, ist doch völlig klar. Und dass das Internet überschätzt wird, eh. Es funktioniert eben immer nur dann, wenn es sich aufrafft oben erwähnten Skandal zu schaffen. Das ist ein klassischer Bild-Reflex. Nicht mehr, nicht weniger. Funktioniert hat es ja in diesem Fall aber trotzdem. LG JJK |
|
|
ich wollte eigentlich den schritt weitergehen und das empören selbst als empörend ansehen.
mfg mh |
|
|
Naja, es ist halt Bild-Zeitungs-Niveau. Allerdings fällt es mir persönlich schwer, es in diesem Fall als so furchtbar negativ anzusehen. Es ist überkandidelt, aber doch ok. Außerdem war es schon witzig zu sehen, was via Twitter passiert ist. Für mich war es jedenfalls höcht unterhaltsam.
LG JJK |
|
|
gegen den effekt kann man ja auch nicht wirklich was haben. nen pr-berater der ein logo als scheisse bezeichnet, würd ich ggf. auch nicht einstellen .. zu stilos im umgang. also da schadet er sich eh mehr selbst als er sich hilft.
wer sich über die empörung empört, könnte aber auch schon wieder weiter gehen wollen und über kanalisierung nachdenken. so viele positive und ungenutzte kraft.. die aussage mit der bild find ich interessant. ist das niveau wirklich soooo schlecht? und wenn du es unterhaltsam findest .. bist du dann ein potenzieller bild-leser? :D :P hrhr ich ghe jetzt. |
|
|
Naja, es gab einen Bot auf Twitter, der alle, die #JAKO benutzt haben, abgemahnt hat. Das war schon witzig. Ich denke @derfreitag hat das Ganze auch ein bisschen mit ausgelöst. Daher war ich amüsiert, als langsam die Wellen größer wurden. Und natürlich über den Quak, der da veranstaltet wurde.
Aber naja, Bild geht eher nicht. Maximal, wenn sie bei meinem Pizzamann in Kreuzberg ausliegt und ich auf Essensfertigstellung warten muss. Selbst da ist es BZ, wenn ich mich recht entsinne. Macht es auch nicht wirklich besser. Gruezi, JJK |
|
|
|
|
|
Inwiefern? Ich weiß jetzt wie er aussieht? ;)
|
|
|
ich glaub er spielt auf die unterpunkte pr-beratung etc. an. seh da so adhoc aber auch nichts verwerfliches.. naja, die nutzung von xing ist durchaus verwerflich.^^
mfg mh |
|
|
Die wenigsten dürften von der PR-Beratung etc. von Frank Baade gewußt haben.
|
|
|
Aber ist das in irgendeiner Form für den Fall relevant?
|
|
|
für mich liest sich das so, als ob der einfach mal alles reingepackt hat, was er machen könnte, wenn man ihn denn machen lassen würde ...
das sieht man auczh daran, dass sehr viel zusammengewürfelt ist und sich aus seinen interessen ergibt. er kann halt n bissl websiten basteln, also bietet er webdesign etc. mfg mh |
|
|
MH120480 bringt es gut auf den Punkt.
"nen pr-berater der ein logo als scheisse bezeichnet, würd ich ggf. auch nicht einstellen .. zu stilos im umgang. also da schadet er sich eh mehr selbst als er sich hilft." Auf alle Fälle ist durch die Welle der Bekanntheitsgrad von Frank Baade enorm in die Höhe geschnellt. Guerilla Marketing vom Feinsten würde Jay Conrad Levinson sicherlich dazu bemerken. Was den Sportartikelhersteller J. betrifft: Der wird vom Streisand Effekt im Netzt überrascht gewesen sein. |
|
|
Mag ja alles sein. Aber er hat sich sicherlich nicht beabsichtigt verklagen lassen. Insofern ist das ein schöner Nebenffekt für ihn persönlich, aber mehr eben auch nicht.
LG JJK |
|
|
ich glaube nicht, dass er davon wirklich vorteile hat und geplant hat er das in der form mE auch nicht.
mfg mh |
|
|
Am Ende gilt auch für Blogger, dass sie eine freie Meinungsäußerung genießen und man ihre Aussagen nicht irgendwie beschränken oder gar zensieren kann. Soweit ich das rekapituliere hat sich Trainer Baade nicht in verunglimpfender Art und Weise gegen JAKO gerichtet, sondern einfach nur für ihn treffende Vergleiche gezogen und das Logo in seiner eigenen (aber bekannten) Art besprochen.
JAKO hat eindeutig nicht beachtet, dass Trainer Baade einer der meistgelesenen Fußballblogger des Landes ist und er schon deshalb eine enorme Unterstützung und Solidarität erfahren würde. Ihn zudem wegen einem Newsaggregator abzumahnen ist eigentlich ein Unding. Für mich ist dieser Fall ein gutes Zeichen für alle Blogger, dass man halt nicht alles mit ihnen machen kann. JAKO wird drunter leiden müssen, diese schlechte Presse müssen sie erstmal wieder aus den Köpfen bekommen. |
|
|
einer der meistgelesenen ist "alles ausser sport", der den fall baade aufgriff. dieser selbst, hatte wohl allerhöchstens 505 leser oder so für seinen umstrittenen beitrag gehabt. und da sind die bots mit drin.
mfg mh |
|
|
Ich verfolge den Fall von Anfang an. Er liegt voll im "DeutschlandTrend" der Rechtsprechung und Entwicklung im Kampf gegen Blogger. Gerade nördliche braune Flecken, wie eine Stadt mit H, sind da führend.
Da hilft nur eins: Piratenpartei wählen. Guerilla-Umfrage: Piraten zweistellig bei Bundestagswahl |
|
|
also mal abgesehen davon, dass der baade n charakterschwein zu sein scheint, gibt es ja wohl nichts dämlicheres als öffentlich zu dokumentieren, dass man in nem vergleich positive äußerungen ausgehandelt hat.
mfg mh |
|
|
Selbst ohne Internet ist das vermutlich nicht wirklich schlau. Vor allem, wenn die Gegenseite noch nicht mal zugesagt hat, ergo dementieren kann. Mit 11ern scheint man sich bei JAKO auszukennen. ;)
LG JJK |
|
|
das war jetzt wieder irgend nen fussballwitz den ich nicht verstanden habe.
mfg mh |
Ausgabe 10/10
11.03.2010
keine Versandkosten
kein Aufpreis
Einzelpreis: 2.90 €
>> bestellen