Jakob Augstein

der Freitag

30.09.2009 | 20:13

Zukunft / Freitag / Bezahltes Internet

Heute in Hamburg.

Vortrag an der Hamburg Media School.

Die wollten, dass ich über cross medialen Journalismus rede. Gerne. Ich habe da ein Manuskript, das wandele ich immer ein bisschen ab. Aktualisiere die Zahlen. Wechsele die Beispiele aus. Der Tenor bleibt immer der selbe: Comunity ist neu und gut und wir machen das radikaler als alle anderen.

Das hat auch allen eingeleuchtet - auch wenn man diesen Hamburger Medienprofis nichgts vormachen muss. Die wissen auch, dass wir ein klitzekleiner Laden sind, eine kleine Jolle, wenn ich das mal als Segler sagen darf, für die ganz andere Segeltricks gelten, als für die großen Dickschiffe, mit denen die hier rumschippern.

Trotzdem: Die hören aufmerksam zu. Das ist gut für den Freitag.

 

Ich habe denen auch von meinem Plan erzählt, mit der Community das Gespräch über Bezahlte Inhalte aufzunehmen.

Das tue ich hiermit.

Ich will hier einen offenen Diskussionsraum einrichten. Der Rahmen ist einfach: Wir bieten hier eine Infrastruktur für Kommunikation zwischen Menschen. Lesern, Bloggern, Redakteuren. Das kostet Geld. Das wollen wir wiederhaben.

Wie?

Die Gedanken sind frei.

Der Ring ist eröffnet.

Ich habe dazu selber ein paar Ideen. Aber ich werde einen Teufel tun, die gleich am Anfang auf den Tisch zu packen.

Ich frage jetzt alle: Wie kommt im Netz die Kohle wieder rein?

Und freue mich auf den Sreit.

Dieses hier wird eine ongoing debate sein, hoffe ich.

 

JA

 

 

 

 

 
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Kommentare
Streifzug schrieb am 30.09.2009 um 20:24
Wie wäre es mit verkaufen? Allerdings müsste dann vorher noch mal die Rechtschreibung kontrolliert werden.
I.D.A. Liszt schrieb am 30.09.2009 um 21:33
An der Rechtschreipprüfung ahrbaitet die "Freitach"-Redakzion noch.

Dieß ist doch erst die Betta-Wersion. Unt dass auch erst seid Februahr. Allso Gedullt, main liber Schtraivzuck.

Mitt vräuntlichen Grüsen,
IhDehahLyßt
sport schrieb am 01.10.2009 um 19:26
streifzug,

aber an wen ? Gibt es positiv-verrückte Käufer ?
sport schrieb am 01.10.2009 um 22:51
Mit ein wenig Abstand zum obigen Beitrag von Jakob Augstein fällt mir doch der Artikel von Don Alphonso ein:

www.blogbar.de/archiv/2009/06/12/hinter-den-kulissen-der-freitag/

Es knirscht im Gebälk. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch ein Rückblick auf das Jakob Augstein Interview:

www.planet-interview.de/interview-jakob-augstein-16062009.html

"Welche wirtschaftlichen Erwägungen hat es gegeben, als Sie den Freitag übernommen haben?

Augstein: Ich habe mir die Zahlen angesehen und dann überlegt, was ich daraus machen kann. Rein wirtschaftlich betrachtet ist das hier das klassische Verlegermodell. Da ist jemand, der sein Geld in ein publizistisches Produkt investiert und der auch will, dass es wirtschaftlich funktioniert. Ich will mein Geld wieder haben und das muss sich auch irgendwie verzinsen. Wenn Sie es allerdings streng als ökonomische Geldanlage betrachten, da würde man anderswo wahrscheinlich mehr Return auf das Kapital bekommen. Sprich, wenn Sie David Montgomery sind und 20 Prozent wollen, dann sind Sie beim Freitag falsch.

Ist man dann generell im Journalismus falsch?

Augstein: Das weiß ich nicht. Bei der Art von Journalismus, an der ich interessiert bin, sicherlich. Natürlich kann man auch Presseprodukte machen, die 20 Prozent abwerfen, aber das ist nicht mein Beruf, davon verstehe ich nichts.
Wobei auch hier die Lichter ausgehen, wenn wir kein Geld verdienen. Das ist in der momentanen Wirtschaftskrise auch nicht einfach. Andererseits sind wir so klein, dass die Krise gewissermaßen über unseren Kopf hinweg pustet. Wir hatten vorher keine Anzeigen und haben jetzt auch keine verloren. Wir haben allerdings auch keine gewonnen."

Es wird spannend werden.
outnumber schrieb am 30.09.2009 um 20:26
feuchtbar spontan wirkt der text. war eben nicht der vorteil und die initiative des internets die kostenlosigkeit, damit eben die gedanken frei sind/bleiben...
corvinplutarco schrieb am 30.09.2009 um 20:36
Wie kommt das Geld rein?
gar nicht.

Zumindest nicht über die User im Internet. Dazu gibt es einfach noch genügend andere Möglichkeiten bzw. "Infrastruktur für Kommunikation zwischen Menschen. Lesern, Bloggern,".

Meine Prämisse mich näher mit dem Thema zu beschäftigen, wäre also das Geld nicht von den Usern einzustreichen. (das "WIEDERhaben" erweckt den Anschein, als wären wir User dem Freitag in der Hinsicht etwas schuldig, dabei ist die Möglichkeit hier zu lesen und zu schreiben eher ein "nice to have", noch keine wirkliche Einrichtung auf die sich nicht auch verzichten ließe)
Eine Art Zugangsgebühr würde also eher vertreiben.

Ich schlage dazu vor, sich anzuschauen, wie sich andere Plattformen im Netz finanzieren. Das kann man doch bestimmt bei einen Medienprofi aus Hamburg erfragen.

Es wäre weder abwegig noch sinnlos Werbung zu schalten. Sowohl im Print als auch im Web.

Weiterhin gibt es die Möglichkeit den treuen Freitaglesern und -Nutzern Anteile zu veräußern, ähnlich wie es die taz tut.

Zunächst fände ich es allerdings interessant zu wissen, wie und wo kosten anfallen und wie sie bisher bestritten werden.
Trägt sich der Freitag selbst?
Auch diese Fragen gehören dazu, wenn man die Nutzer dazu aufruft mitzugestalten.

bis dahin...
outnumber schrieb am 30.09.2009 um 20:39
danke für Ihren beitrag, diese gedanken schwirrten bei mir auch im kopf herum, nur hatte ich nicht Ihre ausdauer :-)
sputnik-suedstern schrieb am 30.09.2009 um 21:48
Schön, klar, übersichtlich. Und richtig: warum sollte es die Leser nichts angehen, wie sich der Freitag finanziert. Immerhin wird ja an einer recht persönlichen Beziehung zumindest zwischen Redaktions- und Netzschreiberebene gearbeitet.
Auch, und da dürfte man der momentan in der Starre befindlichen "linken" Politik gerne vorgreifen: Warum nicht über Genossenschaftsmodelle zumindest nachdenken. Ich habe mich vor einigen Tagen bereits über die im Netz vorherrschenden Hierarchien auch auf diesen Seiten geäußert. Ob das wohl oben alles durchgedacht wird!? Mitgestaltung muss ja nicht immer gleich mit Kassenbeleg abgerechnet werden. Aber Partizipation wünschen und generieren hat sicherlich auch seine Grenzen.
Ich würde mich übrigens betont gegen jedwede weitere Form der Werbung aussprechen. Das macht die "neue" Printausgabe schon unruhig. Im Netz würde sie, für mich, zum aufhören führen.
jfenn schrieb am 30.09.2009 um 21:13
„Wie kommt im Netz die Kohle wieder rein?“ – Wie schon gesagt: Gar nicht, man muß sie reinstecken und bezahlt damit für den Content, den die User liefern. Der return besteht im Verzicht auf Honorare für Online.

Wenn die Freitag Community kostenpflichtig würde, würde die Karawane eben weiterziehen, wie Sie einst zu sagen pflegten, denn bloggen kann man fast überall ebenfalls umsonst. Der Freitag bietet zwar einen Mehrwert in Form einer Diskussion innerhalb einer „irgendwie linken“ Community, aber will man dafür tatsächlich zahlen? Man hat außerhalb vielleicht nicht so viele Stammleser, aber der meiste Traffic kommt sowieso durch die Suchmaschinen und durch Links (ein Feature, das hier ganz fehlt: Trackbacks und Pingpacks, ein halbes Jahr nach dem Start immer noch nicht implementiert...).
sputnik-suedstern schrieb am 30.09.2009 um 21:56
Auch wenn ich eigentlich nicht überall drunter kommentieren möchte, aber ich finde die Debatte interessant. Was jfenn schreibt ist logisch und beinhaltet viel Mehrwert. Jedwede "Mitschreib"-Steuer wäre ein Schritt in die falsche Richtung. Wenn es tatsächlich Geldsorgen gibt, dann würde ich mit Hochdruck darüber nachdenken, was man zur Vergrößerung der Print-Leserschaft beitragen kann. Die Verabschiedung vom Redaktionsmodell und einige dieser Print-Netz-Querverbindungen sind seit letztem Jahr auf Kosten der Zeitungsausgabe gegangen. Man kann wirklich nicht alles haben.
Ich würde empfehlen dabei mal den Zukunftsgedanken vor die "jetzt-isses-aber-zu-teuer"-Mahnung zu legen. In wiefern lässt sich linke Debatte finanzieren, wenn man nicht nach Partnern sucht und versucht das Ding selbstfinanziert laufen zu lassen. In dem Bezug fehlt einfach noch der "Wille des Geldes", also derjenigen, die dergleichen Projekte von sich aus unterstützen und nicht immer die kleinen Leute. Die Idee mit der Genossenschaft à la taz hat auch einiges für sich, muss allerdings gewollt sein.
I.D.A. Liszt schrieb am 30.09.2009 um 21:27
Also, meine Gedanken will ich jetzt mal frei assoziieren:

Wenn ich das einmal recht verstanden hatte, war doch bzgl. der "Freitag-Community" mal von "der größten Redaktion Deutschlands" die Rede - vielleicht sollte diese "größte Redaktion Deutschlands" sich ihre Ideen bezahlen lassen, sie sie einbringt, damit "der Freitag" mehr Kohle machen kann. :-)

Ebenso: >Wir bieten hier eine Infrastruktur für Kommunikation zwischen Menschen. Lesern, Bloggern, Redakteuren. Das kostet Geld. Das wollen wir wiederhaben.< - Wie viele Anregungen die Zeitung durch diese Infrastruktur bereits erhalten hat, ist sicher schwer zu ermessen. Was wäre, wenn die Menschen in Gestalt der Blogger den Aufwand für ihre Zeit und Mühe, die sie hier in diese Infrastruktur stecken, in Mark und Euro berechneten und wiederhaben wollten?

Eine andere Frage, Herr Augstein:
Was würden Sie mir raten, soll ich mein Abonnement der Print-Ausgabe sofort kündigen, oder soll ich lieber warten, bis ich doppelt bezahlen muß?

Ich will aber nicht nur meckern, sondern auch mal etwas Konstruktives schreiben, daher mache ich folgenden Vorschlag:
'User' des on-line-"Freitag" sowie Abonnenten können wie bisher den "Freitag" on line nach Herzenslust 'usen' - unentgeltlich, versteht sich. Wenn andere auf die Website zugreifen wollen, müssen sie eine Gebühr entrichten.
Der Nachteil wäre natürlich, daß "der Freitag" die Breitenwirkung, die im Februar einmal anvisiert worden war, nicht (mehr?) erzielen würde.

Blogger bloggen weiter so wie bisher - unentgeltlich, versteht sich.

Für mich selbst kann ich nämlich dies sagen:
Es macht mir Spaß, mich hier mit Leuten auszutauschen, die ungefähr gleichgesinnt sind. Ich finde auch die Idee interessant, daß man hier ziemlich unmittelbar mit der Redaktion in Kontakt treten könnte. Ich sage "könnte", weil dieser Kontakt sich allgemein auf wenige Redaktionsmitglieder beschränkt, und weil es mir ansonsten so vorkommt, als müsse er von der Redaktion künstlich hergestellt werden ("Wahlkampfarena", "Fußballarena", jetzt die "Politikarena", "Freitagsfrage").
Wenn ich jetzt aber dafür sozusagen Miete zahlen sollte, würde ich meinen Account hier sehr schnell löschen und meine Mußestunden wieder mit anderen Tätigkeiten erfüllen.

Mit einigen Leuten, die ich hier kennengelernt habe, könnte ich mich ja weiter im Chat bei Google austauschen.
jfenn schrieb am 30.09.2009 um 21:41
Zum Thema „die Karawane zieht weiter“ fällt mir noch ein Beispiel ein: Das deutschsprachige Usenet liegt ja schon seit Ewigkeiten im Sterben. Einen erheblichen Rückgang bei den Postings gab es nicht zufällig zu der Zeit, als news.cis.dfn.de kostenpflichtig wurde; seitdem heißt der Server individual.net und kostet 10 Euro pro Jahr.
JoergH schrieb am 30.09.2009 um 21:52
Lieber JA,

im Gegensatz zu einigen anderen hier mag ich den Anspruch, mit Content im Netz Geld zu verdienen, legitim finden. Doch leider habe ich auch keine Idee, wie das gehen soll - sonst würde ich längst vom Schreiben leben und der Schichtdienst wäre ein für allemal vorbei. Sorry!
Aber ich freue mich auf Inspiration!
LG,
Jörg
sputnik-suedstern schrieb am 30.09.2009 um 22:06
So, und nun noch mal in eigener Sache. wie mag sich wohl so eine "Hamburg Media School", also die Hamburger Medienschule, wie finanziert die sich denn!?
Wie wäre es denn noch innerhalb diesen Jahres einen Freitag-Kongress zu organisieren, um nicht immer die wirklich nicht unwichtigen Fragen als Bits und Bytes enden zu lassen. Ein Kongress dient ja dem weitläufigen Austausch von Gedanken und Inhalten. Publizistik wäre beispielsweise ein Thema, was ebenso wie Finanzierung und dergleichen auf der Tagesordnung stehen sollte.
Auch wenn ich auf diesen Seiten inzwischen selber ab und zu schreibe, finde ich den Wert der "reinen" Printausgabe um einiges höher, als deren ständige Durchmischung mit Inhalten, die auf der Netz-Ebene ihre Berechtigung suchen. Auch wenn ich mich schon vor wirklich längerer Zeit einmal gefragt habe, wie man wohl Redaktuer beim Freitag wird, ist dies sicher nicht die absolute Intention derer, die hier, sicherlich, gute und tiefgründige Gedanken bewegen. Dennoch ist im Vergleich, pardon, mit der damaligen Redaktionsausgabe der Freitag mehr "absolute" Meinung weiter getragen worden, als es heute der Fall ist.
Mag sein, das ich damit auf dieser Ebene alleine stehe, aber wie gesagt. Print lebt als Print, wie jedes Druckwerk, und Netz lebt als Netz. Das ist der signifikante Unterschied. (Übrigens, Sakrileg hin oder her, ich würde für die Wochenausgabe auch drei Euro zahlen oder etwas mehr, wenn sie es (wieder) wert wäre.
I.D.A. Liszt schrieb am 30.09.2009 um 22:20
Ich kann Dir in allem, was Du zur Druckausgabe des "Freitag" geschrieben hast, nur zustimmen.
jfenn schrieb am 30.09.2009 um 22:36
Full ACK.
Jakob Augstein schrieb am 30.09.2009 um 22:43
Hm. Das ist die erste Runde. Aber ich weiß nicht, was ich jetzt genau erfahren habe. Oder wo genau Ihre Fragen sind.

Wie wir uns finanzieren?
Vor allem Einnahmen aus dem Print-Abo, ein bisschen durch Print-Einzelverkauf, ein bisschen durch Online-Werbung - das war es dann auch schon. Print-Werbung gibt es nicht, große Zuwächse werden wir im EInzelverkauf nicht erzielen. Dafür ist der Freitag zu klein und das System bestraft die Kleinen. Wir können nur als Abo-Zeitung bestehen und über Online-Erlöse. Das bedeutet mehr Werbung, wenn wir größer werden - aber da gibt es Grenzen, die in der Natur unseres Projektes liegen. Und eben Online-Abo-Einnahmen. Die Lücke wird im Moment durch meine Investitionen gedeckt. Das geht in der Anfangsphase, so ist es auch gedacht. Irgendwann geht das nicht mehr. Da muss der Laden selber laufen. Klar.

Und wir denken jetzt über Erlösmodelle nach.

Vielleicht muss ich die Frage konkreter formulieren: Wie müsste denn der Online-Freitag aussehen, damit die User bereit wären wievie. Geld monatlich dafür zu zahlen - und das dann auf welche Weise?

Meine Meinung: Internetauftritte differenzieren sich nicht durch die Artikel, die man bei ihnen findet. Es mag sein, dass ein SZ Artikel manchmal besser ist als ein Spiegel Artikel. Ich glaube aber nciht, dass der Unterschied so eklatant ist, dass die Leute für den einen Geld zahlen würden, wenn sie den anderen auch kostenlos erhalten.

Es muss also um etwas anderes gehen, wenn man bereit ist zu zahlen. Ich denke um Identität, Zugehörigkeit, Community ... Man zahlt ja auch in einem Club seinen Mitgliedsbeitrag, damit die Klos geputzt werden und das Licht funktioniert.

Und die Frage wäre auch: Wie müssten die Bezahlsysteme aussehen, damit sie akzeptiert würden?

JA
Streifzug schrieb am 30.09.2009 um 23:09
Vor ein paar Wochen hatte ich einen Artikel vorbereitet, ihn aber nicht veröffentlicht. Wollte erst mal abwarten, wie die angekündigten "Verbesserungen" aussehen. Nun stelle ich ihn einfach hier als Kommentar ein. Er ist noch stichpunktartig. Ihn weiter auszuarbeiten habe ich keine öhm Lust. Bitte:

derFreitag, die InformationsWerkstatt

Wie derFreitag Geld scheffeln kann, Fantastilliarden

Immer und immer und immer wieder wird auch hier darüber diskutiert.
Wie können Zeitungen im Internet Geld verdienen?

Kurze Historie
Verlage wollen Geld für ihre "Produkte". Die Kunden wollen nicht zahlen. Woran liegt es? Daran, dass es Informationen umsonst gibt? Daran, dass das Produkt nicht gut genug ist.

Man versucht es mit festen Beträgen pro Zeiteinheit, mit Cent-Beträgen pro "Einheit". Schnell stellt sich raus: dem Kunden zu teuer.

Wenn derFreitag von Micropayment leben wollte, würden dort alle bis auf einen der Reihe nach verhungern.

Was tun?

Keiner kennt die Lösung. Ich kenne die generelle Lösung auch nicht. Aber ich weiß genau, wie eine Lösung aussehen müsste, für die ich zahlen würde.

(Natürlich gibt es auch Personen, die einfach nur lesen, sehen, hören wollen und dafür zahlen würden. Für die ist dieser Text nicht gedacht.)

Viele befreundete Personen und ich (Wir) wollen:

Informationen, Nachrichten, Wissen, Musik, Filme, NewsFeed, Nachrichtenticker ...
lesen
hören
sehen

aber, und nun kommt das Wesentliche, Wichtige
nicht nur passiv als Empfänger
nicht nur jeder für sich alleine.

Wir wollen auch:
kommentieren
anstreichen,
umformulieren,
neu zusammensetzen,
modifizieren
zusammenschnippseln
beim Autoren nachfragen

und das Ergebnis dann:
weitersenden,
diskutieren,
veröffentlichen,
darüber streiten
es verbreiten

Also:
Wir möchten die uns wichtigen Informationen aktiv kommunizieren, mit anderen teilen.

Genau das versuchen Verlage zu verhindern.
Bilder einfügen? Verboten!
Text kopieren? Verboten!
Musik einfügen? Verboten!
Filme einfügen? Verboten!

(Google schlägt eine Bresche)

Tipp:

Bietet dem Kunden Nutzen. Bildet einen Pool (z. B. derFreitag und Spiegel)
In dem Pool befinden sich
Bilder
Texte
Filme
Musik
Reportagen
Kommentare
....

Zahlende Kunden haben auf diesen Pool Zugriff und können ihn verwenden. Verwenden im oben beschriebenen Sinn.

Aber das reicht noch nicht.
Wir wollen Sozialjournalismus.

Treffend finde ich einen Kommentar von Titta.

"Infos/Wissen haben ja keinen Wert in sich, erst einmal. Es entsteht aber ua einer durch das Gemeinsame dieser "Wissens / Informationsanhäufung". Quasi als sozialer Mehrwert. Genauso wie es durch die "Zusammenschau" der Inhalte einen Mehrwert gibt, ein Wissen, das über die Einzelinformationen hinausgeht."

Dazu bedarf es eines passenden Umfelds, einer eigenen "Medienseite". Natürlich hat diese Medienseite" nicht den Jaffa-Kisten-Look von derFreitag sondern kann nach eigenen Vorstellungen gestaltet, personalisiert werden:
Farbe,
Form
Schriftart
Stil, elegant, nüchtern, schreiend ...
...

Passend dazu gibt es hier die erforderlichen Kommunikationsmöglichkeiten:
Mail,
Twitter,
Chat
IRC
...

Dort, auf der eigenen Medienseite kann dann all das gemacht werden was oben beschrieben ist und es bekommt die persönliche Note.

Meine Medienseite
Meine Informationen
Meine Kontakte
Meine Welt

Der Beginn des Sozialjournalismus.

Man muss auch nicht für alles das Rad selber erfinden sondern kann auf gute Komponenten zurückgreifen, die von Profils entwickelt und gepflegt werden. Man kann kooperieren.

Eine Auswahl nach meinen Vorlieben, beliebig veränderbar

Wave
Google Werbung
Amazon
...

Das Resultat dieser Tat:
Man geht auf seine derFreitag Seite und hat kaum noch Grund sie zu verlassen. Warum auch.

Dafür, und erst ab dann, bin ich bereit zu zahlen.
Dann bekomme ich das, was ich will.
Das ist es mir dann wert.

Aber warum hier halt machen?

Der Sozialjournalismus kennt auch Vereine, Interessengruppen, Regionales.

Ihr habt die Kompetenz, das Wissen, wie zu gestalten, formulieren, verbreiten, auflegen, verschicken ...

Das Bild rundet sich ab.
Der einzelne "Kunde" als Sender und Empfänger im Netzwerk des Sozialjournalismus, verbunden mit Freunden, Bekannten, Interessierten, Neugierigen, Fremden, weltweit.

Die mediale Welt von heute und morgen.

In der kooperativen Zusammenarbeit zwischen Redakteuren / Journalisten und Lesern / Bloggern, während man den Letzteren eine "Heimat für eine Gemeinde" bietet, liegt meiner Meinung nach ein vielversprechender Ansatz. Dann verlagert sich das zu verkaufende Produkt weg vom geschriebenen Artikel hin zum Umfeld. Ein offener und spannender Ansatz.
luggi schrieb am 30.09.2009 um 23:28
Hallo JA,
Ihr Beitrag bereitet mit große Sorgen. Nicht so sehr, dass Content bezahlt werden sollte, sondern dass erst jetzt das Problem angesprochen wird. Erst etwas entwickeln und dann die Finanzierungsfrage stellen. Gut es ist berechtigt, aber es hat ein gewisses G'schmäckle. Es ist sicherlich notwendig, dass das Projekt Freitag-online erhalten bleibt, aber ich höre irgendwie eine erpresserische Komponente durch. Sie können mich gern berichtigen.

Ich möchte wirklich kein Geld bezahlen für etwas, das ich oder andere als Bloginhalte "erdacht" haben. Das wäre wirklich die Verkehrung marktwirtschaftlicher Prinzipien. Das ist so, als würde ich ein Buch schreiben und ich bezahle alle Kosten, damit andere es lesen.
Die Diskussion um Finanzierung des Freitag-online ist legitim und förderlich, aber wie geagt, das G'schmäckle. Ich weiß nicht.

luggi
corvinplutarco schrieb am 30.09.2009 um 23:53
Es ist schon sehr idealistisch eine Zeitung zu übernehmen und "die Lücke" erstmal durch eigene Investitionen zu überbrücken. (oder auch: nicht besonders nachhaltig)

Es ist aber töricht sich nicht über alternative Quellen Gedanken zu machen, sobald man sich klar ist, dass es nicht langfristig aus der eigenen Tasche bezahlt werden soll.

Also los lieber Herr Augstein: Woran denken Sie, wenn Sie dieses Thema ansprechen. Was sind Ihre Vorschläge dazu?

Mir scheint, Sie hätten sich nicht erst heute Abend damit beschäftigt.
jfenn schrieb am 30.09.2009 um 23:55
Ist doch eigentlich recht einfach: Wenn man für ein Internetangebot zahlen soll, muß es einen Mehrwert bieten, den man sonst nicht bekommt. Bei der FAZ ist das beispielsweise der Zugriff auf das gesamte Archiv aller Print-Artikel.

Bloß die Zugehörigkeit zu einer Community ist IMHO nicht ausreichend. Es müßte schon extra Content sein, den ich sonst offline oder online nicht erhalte. Kaum vorstellbar in einer Welt des Überflusses.

Aber ich wiederhole mich: Ich würde für eine Community etc. nichts zahlen. Ich bin sehr für freie Inhalte, freien Austausch, gegen proprietäre Technik/ Formate und dergleichen.
gweberbv schrieb am 01.10.2009 um 13:33
@Luggi

"Das ist so, als würde ich ein Buch schreiben und ich bezahle alle Kosten, damit andere es lesen."

Einige wissenschaftliche Publikationen arbeiten so. Wer seine Inhalte veröffentlicht sehen will, die potentiellen Leser aber nicht zu zahlen bereit oder in der Lage sind, der muss den Vermittler wohl ober übel selbst bezahlen.
outnumber schrieb am 30.09.2009 um 23:09
als zusatzausbildung für blogger wäre unternehmensberatung durchaus lukrativ :-)
man müsste über kennzahlen verfügen, um zu verstehen, wo es genau hakt und warum print den online-auftritt scheinbar nicht finanzieren kann.
ich bin bisher naiverweise davon ausgegangen, dass der print die eigentliche kostenstelle ist, soll es nun umgekehrt laufen, dass internet den print finanzieren soll?
outnumber schrieb am 30.09.2009 um 23:11
sollte es so sein, dann läuft etwas in der vermarktung grundsätzlich schief und es hat wenig mit den kosten des online-formates zu tun
mh schrieb am 01.10.2009 um 07:18
"als zusatzausbildung für blogger wäre unternehmensberatung durchaus lukrativ"

in dem kleinen satz steckt sehr viel von dem drin, warum ich mich hier grad so gar nicht äußern möchte.

@all: JA dachte bis vor kurzen noch, dass online gar kein geld verdienen werde und hat sich auf print konzentriert. hat er irgendwo mal geschrieben. von daher kommt das thema jetzt erst auf den tisch .. und wir alle wissen, dass online gut geld verschlingen kann.

@JA: wir haben das thema schon ein paar mal gehabt und es gab da einiges an input. deine gedanken dazu kennen wir aber bis heute nicht .. nur die fragen.

kommunikation, va online, läuft einfach anders. eine idee ergibt die diskussion ergibt die idee. momentan läuft der diskussions- und ideenflow nur von unten nach oben .. am kapitalismus wird sowas gerne kritisiert, vom freitag.

und die andere sache ist .. hier kann jeder verlag mitlesen und jeder wird es auch tun, vor allem bei dem thema. kostenloser konsum unserer ideen und dann auch noch durch die konkurrenz.

ich halte das in diesem format nich für zweckdienlich.

mfg
mh
outnumber schrieb am 01.10.2009 um 13:09
charisimar stellte weiter unten ein paar interessante fragen, die sicher viele andere user ebenfalls interessieren.
worin möchte sich dann der freitag in zukunft von anderen communities unterscheiden, in denen man auch alles mögliche erhalten kann, wenn man schon dafür bezahlt.
das ist wohl dann der endgültige bruch mit dem freitag als noch ein roter stern dazu gehörte.
und für die blosse zugehörigkeit würde ich auch nichts zahlen, dafür bietet das internet ganz schnell neue formationsmöglichkeiten
Jakob Augstein schrieb am 01.10.2009 um 08:12
Ich finde es für ein so ein Projekt wie dieses absolut angemessen und richtig, in der Community über Bezahlmodelle zu diskutieren. Das Netz ist eben anders. Bei einer Zeitung würde man sich wundern, wenn der Verlag plötzlich mit den Lesern über Copypreiserhöhungen reden würde. Es wäre altes Denken, der Community ein Modell überzustülpen - und zu gucken, ob sie es akzeptiert. (Es wäre auch dumm). Es gehört zum Wesen des Freitag, das wir solche Fragen gemeinsam besprechen. Wenn Sie so wollen, trägt das bereits genossenschaftliche Züge.

Streifzugs Papier ist sehr spannend.
Bis zu einem gewissen Punkt beschreibt er übrigens genau das, was wir hier machen (wollen). Ich bin gespannt wie Sie die Community Seiten nach ihrem Redesign finden. Das dauert jetzt noch ein, zwei Wochen, dann sind die online. Die Tests laufen gerade.

Eine persönliche Freitag-Startseite wird es geben.
Was die Freiheit der eigenen Gestaltung angeht sind dem, glaube ich, enge technische Grenzen gesetzt. Und ein regelrechtes wysiwyg-System, wo Sie mit drag und drop ihre eigenen Seiten bauen können wie mit Photoshop - davon träume ich selber. Der Guardian hat so etwas und SPON. Das können wir uns schlicht nicht leisten. Aber ich habe die Idee begriffe und ich werde fragen, was wir machen können, um die Gestaltung der Seiten so weit wie möglich zu individualisieren.

Ich hatte ja auch bereits schon ein paar Mal angekündigt, dass wir die Community auch auf der Startseite stärker zur Geltung bringen wollen. All das geht, denke ich, in Streifzugs Richtung. Unsere Ansichten decken sich da offenbar.

(Ob hier andere Verlage mitlesen oder nicht, halte ich für ziemlich egal. Wir haben eine nicht einholbaren Vorteil: Wir reden offen mit unserer Comunity. Das können die anderen nicht. Das bedeutet,selbst wenn sie von uns eine Idee klauen - und ich glaube gar nicht, dass die das machen, weil die selber klug sind - also selbst wenn, dann bleibt unser eigentlicher Vorteil, die Bereitschaft zur Kommunikation, davon immer unberührt. Das ist nicht kopierbar. Weil die dazu nämlich keine Lust haben.)

Und noch zu IDA Listz: Natürlich müssten in keinem Modell die Print-Abonennten noch zusätzlich zahlen. Das wäre in der Tat kontraproduktiv.

Ich stelle mir eher ein freiwilliges E-Abo für die Online-Seite vor mit Möglichkeit in Umwandlung in ein Print-Abo. Betonung liegt auf: Freiwillig. Ich käme auch nicht auf die Idee, die Seite zuzumachen. Und dann sollte man vielleicht den Leuten die Möglichkeit anbieten, aus drei Preisen den für sich herauszusuchen, den sie für angemessen halten.

Das ist eigentlich die Idee.

JA
Jakob Augstein schrieb am 01.10.2009 um 08:17
... ganz kurz noch @jfenn
Diesen Satz:

"Bloß die Zugehörigkeit zu einer Community ist IMHO nicht ausreichend. Es müßte schon extra Content sein, den ich sonst offline oder online nicht erhalte. Kaum vorstellbar in einer Welt des Überflusses."

halte ich für sehr problematisch.
JA
jfenn schrieb am 01.10.2009 um 09:02
Warum meinen Sie, das sei „problematisch“?
jfenn schrieb am 01.10.2009 um 09:04
BTW, schön wäre, wenn man bei Antworten in einer beliebigen Diskussion (nicht nur, wie bisher, bei eigenen Blog-Beiträgen) eine Benachrichtigung per E-Mail anfordern könnte ...
Streifzug schrieb am 01.10.2009 um 09:07
Hallo JA,eine kurze Ergänzung zu meiner Skizze.

"...sondern kann nach eigenen Vorstellungen gestaltet, personalisiert werden:
Farbe,
Form
Schriftart
Stil, elegant, nüchtern, schreiend ...
...
"

also der Punkt "Was die Freiheit der eigenen Gestaltung angeht, sind dem, glaube ich, enge technische Grenzen gesetzt."

bezieht sich zuerst einmal auf das persönliche Blog. Dann können eigene Artikel individuell gestaltet werden. Ohne Probleme ist eine Lösung mit verschiedenen Vorlagen denkbar, in denen noch Schriftart und Farben modifiziert werden können.

Weiter Personalisierungen können je nach Kapazität erfolgen.
mh schrieb am 01.10.2009 um 09:09
ein aufgepumpter paypal-spendenbutton also. kann man machen, bringt keine einschnitte mit sich.

würd zu den drei vorschlägen noch die summe der eigenen wahl nehmen. dann gibts mal nen euro, mal 50, meistens 5 oder 10 als einmalspende zur erhaltung der art. am anfang mehr als in der späteren glättung.

würd dann nur gerne informiert werden, wenn die internetseite beginnt sich dadurch zu tragen. wikipedia zeigt da immer diese ziele und das erreichte an .. eine abgewandelte version in prozent, also ohne das verraten der summen über die wir reden, könnte anreiz geben.

wöchentlich oder monatlich aktualisiert, damit verrät man nix.

mfg
mh
Jakob Augstein schrieb am 01.10.2009 um 09:12
Lieber jfenn,
Das Problem liegt in dem Begriff des Überflusses.
Ich habe neulich mit Leuten von einer großen Zeitung geredet, die meinten tatsächlich, die Leser würden für ihre Artikel eines Tages im Netz Geld zahlen weil sie die Artikel so gut finden. Auch wenn es anderswo kostenlose Artikel gibt. Ich glaube das nicht. Weil man als Leser, ab einem bestimmten Textniveau zumindest, nicht so stark zwischen einzelnen Artikeln differenziert. Ich nehme das jedenfalls an. Ich finde aber, die Zugehörigkeit zu einer Community sollte schon "etwas wert" sein. Wenn wir hier die Infrastruktur für soziale Kontakte, politischen Austausch, gemeinsames Lernen zur Verfügung stellen, das moderieren, pflegen, es mit Inhalten anreichern, auf die Anregungen und Forderungen aus der Community eingehen - dann ist das nach meinem Wertverständnis durchaus etwas wert. Es kann aber sein, dass ich mich irre. Und dass tatsächlich diese "Welt des Überflusses", von der Sie sprechen, das gleichsam überstrahlt ...

Ihr JA
mh schrieb am 01.10.2009 um 09:53
@JA: das was ihr atm anbietet kann ich tatsächlich jederzeit auch woanders haben. artikel, ein paar blogs, kommentierbare artikel und beides läuft nebenher. so richtig präsent seid ihr gar nicht. das geht soweit, dass ich mittlerweile selbst online immer weniger redaktionelles lese.

das mag dann nach dem relaunch anders sein, nur kann das keiner beurteilen.

asset: reichweite für die blogs und eine community als basis für einen daraus zu generierenden mehrwert durch diskussion.

aufgrund der strukturell bedingten community-zusammensetzung habt ihr da einen vorteil .. der allerdings durch größe zunehmend verloren gehen wird.

finds übrigens schade, dass die com nicht in die tests der neuen plattform einbezogen wird und dann erst realtime meckern darf.^^

mfg
mh
jfenn schrieb am 01.10.2009 um 10:01
@JA: Was das Zahlen (bzw. das Nichtzahlen) für Artikel angeht, sind wir einer Meinung. Journalistische politische Texte gibt es wie Sand am Meer.

Nur bei der Fachpresse mag das anders sein. Ich schreibe ja u.a. für die c't, und darin gibt es durchaus Texte, die so gut recherchiert und erarbeitet sind (etwa durch eigene Soft- oder Hardwaretests oder schlicht dadurch, daß sich ein sachkundiger Autor anders als die Nerds im Netz mal allgemeinverständlich ausdrückt), daß man diese Informationen nicht so ohne weiteres im Internet finden wird. Sie sind also im ökonomischen Sinne „knapp“, deshalb kann man sie verkaufen. Das ganze wird durch ein kluges Print-Online-Konzept von Heise begleitet. Der Newsticker ist sehr aktuell und sachkundig, nimmt aber der Zeitung nichts (vor-)weg. So etwas funktioniert im politischen/gesellschaftlichen Bereich nicht, weil diese Rolle mittlerweile von vielen Bloggern abseits der kommerziellen Angebote bereits übernommen worden ist (F!xmbr, Feynsinn, Sprengsatz u.dgl.).

Und Communitys -- gibt es viele. Ich glaube, ehrglich gesagt, nicht, daß die Bindung an bestimmte soziale Plattformen so groß ist, daß sie nicht gegeneinander austauschbar wären, falls eine davon kostenpflichtig würde. Ich verfolge das schon seit einiger Zeit: Man kann frei per IRC oder IM chatten. Diskutieren kann man schon immer im Usenet und in Mailinglisten, mittlerweile auch auf Blogs, nun also auch bei den Zeitungen bis hinunter zur Offenbach Post. Auch Twitter wurde von Anfang an zum Meinungsaustausch genutzt (obwohl das die Erfinder gar nicht erwartet hatten). Dann kam Facebook. StudiVZ usw. Die Gruppen bei Xing laufen mitunter auf fachlich interessantem Niveau, zB im Sozialrecht. Alle diese Dienste sind in den grundlegenden Funktionen frei, wenn auch nur „frei wie Freibier“. Sie sind teilweise geschlossen. Aber die geschlossenen Communitys laufen nur, weil die Diskussion, die Kommunikation hier nicht im Vordergrund steht, sondern das „Netzwerken“. Bei Xing bezahlen manche sogar dafür, sich über diese Plattform Mails schicken zu können ... Ich bin dort nur Basis-Mitglied und habe auch nicht vor, das zu ändern. Vor allem die Suchfunktion ist dort ein Mehrwert, für den Geld verangt wird, nicht aber das bloße Teilnehmen an irgendwelchen Foren.

Aber darauf soll es beim Freitag ja nun nicht hinauslaufen, oder? Der Freitag als Facebook-Ersatz?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2009 um 10:46
Wir haben keine Zahlen. Weder wieviele User diese Platform täglich besuchen, noch wieviel Geld die Werbebanner einbringen / einbringen müssen.
Darauf hat "Outnumber" schon hingewiesen.

Der Wunsch der Printmedien ist, dass die GEMA-Gebühren auch an die Netzunternehmer ausgezahlt werden. Für deren Leistungen im informativen Bereich.

Schließlich zahlen wir alle ja für die evtl. Nutzung der Öffentlichen Rechtlichen im Netz.

Wie verdienen die Leute Geld im Netz?
Z.B.: durch Werbung und durch den Verkauf von Adressen.

Meine Fragen an Sie, Herr Augstein:

Bekommt diese Platform Geld dafür, dass hier Filme, Bücher und Ausstellungen von der Redaktion empfohlen werden?

Bezahlt der umstrittene und von vielen Lesern als "unlustig" empfundene "Karikator" dafür, dass hier seine Arbeiten veröffentlicht werden?

Erhält diese Platform Umsatzbeteidigungen dafür, dass für "The Guardian" geworben wird?

Welches exclusive Produkt wollen Sie denn zukünftig auf dieser Platform an uns User verkaufen?

Mit freundlichem Gruss

Chrisamar
mh schrieb am 01.10.2009 um 10:52
um das thema bindung mal abzuhaken. die usertreue ist im internet als unter ferner liefen anzusehen. damit kämpfen auch social web-plattformen wie facebook .. gerade mal besser dran als myspace.

die leute sind weg, sobald was nicht rund läuft.

mfg
mh
mh schrieb am 01.10.2009 um 13:36
ich würd die konkurrenz übrigens nicht dermaßen unterschätzen wie es hier geschieht. das hat schon was von arroganz, und das obwohl der spiegel online hat mit der verpflichtung von katharina borchert durchaus nen wegweiser gesetzt.

und dem werden alle anderen dann auch folgen. der markt geht auch in eine vollkommen andere richtung, es wird künftig schlichtweg egal sein wie die qualität ist und mE hat sich das modell community, in dieser, form schon vor jahren überholt. recht so, denn niemand hat lust mit jedem zu müssen.

dieses ganze social zeugs ermöglicht je nach anwendung eine eigene community durchs eigene netwerk zu erstellen. single sign-in ermöglicht per app über die großen netzwerke .. jeder kann mit jedem aber niemand muss mit allen. das beschleunigt die bindungslosigkeit an einzelne portale nochmal mehr.

mfg
mh
misterL schrieb am 01.10.2009 um 09:31
Nun JA - die "Geschäftsgrundlage" an sich...

Grundsätzlich voraus geschickt. Das Verhältnis Internet - Community - Freitag (Meinungsmedium) ist kein übliches Lieferant - Kunde - Verhältnis. Es ist ein Verhältnis, das davon lebt (im wahrsten Sinne des Wortes), dass die Nutzung der User das Angebot zu dem machen was es ist (sein soll) und ihm seine Existenzberechtigt gibt. Ein offenes Meinungsmedium.

Der derzeit unbezahlten Infrastruktur steht der derzeit unbezahlte Zeitaufwand für ein Meinungsmedium der Community gegenüber. Grundsätzlich also bieten/liefern beide etwas und erhalten nichts (zumindest in Geldform) zurück. Zudem - die Welt der Betaversionen an sich ist kein Platz für Mehrwerterzeugung - das weiß man sogar bei Microsoft.

Um die erste Vollversion in Betrieb zu nehmen könnte die Verrechnunseinheit zunächst in Qualität bzw. Qualitätssteigerung liegen. Wobei unter Qualität bzw. Qualitätssteigerung der unterfütterte Substanzgewinn zur jeweiligen Meinung wäre auf Seiten der Meinungslieferanten und seitens des Strukturlieferanten in etwas mehr Funktionalität in Sachen Textbearbeitung der jeweiligen Meinung. Also mehr Zeitaufwand für mehr Infrastruktur mit Moderationsaufwänden. Und wieder hat man gemeinsachftliches "Geben und Nehmen" mit einer anderen Tauscheinheit als Geld für ein virtuelles Meinungsmedium.

Die Welt draussen verlangt Geld - OK.

Sofern man korrekter Weise unterstellen darf, das der InternetFreitag (auf grund der "Geschäftsgrundlage" siehe oben) "uns" allen irgendie "gehört", läge es an "uns" allen für Geld für die Aussenwelt zu sorgen. Ab dann wird man in irgend einer Form Einfluß nehmen wollen - an eine Hunderschaft Altrusiten glaube ich nicht. Es wird ja zu einem Anteil Minimum auch die eigene Infrastruktur. Das Selbstverständis könnte bis in die redaktionelle Arbeit gehen. Es gehörte einem ja nicht nur anteilig ein Stück Infrastruktur. Über diese Infrastruktur wird Inhalt portiert. Die Entwicklung zu solchen Selbstverständnissen sollte man nicht ausschliessen.

Oder anders formuliert.

Ein BezahlInternetFreitag verändert die oben beschriebene "Geschäftsgrundlage" und das eigene Selbstverständnis. Am Ende würde aus dem InternetFreitag die OnlineAusgabe des PapierFreitags mit Forum, was wir überall anderswo kennen und Schluß mit offenem MeinungsMedium.

Projekt erledigt?!?

BTW - wie hoch ist das Jahresbudget für den InternetFreitag mit Abgrenzung der Kosten, die man anteilig dem PapieFreitag zuordnen muss?
klara schrieb am 01.10.2009 um 10:11
Wir befinden uns hier in einem herrlichen kapitalistischen Widerspruch – wie unter der Lupe ist zu betrachten, wie kontraproduktiv die Marktgesetze wirken. Das ist spannend!

Der Widerspruch: Man muss Geld machen mit Leistungen, die Geld kosten.

Was ist da zu sehen, unter dem Mikroskop?

1. Wir haben einen Verleger, der den Mut und das Geld hatte, in ein scheinbar aussichtsloses linkes Zeitungs- und Online-Projekt zu investieren mit dem Ziel, eine neue Art von Online-Zeitungs-Community zu schaffen – nicht als Mäzenatentum, sondern als idealistische Geldanlage.

2. Dieses Geld wird nicht ewig reichen.

3. Wir haben eine lebendige, engagierte, kenntnisreiche, meinungsstarke Community, die dem Projekt Freitag Feedback, Content und eine Menge Ideen gibt. Im Grunde ist die Community die Lebensgrundlage des Freitag. Ohne die Community gäbe es den Freitag nicht. Und ohne den Freitag gäbe es (zumindest diese) Community nicht.

4. Die Redaktion des Freitag hat durch ihr wuseliges Leser- und Mitschreibervolk ständigen „Bodenkontakt“, erhält Themenhinweise, Links, technischen Input, Input insgesamt.

5. Die User/Blogger ihrerseits profitieren nicht finanziell, sondern ideell, geben Zeit und bekommen dafür Gelegenheit: zum Austausch, zur Selbstdarstellung, zum Nachdenken, zum Kontakte-Knüpfen etc.

6. Das wäre alles schön und gut, wenn es das Geld nicht gäbe. Kostet ja alles.

7. Wir haben außerdem eine Abo-Wochenzeitung, die nicht genug Abonnenten hat, um sich selbst zu tragen, geschweige denn Online gleich mitzufinanzieren.

8. Wir sind umgeben von einem Medienmarkt im Wandel, der geprägt ist von Zeitungssterben. Viele Verlage haben – in größerem Umfang – ähnliche Probleme, stellen sich ähnliche Fragen: Am Anfang war das gedruckte Wort, das Online finanzierte, nun ist da das virtuelle Wort, das zu billig zu haben ist und Gedrucktes, für das die Leute immer weniger Geld ausgeben (wollen). Was tun?

So.
Nun ist die Frage: Will der Freitag die Community als Kundschaft oder als Team? Oder will er tatsächlich beides zusammenbringen?

Das Wesen einer Community liegt ja eben darin, dass Geben und Nehmen hier nicht den Geldgesetzen unterworfen sind. Es handelt sich um eine a-kapitalistische Nische, die paraxoderweise der kapitalistische Erfindungsreichtum selbst geschaffen hat. Eine Community ist im Grunde – unbezahlbar.

Während Communities geben, sind Kunden passiv. Kunden konsumieren – Communities agieren. Wäre der Austausch in der Community an Marktgesetze gebunden, funktionierte die Community nicht mehr.

Wenn die User/Blogger Community sein sollen, dann müssten sie die Möglichkeit haben, sich – auch finanziell, mit Mitsprache etc – zu beteiligen. Das hieße aber auch, dass das wirtschaftliche Risiko gemeinsam getragen wird, und dann wird es sofort kompliziert (und überhaupt nicht mehr virtuell). Das wäre sputnik-südsterns Anregung: Genossenschaft, und gemeinsam versuchen, den Laden am Laufen zu halten, dass er sich und die Redakteure finanziert. Ich nehme an, dass diese Variante aus vielerlei nicht ernsthaft erwogen wird.

Ich nehme an, der Freitag will versuchen, den Spagat zu schaffen: die User/Blogger-Community zugleich als Kunden wie als Redaktions-Mitarbeiter zu nutzen. Ob das klappt? wird sich zeigen. Voraussetzung ist, dass das Produkt „Freitag“ so attraktiv wird, dass der Kunde dafür gerne zahlt, und zwar viele Kunden, immer mehr Kunden. Das wäre Streifzugs Variante: Innerhalb des kapitalistischen Geld-Widerspruchs existieren und bestmögliche nicht-Mainstream- Kommunikation ermöglichen. Gekaufter Kommunismus sozusagen.

Der Vorteil dieser Variante ist, dass dadurch klarere Verhältnisse entstehen. Man hat als Kunde Ansprüche an das Produkt. Und der Verkäufer muss die Bedürfnisse der Kunden so erfüllen, dass sie ihm nicht weglaufen, ihr Geld anderswo ausgeben. Er muss sie sogar so gut erfüllen, dass der Kunde auch noch etwas zur Produktqualität beiträgt. Es gäbe nicht mehr die Good-Will-latente Erpresserhaltung auf beiden Seiten, sondern einen Tresen, über den das Bier wandert, einen Wirt, und ein paar Gäste, die sozusagen ihre eigenen Bierdeckel mitbringen. Ob genug Leute das Bier, die „Dienstleistung Freitag“ brauchen und kaufen wollen? Weiß ich nicht.

Hilfreich wäre klar zu definieren, worin das Produkt bestehen soll. Wer kauft da was. Was wird verkauft. Oder geht es auch anders?

Dass man hierbei ins „Schwimmen“ kommt, auch gedanklich, ist klar: Eine Community ist nunmal kein Produkt, das man kaufen oder verkaufen kann, hier beim Freitag noch weniger als ohnehin. Im Grunde widerspricht es auch dem Wesen von Informationen und Kommunikation, dass sie ein Produkt sind, und doch müssen sie eines sein, müssen eines werden (müssen sie?), weil sie sonst nicht hergestellt werden können, weil sonst auch diese Community nicht (über)leben kann…

Eine wirklich spannende Angelegenheit…
misterL schrieb am 01.10.2009 um 12:36
Liebe Klara.

Ich kann Dir glaube ich in jedem Punkt folgen. Will aber dennoch nur eins (wiederholt) anmerken.

Internet / Community / Geld verdienen (müssen) ist durchaus vermintes Gebiet. Man muss schrecklich aufpassen sich nicht selber die Grundlagen zu nehmen.

Ideen:

eV Basis. Der PapierFreitag samt InternetFreitag wird eV und als solches über Abo, Werbung und Spenden den Betrieb samt Kosten und Gehälter aufrecht erhalten. Gewinn dürfen nicht gemacht werden.

Völlig Grauzone für mich über das ob und wie und rechtliche Probleme - eine Stiftung gründen für Freie Meinung Medien und den Freitag als "Zentralorgan" nutzen. Gibt ggf. auch Geld vom Bund?!?
jfenn schrieb am 01.10.2009 um 13:11
@MisterL: Dein Vorschlag hat einen gewissen Charme. Ein Ansatz wie bei den „Blättern“ wäre sehr gut (Förderverein und reguläres Abo). Bezweile aber, ob sich das auf Wochenbasis plus online tragen würde?
misterL schrieb am 01.10.2009 um 14:31
@jfenn

Ob sich das tragen würde wäre Fragestellung 3. Die erste Fragestellung wären rechtliche Klärungen in Verbindung mit Organisatorischen und Finanziellen Fragen. Die zweite Fragestellung an den Eigentümer wäre will ich das grundsätzlich und dann käme die Frage, "trägt sich das? und falls ja, wie?".

Möglicherweise wäre der PapierFreitag das nachrangige Produkt zum InternetFreitag, der dann auch nur einmal im Monat erschiene, weil ein MeinungsMagazin in Grunde weniger Aktualität hat, dafür mehr Ansichten mit Tiefe.

Aber das sind Ansätze eines JournalismusLaien ohne juristischen Hintgergrund (Vereins.- und Stiftungsrecht zB).
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2009 um 10:45
Hallo Herr Augstein, hallo Klara und alle anderen,

ich bin recht neu bei bei freitag und mein Interesse an diesem Projekt erwacht gerade.

Und nun lese ich hier von dir, dass es Kontroversen oder eine Problematik gibt, wie dieses Projekt auf Interaktions-Basis finanziert werden kann.

Wenn für die Betreiber des freitags die Kosten tatsächlich nicht gedeckt werden können und damit die erfolgreiche Weiterführung in Frage gestellt ist, würde ich, trotz "kapitalistischen Modell" überlegen, ob man, zunächst auf freiwilliger Basis und nach Einkommen gestaffelt bzw. frei wählbar, eine Art Monatsbeitrag entrichtet, um das Ganze erstmal richtig zum Laufen zu bringen.
Wenn dann in Folge, einige "Kunden" bereit sind, für das "Produkt" mehr zu zahlen, wäre es ein Selbstläufer.

Ich persönlich zahle monatlich einen minimalen Gewerkschaftsbeitrag, den Mieterverein und kleinere selbstgewählte Spendenbeträge an NGO.
Ich würde daher auch einen weiteren Obulus für freitag verschmerzen können und fände das sinnvoll investiert.
Könnte ja auch Abonnent werden...

Liebe Grüße
Feli
lokalreporter schrieb am 01.10.2009 um 12:21
vielleicht muss man das pferd andersrum aufzäumen.
man könnte darüber nachdenken, die content-lieferanten selbst zur kasse zu bitten, mit einigen euro im monat. als gegenleistung werden die beiträge der regelmäßigen autoren/blogger wöchentlich im print publiziert. das wiederum würde das ansehen der autoren aufwerten - welcher autor liest sich nicht gerne selbst, am liebsten am tresen ausgebreitet im coffeeshop - zumal gedruckte zeitungen [und die darin publizierten autoren] immernoch sehr hohes [sozial]prestige genießen..
misterL schrieb am 01.10.2009 um 12:51
Der Gedanke hat was.

Zwei Rückfragen dazu. Wer selektiert die Veröffentlichungen im Papierfreitag, wonach richtet sich der Beitrag und wie sähe der Zugang zu Agenturinformationen aus, um das Ganze (also seine Artikel/Beiträge/Kommentgare/Standpunkte) mit Recherche-Qualität anzureichern?

OK, das waren drei Fragen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2009 um 13:32
@ Lokalreporter
Wie schön, Sie haben verstanden wie die Dinge laufen / laufen werden.
klara schrieb am 01.10.2009 um 13:59
Hallo lokalreporter, darin liegt ein Trugschluss:
Wenn ein Autor dafür bezahlt, dass sein Text gedruckt wird (anstatt dass ein Leser indirekt ihn für dessen Produktion bezahlt), ist nix mit Sozialprestige. Das wäre dann so wie das dicke Auto - hat dessen Besitzer deshalb die höchste Potenz? Er gibt damit an, dass er sich was kaufen kann. Gekauftes Prestige sozusagen. Wenn er seinen TExt nicht mehr verkauft, auch nicht verschenkt, sondern eine Veröffentlichung KAUFT, verkauft der Autor sich selbst und seinen Text unter Wert. Das ist eine lustige Idee (Books on demand machen es ja schon vor), mit dem Geltungsdrang der LEute Geld zu verdienen, auch was Texte betrifft. Diese Idee wird dann weniger lustig, wenn Leute, die versuchen, von ihren Texten zu leben, noch mehr Preisdumping ausgesetzt sind als ohnehin schon - durch diejenigen, die sich Veröffentlichungen kaufen... Ob das am Ende qualitätssteigernd ist? Und ob das - gut wäre?
Hans Kelsen schrieb am 03.10.2009 um 14:18
So abwegig ist der Gedanke (bezahlen für Veröffentlichung) nicht siehe Publikationsgebühren bei Open Access im Wissenschaftsbetrieb. Ob er bei Zeitungen funktioniert, weiß ich nicht.
Interessant dürfte aber die Überlegung sein, ob nicht eine Qualitätssteigerung eintritt, wenn dafür bezahlt wird, dass ein Beitrag auf der Startseite auftaucht. Mmh.
Ludwig Hasselberg schrieb am 01.10.2009 um 13:32
Ich persönlich könnte mir vorstellen, sowohl dafür Geld aufzuwenden, online bestimmte Dinge lesen zu dürfen als auch dafür, bestimmte Dinge nicht lesen zu müssen.
Ich kann mir das auf einer freiwilligen Basis vorstellen und auch im Rahmen von fest umrissenen, angemessen bepreisten qualifizierten Community-Accounts.
Ich will auch weiterhin gute Beiträge lesen, aus welchem Personenkreis auch immer. Das wäre die Basis, und wenn dafür Geld fließen muss, sei es drum. Ich brauche keine Community um der Community willen, aber wenn die Basis stimmt, dann habe ich auch nichts gegen erweitere Funktionen. Von mir aus auch Partnerbörse. Warum nicht für die, die etwas bezahlen würden, etwas Club-Atmosphäre, ein paar Annehmlichkeiten. Warum nicht neben der wohl kommenden Möglichkeit, Dossiers anzulegen, für diejenigen, die etwas berappen, auch eher spielerische Komponenten - Wettbewerbe, Quizze auf hohem Niveau, Rätsel.
Leben könnte ich auch damit, wenn man mit Bezahlaccounts die absolute Artikulationsfreiheit hätte und bei den bisherigen Accounts die Länge der Kommentare, die Anzahl der täglich oder wöchentlich einstellbaren Beiträge eingeschränkt wäre.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2009 um 13:34
PS: "Wer die Musik bezahlt, bestimmt was gespielt wird."
lokalreporter schrieb am 01.10.2009 um 14:52
liebe leute, verzeiht, es war tatsächlich nichts weiter als ein gedanke, unausgereift, nicht zu ende gedacht.
wie was wo & weshalb, müsste man natürlich diskutieren, hier ist das für mich gerade nicht möglich..
hest schrieb am 01.10.2009 um 13:45
Mischkalkulation, das „Zauberwort“ heisst meiner Meinung nach Mischkalkulation. Es gibt für (Meinungs-)Medien im Hier und Morgen nicht DAS Modell, es gibt nur alles parallel und alles stets dynamisch:
Print-Abo-Einnahmen, Print-Kiosk-Verkäufe, Print-Editionen als Bücher, DVDs, USB-Stick-Editionen, SD-Card-Editionen, Beiträge aus Genossenschaften/Beiräten, Einnahmen aus Sponsoring und von Förderern (gar Gönnern?), Online-Umsätze durch geschützte Bereiche, Einzelverkauf von Content, Online-Abos, Feed-Abos, Einnahmen durch „livehaftige“ Ereignisse, ob Konferenz, Camp oder Kaminrunden.
Nichts davon ist „Cash-Cow“-trächtig, all diese Aktivitäten sind für sich Rinnsale, aber wenn sie verlässlich fliessen und vor allem zusammenfliessen ...

Folgendes halte ich für realistisch:

1. PRE-PAID:
Als (Print-)Abonnent zahle ich ja auch im voraus, im Vertrauen darauf, jede Woche den Gegenwert für zwei-fuffzich zu erhalten. Wird (mir) vom Freitag derzeit fast immer eingelöst, das bildet Vertrauen dafür, dass ich auch Online für mehr Content(-Zugriffe) mehr bezahlen würde. Letztere von mir aus auch nach konkreter Nutzung: Wenn ich für ein Kombi-Abo etwa 10 Euro im Monat zahle (zum Vergleich meine Tageszeitung erhält derzeit rund 25 Euro monatlich von mir) und ich damit ein „Prepaid-Konto“ auffülle, von dem immer dann was abgezogen wird, wenn ich einzelne Content-Stücke nutze (Editionen, Bücher, lange, wertvolle Stücke, nutzwertige Infografiken, Karikaturen, Fotos, die man für eigene Zwecke verwenden will), das würde ich bezahlen.

2. GET LIVE
Die Musikbranche weiss: Mit Downloads fliessen Einnahmen nur geringfügig, Live-Auftritte bringen mehr. Mehr Umsatz, dazu persönliche Begegnungen, Chance auf Direktverkauf von Musik-Produkten und Drumherum (Merchandise), Stiftung von Identität und Community. Buchverlage nehmen Eintritt für Autore-Lesungen, TV-Sender kassieren von Klatschern und Jublern, die in die Studios strömen, also kann auch ein Meinungs-Medium „livehaftig“ werden, vertretbaren Eintritt nehmen ... ein weiteres Rinnsal.

3. CLUB
Die Analogie zu einem Club kam ja schon von JA, und das halte ich für machbar: Für einen Freitag-„Club“ (sollte nicht so heissen, ist nur Platzhalter-Wort) zahlt, wer die Option auf spezielle Services, auf persönliche oder gar personalisierbare Services bekommt, die Chance auf reale Begegnungen oder auch auf Vergünstigungen. Letzteres bei Editionen, Büchern, Merchandise oder eben bevorzugte Behandlung bei Live-Events. (Als Mitglied im Club von Prince erhielt ich einmal die Gelegenheit, schon zum Soundcheck in die Halle zu dürfen und zudem in einem besonderen Bereich direkt vor der Bühne zu stehen, der zudem nicht überfüllt war. Das allein empfand ich als gute Gegenleistung zum Mitgliedsbeitrag. Zur Vergleichbarkeit von „Prince“ und „Freitag“ schreibe ich ein anderes mal, aber natürlich gibt es sie ;-) Club meint auch Gemeinschaft zum Begegnen und zum Fördern. Ein guter Club ist viel wert.

Was meiner Meinung nicht geht: On-Demand-Bezahlung.
Also, etwa Auftrags-Recherchen oder Themenwunsch-Box. MAcht mal das und das, ich zahl dann. Meiner Auffassung nach sind Autoren, Redakteure, Journalisten auf ihrer Art künstlerisch tätig: Sie spüren Themen und Stimmungen auf, früher oder besser als andere, sie können sie artikulieren und vermitteln, das ist eine gewisse Kunst. Schreiben, moderieren oder „kuratieren“ von Texten, Gesprächen oder eben Community-Debatten ist dann Handwerk. Aber so wie ich auf kein Konzert will, wo die Musiker auf Zurufe warten oder reagieren („Ey, macht mal ‘n Tango-Rock-Mash-up auf 90 BPM“), erwarte ich von Medien als solchen, dass
sie ausgeprägte Instinkte für Themen haben, ihre Hausaufgaben als Rechercheure und ihren Job als Vermittler gut machen.
Das Modell Vertrauens-Vorschuss und Euro-PrePaid ist gut, und (Meinungs-)Medien sind dies aus meiner Sicht wert, wenn sie Themen finden, Agenden setzen, Diskussionen moderieren, Communities inhaltlich zusammenhalten und deren Debatten kuratieren.
misterL schrieb am 01.10.2009 um 13:54
Tschuldige leichten Sarkasmus in einem Links orientierten Meinungmedium.

Mir fehlt der Freitags Klingelton... ;-)
hest schrieb am 01.10.2009 um 14:00
@misterL: Hey, Freitags-Klingelton? Gute Idee. Vielleicht aus dem Lied von „Eberhard Freitag“, einer Figur aus der Sesamstrasse, mit Afro-Frisur (Angela Davis!) und viel Soul (Black Panther!) im Blut. EIn Sing hiess „Eberhard Freitag hat seinen Namen buchstabiert“. War grosse Klasse – und damit würde „Der Freitag“ Humor und Klasse beweisen!!
misterL schrieb am 01.10.2009 um 14:03
Ich würde ein anderes Lied bevorzugen.

"Cold Grey Monday" von Kansas. Dazu müßte sich der "Freitag" aber anders nennen. ;-)
misterL schrieb am 01.10.2009 um 14:06
Falsch, streichen. Das Dinge heißt "Cold Grey Morning".

Warum kann man nicht editieren/löschen?
Ludwig Hasselberg schrieb am 01.10.2009 um 14:35
Damit hätte man nicht nur einen Klingelton, sondern auch gleich noch das Maskottchen dazu. Wunderbar!
Friedland schrieb am 01.10.2009 um 21:35
@ misterL:

Editieren kostet extra...

Spasss beiseite - die drei Vorschläge von hest sind in meinen Augen sehr gut, weil sie auch die anderen möglichen Wege aufzeigen: Geld verdienen, ohne (sich) zu verkaufen.

Da J. Augstein beim Verlag Rogner & Bernhard bereits einer der Anteilseigner ist - und im Freitag auch hin und wieder Bücher dieses Verlages (zu beziehen über 2001 und amazon) besprochen werden, könnte man dieses "Cross-Marketing" doch schnell weiter ausbauen, oder widerspräche das dem ersten Punkt...?
Anette Lack schrieb am 01.10.2009 um 14:07
Lieber JA;

eigentlich ist fast alles schon gesagt: Wie gut die Plattform ist, die Sie hier anbieten. Wie sehr ich Ihren Mut und kreativen Geist schätze, den Freitag zu übernehmen, die Community zu gründen, sich hier immer wieder einzubringen und damit, auch als Journalist, angreifbar zu machen: weil kommentieren immer etwas anderes ist als "nur" Artikel zu schreiben, und man damit, nach einiger Zeit, unweigerlich auch Persönliches preisgibt, zwischen den Zeilen.

Hinzu kommen Streifzugs ausgefeilte, ausserordentlich kreative, bewundernswerte Ideen, viel Unternehmensgeist und Sachverstand auch bei MH, jFenn, outnumber und anderen.

Natürlich muss sich der Freitag finanzieren. Genauso klar ist, dass ein Unternehmer, der Sie hier ja (auch) sind, seinen Betrieb nicht ständig künstlich am Leben erhalten will und kann. Er muss sich selber tragen. Sonst läuft irgendwas falsch: entweder sind die Produkte, die vertrieben werden, nicht zeitgemäss bzw. der Markt ist dafür nicht da, das Management versagt, oder es wird (noch) unter Wert verkauft. Letzteres ist die Frage, die Sie oben stellen.

Irgendwann musste sie kommen. Dass die Print-Ausgabe sich nicht trägt, ist schade und hat meiner Beobachtung durchaus mit mangelnder Werbung zu tun. Denn bei den ersten Ausgaben, die ja aufwändig beworben wurden, waren zumindest hier in HH-Ottensen sämtliche Zeitschriftenläden ausverkauft. Aber sicher haben Sie da Ihre Erhebungen, wie gross der Markt maximal werden könnte.

Zur Frage, unter welchen Umständen man resp. ich bereit wäre, für die Community zu zahlen. Das hat natürlich immer mit den Erwartungen zu tun, mit denen hier jemand bloggt:

Ich wollte von Anfang an diese Plattform unterstützen, und habe das immer als Geben und Nehmen gesehen - und zwar vor allem beruflich.

Ich kann hier neue Formen ausprobieren, bekomme Reaktionen auf meine Meinung oder Artikel, lese wiederum Beiträge, die ich so nicht woanders lese, und kann mich mit klugen, belesenen und inspirierenden Menschen austauschen. Davon profitiere ich auch "privat", ganz klar.

Als Gegenzug habe ich hier immer mal wieder einen recherchierten Artikel gepostet, der mich Arbeit und Zeit gekostet hat: den Artikel über die Hamburger Bildungspolitik zum Beispiel. Über Peter Harry Carstensen und die Hintergründe seiner Politik. Das war sozusagen mein Beitrag, um das Projekt zu unterstützen.

Die braucht der Freitag natürlich nicht. Aber das würde ich dann nicht mehr machen: Dafür bezahlen, damit ich recherchierte Artikel schreiben darf. Dann würde sich mein Beitrag auf Meinungsbilder, Gedanken etc. beschränken. Das soll keine Drohung sein; dass würde bei der Fülle der Blogs hier ja ohnehin nicht ins Gewicht fallen, nur: Ich vermute, dass wird einigen anderen Journalisten, die hier bloggen, auch so gehen.

Für die Community zahlen würde ich vermutlich schon. Weil hier ein ganz besonderer Ton herrscht, und weil ich auf die Anregungen von vielen Mitgliedern hier nicht mehr verzichten möchte.

Was mich ein wenig gestört hat: "Das wollen wir wiederhaben."
Das sollte vielleicht flapsig klingen, kam aber anders an - jedenfalls bei mir: Ein wenig wie "Ihr habt uns was weggenommen!" oder "Ihr macht hier einfach einen auf lau, auf unsere Kosten..."

Mit herzlichem Gruß, Anna
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2009 um 15:55
Liebe Anna,
es gabe und gibt Magazine, welche sich nicht über Leser finanzieren, sondern über Werbekunden. Die Redaktion hat lediglich die Aufgabe, die Informationen der Werbekunden mehr oder weniger geschickt den Lesern zu "verkaufen".
Schlecht bezahlt werden in Deutschland nicht nur Journalisten. Im Gegenteil, wir alle erleben doch jeden Tag die Debatten um die Mindestlöhne. Der Kunde, welche € 120,-- im Frisörsalon läßt, weiss doch auch, dass die Frisörinnen und Frisöre sich selbst so einen teuren Frisörbesuch selbst niemals leisten können. Die Leute welche viel Geld in Szene-Restaurants lassen, werden von Personal bekocht und bedient, die ein Gehalt oft unter der Armutsgrenze bekommen. Das ist die Realität. Und manchmal kann man sich nur wünschen, dass den Gästen ihr dekadents Mahl im Halse stecken bleiben würde."Herr Ober, bitte was soll ich heute nehmen?"
Gnädige Frau, ich empfehle Ihnen Arsen!"
Wie verdient man also Geld? In dem man es von denen nimmt, die zu viel davon haben.
Und was bekomme die dafür? Prestige. Z.B.: Ein selbstbezahlter Artikel im Printmagazin. Oder die Möglichkeit die Seidenmalerei der Gattin endlich mal in einem angesagtem Magazin veröffentlicht zu sehen. Das ist zwar nicht wirklich neu, aber es bringt Geld in die Kasse. Und mit dem Geld kann man arbeiten. Dinge machen, die wichtig sind. Für Leute, die Unterstützung brauchen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2009 um 20:53
Hi Anna,

ich stimme dir zu,
" Hinzu kommen Streifzugs ausgefeilte, ausserordentlich kreative, bewundernswerte Ideen, viel Unternehmensgeist und Sachverstand auch bei MH, jFenn, outnumber und anderen. "

Und auch dein Fazit
" Für die Community zahlen würde ich vermutlich schon. Weil hier ein ganz besonderer Ton herrscht, und weil ich auf die Anregungen von vielen Mitgliedern hier nicht mehr verzichten möchte."

gefällt mir.

Auch die "mangelnde Werbung" für die printausgabe des freitag, die du für ausbaufähig hältst, finde ich ein gutes Argument.

Jetzt aber genug "geschleimt", darf ich dir eine persönliche Frage stellen?

Du schreibst noch, "hier in HH-Ottensen"...Ottensen, Ann...da war doch was!?

Bist du noch in einem anderen Forum aktiv, dann könnten wir uns unbekannterweise schon über den Weg gelaufen sein.

Ansonsten, dir als alte Blogger- "Häsin" hier bei freitag, ehrfürchtige Grüße von einer Anfängerin,

LG
Feli
Ludwig Hasselberg schrieb am 01.10.2009 um 14:32
Faszinierend, wie sehr Marktwirtschaft - im Allgemeinen behandelt als eine Selbstverständlichkeit, die bereits Kindergartenkinder verstehen können - Ansichtssache ist. Was ist hier Angebot und was Nachfrage, wer darf Geld verlangen und wer muss zahlen - der Blogger, der sich darauf beruft, Zeit und Mühe in seinen Beitrag gesteckt zu haben oder die Plattform, die die Veröffentlichungsmöglichkeit bietet und an einem einzelnen Beitrag womöglich gar kein konkretes Interesse hat.
Anette Lack schrieb am 01.10.2009 um 14:44
Lieber Ludwig Hasselberg;

kleines Missverständnis Ihrerseits, ich hatte oben differenziert:

Ich habe unterschieden, ob ich hier recherchierte Artikel poste, den ich auch woanders verkaufen kann - für die würde ich hier nicht bezahlen.

...oder "nur" als Bloggerin, was ich ja auch tue: Dann macht es mir Spass, hier zu schreiben, und ist keine Arbeit.

"die Plattform, die die Veröffentlichungsmöglichkeit bietet..."

...darauf bin ich, dass ist dem Beruf geschuldet, eben nicht angewiesen. Anderen mag es da anders gehen, das kann ich nicht beurteilen.

"...und an einem einzelnen Beitrag womöglich gar kein konkretes Interesse hat."

Sie wiederholen hier lediglich, was ich bereits oben erwähnt hatte.

Mit freundlichem Gruß

Anna
misterL schrieb am 01.10.2009 um 15:00
Marktwirtschaft ist das Kinderspiel von Angebot und Nachfrage. Offene und freie Internetcommunities sind eine andere (erweiterte) Wechselbeziehung. Der zum Angebot dazukommende Nachfrager wird duch seine Teilnahme ebenfalls Anbieter gegenüber anderen Nachfragern und Anbietern. Daraus entwickelt sich ein wechselwirkendes Beziehungsgeflecht. Man könnte es ein Netzwerk von Anbietern und Nachfragern nennen. Üblicherweise stellt man sich dort wechselseitig nichts in Rechnung. Ich kenne es zumindest so nicht. Weil zumindest die Kosten verteilt werden müssen, versucht man einen dritten Weg zu entwickeln. Bei dem begegnet man dann Ansichtssachen.
Ludwig Hasselberg schrieb am 01.10.2009 um 16:57
Anna,
danke für den freundlichen Gruß zur Belehrung.

misterL,
was macht sie so sicher, dass das hier eine offene und freie Internetcommunity ist? Anders als Gamer-Communities, Schwulen-Communities und dergleichen netzaffine Gruppen mehr, ist die Freitag-Community eben nicht frei, sondern existiert nur angebunden an ein Medienprodukt. Andere Communities mögen durch ehrenamtliche Tätigkeit bestehen können, uns würde ich diese Unsicherheit nicht zumuten wollen. Und selbst anderen Communities entstehen Kosten, die gedeckt werden wollen. Ein Hinweis auf "Übliches" ist da also wenig hilfreich. Wenn es so einfach wäre, hätten wir schließlich nicht diese Debatte hier.
misterL schrieb am 01.10.2009 um 17:27
Lieber Ludwig Hasselberg.

"offen und frei" - da bin ich mir sicher ist die Community.

Offen und frei im Sinne von:
- ich kann kommen und gehen wann ich will
- ich kann zu allen Themen Kommentare absetzen
- diese Kommentare werden allenfals auf Hinweis nachmoderiert und nicht wie anderswo durch einen Zensurprozess verzögert oder noch übler kommentarlos verworfen (auch auf Nachfrage nicht begründet)

Also können wir die "offen und frei" - Fragestellung in den Bereich Schabernack schieben. Ja, sie ist an dieses Produkt gebunden. Fällt das Produkt weg, stirbt die Community und ein tolles Projekt. Aber - ich gehe da noch einmal darauf ein - das hat mit "frei und offen" nichts zu tun.

Es muss allerdings auch die Frage gestellt werden, ob der PapierFreitag ohne den InternetFreitag überleben kann und umgekehrt. Als Frage: benötigt das Papierprodukt die Community, die wie ich Sie verstehe als Nichtzahlende Kundschaft auf Dauer verzichtbar wäre?

Falls man alles drei Erhalten will (oder muss?), so wären alle Parteien an einen Tisch zu bringen, wie man das gestemmt bekommt. Den Hinweis auf Martkwirtschaft von Ihnen alleine hinterläßt den Eindruck bei mir, dass am Tisch eine Partei allenfals den Platz den Zuschauers erhalten soll. Das wäre mir als aktives Communitymitglied (das sich vorgenommen hat noch deutlich aktiver zu werden) in einem Bezahlinternet zu wenig.
misterL schrieb am 01.10.2009 um 14:36
Ganz alberne Frage.

Warum kann ich mir den PapierFreitag nicht für X.YZ Euro als PDF via Telefonrechnung einfach auf meinen Rechner kaufen und bei Bedarf selber drucken?
mh schrieb am 01.10.2009 um 15:01
mit zeitversatz darfste das sogar umsonst ...

www.freitag.de/archiv

ansonsten stehen die artikel hier eh online.

mfg
mh
misterL schrieb am 01.10.2009 um 15:03
Ich geniese durchaus die Zeit mit PapierZeitung, Kaffee, Wein oder anderes.
SexPower schrieb am 01.10.2009 um 16:29
Nach einigen Wochen "Pause", mal wieder einen Artikel entdeckt, der mich "interessiert" und ... schon kommentiere ich auch erneut :-)

Hat "die Realität" den 'Freitag' die Redaktion/den Herausgeber eingeholt? Die "Nische" im kapitalistischen Wirtschaftssystem will finanziert werden (von wem auch immer ... "Kunde/Nutzer/User/Forist/Mäzen"?) ja, so sehe ich das auch.

Wäre ich z.B. ein "Millionen-Erbe", könnte ich mir gut vorstellen (aus purem Idealismus) Projekte zu finanzieren, die mir "am Herzen liegen" (z.B. Coming-Out Hilfen für schwule und lesbische Teenager, um hier die überdurchschnittlich hohe Suizid-Rate endlich nachhaltig zu senken - siehe dazu auch die unsäglichen Äußerungen des CDU-Politikers Christoph Bergner, CDU-Staatssekretär im Bundesinnenministerium www.queer.de/detail.php?article_id=11061).

Aber das ist sicher etwas "ganz anderes", als die Print-/Online-Ausgabe einer Wochenzeitung und ihre sog. "Community" (ich vermisse übrigens in diesem Thread sehr viele Kommentatoren, die sich sonst hier regelmäßig tummeln - ob es denen wohl, angesichts solch materieller Erörterungen, die Sprache verschlagen hat? :-)).

Also, lieber Jakob Augstein, "das Leben kostet" (eine Binsenweisheit) und ... bezahlt wird (freiwillig) im allgemeinen wohl nur für einen "Gegenwert" - sonst sind sie ganz schnell weg, die linken Gesinnungsfreunde (Achtung! Ironische Aussage, denn links bin ich selber ;-))

Ich bin wirklich gespannt, wie es hier um die "Gemütlichkeit" der Community bestellt sein wird, wenn in einigen Wochen die "Freitag"-Online Beta-Version Vergangenheit ist. Und ob dann immer noch weit nach Mitternacht privater Plausch über "dies und das" stattfinden wird (was ich in einem privaten Blog für angemessen, aber in einer "weltweit gelesenen" deutschen Wochenzeitung doch eher für "peinlich" halte :-)).

Willkommen in der (kapitalistischen) Wirklichkeit liebe Freundinnen und Freunde! Da zerplatzen sie die naiven Illusionen, oder?

Ach übrigens ... @sputnik-südstern, hi ... es ist mir immer wieder ein Vergnügen Deine intelligenten und sachbezogenen Kommentare zu lesen, eine echte Bereicherung für dieses "Forum"! Danke, dass Du den u.a. von mir vor einigen Wochen angesprochenen "Genossenschaftsgedanken" noch einmal erwähnt hast!

Und nun - Lösungen habe ich keine (wie auch, bin ja nicht in der Branche tätig), aber ... ich zahle durchaus einen "Solidaritätsbeitrag", wenn ich von einer Sache überzeugt bin, versprochen!

Beste Grüsse
SexPower ("total" :-) schwul, aber eben nicht nur, sondern auch hochpolitisch in seinem Denken :-), weil das eine, das andere nicht ausschließt - ganz im Gegenteil, vielleicht bedingt es sich sogar gegenseitig)
ruhrrot schrieb am 01.10.2009 um 21:30
@sexpower
Ich lese da Häme und Schadenfreude draus, die mich persönlich ziemlich stark abstößt. Das ist so ziemlich das Häßlichste, was ich von Dir gelesen habe. Wenn Du da mit Leuten noch eine Rechnung offen hast, versuche das doch über die Post zu klären und verschone mich mit Community-Belehrungen dieser Art. Ich brauche Dich ganz bestimmt nicht, um die Realität zu erkennen und mit ihr fertig zu werden.

por
Cassandra schrieb am 01.10.2009 um 22:08
Treffend gesagt, por.
outnumber schrieb am 02.10.2009 um 21:20
danke por
outnumber schrieb am 02.10.2009 um 21:22
ich glaube, der beisst nicht

kann ich aber verstehen por..
MeisterBaschti schrieb am 01.10.2009 um 16:49
Werbung
Robin Steinke schrieb am 01.10.2009 um 17:28
Schön guten Tag,

vielleicht kann die Finanzierung von Wikipedia und Co als Vorbild dienen? Sprich: den Betrag, der für ein Quartal benötigt wird, veröffentlichen und um Spenden bitten.

Wirklich toll ist das zwar auch nicht, wenn man das ganze aber transparent hält, könnte es funktionieren.
jfenn schrieb am 01.10.2009 um 21:09
Ein weiteres Beispiel: Das Bundesradio hatte seine Finanzierungslücke heute morgen via Twitter innerhalb von zwei Stunden behoben ...
mh schrieb am 01.10.2009 um 21:24
war auch ne super performance am sonntag.

mfg
mh
Friedland schrieb am 02.10.2009 um 00:23
Wieso ist das Bundesradio denn ungehört an mir vorbei gegangen? Zu wenig Werbung dafür beim Freitag? Schade eigentlich, und jetzt den Podcast nachzuhören bringt's auch nicht mehr...
jfenn schrieb am 02.10.2009 um 11:18
Das Projekt Bundesradio lief bisher ausschließlich über Twitter, und ich folge den beiden Machern von Bundesradio. So erfuhr ich davon.
Sehr hörenswert sind übrigens auch die Podcasts Medienradio und Küchenradio (letzteres mit drei weiteren Kollegen). Dasselbe Konzept: Podcast, Livestream, Chat auf Freenode. Auf Twitter erfährt man, wenn die Livesendung beginnt. Vorbild ist übrigens twit.tv von Leo Laporte, es geht hier aber eher um gesellschaftliche/ politische Themen.
Friedland schrieb am 02.10.2009 um 16:59
Küchenradio kenn' ich, aber laut Bundesradio war derFreitag doch sowas wie ein Medienpartner - nur leider wohl nicht hier auf der Seite...
jfenn schrieb am 02.10.2009 um 21:16
Das hatte mich auch gewundert … JA war ja auch zu Gast dort, die Community wurde sehr gelobt …
Columbus schrieb am 01.10.2009 um 18:23
Lieber Herr Augstein,

Jawoll! Auch ein dezidiert anderes Publikationsorgan muss finanziell auf möglichst sicheren Beinen stehen. Also vorweg, mein Position zu einem nicht riechenden Beitrag für den "Der Freitag" -Online.

Wenn das reguläre Print Abo 132,- € kostet, dann zahle ich für meinen Teil der Zweitnutzung im Web gerne irgend einen Betrag zwischen 55 und 70 €/Jahr.

Ein Prinzip, welches nicht nur klug, sondern auch sozial wäre, wenn die Bezahlung auf einer Art Selbsteinschätzung der Gemeindemitglieder beruhte. - Andere haben dazu schon gepostet. - So kann jeder nach seinen ökonomischen Fähigkeiten beitragen. Dafür gab es früher schon bei Print-Zeitungen Vorbilder, dafür müsste es auch Online keine großen Hindernisse geben, zumal man leicht über die persönliche Profilseite eine absolut anonyme und vertrauenswürdige Bezahlfunktion einbauen könnte: Z.B. Hartz-IV kostenlos, schon aus Prinzip, es reichte das Bekenntnis, die Selbsteinschätzung. Es sollte grundsätzlich vertraut werden. Schüler erhalten den "Der Freitag" sowieso gratis.

Zusätzlich ein leicht auffindbares Feld für Spender, mit dem Hinweis, dieses Geld wird nicht in Print gesteckt, sondern für die neue Art Wochen-Zeitung im Web. Z.B. für Redakteure, die gelungene Blog-Beiträge so redigieren, dass sie Mainpage und allgemein publikationsfähig werden, die auch einmal nachfragen können, was bei einer interessanten oder gelungenen Idee im Forum an Inhalten und Texten heraus käme, ließe man Leser/Nutzer Inhalte liefern. Die ein Netz an "Kundschaftern" zu Themen und Artikeln aufbauten, die auch schon einmal einen Reporter oder einen teuer eingekauften Experten ersetzen könnten, oder dazu zumindest eine Gegenposition lieferten.
Z.B. auch für den zusätzlichen Aufwand der zur Pflege der "Community" nötig sein wird, wenn sie wächst. - Ein Lob: Selbst im Vergleich mit der bisher so gut bereuten, nun aber eher verödeten ZEIT-Online Community, wird hier im "Der Freitag", scharf, sehr sachlich und nur selten mit persönlich bösartiger Spitze gearbeitet. Sehen Sie sich einmal den Wieland Elfferding Thread an, oder auch die Diskussion um Schlingensief, wobei z.B. Herrn Angele nicht nur für seinen Mut sich deutlich zu exponieren zu danken ist, sondern auch für seine Fähigkeit, elegant einmal den Rückzug anzutreten, anstatt immer auf dem hohen Ross sitzen zu bleiben und die Kritik zu ignorieren. Bei den meisten strittigen Themen geht es hart zur Sache, aber selten wird es persönlich beleidigend. Bei vielen Beteiligten spürt man, sie haben etwas zu sagen und geben nicht nur eine Meinung im Twitter-Format zum Besten.

Persönliche Konflikte, obwohl schon abgemildert durch den Kontrollaufwand der Redaktionen bei SZ,SPON und z.B.ZEIT-Online, eingehegt durch mangifaltige Text und Zeitbegrenzungen,sowie durch strenge Regularien, entstehen trotzdem dort viel häufiger! Eine Kommunikation zwischen Redaktion und Blog-,Kommentar- und Lesergemeinde existiert bei diesen Medien allenfalls auf Schwundstufe.

Was würde ich mir dafür an Mehrwert wünschen? Die ungekürzten Inhalte des "Der Freitag" drei Tage bis eine Woche nach Print, gutes Archiv dieses Materials ohne Zusatzkosten (das gibt es ja fast schon!). Artikel grundsätzlich häufiger mit Links und Quellenteil, nach dem Motto, wir teilen mit Ihnen unser Wissen, weil wir auch nicht dümmer, aber zumeist auch nicht klüger sind, als Sie unsere Leser, nur vielleicht belesener, professioneller in der Auswahl und stilistisch ästhetischer, weil das unser gelernter Beruf ist oder wir doch die Selbstverpflichtung als Berufung spüren. - Leser und Seher, würden ja sonst andere Print-Magazine und E-Zines bevorzugen!

Was wünschte ich mir noch?
Kontinuierliches, ruhig ganz langsames Wachstum des "Der Freitag"--Online
&Offline.

Was fällt mir auf?
Die Krux mit der mageren Werbung. - Ganz klar, die großen Werbestecken sahnen auch Online die Pressemedien ab, die einen hohen Traffic auf ihren Seiten schon vorweisen und in den Print-Teilen ein Vielfaches der Auflage erreichen.

Laienhafter Vorschlag. Kleinteiliger mit der Werbung für Online anfangen. Angebote an den kleinen Mittelstand. Bei mir z.B., könnte man werberisch Erfolge mit Alternativurlaub, Alles rund um Literatur und Kunst, Musik oder Science haben. Also kurzum, das Werbegeschäft zunächst einmal so betreiben, als sei man eine örtliche Tageszeitung mit Off-und Online Werbeteil Mo.-Sa., für eine speziellere Kundschaft. Ich persönlich hätte auch nichts gegen "Jingles" vor der, hoffentlich bald etwas schneller aufgebauten Seite oder gegen bunte Ränder oder große Werbefelder in Artikeln einzuwenden. Die müssen nicht einmal verschwinden, sondern sollte nur nicht blinken, quieken, Musik machen oder Geräusche von sich geben, ohne meinen ausdrücklichen Wunsch und Befehl.

Worüber ich mir keine allzu großen Gedanken mache: Müssen Leser-Nutzer für Artikel oder gelungene andere Beiträge bezahlt werden? Mir wäre das schlicht völlig egal, denn Blogs- und Communities leben nicht davon, dass Menschen die schreiben können, glauben sie seien verkannte Profis die es dort nur zu entdecken gelte. Die meisten hier im Forum, das merken Sie, lieber Herr Augstein, sicher auch, schreiben, weil es Spaß macht, weil es den Horizont im Austausch deutlich erweitert und sogar manchmal eine kluge Idee über die Diskussion ihren Weg in die eigene geistige Monade findet.

Ebenfalls keine Gedanken mache ich mir um das Berufsbild von Journalisten und Redakteuren. Für mich haben in diesem Beruf Leute ihren Auftrag falsch verstanden, wenn sie weiter insgeheim denken, sie lieferten anspruchsvollere Texte als andere Menschen. In der Realität ist doch Journalismus eine tägliche Herausforderung Tatsachen und Meinungen klug auszuwählen, zu redigieren und kommunizierbar zu organisieren. Ein Kunstanspruch ist damit nicht verbunden, er stellt sich höchstens zufällig einmal, oder nach langer Anstrengung, ein.

Dafür bezahle ich, weil ich nicht endlos selbst suchen und wühlen will, weil ich beim "Der Freitag" letztlich nicht lesen möchte, was schon bei der Lokalzeitung und den oben genannten, üblichen Verdächtigen zu lesen ist. - Meine Sorge: Der Wunsch nach Aktualität und Mithalten mit den Medien, die zwar mit Wochenzeitungsqualität Online werben, aber letztlich doch nur den Nachdruck der eigenen Print-Ausgabe mit Reuters,dpa und Getty-Bildern aufaktualisieren oder sich teure, kurze TV-Filmchen einkaufen, führt zu einer unerträglichen Gleichmacherei. - An manchen Tagen lesen sich die Texte auf ZEIT-Online und SPON, auf SZ oder RP-Online, bei Tagespiegel und Berliner Zeitung, als seien sie in einer großen Gemeinschaftsbude verfasst. Dann unterscheidet sich das eine Magazin vom anderen höchstens noch durch die, wie ein Emblem vorweg getragene Meinung der drei-vier Leithammel und Großpauschalisten.

Grüße

Christoph Leusch
klara schrieb am 01.10.2009 um 18:49
Hallo Christoph Leusch,
danke für diesen durchdachten, konstruktiven und selten uneitlen Beitrag zum Thema!
Herzlich
klara
Ludwig Hasselberg schrieb am 01.10.2009 um 19:01
... auch von mir.
cms schrieb am 01.10.2009 um 18:24
Ohne jetzt alle Beiträge gelesen zu haben: Wie machen das Andere Zeitungen, die alle ihre Inhalte auch Online veröffentlichen? Mir fällt spontan der Guardian ein.

Und dann gibt es noch ein freiwilliges Modell, wie es bspw. die Jungle World macht. Die bietet einfach die Möglichkeit eines freiwilligen Onlineabos an. Dazu muss man das alles natürlich für sehr unterstützenswert halten. Wie das passiert? Wahrscheinlich durch inhaltliche Abgrenzung von den anderen. Ob das dem Freitag gelingen kann? Ich weiß es nicht, glaube aber, dass ihm dazu die Möglichkeit einer konkreteren Zuweisung einer politischen Haltung fehlt. Wenn ich an Jungle World denke, denke ich an Antideutsch. Wenn ich an Freitag denke, denke ich an "irgendwie links", aber wie?

Dann gibt es noch besagtes Taz-Modell. Weiß nicht, ob der Freitag dazu genügend Unterstützer fände. Ich denke, dazu ist er zu klein.

Und dann gäbe es noch die Möglichkeit, mehr Leser für das Online-Angebot zu finden, die Zugriffe drastisch zu erhöhen und so die Onlinewerbeeinnahmen hochzuschrauben. Ich weiß nicht wie viele Leute hier Online lesen, aber wirklich Aktiv scheinen mir seit dem Relaunch mehr oder weniger immer die selben zu sein, mit leichten Schwankungen. Und das sind vielleicht die Leute aus der Community Cloud plus noch mal so viele - nach meinem subjektiven empfinde, ich habe da nichts überprüft.
Ein Punkt, der übrigens die Zugriffszahlen auch steigern kann, denke ich, ist dass möglichst viele Leute freitag.de zu ihrer Startseite machen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das zur Zeit viele tun. Ich habe es selbst eine Weile gemacht, aber die langen Ladezeiten haben mich irgendwann so genervt, dass es mir zu blöd wurde. Und da sind wir auch bei dem Punkt, dass neben Inhalten (die sehr, sehr wichtig sind) eben auch andere Faktoren eine Rolle spielen, ob das Angebot in großem Maße wahrgenommen wird. Ein paar Beispiele, die mir spontan einfallen:
- besagte Ladezeiten
- intuitive bedienbares, möglichst einfaches Layout
- Leser wollen in der Community mit ihren Beiträgen nicht untergehen, wie es leider bei vielen Blogbeiträgen passiert (bzw. so erscheint, weil die Zugriffszahlen nicht öffentlich sind)
- Leser wollen nicht immer von den selben kommentiert werden, was nur dann funktioniert, wenn die wirklich aktive Community wächst (Teufelskreis)
- Leser wollen mit Autoren diskutierten; das klappt je nach Autor gut bis gar nicht

In so fern bin ich gespannt auf das Redesign.

Übrigens finde ich bspw. den Videoblog eine gute Idee, die auch für ein paar neue Communitymitglieder sorgen könnte. Aber ich finde ihn nicht so spannend, dass ich dabei bleibe. DAS Beispiel für einen Videoblog ist in meinen Augen FS Misik beim Standard.

Und vielleicht noch eine Sache: Ich habe all zu oft das Gefühl, dass der Freitag lieber kooperiert, als etwas selbst zu machen. Ich weiß, das stimmt nur bedingt und außerdem hat es ja auch große Vorteile. Wenn man bspw. den Videoblog bei politik.de veröffentlicht, ist das natürlich auch Werbung für den Freitag. Andererseits habe ich aber keine Lust ständig auf eine andere Seite geführt zu werden. Und ganz nebenbei leitet das die Leser weg von freitag.de und sie bleiben stattdessen bei politik.de hängen und klicken sich da durch.

Grundsätzlich glaube ich übrigens - ohne die finanzielle Lage des Freitag näher zu kennen -, dass eine der in der ganzen Diskussion genannten Möglichkeiten nicht ausreicht. Es braucht wahrscheinlich eine Mischung aus mehreren.
mh schrieb am 01.10.2009 um 20:24
der kampf und aktualität ist abzulehnen .. die großen onlineangebote die sich dem aussetzen tragen sich nicht.

da er eh nur durch agenturmeldungen ausgetragen werden kann, gibt es keinen "schnellsten" dabei, denn der schnellste hat nen live-ticker und der interessiert sich dann sicher nicht für die seiten die das einfach nur reinlaufen lassen und n bissl neu aufbereiten.

mfg
mh
cms schrieb am 01.10.2009 um 20:30
Wo schreibe ich von Aktualität? Darum geht es mir gar nicht.
mh schrieb am 01.10.2009 um 20:43
kommentar war wegen des kampfes um PIs. der atm überall über den kampf um die aktualität geführt wird.

mfg
mh
cms schrieb am 01.10.2009 um 20:52
So war das nicht gemeint. Ich glaube es reicht, regelmäßig interessante Inhalte zu veröffentlichen, so dass der Leser, wenn er die Seite aufruft, auch was neues sieht, was er dann lesen will. Und das passiert ja auch durchaus. Ich glaube, die Artikel sollten dann sogar nicht auf Aktualität setzen, sondern auf Hintergrundinformationen und eben Meinung.
Anette Lack schrieb am 01.10.2009 um 18:50
Lieber Jakob Augstein;

Nachtrag für meinen Kommentar oben, u.a.:

"Genauso klar ist, dass ein Unternehmer, der Sie hier ja (auch) sind, seinen Betrieb nicht ständig künstlich am Leben erhalten will und kann. Er muss sich selber tragen. Sonst läuft irgendwas falsch: entweder sind die Produkte, die vertrieben werden, nicht zeitgemäss bzw. der Markt ist dafür nicht da, das Management versagt, oder es wird (noch) unter Wert verkauft. "

Damit habe ich Unternehmen allgemein gemeint, und keinesfalls auf das Freitag-Produkt oder -management angespielt.

Und Sie hatten auch nicht die Frage gestellt, OB wir zahlen wollen, sondern: "Wie kommt im Netz die Kohle wieder rein?"

Als Print-Journalistin denke ich natürlich sofort: "Anzeigen, Werbung". Aber Sie haben ja oben darauf hingewiesen, dass sich das hier ab einem gewissen Umfang verbietet.

Ich muss zugeben: Dazu habe ich von den Geschäfsvorgängen im Netz (noch) zu wenig Ahnung. Aber ich bin sehr gespannt auf die Diskussion und was noch kommt.

Auf alle Fälle wünsche ich Ihnen und dem Freitag samt Community:
Immer eine Handbreit Wasser unterm Kiel!

Anna
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.10.2009 um 20:18
Warum sollte ich dafür zahlen, dass ich hier einen Beitrag schreibe und eine "Leistung" erbringe?

Ganz einfach, ich sehe das so: Wie im Fußballverein, wo die Mitglieder einen marginalen Beitrag zahlen, damit die Hütte und der Platz zur Verfügung stehen und gepflegt und ausgebaut werden.

Zwar erbringen wir als Spieler schließlich auch Spielerleistungen, wir trainieren und stehen sonntags für die Vereins-Meisterschafen unseren Mann auf dem Feld, aber uns ist klar, dass die Vorraussetzungen dafür nicht am Baum wachsen.

Ich finde zum Beispiel das Angebot des "Probe-Abo", ganz beiläufig hier auf der Seite platziert, ganz gut .

Da würde ich den Freitag als Printausgabe mal testen und anlesen.
Den Kicker wollte ich sowieso abbstellen, da schaue ich eh kaum mehr rein...

Jetzt aber genug Bandenwerbung, da hab ich ja sowieso nichts von!

Sportliche Grüße
Ungar75
ruhrrot schrieb am 01.10.2009 um 21:23
Die Community ist schon eine Superangelegenheit.
Wahrscheinlich wäre ich auch bereit etwas dafür zu zahlen. Wahrscheinlich wäre das allerdings nicht sehr viel. Die Zugehörigkeit zu einer Community kostet Geld. Klar auch, dass Ihr das wiederhaben wollt. Ich habe aber auch nicht gerade viel Geld.
Feste Kosten möchte ich mir möglichst vom Leib halten, auch wenn mir klar ist, dass Ihr viele feste Kosten und eine Finanzierungslücke habt.
Wahrscheinlich werdet Ihr dann keine andere Wahl als das bezahlte Internet haben.
Im Einzelverkauf habe ich wirklich schon sehr viel Geld für den Freitag ausgegeben. Egal, ob ich die Artikel gelesen habe oder nicht. "Der Freitag" am Freitag oder jetzt am Donnerstag musste oder muss es sein. Das klingt bescheuert, aber diese Zeitung war schon fast eine Art Statussymbol für mich selbst, um mich "links" zu fühlen, obwohl mir klar ist, dass das dieses Gefühl gar nicht so wichtig ist, wenn keine Handlungen folgen, die wirklich etwas verändern.
In der letzten Zeit habe ich mich ziemlich in die Community hineingesteigert. Titta hat mich schon gefragt, ob ich im Internet-Cafe wohne?
Das hat mich auch wieder nachdenklich gemacht und für mich hat so eine Community Suchtpotential.
Das kann man auch schnell in so eine Art Traumwelt kommen, wo nur noch wichtig ist, was h.yuren oder streifzug oder Bildungswirt geschrieben hat und sein eigentliches Leben darüber vergessen, wobei mir klar ist, dass einen niemand zwingt, sich in die Community einzuloggen.
Natürlich tut es mir gut Zustimmung zu lesen oder Andere zu loben, die Blogs schreiben, die mir aus dem Herzen sprechen. Das wird allerdings kritisch, wenn ich dafür zahlen soll. Ich käme mir dann vielleicht so vor , wie so ein Mensch, der seine Bücher in Kleinstauflagen drucken lässt und alles bezahlt,um sich wichtig zu fühlen. Kann man sich als Blogger, der dafür bezahlt, eigentlich selbst noch ernst nehmen? Das ist für mich ein Punkt wo die individuelle Selbstbetrachtung und die betriebswirtschaftliche Notwendigkeit in ein scharfes Konkurrenzprinzip zueinander treten, wo ich nicht wüßte, was ich höher gewichten würde.
Ich könnte mein Konkret-Abo killen , etwas mehr anlegen und mir ein Freitagsabo anschaffen
oder ich könnte mir einen Nebenjob anschaffen. Dann habe ich aber keine Zeit mehr, in die Community reinzugehen oder ich lasse die Internet-Cafes sausen und schaffe mir eine Internetflatrate für zuhause an und bezahle für die Community.
Ich sehe die Community schon als tolles linkes Projekt an, dass nicht ständig so funktionieren kann, dass ein Einzelner die Finanzierungslücke schließt. Auf Dauer uninterssant wäre das für mich aber, wenn sich das letzlich auch nur als so eine Schwafeltraumwelt rausstellt, bei der letztlich für den Einzelnen nichts weiter bei rumkommt, als das er seinen Beitrag für das Internet oder die Printausgabe los wird, von Ausnahmen wie bei anna mal abgesehen. Ich würde nur einen Nutzen darin sehen, wenn erkennbar wäre, dass die linke Sache insgesamt dadurch voran kommt.
Ich bin mir nicht sicher, ob dies für mich alleine durch den weitergehenden Betrieb der Community gegeben wäre.
Friedland schrieb am 01.10.2009 um 22:24
Ich habe erst zwei Drittel der Kommentare gelesen, aber jetzt müssen doch erstmal einige Ideen/Gedanken raus...

Es gibt wohl drei beitragende Gruppen der Freitag-Leser:
1. Reine offline-Abonnenten, diese bringen zwar Geld, aber keinen Inhalt/keine Ideen.
2. Reine online-User, die Inhalte/Ideen einbringen, aber kein Geld.
3. Eine Schnittmenge aus beiden Gruppen: User-Abonnenten bringen Geld und Inhalte/Ideen.

Würde ein Bezahlmodell (egal welches) eine dieser drei Gruppen derart vergrößern, um am Ende mit mehr Geld/Ideen dazustehen? Ich glaube nicht daran...

Weiter oben war die Rede von der Community, die nicht den Marktgesetzen gehorcht. Das stimmt so nicht ganz: Die Community IST ein Markt - ein Jahrmarkt. Hier trifft man sich zum diskutieren, scherzen, nachdenken. Dazu braucht man aber nicht unbedingt den Freitag. Die Gefahr, diese aktiveren Mitglieder durch erzwungene Beiträge zu verlieren, ist sehr groß. Das Projekt "derFreitag" wäre dann wohl gescheitert...

Also sollte das Geld noch aus anderen Quellen kommen, bei "hest" sind weiter oben sehr gute Vorschläge nachzulesen. Auch die Idee der Genossenschaft ist einen Versuch wert. Dabei stellen sich drei wichtige Fragen: Ist die linke Community/Leserschaft groß genug? Ist (ihnen) das Projekt "derFreitag" wichtig genug? Ist die Geduld des bisherigen Geldgebers lang genug?

Auch freiwillige (monetäre) Beiträge wurden schon erwähnt: ein unkomplizierter Spenden-Buttons wäre einen Versuch wert. Oder etwa die Möglichkeit, für Blogs/Artikel eine Spende zu hinterlassen. Diese Cents könnten dann von den Bloggern in Form von Credits für Freitag-eigene Produkte (z.B. die Edition) eingelöst werden.

Das waren ein paar schnelle, kurze Ideen zu einem für den Freitag - trotz einiger Tipp-/Rechtschreibfehler - sehr wichtigen Thema. Warum dieses heikle Thema aber kurz vor dem angekündigten Relaunch hervor gekramt wurde, ist mir zurzeit nicht klar...
Ludwig Hasselberg schrieb am 01.10.2009 um 22:41
Auch sehr interessant, und schon etwas weiter gedacht, Richtung Umsetzung.

Warum grade jetzt das Thema frage ich mich auch. Und so holterdipolter.
Friedland schrieb am 01.10.2009 um 22:41
Zwei Gedanken noch zum neuen Freitag:

Die Möglichkeit der Personalisierung der Freitag-Seite ist ein nicht zu unterschätzender Punkt: Je mehr ich manche Angebote direkt von hier aus aufsuchen kann, desto mehr Gründe habe ich, auf dieser (Freitags-)Seite zu starten.

Ein, zwei Tools zum besseren Einbinden von Links, Fotos und Audios/Videos wären nett. Ich möchte nicht immer HTML-Zeilen kopieren müssen. Allgemein lebt das Internet doch von Verlinkungen und Vernetzungen und wenn der Freitag besser in ein Netz eingewoben wird, kann das doch nicht schaden, oder...
mh schrieb am 01.10.2009 um 22:53
jo mit dem netz sein, nicht im netz.

mfg
mh
Friedland schrieb am 01.10.2009 um 23:04
Und noch was zum Redesign:

Hier hab' ich gerade gesehen, wie schön eine 3D-Community-Cloud aussehen könnte...
Jan Jasper Kosok schrieb am 02.10.2009 um 10:27
Aber sie (die Cloud) sieht auch nur schön aus. ;) Wobei der Nutzen ja eh hinterfragt werden könnte. Ähem. Insofern ist das vielleicht auch ok so.

Zu der Schnittmenge aus On- und Offline-Lesern: Ich glaube, die kann man nur durch Mehrwert miteinander verbinden. Sprich jemand, der ein Abo hat, hat auf der Website bestimmte Rechte, Extras etc pp. Falls es eines Tage das Online-Abo (PDF, Epub, Community, etc) geben sollte, könnte man versuchen, diese wiederum mit einem "Echt"-Abo zu ködern usw usf.

Ob das alles funktioniert, steht auf einem ganz anderen Blatt. Allerdings ist dies meines Erachtens nach eine der Hauptaufgaben, der wir hier gegenüber stehen. Denn das Ziel On- und Offline zu verzahnen kann sich ja gerade eben nicht schon bei den reinen Contentangeboten ermüden. Gerade der wirtschaftliche Teil wäre bei Erfolg ja etwas, worauf man stolz sein kann. Das Konzeptalbum des Verlagswesen nach 2k (etwas größenwahnsinnig). Oder so.

LG JJK

PS: Spannend hier.
Anousch O. schrieb am 01.10.2009 um 23:30
Also ich würde zahlen. Der guten Sache wegen. Punkt. Wem das nicht 'Content' genug ist, der sollte sich mal fragen, was er eigentlich wirklich will. Und ob das, was der Freitag und die Community hier veranstalten, nicht ein schützenswertes Projekt ist. So viele Leute werden nicht kommen und Geld in die Hand nehmen, um ein anspruchsvolles linkes Mitmachmedium auf die Beine zu stellen.

Um in der "Welt des Überflusses" (jfenn) nicht unterzugehen, braucht es eine so sportliche Jolle wie derFreitag.
mh schrieb am 02.10.2009 um 00:21
der satz des tages

Yes, the hypothesis is that money is in the platform, and not the actual content, similar to the iTunes idea.
jfenn schrieb am 02.10.2009 um 11:42
Der Vergleich mit iTunes ist aber schief, denn dort wird ja bestimmter Content direkt online stückweise verkauft, was hier nicht geht. Wer würde für ein Blog bezahlen?
mh schrieb am 02.10.2009 um 11:48
niemand nutzt itunes, weil es toll ist.

die leute nutzen es, weil der ipod und das iphone toll ist .. itunes gehört nur dazu.

mfg
mh
jfenn schrieb am 02.10.2009 um 21:21
Ja. Aber ich habe auch seit zweieinhalb Jahren einen iPod. Ich nutze iTunes lediglich zum Beladen meines iPods mit Inhalten: Podcasts und Musik, die ich entweder von meinen CDs übernehme oder die ich als CC-lizensierte Titel aus dem Netz lade. Ich habe noch nicht einen Musik-Titel online gekauft, und daran wird sich auch nichts ändern.

Es gibt einen Überfluß an Texten und Tönen. Geld gebe ich für einen Mehrwert aus: Eine schön aufgemachte CD mit einer Aufnahme von einem bestimmten Künstler (Klassik, Jazz, sehr selten Pop), die ich meiner Sammlung hinzufügen kann (nicht: die ich auf meiner Festplatte speichern kann).
misterL schrieb am 02.10.2009 um 06:35
Guten Morgen.

Heute etwas auf Konflikt gebürstet, weil das Wasser aus einem schicken Tank auf der Strasse kommt und zu dem lausig kalt ist.

Lieber JA

"Ich habe dazu selber ein paar Ideen."

Ich finde, wenn mir keiner dazwischen kommt, ist nach 100 Beiträgen Zeit für Deine/Ihre Ideen.

mit Tankwasser gekühlte, liebe Grüsse
misterL
ruhrrot schrieb am 02.10.2009 um 09:33
Ich habe es mir überlegt. Ich würde 50 - 60 € im Jahr dafür ausgeben. Es ist eine tolle Sache. Ich finde die Community gibt schon Einiges und wer es kann, sollte sich an den Kosten beteiligen. Es ist für mich ungeheuer belebend hier drin zu sein. Ich glaube, dass es vielen Anderen auch so geht. Das mit dem Suchtpotential hat viel mehr mit mir und meiner eigenen Geschichte als Alkoholiker zu tun als mit der Community. Ich denke schon, dass es eine gute Sache für links ist, die unbedingt weiterlaufen sollte.
Dabei geht es natürlich nicht nur um links, sondern um ein offenes Forum für den offenen Gedankenaustausch.
Ich habe auf meine Art, also sehr persönlich auf Jakob Augstein geantwortet. Alleine seinen Text habe ich auch als eine Einladung zum Streit verstanden. Manches meiner Wörter habe ich dabei nicht bis ins Letzte bedacht und austariert. Einiges würde ich heute schon vielleicht anders formulieren. Ich denke aber, dass das in so einem Forum möglich sein muß.
jfenn schrieb am 02.10.2009 um 11:46
Zum ganzen vgl. auch den neuen ElRep: Zukunft des Journalismus: wer soll das bezahlen?.
Magda schrieb am 02.10.2009 um 12:08
Hallo,
Ich stelle nach dem Studium fast des ganzen Threads ohnehin fest, dass ich - wie Anna - hier in einer Art von "Mischform" unterwegs war. Ich habe zu Beginn - als Art Visitenkarte- ganze Beiträge hier gepostet in der Annahme, vielleicht interessiert sich jemand in der Redaktion dafür was ich schreibe und wie ich schreibe.

Inzwischen sehe ich komplett ein, dass ich mich da geirrt habe und dies - zugegeben - auch nicht verlangen kann. Wenn ich versuchen will, einen Beitrag zu verkaufen würde ich durch die Vordertür gehen, der Redaktion direkt anbieten und dann hören, ob man das brauchen kann oder nicht. Einen Teil meiner publizistischen Textversuche werde ich so nach und nach auch wieder löschen.

Die andere Kiste ist die Bloggergeschichte - ich finde es verhängnisvoll und unklug, das zu vermischen. Denn ich merke an mir selbst, dass ich anders blogge, auch lässiger, weil es manchmal aktueller und schneller sein soll. Und ich finde es auch kontraproduktiv, die Community zu locken, indem man mit einem anderen Status und all diesen Kram lockt.

Ich schreibe seit Jahrzehnten Beiträge aller Art und werde hier - weil die Redaktion ein Gedicht lustig fand und druckt - zur Publizistin erklärt. (Jaja, ich fand das auch sehr nett, aber nur weil ich auch nicht gern eine Spielverderberin bin. )

Überhaupt kann man nicht in einer Community erst Hierarchien einrichten und dann plötzlich die - wir sind doch alle Gemeinschaft - Flagge hissen. Ist mir nicht einleuchtend.
Tatsächlich leidet die Printausgabe unter Umständen darunter oder es macht zusätzlichen redaktionellen Aufwand, Beiträge zum Druck vorzubereiten, vor allem wenn die Blogger etwas zu viel von ihren eigenen Sachen halten.

Ich bin also gern hier gern zum bloggen, aber ich finde es atemberaubend, wenn zum Beispiel in einer Art von Selbstüberhebung erklärt wird,

"Ebenfalls keine Gedanken mache ich mir um das Berufsbild von Journalisten und Redakteuren. Für mich haben in diesem Beruf Leute ihren Auftrag falsch verstanden, wenn sie weiter insgeheim denken, sie lieferten anspruchsvollere Texte als andere Menschen." (Columbus)

Unglaublich finde ich das, einen Berufsstand so abzutun. Ich möchte - nebenher - gegenwärtig nicht gerade in diesem Kuddelmuddel zwischen Printarbeit und gleichermaßen angehalten, sich Online zu betätigen hin und her gerissen zu werden und auch noch Empfindlichkeiten berücksichtigen. Eine solche Äußerung beweist nur, dass es Leute gibt, die die Qualität von Texten etwas weltfremd einschätzen, die von der alltäglichen Redaktions- und Journalistenarbeit keine Ahnung haben.

Zum Finanziellen: Ich fände eine Art Community-Beitrag ganz gut. Man zahlt ja auch für seinen E-Mail account, wenn er etwas mehr bietet.

Mir sind hier beim Freitag die Menschen, die sich hier gefunden haben, wichtig und die Möglichkeit, für meinen Alltagskram, den ich erzähle und blogge, interessante Leser und Diskutanten zu finden und mitzudiskutieren. Über Politik reden und schreiben hier soviele. Aber fast alles andere ist in der Bloggerszene wenig vorhanden - Kultur, gering, kaum über Bücher usw.

Wenn sich da was entwickelte, was nicht ständig und gierig auf Status und Printausgabe starrt, fände ich das auch nicht schlecht.

Dafür würde ich unter Umständen auch zahlen.

Ich finde solche Gemeinschaften schon wichtig und habe - bei der Schließung des Forums des Literaturcafes - erlebt, wie gern die Leute auf so einem Portal zusammenbleiben wollen. Und wie übel sie es genommen haben, dass das so einfach beendet wird. Einige treffen sich anderswo heute noch. Man sollte das Soziale nicht unterschätzen, aber auch nicht drauf spekulieren.
ChristianBerlin schrieb am 02.10.2009 um 13:54
@Magda

[Zitat]Einen Teil meiner publizistischen Textversuche werde ich so nach und nach auch wieder löschen.[/Zitatende]

Das finde ich gemein, das solltest Du nicht tun.

Schon deshalb nicht, weil Du damit andere User bestraftst, die Dir Resonanz gegeben haben. Denn deren Kommentare verschwinden bei vollständiger Löschung Deiner Blogbeiträge dann auch. Hab ich mal bei Christian Sickendiek erlebt - wobei ich ihn verstehen konnte, ihm tat ja inhaltlich leid, was er geschrieben hatte.

Du bist hier in der Community die beliebsteste Autorin, hast die meisten Abonnenten und den fettesten Namen in der Cloud - Neulinge könnten deshalb auch Deine älteren Beiträge interessieren.

Ob es Sinn macht, ältere eigene Sachen stehen zu lassen, wissen wir genau freilich erst dann, wenn die vor Monaten versprochenen - und hier wieder angemahnten - Zugriffszahlen (wenigstens für die eigenen Beiträge) mal greifbar gemacht werden.
Magda schrieb am 02.10.2009 um 14:06
Lieber ChristianBerlin (wo ist denn Dein schönes neues Bild?)

Du hast Recht. Ich dachte nur, weil das doch auch teurer "content" ist.

Das war aber nett von Dir.

Ja, ob es Sinn macht...weiß man nicht. Das war jetzt auch nicht als Aktion gedacht oder so.

Gruß Magda
ChristianBerlin schrieb am 02.10.2009 um 14:28
Liebe Magda,

danke für die Antwort. :) Schön, dass das nicht so gemeint war, ich kriegte spontan einen Schrecken, als ich die Ankündigung las (die keine war).

Mein neues Bild kommt ab und zu noch mal wieder. Und vielleicht noch ein paar andere. Auf dem alten versaure nämlich sonst in meiner Schreibstube auf die Dauer. Ein bisschen nette Gesellschaft - wie die von Maria und Jesus - , finde ich, kann eine erfreuliche Abwechslung sein.

Allerdings muss ich erst mal lernen, den Austausch zu fehlerfrei zu bewältigen, da gab es noch (technische) Probleme. Ich bin nicht nur beim Wiedereinstellen des alten Bildes geschrumpft, auch das neue kam mir zu klein vor, keine Ahnung, woran das liegt. LG Christian
Deaktivierter Nutzer schrieb am 02.10.2009 um 14:44
Hallo Magda,

du zitierst in deinem Plädoyer, wenn ich dies in lobhudeliger Absicht meinerseits mal so nennen darf, ohne dass du die Nase rümpfst:

´ "Ebenfalls keine Gedanken mache ich mir um das Berufsbild von Journalisten und Redakteuren. Für mich haben in diesem Beruf Leute ihren Auftrag falsch verstanden, wenn sie weiter insgeheim denken, sie lieferten anspruchsvollere Texte als andere Menschen." (Columbus)

Unglaublich finde ich das, einen Berufsstand so abzutun. ´

Ich selber bin bescheidener Journalist, fühle mich aber durch Columbus´ Ausspruch keineswegs beruflich oder qualitativ "abgetan" oder abgewertet.

Denn ich verstehe seinen Gedanken eher so, dass er auf die Gleichwertigkeit von "professionell" und "laienhaft" schriftlich festgehaltenem Gedankengut hinauswill.
Er wertet also Journalisten nicht ab, sondern weist darauf hin, dass diese - ich nehme mich da nicht aus - , manchmal meinen, durch ihren Universitätsabschluss die Weisheit, objektive Analysefähigkeit, Scharfzüngigkeit und angebildetes Wissen mit Löffeln gefressen zu haben.
Zugegeben, viele haben das ja auch...

Dennoch ist eine Meinung oder ein Essay, nur weil es von einem eher ungeübten oder gar amateurhaften Schreiber verfasst wurde, nicht per se "2. Wahl".

Liebe Magda, solche Klassifizierungen möchte ich dir wirklich nicht unterstellen, denn deine Beiträge sprechen eine tolerante, weltoffene und kluge Sprache.

Aber leider gibt es auch in unserem Berufsstand sowas wie Standesdünkel.

Gruß
Sven
Magda schrieb am 02.10.2009 um 15:03
"Aber leider gibt es auch in unserem Berufsstand sowas wie Standesdünkel."

Nee, ich dünkle nicht. Aber ich finde, dass dieser Berufsstand, der ja nicht nur aus den hinlänglich bekannten und manchmal berüchtigten "EDelfedern" besteht, kaum noch halbwegs respektiert wird.
Dazu kommt, dass ich eher die vielen anderen Tätigkeiten im Sinn hatte, die auch zum Journalismus gehörten: Das Redigieren, die Recherche, die schnell und gut formulierte Nachricht und - das ständige Glätten auch noch fremder Eitelkeiten. Ich habe in der Passage so eine allgemeine Abwertung bei weitgehender Unkenntnis rausgelesen.
Columbus schrieb am 02.10.2009 um 19:16
Liebe Frau Magda,

Ich habe, es sei deutlich gesagt, einen ganz hohen Respekt vor professionellen Journalisten, und zwar sowohl vor jenen, die ihr Tun als Berufung sehen und betreiben, als auch vor jenen, die es von der Picke auf lernten und einfach nur Profis sein wollen. Das steht auch genau so in meinem Beitrag, wenn man daraus nicht nur einen Satz zitiert, sondern gleich den davor und den danach mit gelten lässt.

Tatsächlich reagieren ja andere Publikationsorgane mit eben jenem Dünkel, ihre "Lesergemeinschaften" und Kommentaristen allenfalls als ewig palavernden Meinungsstrom und schlimmer noch, als Beleidigungssuada hinzunehmen und notfalls oder aus betriebswirtschaftlichen Gründen ein zu kürzen, aber nicht auf sie einzugehen! Das Letztere ist aber, nicht nur anlässlich hochwertig besetzter Panels, wie z.B. von Herrn Blau, dem Chef des gerupften Online- Medienflagschiffs "ZEIT-Online"+ "Tagespiegel"+ "Zoomer"(selig), rein rhetorisch vorgeführt, ein notwendiger Teil der Zukunft des professionellen Journalismus 3.0.

Ich schätze was Sie oder Herr Berlin schreiben, sonst würde ich nicht zurück schreiben. Ich schätze, was die "Freitags-Autoren" (m/w) schreiben und wie sie es tun, sonst bliebe ich stumm wie ein Fisch und sähe mich nach anderen Quellen und Orten um.

Liebe Grüße

Christoph Leusch

PS: Sven Jurgeleit schreibt dazu, wie er es verstehen konnte. Da finde ich mich wieder. Schließlich geht es ja hier um die schnöde materielle Basis eines ganz fortschrittlichen Mediums.

Kommunikationsverweigerung führt übrigens, das weiß die Medienwissenenschaft und die Psychologie, sowie der gesunde Menschenverstand schon lange, immer zu aggressiven Tönen und Handlungen und zur Belanglosigkeit.

Was die Bildung angeht, so schafft sich der verantwortliche und professionelle Journalist und Redakteur durch sein eigenes Schreiben die entsprechende Rückantwort. So will ich es verstanden wissen, so steht es im Elfferding- Thread, so kann man es im
hoffentlich historisch eingerahmten Schlingesief-Thread nachlesen.
archinaut schrieb am 03.10.2009 um 18:19
.... die Beiträge bitte nicht löschen, ich habe sie noch nicht alle gelesen! Das Gedicht fand ich auch übrigens erheiternd, weil gegen den Strich gebürstet), die Blog-Zitate werden aus dem Zusammenhang gerissen, so kommt es einem selbst wahrscheinlich vor..... aber es ist doch schön, diese besonderen Stimmungen zu belauschen....
rama schrieb am 02.10.2009 um 12:40
An den Verleger Jakob Augstein: Die Zeitung, der wir daheim treu geblieben sind, ist nicht besser geworden - allerdings beliebiger und offensichtlich unter nachlassender Qualitätskontrolle leidend. Dieser Netzauftritt ist für mich bisher nicht mehr als "Nice to have", es gibt vieles, auch im Netz, dessen Verlust ich erheblich mehr bedauerte. Die Einladung zum Streit und zur "ongoing debate" ist damit dankend abgelehnt - da gibt es mehr als nur einige Projekte, deren Geldnöte mich mehr bewegen als die dieses Auftritts.
bloggi schrieb am 02.10.2009 um 14:56
Nun, erstaunlich ist: Wir haben ein funktionierendes Bezahlsystem für Inhalte. Es heißt GEZ. Und es ist verhasst, wie kaum eine andere Institution. Dies hat damit zu tun, dass es sich bei diesem Laden um eine fette Katze handelt, deren Lebensaufgabe darin besteht, fette Katzen zu ernähren.

Was, ja, was wäre denn, wenn die GEZ nicht nur die öffentlich rechtlichen, sondern auch privaten Content, Blogger Content, den Freitag finanzieren würde? Nicht von irgendwelchen Gremien festgelegt, sondern nach einem Schlüssel, den sämtliche registrierten GEZ Kunden durch Votings selbst bestimmen? Das hätte außerordentlich positive Synergieeffekte zur Folge. Zum einen würden die Fatcats wieder etwas geschmeidiger und könnten damit aufhören, kafkaeske Kostenapparate vor sich herzuschieben (wer mal in ein Funkhaus und dessen Redaktionsstuben und Studios schaut, weiß, was ich meine). Zweitens würde die Akzeptanz der GEZ vermutlich steigen und drittens würden wir das Problem lösen: Wer bezahlt denn nun künftig für Qualitätsjournalismus - wo die direkte Bezahlung von Content Lifestyle Angeboten, Sport, Unterhaltung, Gadget Blogs und Ratgeber-Angeboten vorbehalten bleiben dürfte.
ChristianBerlin schrieb am 02.10.2009 um 15:28
@JA

Lieber Jakob,

so einfach lässt sich mit Bettelbriefen Geld verdienen. Einige unserer wichtigsten Blogger und Publizistinnen haben bereits öffentlich und schriftlich erklärt, dass sie zahlen wollen und wieviel (nämlich ungefähr 50% Printabopreis, ca. 60 im Jahr oder 5 € im Monat) - und das ganz ohne zusätzliche Gegenleistung auf Seiten des Freitag. Herzlichen Glückwunsch!

Aber war die Frage so wirklich gemeint? Ich hatte sie so verstanden, dass nach einer solchen zusätzlichen Gegenleistung gefragt wurde, durch die sich nicht nur die Portemonnaies der immer gleichen Idealisten öffnen, die hier sowieso am meisten unentgeltlich einbringen. Die würden zweifelsohne auch noch zusätzlich dafür zahlen. Allerdings nur freiwillig. Und da liegt die Crux.

Mit freiwilligen Zahlungsverpflichtungen in solchen Communties habe ich Erfahrungen. Sie stammen aus dem Jahr 2006, aus einer Community, die von Januar bis November von 3.000 auf 12.000 User wuchs. Man kann rechnen, dass sich etwa 1-2 Prozent der angemeldeten User (inclusive Karteileichen) oder 10-15 Prozent der aktiven User (mindestens 1 Login pro Monat, aktiv sind ca. 20-20 % der angemeldeten) mit einer solchen Summe freiwillig beteiligen.

Übertragen auf den Freitag heißt das: 10-15 % von momentan 560 aktiven Usern würden monatlich 5 Euro zahlen, das wären 280-420 Euro - oder 1-2 % von 4650 angemeldeten, aber zu über 80 % inaktiven User zahlen 5 Euro monatlich, was in etwa dieselben Summen ergäbe.

Aber reicht das? Für die Kosten des Onlinebetriebs, die leider nicht beziffert werden, dürfte das kaum reichen. Selbst wenn man den (zweifellos gegebenen) Werbeeffekt für die Printausgabe nachmisst und beziffert, wird das nicht reichen.

Wer mehr rausholen will, muss mehr anbieten. Den "Gratis-" bzw. "Freiwilligkeits-"Status der Teilnahme hier unangetastet lassen, aber neue, zusätzliche Features für zahlende anbieten, die so attraktiv sind, dass sie nicht nur einen nennenswerten weiteren Teil der Aktiven zum Zahlen verführen, sondern auch weitere User hinzugewonnen und aktiviert werden können.

Das könnte der "Mehrwert" sein, von dem Jan-Jasper sprach. So hatte ich die Frage eigentlich verstanden, dass wir für dieses "Draufsatteln" Ideen liefern sollen aus der Schnittmenge der Möglichkeiten, die das Internet bietet, und den Bedürfnissen unserer User.

Oder sind Sie, lieber JA, mit dem an sich positiven, aber prognostisch wohl kaum zureichenden Resultat qua "Bettelbrief" schon zufrieden?

LG Ihr CB
Friedland schrieb am 02.10.2009 um 17:23
Lieber ChristianBerlin,

woher stammt denn Ihre Zahl "560 aktive User"? Sind damit alle Arenen (auch Fußball) gemeint?
jfenn schrieb am 02.10.2009 um 20:39
560 scheint mir auch sehr hoch gegriffen. Wenn sie aktiv sind, müßte man von ihnen ja schon mal etwas gelesen haben?
outnumber schrieb am 02.10.2009 um 21:30
Nie im Leben und im Jenseits sowieso nicht

diese zahl ist definitiv eine gewünschte
ChristianBerlin schrieb am 02.10.2009 um 23:42
Liebe Kritiker und Zweifler,

hab ich mich denn so missverständlich ausgedrückt?

Ich hatte doch eine klare Definition gegeben, was mit "aktiv" gemeint ist: 1 Login innerhalb eines Monats.

Das ist eine Bezugsgröße, die in zwei Richtungen Hochrechnungen gestattet: Zum einen kann man davon ausgehen, dass die in diesem Sinne "aktiven" in einer wachsenden Community immer 10-20 % aller angemeldeten (registrierten) User sind.

Und das kommt beim Freitag tatsächlich hin:

4650 sind registriert (seit Beginn des Jahres), sei es als Kommentatoren oder als Blogger.

560 haben davon sich in den letzten 30 Tagen eingeloggt.

Geschrieben oder gepostet haben möglicherweise weniger. Das wäre noch einmal eine dritte Zahl, die noch mal kleiner ist (bzw. zwei Zahlen, gesamt und im Laufe eines Monats). Aber das wird hier nicht für alle sichtbar erfasst und wäre schwieriger auszuwerten.

Die Recherche zu den monatlichen Logins und zu den insgesamt registrierten ist dagegen überhaupt nicht schwer. Seht euch folgende Seite an:

www.freitag.de/community/user-suche

Dort findet ihr pro Seite exakt immer 10 User gelistet - das ganze Mal der Anzahl den anklickbaren Seiten-Zahlen nehmen, fertig ist die Statistik. Oben könnt ihr dazu wählen, ob euch die User der letzten 10 oder 30 Tage angezeigt werden oder alle.

Meine Erfahrungen besagen, wer sich in einer Internet-Community dieser Größe registriert und immer mal wieder einloggt, ist - wenn sie gut betreut wird - in einer gewissen Quote auch bereit dafür zu zahlen, und zwar selbst dann, wenn es kein Muss und keine Mehrleistung dafür gibt.

Diese Quote liegt bei 10-15 % der in einem Monat eingeloggten - ob man sie nun "aktiv" oder sonst wie nennt, ist dabei völlig egal (der Begriff ist jedenfalls unter Community-Admins genau dafür, fürs Login im Gebrauch, lässt sich ja auch gut messen). Das ist jedenfalls die zweite Richtung, in die überschlägig hochgerechnet werden kann.

Und schließlich lag der Durchschnitt dieser freiwilligen Zahlungen auf wundersame Weise tatsächlich immer wieder bei 5 Euro im Monat - das ist genau das, was hier von denen, die Zahlen genannt haben, durchgängig angeboten wurde.

Zufall?

Ich hoffe, ich habe jetzt verständlich erklären können, was ich meine, und auf welches Zahlenmaterial ich meine Einnahmen-Prognose stütze. Eure Zweifel zeigen mir, dass ich das offenbar im ersten Anlauf nicht hingekriegt habe.

Oder irre ich mich? Ist da ein Denkfehler drin?

In jedem Fall schon mal Danke für euer Interesse an meinen Berechnungen - bei denen leider kein Millionensegen herauskam.

(Die eigentlich spannendere Frage ergibt sich ja erst in der Konsequenz dieser Berechnungen: Worin die (kostenpflichtigen) Mehrwert-Optionen bestehen könnten, das Surplus, das JA noch dazupacken könnte, ohne das Bestehende zu tangieren, um damit die Zahlungsbereitschaft zu erhöhen, aber niemanden zu verscheuchen und sogar noch neue User-Gruppen hinzuzugewinnen).
jfenn schrieb am 03.10.2009 um 00:00
@ChristianBerlin: Mit Statistiken ist es so eine Sache … aber ganz davon abgesehen: Ich erinnere mich noch gut daran, wie es war, Spenden für ein Wiki für eine Office-Anwendung einzutreiben. Es wurde gespendet, aber der Bestand des Wikis hätte dadurch allein nicht sichergestellt werden können. Und deshalb würde ich auch hier eher von einem Zubrot ausgehen als von einem Modell, das sich langfristig selbst tragen könnte.
ChristianBerlin schrieb am 03.10.2009 um 11:53
@jfenn

Danke für die Antwort. Ich glaube schon ein bisschen an Statistiken - echte Vergleichbarkeit der Bedingungen vorausgesetzt. Allerdings ist mein Resultat ja das Gleiche: Was sind denn bummelige 280-420 Eu im Monat?

Übrigens ist Dein erster Einwand aus meiner Sicht ja nicht schlecht gewesen:

[Zitat]Wenn sie aktiv sind, müßte man von ihnen ja schon mal etwas gelesen haben?[/Zitatende]

Übersetzt: Warum loggt sich jemand ein, wenn wir hinterher nichts von ihm/ihr lesen?

Wenn wir diesen scheinbaren Widerspruch verstanden haben, haben wir mehr verstanden (und JA wüsste noch mehr Dinge, die er verbessern könnte). Ich hätte für dieses Rätsel zwei mögliche Erklärungen anzubieten.
jfenn schrieb am 03.10.2009 um 20:57
@ChristianBerlin: Natürlich kann man darüber (Einloggen, ohne zu schreiben) nur spekulieren: Gibt es eine Funktion, die man nur eingeloggt nutzen kann, von der wir aber nichts mitbekommen? Mir fiele jetzt nur eine ein: Man kann sich Nachrichten über die Community schreiben. War bei mir bisher sehr selten der Fall, aber das tritt nicht nach außen in Erscheinung.
ChristianBerlin schrieb am 04.10.2009 um 13:22
@jfenn

Das wäre tatsächlich eine der beiden Erklärungen gewesen. War ja sicher nicht schwer darauf zu kommen.

Tatsächlich habe ich hier gelegentlich Neulinge per PM willkommen geheißen, wenn ich sie aus anderen Zusammenhängen schon kannte und/oder über deren Erscheinen hier ich erstaunt und erfreut war. Und wenn ich das schon so mache, würde ich davon ausgehen, dass andere das in ähnlichen Fällen ähnlich handhaben könnten.

Nach meinen Erfahrungen antwortet etwa die Hälfte der so Begrüßten und bedankt sich. Die anderen bekommen wenigsten eine System-Mail, dass sie Post haben. Die müssen sich dann ebenfalls einloggen, um die Nachricht zu lesen.

Wenn ich danach nichts wieder von ihnen höre bzw. lese, schaue ich dann in deren Blog nach - und stelle meistens leider fest, dass ich mit meinem ersten Erstaunen: Alles leer.

Böse Zungen würden jetzt sagen, das kann nur an meiner Begrüßung liegen. Glaub ich aber nicht.

Sie dürften vielmehr andere Gründe gehabt haben, sich hier anzumelden, als bloggen zu wollen.

Was uns (unter anderem) zu der zweiten Sache führt, für die man sich einloggen muss, ohne dabei einen Blogbeitrag oder Kommentar zu hinterlassen.

Wir können das Ratespiel dazu ja gerne weitertreiben, vielleicht kommt ja noch jemand drauf.
ChristianBerlin schrieb am 04.10.2009 um 16:27
Bevor ich mir überlegen muss, ob ich angesichts dieser Rateflut mehrere 0130-Leitungen schalte, löse ich lieber selbst auf:

Wer andere Blogs interessant findet und sie abonnieren will, muss sich dazu (als Blogger) anmelden und eingeloggt sein. Dasselbe gilt für das "Merken", um Diskussionen zu verfolgen, wenn neue Kommentare eingehen.

Tatsächlich sind unter meinen Followern mehrere Nix-Poster, also könnte es dieses Phänomen auch bei anderen geben. Auch von denen liest man hier nichts, wenn sie sich einloggen, um anderen folgen zu können.

So, und das Preisgeld behalte ich. :P
donda schrieb am 02.10.2009 um 15:50
Hallo, hier mein Senf zum Thema:

- Für die Blogging- und Kommentarfunktion Geld zu verlangen halte ich sowohl für aussichtslos wie auch für unangemessen. Aussichtslos deshalb, weil man Bloggen und Kommentieren an vielen Stellen im Netz in absehbarer Zukunft für umsonst können wird, dafür Gebühren zu verlangen wird also nur zum Abwandern der User führen, oder einfach dazu daß weniger gebloggt und kommentiert wird, die User also wieder einfach Leser werden.

Unangemessen deshalb, weil der Freitag dazu zwar die technische Plattform bietet, tatsächlich aber auch dadurch seinen redaktionellen Inhalt um kostenfreie Beiträge anderer ergänzen kann, was zumindest in einigen Fällen zu einer wesentlichen Aufwertung führt. Der Freitag bietet etwas, die User aber ebenso, also wer soll wen bezahlen?

- Was die redaktionellen Inhalte angeht: Der Freitag ist mir meine Abogebühr wert, und ich würde auch für die Online-Version bezahlen wollen wenn es keine Print-Version mehr gäbe (oder ein separates Online-Abo). Nun bin ich aber langjähriger Freitag-Leser, und andere, die mal nur per Link hier vorbeischneien, wollen sicher nicht gleich abonnieren.

Umgekehrt weiß ich auch, daß mich ein Link auf einen New York Times-Artikel oder ähnliches, wo ich mich nach den ersten drei Sätzen erstmal einloggen soll, nicht zum bezahlen bringt sondern zum wegklicken. Auch wenn der Artikel sehr spannend zu sein scheint und ich bereit wäre dafür zu bezahlen, die gegenwärtigen Zahlungsmöglichkeiten sind einfach zu umständlich. Bei wie vielen Online-Publikationen soll ich mir denn einen Login einrichten und meine Kreditkarteninformationen übermitteln?? Das ist Unsinn.

Daher, ich weiß es ist ein altes Thema aber es bleibt dabei: Mit Inhalten im Netz Geld verdienen ginge nur dann, wenn sich die Anbieter, mindestens deutschlandweit, besser aber international, auf ein einheitliches, einfach anzuwendendes und sicheres Zahlungsverfahren für kleine Geldbeträge einigen würden. Ich weiß daß einige Leute auch bei diesem Verfahren, sog. Micropayments, glauben daß es keinen Erfolg hätte -- aber meines Wissens ist es einfach noch nicht ausprobiert worden. Ich bewege mich seit etwa 15 Jahren im Netz, lese auf allen möglichen Webseiten, und mir ist so etwas noch nie angeboten worden. Ich sehe keinen Grund, weshalb ich darauf verzichten sollte, diesen wirklich spannenden New York Times-, Zeit- oder auch Freitag-Artikel zu lesen, wenn es mich nicht mehr als z.B. 5 Cent, zwei Mausklicks und 10 Sekunden kosten würde, die Transaktion durchzuführen.

Das ist jetzt natürlich kein praktikabler Vorschlag für die Finanzierung des Freitag in den nächsten Monaten -- sorry. Aber bei der Connection zu den Hamburger Medienprofis: Irgendjemand muß das doch mal angehen. Warum nicht Sie, Herr Augstein, immerhin erster OnlineCommunityVerleger Deutschlands? :-)
donda schrieb am 02.10.2009 um 15:59
Hab grad noch mal bei der genannten großen amerikanischen Zeitschrift nachgeschaut: Wie's aussieht, muß man sich bloß einloggen, nicht bezahlen. Was soll denn das? Umstand für den Leser, Beschränkung der Reichweite, und noch nicht mal Profit daraus? -- Aber das nur als Fußnote.
Ludwig Hasselberg schrieb am 02.10.2009 um 16:20
Zeigt vielleicht wirklich nur, wie verzwickt die Materie ist, wenn sogar die NYT nicht weiß, was sie tun soll, und vielleicht auch noch nicht mal weiß, was sie tut...
mh schrieb am 02.10.2009 um 17:17
ide nyt bietet nebenher auch noch einiges, auch kostenpflichtiges an. schlussendlich geht es aber darum, dass die zeitung wissen will wer da liest und das anliegen kann man verstehen.

die evolution ist da auch bereits weiter. der login per twitter oder facebook verbreitet sich gerade. single sign-in und so.

mfg
mh
Beat Mazenauer schrieb am 02.10.2009 um 18:43
In diesem Senf steckt einiger Pfeffer (der auch in anderen Beiträgen schon drin ist). Das Grundproblem ist, dass wir über kurz oder lang wieder vermehrt Bezahldienste im Netz haben werden und haben wollen. Bereits jetzt ist zu spüren (vgl Google-Suche), dass Alles viel zu wenig ist. Vor lauter Links keine Inhalte mehr. Hier liegt meines Erachtens ein Schlüssel für Bezahlung im Internet. Davon betroffen aber wird nicht die Community sein. Das Argument der freien gedanekn im Internet wird zwar gerne etwas überstrapaziert, dennoch muss für Geld mehr geboten werden als eine freie Diskussion. Spezielle Dienste (irgendwo weiter oben war die Rede von Spezialzeitschriften wie c't mit ausgeklügelter online-offline-Differenzierung) - solche Dienste können leichter fordern als eine Publikumszeitung. Doch für das Archiv?
Vor allem gilt es zu überlegen, welche Bezahlsysteme und -modalitäten zur Anwendung kommen. Abos, Micrpayments, eine Flatrate ... hier ist das Ei des Kolumbus noch auszubrüten. Ohne einfach darauf sitzen zu bleiben, allerdings ;-)
jfenn schrieb am 02.10.2009 um 21:13
@Ludwig Hasselberg: Nicht nur die NYT ist einigermaßen ratlos, sondern alle Verlage sind es. Ich denke da an ein Interview von Josef Joffe in 3sat Kulturzeit. Zwei Positionen stehen einander gegenüber:

(1) Alles wirklich Gute streng unter Verschluß halten und nur gegen Cash herausrücken. Das wird derzeit vor allem bei Diensten wie der Encyclopaedia Britannica oder Fachdiensten wie Beck Online gemacht. Als „web publisher“ konnte ich ein Jahr lang die Britannica umsonst nutzen, und ich fand sie schon nach einem Monat nicht mehr so richtig sexy, weil ich allenthalben auf Fehler und Ungereimtheiten stieß, daran aber selbst nichts ändern konnte. Und ich war auch überhaupt mit den Inhalten dort unzufriedener als mit der gedruckten Ausgabe. Und dafür soll ich bezahlen?
Das andere Beispiel ist ein Fachdienst wie Beck Online, der für die juristische Arbeit zweierlei anbietet: Eine bloße Recherchemöglickeit mit Flatrate pro Monat. Und eine Abrechnung nach Umfang für die aufgrund der Recherche dann tatsächlich abgerufenen Dokumente. Wird eigentlich nur als Notlösung in Kanzleien genutzt, die zu weit von der nächsten größeren Fachbibliothek entfernt liegen …

(2) Das andere Modell hat Mercedes Bunz für den Guardian im neuen Elektrischen Reporter kurz erwähnt. Sinngemäß: Gerade die guten Artikel sind Werbung für uns, und die wollen wir keinesfalls unter Verschluß halten, sondern frei anbieten. In diese Richtung stößt auch die umstrittene Behauptung, Open Access (also die gleichzeitige Hybridpublikation wissenschaftlicher Werke als Print und Online) kurbele den Absatz von Print an. Thomas Hoeren sagt das von seinem Skript zum Internetrecht, und auch die Verkäufe von Monty-Python-Videos sollen angezogen haben, sei sie ihren eigenen You-Tube-Kanal haben. Der Verleger Eugen Ulmer hat hiergegen jüngst auf der InetBib-Mailingliste sehr engagiert gestritten, und er hat jetzt angekündigt, die These von der Verkaufssteigerung durch Hybrid empirisch anhand einiger seiner Titel zu testen. On verra.

Wie man es dreht und wendet, auch wenn man die angestrebte Eigenkapitalrendite bei einer Zeitung gnadenlos herunterschraubt, es bleibt dabei, daß sich kleine Zeitungen ohne größere Werbeeinnahmen nicht mehr so leicht durch den Verkauf werden finanzieren lassen wie früher.

Hinzu kommt, daß Online erstaunlich teuer ist. Angeblich soll die Online-Ausgabe des neuen „Kindler“ teurer gewesen sein als die Print-Ausgabe. Beide kosten gleich viel.

Nach einigem Nachdenken, meine ich, wenn es ein wirklicher Kraftakt für den Freitag wäre, die Community weiterhin zu „stemmen“, könnte man auch darüber nachdenken, sie ganz einzustellen. Diese Alternative ist bisher noch gar nicht angesprochen worden. Vielleicht muß man so groß und dick sein wie die Zeit, um sich eine eigene Online-Community langfristig leisten zu können -- obwohl die sie ja auch ziemlich verstecken -- kein Wort darüber auf der Startseite

Wieder mehr Konzentration auf die gedruckte Zeitung. Online nicht als Kommunikations-Plattform, sondern als Werbung für die aktuelle Ausgabe und als Dokumentation älterer Beiträge ist gar kein dummes Konzept, sondern genau das, was ich als vorsichtiger Entscheider machen würde. Sagichmalso …
mh schrieb am 02.10.2009 um 22:54
der punkt ist doch vielfach, dass ich gute sachen haben will und deswegen dann dieses cross media funktioniert. gut = ich kaufs ums zu unterstützen.

früher war es so, und das ist das eigentliche prob der medien, dass wir ob der fehlenden alternativen einfach konsumieren mussten was man uns angeboten hat. mittlerweile haben wir alle nur erdenklichen alternativen und da wird der konsum eben wählerischer. geld geht dahin, wo das angebot gut ist.

was den freitag betrifft: das wenigste was angeboten wird brauch ich. die artikel bieten nicht den mehrwert, den hab ich eher dadurch, dass ich mit jfenn über den artikel diskutiere. das generiert gedanken, die fliessen nacher in ein doc bei google, dass ich mit einer bekannten aus toronto pflege, daraus wird ein gedankenfluss der schlussendlich in konzepten endet die in einem startup umgesetzt werden und zusätzlich in einer media-analyse enden. vielseitig verwendbar.

da hab ich kein problem für die plattform das printabo zu nehmen und 11 euro im monat zu spenden.

das problem des freitag dabei ist, dass für die infrastruktur keiner so recht bereit ist geld zu zahlen, weil mit jfenn kann ich auch anders kommunizieren, z.b. seinen blog besuchen oder auf twitter anquatsche, und leute wie jfenn kann ich auch woanders finden und da wird die kommunikation flüchtig, ungebunden, sie ist nicht an den freitag gefesselt.

das was zur zeit den freitag für mich persönlich am leben erhält ist das niveau und die inspiration der teilnehmer. nicht der inhalt. ein grund zu zahlen: ja. die plattform ist zur zeit dennoch nicht gut und solange sie so verschlossen bleibt, wird sie mit jedem tag ein klein wenig uninteressanter, denn die konkurrenz bleibt nicht stehen. plötzlich wird es dann einfach einer besser, schneller, schöner und ähnlich gehoben machen und dann ist der einfach derjenige zu dem man geht. so wars hier doch auch.

mfg
mh
Ludwig Hasselberg schrieb am 03.10.2009 um 00:01
Das ist interessant, meine Erfahrungen mit der Enc. Brit. sind eigentlich auch negativ. Ärgerlich schlechte Artikel und dann die ewige Werbung für weitere Sonderzugangs- und Testangebote, mit der sie einem hinterherstiegen. Als allgemeine Quelle spielte sie an meinem Anglistik-Institut auch nie eine Rolle. Ich frage mich, ob deren Geschäftsmodell wirklich trägt. Ist ja komischerweise eine US-amerikanische Firma, die da mittlerweile dahintersteckt.
Stattdessen fungierte als Wissensquelle für aktuelles Geschehen immer und immer wieder der Guardian. Das war wirklich schon teilweise Monokultur. Könnte natürlich sein, dass die Dozenten den Guardian hauptsächlich deswegen präferierten, weil eben alles oder das meiste frei zugänglich ist.

Monty Python wurde noch angesprochen. Da frage ich mich, ob Vergleiche zwischen Musik-/Filmindustrie und Verlagen/Zeitungen wirklich ziehen. Habe aus Anlass dieses Beitrages hier schon intensiv überlegt, bin aber zu gar keinen schlüssigen Ergebnissen gekommen. Mir scheinen Film und Musik aber eher zu verschieden von Journalismus, als dass letzterer von der Unterhaltungsindustrie bei den Internetherausforderungen groß lernen könnte. Und immerhin hat die Unterhaltungsindustrie mit Tim Renner ja schon ihren Visionär, dessen Auffassungen sich deutlich unterscheiden von der schwarzmalerischen Rückwärtsgewandheit der "Plattenbosse". Vielleicht wird man Jakob Augstein diese Rolle dereinst für den Journalismus zuweisen. Freuen würde es mich.
Jakob Augstein schrieb am 02.10.2009 um 17:11
Danke!

Bitte nicht wundern, dass ich noch nichts zu all dem sage. Ich lese das übers Wochenende alles sehr gründlich.
Dann versuche ich es soweit zusammenzufassen, wie ich es verstehe.
Und präsentiere Anfang nächster Woche meinen Zwischenstand der Debatte.

JA
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.10.2009 um 11:14
Sehr geehrter Herr Augstein, sehr geehrte KommentatorInnen,

zwar ist in dieser Diskussion fast alles zum Thema pro und contra Bezahlnetz gesagt worden. Von Vereinsgründung, Genossenschaft, mehr Rechten und Funktionen für die User, Abos, Micro-Payment und Flatrate (ein Schweizer, gratuliere zur Idee) war die Rede, manche wollen sogar ihr Sparschweinchen plündern, um dieses "etwas andere" Netzwerk zu behalten.

Wenn ich das jetzt mal so brutal sagen darf:
Ich finde, es wurde genug gejammert und gestöhnt, auch von seiten der Betreiber und Redaktion.

Die Zeit des sorglosen Schlaraffenlandes ist vorbei, für mich nicht erst seit gestern.

Nachdem jahrzehntelang mein Strom aus der Steckdose kam, Lebensmittel günstig in jeder Form sofort verfügbar waren, die Krankenkasse fast alles zahlte, das Auto reichlich Pferdestärken hatte und alles gemütlich expandierte und florierte, habe ich seit ca. 10 Jahren deutliche Veränderungen in meinem bis dahin ungetrübten Schmarotzerdasein feststellen müssen.

Für Strom, der aus alternativen Quellen gewonnen wird, wie Solar, Wind, Wasser, Biogas, muss ich einiges mehr hinblättern als für den "Billigstrom".

Die Lebensmittel ohne Gentechnik, Konservierungs-, Farb- und Aromastoffe und ohne Allergene, auf die ich aus gesundheitlichen Gründen nicht verzichten kann, kosten mich eine ganz schöne Stange Geld - vorbei die Zeiten des Schlemmens zu Diskount-Preisen.

Seit ich mein Auto nur noch für wirklich wichtige Fahrten nutze und umweltverträglicher nachgerüstet habe, sind meine Kosten für Transport ebenfalls gestiegen, ganz zu schweigen vom Aufwand, der mir (nicht mehr ganz jugendlich Dynamischem) einige Mühe bereitet, ich sage nur Bus, Bahn und Fahrrad. Schwitz.

Und als ich meine Heizung auf Erdwärme umstellen wollte, hat mir der Fachmann eine Kostenaufstellung hingelegt, dass ich nur mit den Ohren schlackern konnte und erstmal Geld dafür zusammenkratzen müsste.

- Apropos, ich nehme kaum an, dass hier in der Freitags-Leserschaft jemand für meine geplante Erdwärmeheizung einen (wie geringen auch immer) Betrag spenden möchte? Es ist ein nachhaltiges Projekt, innovativ, hochwertig und zukunftsweisend. -

Alle diese komplexen Faktoren möchte ich wie in der Bruchrechnung auf diesen Slogan zusammenkürzen:

Eine bessere Welt ist möglich - aber es gibt sie nicht mehr umsonst!

Ihr und euer
Harry Kovalcek
ChristianBerlin schrieb am 03.10.2009 um 13:38
#offtopic

Das hast Du schön geschrieben, lieber Harry. Nur leider stimmt es so nicht. Ich jedenfalls habe in den letzten 10 Jahren das genaue Gegenteil erlebt und kann jetzt mit einem Bruchteil meines früheren Einkommens genauso viel oder mehr erreichen. (Hab ich hier schon mal vorgerechnet. )

Das liegt vor allem an den Segnungen des (oh je!) "freien Marktes": Monopole von Lufthansa oder Telekom sind gefallen. In diesem Jahr bin ich z.B. zweimal nach Italien geflogen, einmal für 120 Euro (Rom) und einmal für 60 (Bergamo). Da blieb inklusive Billighotel mit allem Komfort, 2x Essen und Internetzugang von meinem Honorar für den Artikel immer noch etwas übrig, obwohl ich die Spesen selbst tragen musste. Vor genau 10 Jahren wäre das nicht gegangen, da zahlte ich für Rom und zurück noch ein Mehrfaches.

Oder wenn ich an meine Internet-Kosten vor zehn Jahren denke - Minutenabrechnung bei der Telekom, es anderes war nicht möglich, da kamen vierstellige DM-Summen in manchen Monaten zusammen. Ist alles heute "flat" bei höherer Leistung und ganz anderen Möglichkeiten...

Die umweltfreundlichste Art, sich fortzubewegen, ist - wenn ich das richtig gelesen habe - die Fahrgemeinschaft. Und die kostengünstigste. Durch das Internet ist die Zahl der Mitfahrten in den letzten 10 Jahren enorm angestiegen, man hat nicht mehr die Bürokratie wie bei den RL-Mitfahrzentralen, kann flexibel einstellen und verändern und muss nichts abdrücken. Meine Fahrtkosten pro km sind dadurch jedenfalls enorm gesunken - und durch weniger PS-trächtige Untersätze ebenfalls.

Die habe ich übrigens billig erstanden - dank Mobile- oder Autoscout24.de. Dort stehen sie oft ein paar tausend Euro billiger ausgepreist als beim Händler selbst. Und wie billig Ersatzteile für meine Billigwerkstatt oder zur Selbstreparatur bei ebay beschaffbar waren, war für mich als Vielfahrer weiterer Vorteil der neuen Zeit.

Man muss sich freilich - da stimme ich Dir zu - in dieser Zeit ein wenig selbst bewegen, vor allem im Internet, die neuen Möglichkeiten fliegen einem nicht wie die gebratenen Tauben in den Mund. Dann kann man aber heute auch mit einem bescheidenen Einkommen auskommen, ohne auf etwas verzichten zu müssen.

Ob das für die Eingangs-Frage überhaupt eine Relevanz hat, ist mir noch nicht ganz klar.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.10.2009 um 14:53
Danke, lieber Christian,

du beschreibst genau die Entwicklung, auf die ich hinaus wollte.

Ja, ich weiß, dass man heutzutage dank Billigheimer, Billigflügen, Billighotels, Flatrate, Supersparpreis etc. pp. ein echtes SPARER-LUXUS-Leben führen kann!!!

ABER dies eben auf Kosten der Umwelt, der Nachhaltigkeit, der billig produzierenden Länder und Menschen (!), und nicht zuletzt der QUALITÄT!

Deshalb ist mein Leben in den letzten 10 Jahren teurer geworden - weil ich eben nach Alternativen zum "Billigleben" suche und da auch investiere, auch Zeit und Energie...

Und hier weiter gedacht, sind wir auch schon beim Thema "Bezahlnetz" oder "wie kann sich der Freitag finanzieren".

Weil dieses Projekt für mich eben ein alternatives und unterstützenswertes und kein BILLIGES ist, jetzt deutlicher?

Wenn du mir bis hierhin gefolgt bist, Christian bist du auch nicht mehr "offtopic".
ChristianBerlin schrieb am 03.10.2009 um 15:37
Lieber Harry,

ich beginne langsam Dich zu verstehen. Beim Rest musst Du mir helfen.

Das mit den alternativen Projekten habe ich auch schon versucht. Meine Erfahrungen sind eher ernüchternd.

Du kriegst Menschen offenbar nur durch zwei Aussichten in Bewegung gesetzt: Du bietest ihnen was für den Paarungstrieb oder was für den Geldbeutel (sein kann Geld sein oder geldwerte Vorteile).

Nur wenn Du eins davon oder beides mit alternativen Ansprüchen geschickt kombinierst, können alternative Projekte selbsttragend, profitabel und expansionsfähig werden. Machst Du's nicht, muss jemand dafür spenden oder zahlen.

Diese Einsicht missfällt mir selbst. Wenn Du erfolgreiche Gegenbeispiele kennst, wäre ich froh, wenn Du hier mal ein Positiv-Beispiel nennen könntest, das außerhalb dieser Regel steht und etwas bewegt hat - dann müsste ich's ja kennen und andere auch.

Was ich an Deiner Kritik außerdem nicht verstehe:

Bei meinen eigenen Beispielen ging keineswegs das Sparen "auf Kosten der Umwelt":

- Zu Mitfahrgelegenheit.de

etc. erwähnte ich schon, dass Fahrgemeinschaften erwähnte ich, dass sie selbst die Bahn schlagen (habe ich in der FAS letztes Jahr gelesen, könnte ich raussuchen).

- Ebay & Co.

beschränkt die Wegwerfgesellschaft noch mal effizienter als die früheren Anzeigenblätter (deutschlandweiter Such- und Find Radius).

- Die Ökobilanzen des Internet, z.B.

Email statt FAX kenne ich nicht, bin aber sicher, dass bei fairem Vergleich die überwiegend papierlose Variante nicht nur in den Kosten, sondern auch ökologisch besser abschneidet.

- Mit meinem Verzicht auf fast 200 Pferd

pro Auto (gegenüber den 90ern) hab ich auch Sprit und CO2 gespart - bei gleicher jährlicher Fahrleistung.

Und

- der von Dir erwähnte Ökostrom

ist nicht nur teuer (und das auch nicht per se), er bringt auch Geld in die Kassen - derjenigen vielen privaten nämlich, die kleinstunternehmerisch in die Produktion von Solar-, Wind- oder Biogasenergie investiert haben (dank vernünftiger Gesetze, die der Subventionitis für fossile Kohle oder den Atomstrom mit seinen unlösbaren Entsorgungsproblemen einen gerechten Ausgleich entgegensetzen).

Fazit:

Ökonomie und Ökologie sind nicht per se ein Widerspruch, sondern schaffen im Gegenteil Veränderung am besten zusammen.

Dasselbe könnte (Konjunktiv) auch für alternative Projekte am Internet gelten - wäre da nicht dieses Vorurteil, dass eins das Gegenteil vom anderen sein muss. Geld verdienen wollen und alternativ sein verträgt sich angeblich nicht - jedenfalls nicht mit derselben Sache (anderweitig schon, man muss ja leben). Das ist in der Tat eine Barriere.

Aber verhindert sie nicht potenziell genauso viel Gutes wie Schlechtes?
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.10.2009 um 17:13
Okay, freut mich, dass du mich nun besser verstehst, Christian.

Mit deinen Beispielen bin ich so ziemlich auf einer Linie, ich zitiere:

" - der von Dir erwähnte Ökostrom

ist nicht nur teuer (und das auch nicht per se), er bringt auch Geld in die Kassen - derjenigen vielen privaten nämlich, die kleinstunternehmerisch in die Produktion von Solar-, Wind- oder Biogasenergie investiert haben (dank vernünftiger Gesetze, die der Subventionitis für fossile Kohle oder den Atomstrom mit seinen unlösbaren Entsorgungsproblemen einen gerechten Ausgleich entgegensetzen).

Fazit:

Ökonomie und Ökologie sind nicht per se ein Widerspruch, sondern schaffen im Gegenteil Veränderung am besten zusammen. "

Dein letztgenanntes Fazit und mein weiter oben verkürzter Slogan:

"Eine bessere Welt ist möglich - nur eben nicht mehr umsonst"

liegen augenscheinlich gar nicht so weit auseinander!

Du bittest mich um Beispiele für Projekte, die sich selbst tragen, ohne auf dem Prinzip "Leistung-Gegenleistung" zu basieren?

Da bin ich überfragt, hier müsste "Herr Jurgeleit" mal recherchieren. Spontan fällt mir da der Ex-Chef von Esprit ein, der horrende Summen in die Erhaltung des brasilianischen Regenwalds investiert, ohne entsprechende Gegenleistung.
Oder auch der viel zitierte Microsoft-Entwickler, der sich auf social sponsoring verlegt hat, wobei er auch hier Projekte fördert, die zumindest teilweise "Gegenleistungen" erbringen.
Ich bin auch keinesfalls gegen dieses Prinzip, schon gar nicht gegen ökonomische und gleichzeitig ökologische sowie sozialverträgliche Projekte - im Gegenteil.

Ich habe allerdings wie gesagt, die Erfahrung gemacht, dass "fair" und umweltverträglich hergestellte Produkte ihren Preis haben.
Kaufen tue ich sie trotzdem, denn wir als Konsumenten bestimmen letztendlich durch unsere Nachfrage das Angebot.

Und so wie zunächst ein Prototyp (eines Produktes) fast unbezahlbar in der Herstellung ist, wird er durch gestiegene Nachfrage, durch massenhafte Produktion in der Herstellung immer günstiger, wenn er im Fall hochwertiger Qualität, Nachhaltigkeit, fairer Entlohnung und Umweltverträglichkeit auch wohl niemals wirklich BILLIG werden wird, und das ist auch gut so!

Um nicht in Schwafelei abzudriften, noch mal eine kurze Zusammenfassung:
Ich habe auch kein Rezept für die Finanzierung des Freitag, bin mir aber bewusst, das ggf. mehr investiert werden muss, als die Community selbst erwirtschaften kann.
Du hast natürlich recht, hierzu müssten erstmal die Zahlen analysiert werden und ggf. eine Umfrage oder Fakten geschaffen werden, indem man konkret die Zahlungsbereitschaft (und -fähigkeit) der User abfragt.
Vermutlich befinden sich nur wenig Großverdiener und Millionäre unter den Freitag-Usern und -Lesern, das macht sie umso sympathischer.

Ich habe nichts gegen Werbung oder Sponsoring.
Finde zum Beispiel den Vorschlag, Geldgeber (natürlich nur "politisch korrekte") mit ins Boot zu nehmen gut: weiter unten erwähnte Streifzug z.B.
Götz Werner, der nur noch nichts von seinem Glück ahnt.
Über solche und ähnliche Vorschläge kann nur die Chefetage entscheiden, es sei denn, die Community bildet auf die Schnelle einen Verein und entscheidet mit.

Sehr spannend, die Sache.

Gruß
Harry
mick schulz schrieb am 03.10.2009 um 12:08
Lieber J.A., liebe Kommentatoren,

Das Problem, dass hier angesprochen wird - wie schaffe ich es, Gewinn mit Online-Angeboten zu erwirtschaften - begleitet mich nun auch schon mein ganzes Berufsleben, denn das habe ich zum Großteil als Online-Journalist verbracht. Dass ich hier neue Ideen zum Thema lese und die wiederum meine eigenen Gedanken befeuern und neue Ideen entstehen lassen, das spricht für die Community. Und zwar laut.

Meines Wissens hat noch keiner wirklich eine Ahnung, wie man im Netz Geld verdient. (Ich bin hier nicht bei der Arbeit, sondern als einfacher Blogger, ich hoffe man verzeiht mir, dass ich jetzt nicht recherchiere, sondern beim Frühstückskaffee einfach weiter schwadroniere.) Twitter hat meines Wissens keinen Gewinn erwirtschaftet, außer, als man den ganzen Laden verkauft hat. StudiVZ sucht verzweifelt nach datenschutzkonformen Wegen, Geld aus ihrer beachtlichen Community zu schlagen. Der Weg kann nicht sein, die User zur Kasse zu bitten.

Wenn es darum geht, mich zu fragen, wie freitag.de aussehen müsste, damit ich bereit wäre, dafür zu zahlen, dann kann ich nur sagen, dass sich das nicht lohnen würde. Klar, eine Art Internet in the box wär ganz interessant. Mit spez. Freitag-browser, Freitag-news, Community, freitag-vimeo, freitag-ubuweb und all dem anderen - wenn das internet insgesamt durch einen Filter laufen würde, dann wäre ich aus Bequemlichkeit bereit, dafür zu zahlen. Selbstverständlich nur, wenn ich auch aus der box raus könnte und google-ergebnisse zu Thema x mit freitag-suche Ergebnissen vergleichen könnte. Selbst wenn das außer mir noch andere Leute interessant fänden, es wäre ein solcher Mordsaufwand, dass er unbezahlbar würde. Und selbstverständlich würde ich das gern billig haben.

Wie bereits oft ausgeführt, gibt es einige aktive Idealisten, die spenden oder abbonieren würden. Dazu zähle ich mich allerdings nicht und ich glaube, der Mehrheit der User geht es so. Was meist übersehen wird, ist, dass es kein Monopol des Netzes ist, Gedankenaustausch möglich zu machen. Wenn ich hier nicht mehr diskutieren würde, dann eben woanders oder ganz altmodisch im echten Leben. Das ist ja glücklicherweise umsonst und die Toilette reinige ich da einfach selbst.

Der real existierende Club hat gleich mehrere Vorteile, für die manche bezahlen würden:

1. Er ist komfortabler als woanders, weil die Toiletten gereinigt und die Clubsessel gut sind. (Die Kommunikation bei freitag.de ist nicht komfortabler, als real life.)

2. In einem echten Club kann man auf Förderung älterer Herren hoffen, die berufliches Fortkommen bedeutet. (Bei freitag.de absolute Fehlanzeige, hier sind wir alle auf Augenhöhe und das ist auch gut so!)

Hier liegt die Überschneidung: In einem Club und bei freitag.de treffe ich Leute, mit denen sich das Gespräch lohnt, denn es ist fruchtbar und mehrt meine Gedanken. Weder für einen Club noch für freitag.de ist das aber ein Alleinstellungsmerkmal, es funktioniert hier wie dort etwas besser, aber auch so findet man die richtigen.

Hieran könnte man eventuell arbeiten: In einem Club zu sein, jedenfalls, wenn es der richtige ist, bedeutet einen unheimlichen Prestigegewinn. Echte Clubs machen das durch die Exklusivität ihrer Mitgliederschaft und die exorbitanten Kosten. Für freitag.de kein gangbarer Weg. Trotzdem könnte man darüber nachdenken, wie man zahlenden Usern einen Zugewinn an Prestige verschaffen kann. (Und zwar in der echten Welt, nicht innerhalb der Community.)

Abdruck der Beiträge im Print ist ein naheliegender Weg, der aber bereits besprochen wurde und den ich eher ausschließen würde. Letzten Endes ist es schließlich kein Prestigegewinn, wenn ich dafür bezahlen muss, dass der Freitag mein Geschwafel abdruckt. Vielleicht könnte man herausragende User aber mit Geschichten betrauen, die ansonsten Freie machen würden. Bei intro.de wurde das hin und wieder gemacht, aber ohne es an die große Glocke zu hängen, eigentlich eine verpasste Chance.

So, noch ein paar Möglichkeiten, die mir eingefallen sind, als ich die anderen Beiträge gelesen habe:

1. User schalten Werbung. Wer kennt nicht die verzweifelten Versuche, innerhalb von Communities Werbung zu machen? Wie oft findet man sich auf irgendein Plakat verlinkt vor, wo mal wieder der ehemalige Mitbewohner ein Konzert organisiert, o.s.ä. Man könnte kleine Werbeflächen an die User vermieten, die dann da in eigener Sache werben könnten. Beispielsweise für ihren Blog, ihr Konzert oder sonstwas. Ähnliches gibt es im Print in der Spex. Dieser Vorschlag als weiteres Rinnsal in Ergänzung zu diesem Post, den ich am zielführendsten finde: "hest schrieb am 01.10.2009 um 13:45"

2. Möglich wäre auch diese Bezahlvariante: Die Leser bezahlen die Schreiber für ihre Blogeinträge. Man bekommt einen Teaser vorgesetzt und unten den Button "Alles lesen?" Dafür muss man einen bestimmten (möglichst geringen) Obulus abdrücken, der zum Großteil an den Autoren geht, Freitag.de erhebt aber gewisse "Mietgebühren" für's Toilette reinigen. In dieser Version muss man sich allerdings Gedanken darum machen, wie man die Blogbeiträge bewirbt, denn da müsste schon viel traffic sein, damit dieses Modell was abwirft. Eventuell könnte man diese Variante auch mit dem Online-Abo kombinieren. Vorteil, diejenigen, die sich hier zu Recht als Werte schaffend empfinden bekommen auch was vom Kuchen.

Puh, jetzt bin ich durch und die Kanne Frühstückskaffee leer.

Viele Grüße,
Mick
mick schulz schrieb am 03.10.2009 um 12:24
Nachtrag: Die Ladezeiten sind wirklcih eine Katastrophe!
Magda schrieb am 03.10.2009 um 12:54
"Abdruck der Beiträge im Print ist ein naheliegender Weg, der aber bereits besprochen wurde und den ich eher ausschließen würde. Letzten Endes ist es schließlich kein Prestigegewinn, wenn ich dafür bezahlen muss, dass der Freitag mein Geschwafel abdruckt."

Wahrscheinlich nicht. Wenn man was abgedruckt haben will, muss man ein ordentliches Manuskript abliefern.

Andererseits: Deine Überlegungen haben mich - mal wieder - zu einer Überlegung verleitet. (Aber nicht krumm nehmen, ich habe eh nichts zu melden).

"Die Leser bezahlen die Schreiber für ihre Blogeinträge. Man bekommt einen Teaser vorgesetzt und unten den Button "Alles lesen?" "

Na, da sehe ich schon die Masse Beiträge, die ungefähr so beginnen.

Sie zog sich langsam aus und legte die Hand auf...

und dann gehts bezahlt weiter:

...die Unterlagen, die sie sich für den SPD-Sonderparteitag schon zurechtgelegt hatte. Dann zog sie sich ihre (Werbe-Einspielung ....Klamotten) an und verließ Haus und Garten, um endlich ihre Meinung auszudrücken.

Ansonsten: Ich trinke gerade keinen Kaffee, sondern ein Bier mit Sekt, um einen dicken, fetten Kater zu ersäufen.

Gruß Magda
ChristianBerlin schrieb am 03.10.2009 um 13:41
Einen Deiner Vorschläge (den vorletzten) halte ich für ausbaufähig. Das wäre ein solches "Surplus", das einen zusätzlichen Mehrwert anbietet, ohne jemandem was wegzunehmen, was er/sie jetzt umsonst bekommt.
ChristianBerlin schrieb am 03.10.2009 um 13:49
@Magda

Hast Du so lange in den 19ten der Einheit reingefeiert? Oder in den 40sten des Fernsehturms?
mick schulz schrieb am 03.10.2009 um 15:12
@magda

Das Problem mit den Teasern besteht zwar, ich könnte mir aber vorstellen, dass in einer Community wie dieser eine gewisse Selbstregulierung stattfinden würde.

@nsonsten

Ich habe über den Vorschlag noch ein bisschen weiter nachgedacht und festgestellt, dass er ein bisschen runder würde, wenn man den Usern erlaubt, ihren Preis selbst festzusetzen und auch den Prozentsatz, der dabei an freitag geht. Innerhalb gewisser Grenzen, versteht sich. Dann könnte Anna aus Hamburg zum Beispiel unterschiedliche Preise für reine Blogeinträge und gut recherchierte Geschichten verlangen.

Ein Problem besteht nur in dem Vorschlag selbst. Indem man nämlich den Zugang zu Informationen beschneidet und die Preiskalkulation nicht nachvollziehbar, beziehungsweise sogar willkürlich macht, schafft man eine gated community. Das steht in krassem Widerspruch zu einem "irgendwie" linken und offenen Selbstverständnis.
Magda schrieb am 03.10.2009 um 19:57
"Nachtrag: Die Ladezeiten sind wirklcih eine Katastrophe!"

Das kann ich erklären:
Gerade hat es sich für mich gelüftet, das Geheimnis der Beta-Version. Forscher haben herausgefunden, las ich in einer Berliner Zeitung, dass sich die Bewegungen von Menschen verlangsamen, wenn man die Aktivität einer bestimmten Art von Gehirnwellen erhöht.

Die für diese "erzwungene Langsamkeit" verantwortlichen Waves heißen "Beta-Wellen".

Nun weiß man wenigstens Bescheid und flucht nicht ob langer Ladezeiten, sondern sagt sich:
Deshalb also heißt das Beta Version.
jfenn schrieb am 03.10.2009 um 20:24
Ja, Magda, so wird es sein: Beta-Wellen in der Beta-Version. Ein Computer ist ja auch nur ein Mensch.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.10.2009 um 20:33
Zu "die Ladezeiten sind wirklich eine Katastrophe!" und der Erklärung mit den Beta-Wellen von Magda:

ACH SO Ö - dachte schon, das liegt daran, dass manchmal mehrere blogger gleichzeitig EIN blog abschicken, also ein blog bloggen, bzw. mehrere blogger mehrere blogs bloggen, und dadurch das bloggen der blogs blockiert ist.

Aber Magdas Erklärung scheint plausibel ! :)
mick schulz schrieb am 03.10.2009 um 23:34
Jep, ganz klar. Eine plausible Erklärung. Und ich dachte schon, hier wäre Schlamperei beim Programm hinter der Kulisse am Werk. Ich frage mich allerdings, warum freitag diese Slo-Mo-Wellen sendet? Vielleicht könnten ja unsere so verlorenen Sekunden gesammelt und verkloppt werden? Michael Ende...
oneiros schrieb am 03.10.2009 um 13:39
Bezahlinhalte im Netz funktionieren nicht. Tageszeitungen aber auch nicht mehr: www.splicetoday.com/politics-and-media/five-key-reasons-why-newspapers-are-failing
ruhrrot schrieb am 03.10.2009 um 14:29
Das ist in der Tat ein ganz wunder Punkt.
Selbst den großen Tageszeitungen, die wirklich jahrzehntelang eine Goldgrube waren, merken das sehr. Nicht nur in den USA,sondern auch hier.
Zum Beispiel kann man hier im Ruhrgebiet auch bei der WAZ bloggen, weil selbst dieser reginale Zeitungsmonopolist merkt, dass die Leserzahlen nicht mehr so toll sind. Man tut alles , um im Gespräch zu bleiben.
Im ganzen Ruhrgebiet kann man die Werbestände der WAZ audf der Suche nach neuen Leser sehen.
Das Charmante am Freitag ist aber
das er wirklich "eine kleine Bude" ist.
So eine "kleine Bude" ist schnell in finanzieller Bedrängnis, ihre Chance ist aber ihre kleine Größe.
Sie kann sich nach vielen Seiten hin entwickeln.
Ich vermute, dass in einer "kleinen Bude" vom
Betriebswirtschaftlichen her,sehr schnell so ein Punkt erreicht sein wird, wo es sich nicht mehr rechnet. Das Charmante am Freitag ist für mich ganz sicher auch das "irgendwie links".
Genauer formuliert weil "links" beim offenen Forum nicht total das Ausschlagebende ist: Kleinere Projekte bzw. Meinungsmedien brauchen zumindest Perspektiven, die darüber hinausgehen, dass eine Finanzierungslücke immer größer wird ohne dass sich dabei die Möglichkeit einer Änderung abzeichnet.
Es ist schon richtig,"dass die mögliche andere Welt" auch "geldmäßig nicht umsonst zu haben sein wird".
Ich frage mich ob die zur Verfügung gestellte Infrastruktur über die verschiedenartigen Kommunikationsmöglichkeiten hinaus noch Synergieeffekte produzieren könnte,
die die Kosten wieder reinholen könnten.
Mir schwebt so was Ähnliches vor als Tschibo sich mit seiner Kernkompetenz Kaffee zu verkaufen nicht mehr zufrieden gab und noch Fahrräder dazunahm.
Die Kernkompetenz des Freitags ist es ein relevantes Meinungsmedium zu sein. Ich meine, dass man an den Freitag noch irgendwas ranhängen könnte, was Geld bringt. Zum Beispiel ein Auktionshaus für politische Bücher oder eine kommunale Politikberatung über das Internet
für Kommunen, wo ein Meinungsmedium auch die Alltagserfahrungen seiner User mit reinbringen kann.
Gibt es vielleicht noch Möglichkeiten, wie der Freitag seinen Bekanntheitsgrad erhöhen könnte?
Das kann auch mehr Leser und mehrr Geld bei
Werbung bringen.
Vielleicht hat da jemand noch viel bessere Ideen, aber "der Kopf ist ja rund", dass"das Denken die Richtung ändern kann". Wenn ´s als Unsinn angesehen wird sei´s drum, aber man sollte in dieser kritischen Situation wirklich alles mal andenken.
ruhrrot schrieb am 03.10.2009 um 14:32
@oneiros

Das ist in der Tat ein ganz wunder Punkt.
Selbst den großen Tageszeitungen, die wirklich jahrzehntelang eine Goldgrube waren, merken das sehr. Nicht nur in den USA,sondern auch hier.
Zum Beispiel kann man hier im Ruhrgebiet auch bei der WAZ bloggen, weil selbst dieser reginale Zeitungsmonopolist merkt, dass die Leserzahlen nicht mehr so toll sind. Man tut alles , um im Gespräch zu bleiben.
Im ganzen Ruhrgebiet kann man die Werbestände der WAZ aud der Suche nach neuen Lesern sehen.
Das Charmante am Freitag ist aber
das er wirklich "eine kleine Bude" ist.
So eine "kleine Bude" ist schnell in finanzieller Bedrängnis, ihre Chance ist aber ihre kleine Größe.
Sie kann sich nach vielen Seiten hin entwickeln.
Ich vermute, dass in einer "kleinen Bude" vom
Betriebswirtschaftlichen her,sehr schnell so ein Punkt erreicht sein wird, wo es sich nicht mehr rechnet.
Das Charmante am Freitag ist für mich ganz sicher auch das "irgendwie links".
Genauer formuliert weil "links" beim offenen Forum
"links" nicht das total Ausschlagebende ist: Kleinere Projekte bzw. Meinungsmedien brauchen zumindest Perspektiven, die darüber hinausgehen, dass eine Finanzierungslücke immer größer wird ohne dass sich dabei die Möglichkeit einer Änderung abzeichnet.
Es ist schon richtig,"dass die mögliche andere Welt" auch "geldmäßig nicht umsonst zu haben sein wird".
Ich frage mich ob die zur Verfügung gestellte Infrastruktur über die verschiedenartigen Kommunikationsmöglichkeiten hinaus noch Synergieeffekte produzieren könnte,
die die Kosten wieder reinholen könnten?
Mir schwebt so was Ähnliches vor als Tschibo sich mit seiner Kernkompetenz Kaffee zu verkaufen nicht mehr zufrieden gab und noch Fahrräder dazunahm.
Die Kernkompetenz des Freitags ist es ein relevantes Meinungsmedium zu sein.
Ich meine, dass man an den Freitag noch irgendwas ranhängen könnte, was Geld bringt. Zum Beispiel ein Auktionshaus für politische Bücher oder eine kommunale Politikberatung über das Internet
für Kommunen, wo ein Meinungsmedium auch die Alltagserfahrungen seiner User mit reinbringen kann.
Gibt es vielleicht noch Möglichkeiten, wie der Freitag seinen Bekanntheitsgrad erhöhen könnte?
Das kann auch mehr Leser und mehrr Geld bei
Werbung bringen.
Vielleicht hat da jemand noch viel bessere Ideen, aber "der Kopf ist ja rund", dass"das Denken die Richtung ändern kann". Wenn ´s als Unsinn angesehen wird sei´s drum, aber man sollte in dieser kritischen Situation wirklich alles mal andenken.
ruhrrot schrieb am 03.10.2009 um 16:07
...."z.B. Konzerkartenverkauf über Internet ?"
als erweiterter Service des Freitags
Streifzug schrieb am 03.10.2009 um 15:24
Kurz und sch(m)erzlos:

derFreitag wird sich nicht selber finanzieren. Weder Print noch Online noch beides zusammen. Die Konkurrenz ist zu hart. Die Community ist zu klein. Der Andrang der letzten Zeit war der Wahl geschuldet.

Als Vergleich:
Ich kann Foreign Affairs (jährlich mehr als 1200 Seiten Text) für 32 $, also etwas mehr als 20 Euro als Printausgabe beziehen, inclusive Onlineartikel.

Einzige, meiner Meinung nach, realistische Möglichkeit:
Ein Pool von Personen, die ähnlich wie JA bereit sind, eine offene alternative Plattform zu finanzieren. Eine kleine Konkurrenz zu den rechten Think Tanks wie die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" die mit vielen Millionen am Leben gehalten wird.

Es gibt Personen, die dazu in der Lage und bereit wären. Warum nicht Personen wie Götz Werner (garantiertes Grundeinkommen) ins Boot holen. So funktioniert es in den USA auch. Man trägt "liberal".

Ansonsten versandet derFreitag sanft in in den unerbittlichen Mühlen linker Armutsökonomie.
ChristianBerlin schrieb am 03.10.2009 um 16:12
Willst Du mit Spatzen auf Kanonen schießen?

[Zitat]Eine kleine Konkurrenz zu den rechten Think Tanks wie die "Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft" die mit vielen Millionen am Leben gehalten wird.[/Zitatende]

Wer soll an diese "Konkurrenz" glauben und für diesen Glauben sein Geld geben (wenn der Freitag das sein soll)?

Die Herausforderung, das Geld und das (materielle) Interesse ein Gegenprojekt zu gründen läge aus meiner Sicht eher bei den Gewerkschaften. Da wäre ein exaktes Pendant möglich. Freie Mitarbeiter und "Botschafter" könnten freilich z.T. von hier kommen, keine Frage. Das würde dann auch dem Freitag gut tun.
ChristianBerlin schrieb am 03.10.2009 um 16:20
Und überhaupt:

[Zitat]derFreitag wird sich nicht selber finanzieren. Weder Print noch Online noch beides zusammen.[/Zitatende]

Um so eine Prognose zu wagen, brauchen man normalerweise erst einmal Zahlen, die JA aber leider an uns nicht herausrückt, selbst wenn er uns hier als "Unternehmensberater" gebrauchen will.

Ich jedenfalls gebe offen zu, dass mir die Kompetenz fehlt, so eine Frage apodiktisch und ohne Zahlenmaterial klar entscheiden zu können. Bin eben nur Bodenpersonal (das weiß ich wenigstens sicher ;) )
Streifzug schrieb am 03.10.2009 um 16:58
ChristianBerlin,
es gibt einige Personen, die ein Interesse an eigenem Gegengewicht haben. (Das in nicht nur meinen Augen "schmutzige" Geschäftsgebaren von Schlecker, die ihre Löhne massiv senken und den Rest vom Staat aufstocken lassen, gefährdet das wesentlich sauberere Verhalten von DM.)

Dann gibt es noch Personen, die durchaus eine ausbalancierte Gesellschaft befürworten und ein Gegengewicht finanzieren würden. JA ist kein Einzelfall.

Kanonen auf Spatzen? Klar doch. Think big.

Gewerkschaften? Die sind doch froh, wenn sie zittrig auf ihren dürren Beinchen stehen:)

Die Zahlen. Nun, dazu bedarf es nicht so sehr viel. Die Verkaufszahlen sind einsehbar und der Kommentar von JA ist recht verständlich., also 1+1.
ChristianBerlin schrieb am 04.10.2009 um 14:45
@Streifzug

#offtopic

Klar, "think big", was ich an Dir von Anfang an bewundere, ist der Glaube, mit dem Berge versetzen willst. Und scheint ja zu klappen, jedenfalls bewegst Du hier ne Menge (innerhalb der Community).

Was mich ins Stocken bringt, sind künstliche oder gekünstelte Gegensätze, wo man sich eigentlich mit dem politischen Gegner einig sein müsste. Vielleicht kannst Du mir das ja erklären?

Mir ist das durch einer Deiner Spitzen aufgefallen:

[Zitat]Das in nicht nur meinen Augen "schmutzige" Geschäftsgebaren von Schlecker, die ihre Löhne massiv senken und den Rest vom Staat aufstocken lassen, gefährdet das wesentlich sauberere Verhalten von DM.[/Zitatende]

Dieses Argument könnte direkt bei der INSM abgeschrieben sein: Subentionen verzerren den Wettbewerb und diskriminieren Nicht-Subventionierte.

In der Konsequenz ihres eigenen Ansatzes müsste die INSM einen Mindestlohn in Höhe des Existenzminimums fordern, damit die von Dir beschriebene Wettbewerbsverzerrung unterbleibt (oder alternativ ein Grundeinkommen).

Um das zu vermeiden, gaukelt sie offenbar ihren Anhängern vor, diese Wettbewerbsverzerrung durch Abschaffung oder Beschneidung von Sozialleistungen unterhalb des Existenzminimums erreichen zu können - was nicht ganz ehrlich ist, denn das wird hier bei Strafe eines allgemeinen Aufstandes und steigender Kriminalität und Existenzsicherungskosten (jeder Platz in der Knastologie kostet ein Mehrfaches der Sozialleistungen draußen) niemand wirklich tun.

Folglich wird diese Verzerrung in Kauf genommen - aber warum?

Weißt Du im Ernst, wie die sich auf diese Frage rausreden? Oder gibt es eine schlüssige Begründung, die nicht der eigenen Kernforderung zuwiderläuft?
Streifzug schrieb am 04.10.2009 um 14:55
@ChristianBerlin,
es ist nicht von der INSM sondern von den Gewerkschaften abgeschrieben.

Genau zu dem Thema habe ich einen eigenen Artikel geschrieben: "Schmutzkonkurrenz"
ChristianBerlin schrieb am 05.10.2009 um 00:57
Danke für den Hinweis auf den vollständigen Text und die Quellen.

Meine Frage bleibt weiterhin offen: Warum muss diese Marktverzeerung ein Thema der Gewerkschaften sein? Warum ist die INSM nicht die erste, die dagegen ist?

Wenn keiner eine Antwort weiß, muss ich dem mal selbst nachgehen...
Streifzug schrieb am 05.10.2009 um 12:04
Christian,
damit sind wir wieder beim Anfang. Die INSM vertritt nicht alle Interessen. Sie läuft Gefahr, von eben den genannten "unfähren Spielern" instrumentalisiert zu werden. Somit besteht die Möglichkeit, dort das zu erreichen, was normal bei den "Linken" erreicht wird - eine Spaltung.

Es gibt faire Unternehmer, die den Wert guter Mitarbeiter kennen und ohne diese nicht im Markt so bestehen könnten, wie sie es tun. Genau die gilt es ins Boot zu holen.

Ziel:
Eine offene, liberale Plattform, auf der die Fronten anders verlaufen als in typischen "linken Plattformen". Das eröffnet noch ganz andere und weitere Perspektiven.
Hans Kelsen schrieb am 03.10.2009 um 15:38
Kann man nicht versuchen bekannte Blogger hier her zu locken?
Volle Freiheit nur unter der Dachmarke Freitag, dafür kostenloses hosting plus Beteiligung. Und es gibt mehr Leser, die länger hier verweilen. Vorausgesetzt es gibt eine kritische Masse ab der Freitag-online selbsttragend wäre (Werbung?).
Leute, die nicht bei FAZ oder Zeit bloggen würden, würden bestimmt hier gut herpassen und die Verbindung zum Print-Freitag wäre auch interessant.
Von wegen Bezahl-Blog:
hier kommen nur wenige an eine Qualität heran, die bezahlwürdig ist. und das ist nicht böse gemeint, nur es gibt einen Unterschied zwischen einem Blog mit interessanten Ansichten und einem, der einen vom Hocker haut. Mir passiert das gelegentlich bei ad sinistram aber auch anderen.
jfenn schrieb am 03.10.2009 um 16:49
Das hatte man tatsächlich zu Anfang gemacht. Es kam leider zum Zerwürfnis, was umfangreich in den Blogs von F!xmbr und von Feynsinn nachzulesen war. Die Idee der Community war es aber gerade, unmoderiert jeden bloggen zu lassen, der dazu Lust hat. Wir sehen, was dabei herausgekommen ist: Eigentlich gar nicht so schlecht, mitunter sehr schnell und aktuelle Beiträge. Interessant zu lesen. Ich schaue hier jeden Tag herein. Nur die Übernahme in die Print-Ausgabe gestaltete sich etwas holprig, weshalb ich auch froh war, als man begann, sich insoweit zurückzuhalten.
ChristianBerlin schrieb am 03.10.2009 um 17:51
Dieses Verschwinden namhafter Meisterblogger war in der Tat ein herber Verlust. Es hatte aber nachvollziebare Ursachen.

Ich habe JA vor einem halben Jahr aufgeklärt, wie es bei Christian Sickendiek (Macher von F!xmbr) dazu kam. Das ist öffentlich einsehbar dokumentiert. Man muss dazu Christians letzten verbalisierten Kommentar suchen, bevor er am 22. März (in "das Versagen des Freitags") das Handtuch warf. Der lautete:

[Zitat Chris97]Liebe Frau Reindke, ich bin immer noch der falsche Ansprechparnter. ;-)[/Zitatende]

www.freitag.de/community/blogs/chris97

Was da passiert war hatte mit "unmoderiert jeden bloggen zu lassen" nicht mehr viel zu tun. Gezankt hatten sich zunächst Magda und Chris selbst - die beiden die beide kein Blatt vor den Mund nehmen, wenn sie etwas lesen, was sie missbilligen (müssen) - "Ihre schwachsinnigen Angriffe und Unterstellungen beweisen mal wieder eines ganz deutlich:..." - "Sie machen den Eindruck, als wären Sie eine sehr gefährliche Person. Halten Sie sich bitte von mir fern. Haben wir uns verstanden?"

An dieser Stelle griff "derFreitag" höchstselbst ein, eingeloggt als "CommunityModerator", um die Kampfhennen auseinanderzubringen - allerdings nur in eine Richtung schlagend.

Ich fand das nicht ganz gerecht, und es war auch nicht im Sinne von JA, noch hatte er das überhaupt mitbekommen, sodass er den dann wenige Tage später gegen ihn persönlich gerichteten Angriff von Christian Sickendiek überhaupt nicht nachvollziehen konnte - und entsprechend verständnislos reagierte. Da war dann nichts mehr zu klären.

Im Stillen hatte ich freilich gehofft, JA würde meinen Hinweis auf die nachprüfbare Historie des Ausstiegs von Chris97 zum Anlass nehmen, über eine Entschuldigung nachzudenken - selbst wenn das Chris nicht zurückholt, wäre so etwas um seinerselbst willen immer sinnvoll, wenn etwas so grundlegend schiefging wie hier. Wenigstens hat sich das so krass nie wiederholt, ich habe jedenfalls hier nichts Vergleichbares mitbekommen.

Das Lehre daraus könnte aber sein, dass manche Meisterblogger ihre Qualtitäten am sichersten in "Heimspielen", also unter selbst definierten Bedingungen voll entfalten - mit anderen Worten: Wenn sie (wie zu Hause) entscheiden können, welche Kommentare zulässig sind und welche nicht. Das ist hier aber nicht gewollt, und diese völlige Offenheit des Diskurses macht auch einen besonderen Reiz dieser Community aus. Wer das eine wie das andere will, muss diesen Widerspruch zumindest kennen entsprechend höhere Ansprüche an die eigenen Netzwerker stellen, die praktisch die Quadratur des Kreises hinkriegen müssen.
Magda schrieb am 03.10.2009 um 19:52
ChristianBerlin:- "Dieses Verschwinden namhafter Meisterblogger war in der Tat ein herber Verlust. Es hatte aber nachvollziebare Ursachen."

Typisch DDR - Bürger: aufarbeiten, aufarbeiten - auch noch so alte Kamellen. Dass ich das anders sehe, wird hier keine Sau mehr interessieren.
Jedenfalls weiß ich jetzt ,warum mich der Herr Augstein wahrscheinlich nicht leiden kann. Und was macht das mir? Nichts.
Herzlichst
ChristianBerlin schrieb am 03.10.2009 um 23:11
@Magda

So ein Quatsch!

Ich glaube nicht, dass JA das mitgeschnitten hat oder überhaupt weiß, dass Du Dich vornweg mit Chris97 gezofft hast. Wenn JA Dich nicht leiden kann - was ich wohl verpasst haben muss - kann das nur andere Ursachen haben. Ich kann nur leider keine konkurrierende Erklärung anbieten, weil ich nicht mal den Fakt kenne.

Vertrieben hast Du Chris sowieso nicht. Das zwischen euch war ein Kampf auf Augen- bzw. Gürtellinienhöhe - auch wenn er wieder gleich das Handtuch zerschneiden wollte (das hat er bei mir schon gemacht, aber das meint er nie wirklich so - er ist im Eifer des Gefechts manchmal extrem impulsiv, was er auch weiß).

Der Schock und der Rausschmiss für ihn war eindeutig die (bis heute nicht klärbare) Intervention von "der Freitag" (alias Susanne Reindke), die so nicht im Sinne von JA war, jedenfalls sagte er das.

Mach Dir also bloß keine Gedanken und nenn hier jedes Kind weiterhin beim Namen - auch wenn mich das selbst traf, hat das immer Substanz gehabt. Unverstellte Offenheit ist im Sinne des Anspruchs, den jfenn, meine ich, treffend wiedergegeben hat, und macht eine der Besonderheiten hier aus.
Magda schrieb am 04.10.2009 um 11:28
@ ChristianBerlin -"Mach Dir also bloß keine Gedanken und nenn hier jedes Kind weiterhin beim Namen -"

Nee, ist schon klar. Außerdem: ich kann ja gar nicht anders. Und noch außerdemer, das mit dem Verleger war mehr so eine ironische Anmerkung.
ChristianBerlin schrieb am 04.10.2009 um 13:36
Puuuuhhhh, gut dass wir das geklärt haben - sonst hätten wir den Verleger noch unnötig in Verlegenheit gebracht. Was hier ontopic gesagt wurde (bis hin zu JP's theologischer Analyse), wird ihn eher kalt lassen - solange unter dem Strich Geld herausrieselt, könnte er glauben, sein Ziel doch erreicht zu haben.
sachichma schrieb am 03.10.2009 um 15:40
@ JA,

nachdem mich das Lesen der Diskussion den ganzen Samstag Vormittag "gekostet" hat "bezahle" ich nun mit einer ärgerlich langen Antwort. Also schönes Wochenende allerseits!

Jedenfalls vorweg, Herr Blau kann Dir sicher die ersten feebacks von der Umstellung geben als "Zeit Online" in die Breite ging (www.kress.de/cont/story.php?id=130130).
Da haben Experten ein ganzes Jahr lang gebraucht um eine riesige Summe zu verbrauchen, die die "Zeit Community" letztlich gemeuchelt hat. Plötzlich geisterte jeder in der Community auf dem eigenen Planeten herum und die Log-ins gingen rapide herunter.

Zum persönlichen Wert eines Beitrags: Ich würde niemals etwas in einem Blog (oder Flickr, Twitter, Fotowettbewerbe usw) posten was Marktwert hat. Das Internet operiert global und Leute wie Ganser, die scheinheilig den Heidelberger Appell von Roland Reuss unterschreiben weil sie ihre Felle, ihre eigenen Knebelverträge, davon schwimmen sehen, sind für die Vermarktung journalistischer Produkte genauso ungeeignet, wie diese (international gesehen) relativ kleine DPA. Honorare kann ich jedenfalls fast nur noch durch englische captions anbieten und das geht nun 'mal viel besser mit Agenturen wie z.B. "Ghetty".

Klar, die Freitag-Community richtet sich an deutsch-sprachige Mitglieder, und steht inhaltlich, ungeachtet der geringeren Anzahl von Mitgliedern sicher ganz hoch oben in meiner Liste. Einfach deswegen weil hier Themen zu finden sind die auf anderen Plattformen niemals erscheinen würden. Der Zeitgeist ist eben irgendwo zwischen bohleschem DSDS und "Guido Möllemann" stecken geblieben und Diskussionen sind aus Angst vor der Zukunft kaum noch möglich. Für die Veröffentlichung von Beiträgen zahlen zu müssen ist darum eine absonderliche Idee: das gibt's schon bei Amazon (via Blurb.com & Lulu.com).

Ich stimme z.B. mit "Friedland" vollkommen überein das das Internet von Verlinkungen lebt und da muss beim Freitag schon noch einiges geschehen, gerade weil, wie "poor on ruhr" schreibt ...das es eine gute Sache für Links ist die unbedingt weiterlaufen sollte, oder "Anna":...Weil hier ein ganz besonderer Ton herrscht...

JA, Tatsache ist das eben erst die Print-Ausgabe existierte. Es ist notwendig die Werbung auf die aktuelle Print-Ausgabe zu lenken ("jfenn"), also Probeabo! Vor allem aber auch Kontakt zu neuen Lesern: Raus auf die Strasse: Strassenverkauf, also in Kneipen, Buchhandlungen, mit Basisarbeit ins Mikroklima. Der Freitag wird gesehen, vielleicht heute nicht gekauft, aber beim nächsten mal dann. Und so etwas darf keine kleine 6 Monate Aktion sein, sondern muss jeweils Do & Fr über lange Zeit gemacht werden. Die Printausgabe muss doch im Moment den Vorrang haben und da schadet Bürgernähe gar nicht.

Zur Online-Community: Selbst meine beliebteste Community, die hochkarätige www.atimes.com/ kommt ohne Werbung nicht aus. Da müsst ihr durch! Allein die Bezahlsysteme sind so abschreckend das ich niemals meine Nummern für solch kleine Beträge in ein Browserfenster tippen würde. Ihr müsst die Werbekunden finden, es gibt potentielle Kunden in der Energie- (alternativen), Reise- und Sozialdienst-Industrie. Aber das ist eben das Problem mit der Linken: In Berlin wurde unter Rot/Rot Staatseigentum verschachert von allen die nicht bei 2 auf dem Baum waren, in der Planwirtschaft wird einfach diktiert wie viel Toilettenpapier gebraucht zu werden hat. Das geht nun 'mal nicht.

Wenn die Qualität der Community so gut wird das auch Beiträge in Form einer Beilage: "Der Planet gemäß der Freitags-Community" in die Printausgabe 1X pro Monat mit einfließen würde, denke ich kann das mittelfristig zu einer Lesernähe führen die dann auch zur Bezahlung eines Betrages für ein Jahr im voraus für die Cyberspacenutzung taugt. Vor allem aber wäre, und ist es, der richtige Schritt in dem Wandel von dem Berufsbild des Journalisten. "Columbus" hatte dies bereits geschrieben und "Magdas" Reaktion auf "Columbus" wurde dann von "Sven Jurgeleit" zwar schon kommentiert, ich möchte aber doch noch einmal den Wert von "Bürger-Journalistmus" herausstellen. Das macht eine "Community" nämlich wertvoll, sachichma
sachichma schrieb am 03.10.2009 um 16:02
@ JA,

nachdem mich das Lesen der Diskussion den ganzen Samstag Vormittag "gekostet" hat "bezahle" ich nun mit einer ärgerlich langen Antwort. Also schönes Wochenende allerseits!

Jedenfalls vorweg, Herr Blau kann Dir sicher die ersten feebacks von der Umstellung geben als "Zeit Online" in die Breite ging (www.kress.de/cont/story.php?id=130130).
Da haben Experten ein ganzes Jahr lang gebraucht um eine riesige Summe zu verbrauchen, die die "Zeit Community" letztlich gemeuchelt hat. Plötzlich geisterte jeder in der Community auf dem eigenen Planeten herum und die Log-ins gingen rapide herunter.

Zum persönlichen Wert eines Beitrags: Ich würde niemals etwas in einem Blog (oder Flickr, Twitter, Fotowettbewerbe usw) posten was Marktwert hat. Das Internet operiert global und Leute wie Ganser, die scheinheilig den Heidelberger Appell von Roland Reuss unterschreiben weil sie ihre Felle, ihre eigenen Knebelverträge, davon schwimmen sehen, sind für die Vermarktung journalistischer Produkte genauso ungeeignet, wie diese (international gesehen) relativ kleine DPA. Honorare kann ich jedenfalls fast nur noch durch englische captions anbieten und das geht nun 'mal viel besser mit Agenturen wie z.B. "Ghetty".

Klar, die Freitag-Community richtet sich an deutsch-sprachige Mitglieder, und steht inhaltlich, ungeachtet der geringeren Anzahl von Mitgliedern sicher ganz hoch oben in meiner Liste. Einfach deswegen weil hier Themen zu finden sind die auf anderen Plattformen niemals erscheinen würden. Der Zeitgeist ist eben irgendwo zwischen bohleschem DSDS und "Guido Möllemann" stecken geblieben und Diskussionen sind aus Angst vor der Zukunft kaum noch möglich. Für die Veröffentlichung von Beiträgen zahlen zu müssen ist darum eine absonderliche Idee: das gibt's schon bei Amazon (via Blurb.com & Lulu.com).

Ich stimme z.B. mit "Friedland" vollkommen überein das das Internet von Verlinkungen lebt und da muss beim Freitag schon noch einiges geschehen, gerade weil, wie "poor on ruhr" schreibt ...das es eine gute Sache für Links ist die unbedingt weiterlaufen sollte, oder "Anna":...Weil hier ein ganz besonderer Ton herrscht...

JA, Tatsache ist das eben erst die Print-Ausgabe existierte. Es ist notwendig die Werbung auf die aktuelle Print-Ausgabe zu lenken ("jfenn"), also Probeabo! Vor allem aber auch Kontakt zu neuen Lesern: Raus auf die Strasse: Strassenverkauf, also in Kneipen, Buchhandlungen, mit Basisarbeit ins Mikroklima. Der Freitag wird gesehen, vielleicht heute nicht gekauft, aber beim nächsten mal dann. Und so etwas darf keine kleine 6 Monate Aktion sein, sondern muss jeweils Do & Fr über lange Zeit gemacht werden. Die Printausgabe muss doch im Moment den Vorrang haben und da schadet Bürgernähe gar nicht.

Zur Online-Community: Selbst meine beliebteste Community, die hochkarätige www.atimes.com/ kommt ohne Werbung nicht aus. Da müsst ihr durch! Allein die Bezahlsysteme sind so abschreckend das ich niemals meine Nummern für solch kleine Beträge in ein Browserfenster tippen würde. Ihr müsst die Werbekunden finden, es gibt potentielle Kunden in der Energie- (alternativen), Reise- und Sozialdienst-Industrie. Aber das ist eben das Problem mit der Linken: In Berlin wurde unter Rot/Rot Staatseigentum verschachert von allen die nicht bei 2 auf dem Baum waren, in der Planwirtschaft wird einfach diktiert wie viel Toilettenpapier gebraucht zu werden hat. Das geht nun 'mal nicht.

Wenn die Qualität der Community so gut wird das auch Beiträge in Form einer Beilage: "Der Planet gemäß der Freitags-Community" in die Printausgabe 1X pro Monat mit einfließen würde, denke ich kann das mittelfristig zu einer Lesernähe führen die dann auch zur Bezahlung eines Betrages für ein Jahr im voraus für die Cyberspacenutzung taugt. Vor allem aber wäre, und ist es, der richtige Schritt in dem Wandel von dem Berufsbild des Journalisten. "Columbus" hatte dies bereits geschrieben und "Magdas" Reaktion auf "Columbus" wurde dann von "Sven Jurgeleit" zwar schon kommentiert, ich möchte aber doch noch einmal den Wert von "Bürger-Journalistmus" herausstellen. Das macht eine "Community" nämlich wertvoll, sachichmahlung...
ChristianBerlin schrieb am 03.10.2009 um 17:01
@sachichma

Ich weiß ja nicht, ob Du nach einer so umfassenden Analyse überhaupt noch ein feed-back erwartest, aber zwei Gedanken würde ich gern weiterführen.

(1) [Zitat]Es ist notwendig die Werbung auf die aktuelle Print-Ausgabe zu lenken ("jfenn"), also Probeabo! Vor allem aber auch Kontakt zu neuen Lesern: Raus auf die Strasse: Strassenverkauf, also in Kneipen, Buchhandlungen, mit Basisarbeit ins Mikroklima. [/Zitatende]

Auch wenn das vielleicht mehr als Apell an den Vertrieb beim Freitag gemeint war, bin ich sicher, dass an dieser Stelle der "Image-Vorteil", ein Freitags-Blogger zu sein, synergetisch zur Print-Bewerbung genutzt werden könnte. Hab das selbst schon auf mehrere Arten probiert, es funktioniert.

(2) [Zitat]Ihr müsst die Werbekunden finden, es gibt potentielle Kunden in der Energie- (alternativen), Reise- und Sozialdienst-Industrie. Aber das ist eben das Problem mit der Linken [/Zitatende]

Zum Problem "entweder alternativ oder (pfui!) kommerziell" als falscher Alternative hab ich oben schon was gesagt. Dass die von Dir aufgezählten potenziellen Werbekunden mit der Zielgruppe der Leser des Freitags und dieser Seiten hier Geld verdienen könnten, steht außer Zweifel. Die Frage ist, ob sie quantitativ groß genug ist/wird, damit sich der Aufwand lohnt. Dazu bräuchten wir u.a. wieder die Zugriffszahlen, die JA (noch) nicht rausrückt (hier und an uns jedenfalls nicht - seine Werbekunden werden da mehr wissen als wir, seine "Berater"). Jedenfalls könnte das ausbaufähig sein und Einnahmen über das freiwillige reine Mäzenatentum hinaus bedeuten - evtl. auch in Kombination mit anderen Ideen hier, z.B. der von mick schulz, bei der jeder Blogger sein eigener Internet-Unternehmer wird (mit selbstbestimmten Werbeeinschaltungen in seinen Blogbeiträgen). (Aber auch das ist nur mit Zugriffszahlen beurteilbar.)
archinaut schrieb am 03.10.2009 um 16:14
Wochend ohne Sonnenschein (Freitagspause?), uff, Lesen dauert länger als Schreiben, aus meiner (gewiss lückenhaften) Erinnerung schätze ich den Freitag als deutsch-deutsches Medium, ohne hier zwischen alt und neu, print oder online unterscheiden zu wollen. Aus dieser Spannung (im positiven Sinn) resultieren die Fragestellungen, das Selbstverständnis der Redaktion (vermute ich), der intellektuelle Rucksack für die notwendigen Auseindersetzungen im politischen wie im sozialen Raum. Gefühltermaßen lese ich viel zu wenig, (die Gerichtsreportagen von JA kenne ich leider noch nicht), daher selektiv. Eine Schreibe aus der Wendezeit ist mir noch heute in Erinnerung: Alexander Osang, damals für die Berliner Zeitung, inzwischen treffen auch andere Kollegen seinen Ton, so kommt es mir vor. Grenzgänge zwischen Literatur und Journalismus mag ich: Tucholsky natürlich, aber auch Truman Capote oder Hunter S. Thompson.

Und ich zahle Geld dafür, von bestimmten Publizisten oder Autoren etwas zu lesen, gerne gedruckt auf Papier in einem handlichen Format oder transportabel faltbar wie "Der Freitag" (ich freue mich immer, wenn die Ausgabe besonders dünn ist, dann muss man nicht so viel Werbung mit sich herumtragen - eine Zeitung betrachte ich nicht als Statussymbol).

Die FreitagCommunity kommt mir vor wie ein schöner Garten (im Haus kann man alles beeinflussen, im Garten nicht, ein Gedanke von Ruth Ammann), vorbereitet sind die Beete, als Blogger kann man säen, giessen und jäten, zuschauen, wem es schmeckt, mit Kommentaren kommunizieren, trösten oder anfeuern, auch lästern oder plaudern, vielleicht einen FlashMob verabreden oder einen Streik vorbereiten (weiss aber nicht ob das geht). Der Garten braucht Pflege, ein kleiner, bestimmt nicht kostendeckender Beitrag könnte Viren oder Autodestruktivisten abschrecken.

Als ich meine erste Domain anmeldete, hiess es: wer nicht im Internet vertreten ist, kann bald nicht mehr mitreden. Ich hab mir einen Namen für die Domain ausgedacht und das Ding vom Stapel gelassen, seit ca. 10 Jahren kassiert mein Internet-Provider monatlich Gebühren für den "archinaut". Aber erst jetzt und erst durch die Aktivität in der FreitagCommunity verdichtet sich meine Vorstellung, was die Internet-Kommunikation eigentlich bedeuten kann. Für die Wertung und Filterung von Kontent brauchen wir Duftmarken und Signale aus der RealWelt, sonst bleibt es beim Spiel "als ob". Ob der Freitag Verlag wohl mein Internetprovider werden könnte?

Einem Verlag oder einem Verleger werde ich gerne Verwertungsrechte einräumen, wenn er im Garten ernten möchte, die Kommentare der Vorkoster bieten einen ersten Resonanzboden (mein Gott, immer diese verwackelten Bilder, hört das denn nie auf...) Was Magda erzählt, ist nicht nur in Essen interessant, sondern vermutlich auch in Passau oder im Goethe-Institut von Mexiko-Stadt (damit nicht immer alles ohne Geld ist). Wer fleissig kommentiert oder bewertet, darf vielleicht alles umsonst lesen? Im Zweifelsfall muss er sich ja auch mit Unbekömmlichem abgeben......

Nach meinem schlauen blauen Buch bedeutet "verlegen" ja "Geld auslegen, etwas auf seine Rechnung nehmen". Technisch ist es natürlich möglich, dass jeder Schreiber sein eigener Verleger wird, aber effektiver ist es bestimmt, wenn er sich einen Verlag sucht, wo er wachsen kann/will (jetzt ist aber Schluss...)

Mitteilungsbedürfnis spiegeln
archinaut schrieb am 03.10.2009 um 16:15
Wochend ohne Sonnenschein (Freitagspause?), uff, Lesen dauert länger als Schreiben, aus meiner (gewiss lückenhaften) Erinnerung schätze ich den Freitag als deutsch-deutsches Medium, ohne hier zwischen alt und neu, print oder online unterscheiden zu wollen. Aus dieser Spannung (im positiven Sinn) resultieren die Fragestellungen, das Selbstverständnis der Redaktion (vermute ich), der intellektuelle Rucksack für die notwendigen Auseindersetzungen im politischen wie im sozialen Raum. Gefühltermaßen lese ich viel zu wenig, (die Gerichtsreportagen von JA kenne ich leider noch nicht), daher selektiv. Eine Schreibe aus der Wendezeit ist mir noch heute in Erinnerung: Alexander Osang, damals für die Berliner Zeitung, inzwischen treffen auch andere Kollegen seinen Ton, so kommt es mir vor. Grenzgänge zwischen Literatur und Journalismus mag ich: Tucholsky natürlich, aber auch Truman Capote oder Hunter S. Thompson.

Und ich zahle Geld dafür, von bestimmten Publizisten oder Autoren etwas zu lesen, gerne gedruckt auf Papier in einem handlichen Format oder transportabel faltbar wie "Der Freitag" (ich freue mich immer, wenn die Ausgabe besonders dünn ist, dann muss man nicht so viel Werbung mit sich herumtragen - eine Zeitung betrachte ich nicht als Statussymbol).

Die FreitagCommunity kommt mir vor wie ein schöner Garten (im Haus kann man alles beeinflussen, im Garten nicht, ein Gedanke von Ruth Ammann), vorbereitet sind die Beete, als Blogger kann man säen, giessen und jäten, zuschauen, wem es schmeckt, mit Kommentaren kommunizieren, trösten oder anfeuern, auch lästern oder plaudern, vielleicht einen FlashMob verabreden oder einen Streik vorbereiten (weiss aber nicht ob das geht). Der Garten braucht Pflege, ein kleiner, bestimmt nicht kostendeckender Beitrag könnte Viren oder Autodestruktivisten abschrecken.

Als ich meine erste Domain anmeldete, hiess es: wer nicht im Internet vertreten ist, kann bald nicht mehr mitreden. Ich hab mir einen Namen für die Domain ausgedacht und das Ding vom Stapel gelassen, seit ca. 10 Jahren kassiert mein Internet-Provider monatlich Gebühren für den "archinaut". Aber erst jetzt und erst durch die Aktivität in der FreitagCommunity verdichtet sich meine Vorstellung, was die Internet-Kommunikation eigentlich bedeuten kann. Für die Wertung und Filterung von Kontent brauchen wir Duftmarken und Signale aus der RealWelt, sonst bleibt es beim Spiel "als ob". Ob der Freitag Verlag wohl mein Internetprovider werden könnte?

Einem Verlag oder einem Verleger werde ich gerne Verwertungsrechte einräumen, wenn er im Garten ernten möchte, die Kommentare der Vorkoster bieten einen ersten Resonanzboden (mein Gott, immer diese verwackelten Bilder, hört das denn nie auf...) Was Magda erzählt, ist nicht nur in Essen interessant, sondern vermutlich auch in Passau oder im Goethe-Institut von Mexiko-Stadt (damit nicht immer alles ohne Geld ist). Wer fleissig kommentiert oder bewertet, darf vielleicht alles umsonst lesen? Im Zweifelsfall muss er sich ja auch mit Unbekömmlichem abgeben......

Nach meinem schlauen blauen Buch bedeutet "verlegen" ja "Geld auslegen, etwas auf seine Rechnung nehmen". Technisch ist es natürlich möglich, dass jeder Schreiber sein eigener Verleger wird, aber effektiver ist es bestimmt, wenn er sich einen Verlag sucht, wo er wachsen kann/will (jetzt ist aber Schluss...)
Columbus schrieb am 03.10.2009 um 19:08
ad
sachichma schrieb am 03.10.2009 um 16:02
ad
ChristianBerlin schrieb am 03.10.2009 um 17:01

Auch Klöster funktionieren nur als Wirtschaftsunternehmen.

Und weil Magda hier anmahnte, nicht nur an das schnöde Geld und an die Politik zu denken, zum Feierabend kulturell Besinnliches hier:

www.freitag.de/community/blogs/columbus/hildegard-schicksalsjahre-einer-chefnonne

Es gibt auch Bilder!!!!, ganz am Ende, die ich aber aus technischem Unverständnis heraus nicht schön in den Text einbinden konnte und, um die Nerven des Servers zu schonen, verkleinert habe.
Bei "Bezahlt- Blogging", ginge das dann, so hoffe ich doch, ohne Schwierigkeiten.

Liebe Grüße
Christoph Leusch

PS: Wenn das in Deutschland so weiter geht, dann gibt es zwar bald ein Einheitsbukett für Online-Zeitungen mit Nutzerzahlen die den einschlägigen Industrie- und Wirtschafts-Werbeverbänden
eine Wohlfühlatmosphäre für die teuer gemachte Werbung ihrer Mitglieder versprechen, aber kaum noch eine nennenswerte linke Publizistik. Es wird ja schon geraume Zeit gestritten, ob es Links und Rechts überhaupt noch gibt, sogar im Straßenverkehr kreiseln die Deutschen zunehmend.

Warum gelingt es den Qualitäts-Medien so gut, "Testfahrten" von Chefredakteuren, sogar in Begleitung jüngerer Kolleginnen, Reiseerlebnisse von ABC-Promis, Traumwelten von IT-Girls und ellenlange Fotostrecken zum diesjährigen Dirndelausschnitt auf der Wies´n, jedes Jahr die gleichen Möpse, versteht sich ohne Brusttuch, unter die Leut´ zu werfen und dafür eine Allianz-Versicherungswerbung und einen werbenden Dauerauftritt der Energiekonzerne an Land zu ziehen?
Rainer Kühn schrieb am 03.10.2009 um 19:30
Solange ich noch im Internet erscheinen kann, ist die Welt doch in Ordnung, oder? - Zumindest die Netzwelt ...
Wer will denn da kritisch weiter denken ...
Deaktivierter Nutzer schrieb am 03.10.2009 um 19:39
Herr Kühn, "wer will denn da kritisch weiter denken" ?
Das macht neugierig, was Sie darüber denken - also zum Erscheinen und den zugehörigen Bedingungen im Internet.

Oder ist das Geheimsache?
ChristianBerlin schrieb am 04.10.2009 um 00:31
Danke für den Lektüre-Hinweis auf Deinen Beitrag.

Wenn ich den jetzt aber bezahlen sollte, würde ich Cornelia Filter, auf die Du verlinkt hast, für ihr feministische Interpretation deutlich mehr geben als Dir für den materialistischen Deute-Versuch. Da ist ganz sicher was dran, nur hatte Cornelia eine deutlich breitere Faktenbasis anzubieten und diese sehr geschickt organisch in ihre Erzählung eingeflochten.

Dein Beitrag ergänzt die blinden Flecken einer rein feministischen Perspektive zwar folgerichtig - ich denke z.B. an Deinen Hinweis, dass die umkämpften Besitzungen, deren vertragliche Herausgabe Hildegard nach ihrem Exodus ihrem Abt-Kollegen abtrotzt, ja erst durch die darauf lebenden Fronarbeiter rentabel waren. Allerdings wäre da für meinen Geschmack deutlich mehr drin gewesen, auch was die Parallelen zu heute betrifft, deshalb gibt's leider nur low payment (- oder hätte ich die Lektüre blind im Voraus bezahlen müssen?)

Auf jedenfall aber ein interessantes Thema, das - wer möchte - auch kritisch weiterdenken kann.
Magnus Göller schrieb am 03.10.2009 um 22:12
Lieber Herr Augstein,
wenn wir für sinnlose Anglizismen (wie auch in Ihrem Artikel reichlich) bezahlt würden, wären viele in der "Community" schon reich.
Vielleicht werden manche dafür sogar schon entlohnt (Verschwörungstheorie der Dritten Unterkante), aber dann werden sie's kaum sagen.
Gute und richtungsweisende Arbeit hier von Ihnen trotzdem.
Grüße aus Hammelburg
MG
Robinson schrieb am 04.10.2009 um 01:54
Das Problem beim Bezahlen für online-Inhalte ist nicht das Geld, sondern der Vorgang. Man müsste die Schwelle zum Bezahlen herabsetzen. Den Vorgang unsagbar einfach und sicher machen. Eben so, dass auch irrationale Vorbehalte und Ängste, die einen vom bezahlen selbst kleiner Summen abhalten, gar nicht erst auftreten.
Vielleicht sollte das Bezahlen Spaß machen oder ein gutes Gefühl geben.
Wie, wodurch - keine Ahnung.
Ich will ja eigentlich bezahlen. Ich will nicht spenden, keine Almosen geben. Der Freitag ist ja keine Obdachlosenzeitung. Vielleicht, wenn es ein nettes Feedback gäbe. Natürlich nicht irgendeine hirnlose "Danke"-Meldung im Browser, auch keine Rabattmarken oder Treuepreise, sondern irgendetwas spielerisches vielleicht. Etwas, das den Augen, dem Gefühl, oder auf irgendwelchen anderen mentalen Ebenen gut tut.
Columbus schrieb am 04.10.2009 um 03:48
ad
ChristianBerlin schrieb am 04.10.2009 um 00:31

Ego te absolvo, lieber Christian Berlin.
Sie sollten wirklich Großkritiker werden. Ich hab´ dafür einfach keinen Verstand.

Genauer kann ich das Missverständnis, was mit "Bezahlen" für ein Online-Medium gemeint sein könnte, gar nicht beschreiben, wie Sie es nun freundlichst verschrifteten. - Sie leiden eindeutig an Bewerteritis. Das war übrigens auch eine Falle, in die die Mitglieder der mittlerweile arg gerupften ZEIT-Online Community willig tappten.

Hier, in diesem Thread, geht es ja nur darum, darauf hinzuweisen, dass auch aus einer "Community" recherchierte, abgesicherte und aktuelle Beiträge stammen könnten, die besser aufgemacht, redigiert und ausgestattet (Bildmaterial), sicher auch ein breiteres Publikum fänden und dann neues Publikum und hoffentlich Werber, anzögen.- Mir ging das so mit den Beiträgen von Herrn Losehand, aber auch mit dem professionellen Witz, der dazu gehört, eine anspielungsreiche "Koch,Gärtner-Kolumne" aufzubauen. Gerade zu dieser Kolumne gehört für meinen Begriff Werbung!

Da schaue ich eben gerne nach und zahlte in Zukunft gerne einen Betrag. - Jedenfalls solange die Frage links herum oder rechts herum zu gärtnern und zu kochen, der Natur- und Küchenrealität gemäß, eindeutig beantwortet wird.

Liebe Grüße
Christoph Leusch

PS:
Gestaltete sich "Der Freitag" wie ein einarmiger Bandit oder wie eine Penny-box, dann funktionierte das sogar, mit dem Bezahlen per Klick und Klickhäufung. In Wahrheit sind ja die Artikel im bezahlten, professionellen "Freitag", die fast überhaupt keine Reaktionen auslösen, meist die konsistenten und sicheren. Eben das soll doch auch Online unterstützt werden. - Bisher lautet der Grundtenor in der deutschen Online-Presselandschaft: Für Online gibt es kein Geld und nur wenig Werbung. Das muss sich wohl ändern, sonst haben nur noch soziale Netzwerke eine Chance, und das wäre dann eine schwere Krankheit für das Web als Meinungs- und Informationsmedium in Deutschland.
ChristianBerlin schrieb am 04.10.2009 um 09:50
Lieber Herr Doktor,

danke für die Diagnose - Bewerteritis scheint eine weit verbreitete Berufskrankheit im intellektuellen Metier zu sein und Journalisten, Wissenschaftlern, Lehrern und Juristen regelmäßig zu infizieren - oft zum Leidwesen der Bewerteten. Dass auch dieser Krankheit durch die Lossprechung von allen Sünden zu Leibe gerückt werden kann, scheint mir ein neuer alternativmedizinischer Ansatz zu sein - auch wenn er auf einem sehr alten basiert, mit dem schon mal alles Mögliche geheilt wurde.

Bei mir könnte das schwierig werden. Die Sünde, die hier so offensichtlich ist, dass ich sie nicht mal beichten musste, war ja, die "Werbung" für den Beitrag an dieser Stelle in den Kontext der Diskussion um "Bezahlt-Blogging" zu stellen. Das war schon ein bisschen gemein. Solche subtilen Gemeinheiten sind bei mir aber ähnlich gemeint wie anderer Anspielungen beim Kochen oder Gärtnern, vielleicht mit dem Unterschied, dass dieser Scherz, der ja auch etwas zeigen sollte, hier jemand persönlich abstrafte, der nix Böses im Sinn hatte. Sorry, und Danke, ich nehme die Absolution dafür erleichtert an (der Text wird aber dadurch nicht besser).