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Zwei Nachrichten liefen gestern über den Ticker: die Kultusminister-Konferenz beschließt eine Reform der Bachelor-Studiengänge und ruft die Studierenden auf, ihren Vorlesungsboykott einzustellen. Die andere: die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn verabschiedet sich vom Hochschulranking.

In der Spanne zwischen diesen beiden Meldungen findet sich die gegenwärtige Hochschullandschaft mit ihrer allzu traurig stimmenden Verfaßtheit angesiedelt, eine Landschaft, die seit Jahren vom Zwang zur Ökonomisierung vergiftet wird, und zwar erfolgreich. Drittmitteleinwerbung nennt sich das, Exzellenzinitiative, und auch die rein auf rasche und billige Arbeitskraft-Vermarktung orientierten Bachelor- und Masterstudiengänge sind ein Teil davon.

Je mehr Drittmittel eine Hochschule einzuwerben vermag, mit desto höheren Zuschüssen seitens des Landes bzw. Bundes kann sie rechnen, und auch für das Ranking spielt das neben anderen Kriterien eine maßgebliche Rolle. So wünschenswert eine mehr praxisbezogene Ausbildung auch ist, so bedarf es doch eines Potentials an Grundlagen- sprich freier Forschung und Lehre, um künftige Wissenschaftler-Generationen heranzubilden und Entwicklungen voranzutreiben, z.B. im Bereich nachhaltigen Wirtschaftens oder erneuerbarer Energien. Dazu gehört auch die Kooperation zwischen verschiedenen wissenschaftlichen Einrichtungen und Institutionen. Die neoliberale Logik indes zwingt sie (wie Kommunen und Länder) zur Konkurrenz, weil sie schon längst in die Vermarktungsstrategien eingebunden sind.

Und so erfolgreich eine Hochschule in der Drittmitteleinwerbung auch sein mag, bedeutet das nicht automatisch, daß es den Lehrenden und Studierenden wirklich gut geht. Befristete und prekäre Arbeitsverhältnisse, überlastete Assistenten und Doktoranden, sowie überfüllte Hörsäle gehören auch dort häufig zum Alltag. Einzelne Hochschulen arbeiten mit Tricks, um sich die bitter notwendigen Zuschüsse aus öffentlicher Hand zu sichern - Assistenten und wissenschaftliche Mitarbeiter werden da auch schon mal nebenher als Studierende eingeschrieben.

Man fragt sich immer, wie Voll-Universitäten sich in diesem Geschäft behaupten können, mit ihrem Bestand an geisteswissenschaftlichen Fachrichtungen, für die es gemeinhin seitens der Wirtschaft kein Interesse gibt. Die Dresdner TU dachte in diesem Zusammenhang auch schon mal daran, ihre Philosophische Fakultät abzuwickeln, in der als eigene Fachbereiche Soziologie und Geschichte aufgehoben sind. Die Geisteswissenschaften werden als Klotz am Bein erachtet, weil sie nichts bringen und eher ein Hindernis darstellen im Rennen um einen Platz in der Exzellenz-Initiative des Bundes. Die beobachtbare Ausdünnung oder gar Abwicklung der Geisteswissenschaften wird eine geistige Verheerung zeitigen, die im Übrigen schon begonnen hat und auch darin Ausdruck findet, daß deren Abgänger kaum noch die Chance haben, sich auf Grundlage ihres Hochschulabschlußes eine angemessene berufliche Existenz zu schaffen.

Neben Verbesserungen der Studienbedingungen und der Abschaffung von verschiedenenorts eingeführten Studiengebühren hatten die Studierenden bisher auch solche Dinge im Blick, umschrieben mit Forderungen wie der nach einer Demokratisierung der Hochschulen, was dem strikten Vermarktungsgebot natürlich konträr gegenübersteht. Aber in einer Wirklichkeit, in der Sportarenen und zunehmend Hörsäle die Namen ihrer Sponsoren, d.h. der geldgebenden Konzerne tragen, scheint das nahezu utopisch. Und dennoch bleibt zu wünschen, daß sich die Studierenden vom Angebot der Kultusministerkonferenz nicht blenden lassen und vor der Zeit einknicken ...


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