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Der 2007 verstorbene Dichter Wolfgang Hilbig äußerte in seiner Rede anläßlich des ihm 2002 verliehenen Peter-Huchel-Preises u.a.:

"Sie wissen, daß ich alle vierzig Jahre, die das Land existierte, das sich offiziell als demokratisch bezeichnete, und aus dem auch Peter Huchel kam, bis fast zum Ende ausgereizt habe, und erfuhr, wie dort der Gang zur Wahlurne eine immer gleiche Einbahnstraße war. Ich brachte meine Stimme in der Urne unter, wo sie sich in der immer wiederkehrende Asche der Phraseologie verwandelte. Aber Sie wissen vielleicht nicht so genau, daß in den Phrasen der Kulturbeauftragten der DDR das Wort Spaß ziemlich oft vorkam, aber man mußte sich davor nicht fürchten, da dort in den meisten Fällen die Mittel zum Zweck fehlten.

Die Mittel der Welt, die ich 1990 ausdrücklich gewählt habe, und zwar mit Erleichterung, die Mittel der Bundesrepublik, beginnen nach und nach ebenfalls zu fehlen, sie werden verbrannt und verascht in überdimensionalen Müllverbrennungsanlagen, deren Besitzer sich mit den Titeln von Monarchen schmücken, und denen sich sogenannte Parteipolitiker in Reihe andienen, sodaß mir, wenn ich das unter dem Gelächter der Spaßgesellschaft medienwirksam aufbereitet erfahre, das Gefühl ankommt, daß mir langsam aber sicher das Wahlrecht entzogen wird. Was mir bleibt, ist das Recht auf Verweigerung, doch ich habe den Verdacht, daß die Parteien gerade diese Verweigerung brauchen, um ungestörter, unbefragter, ungeschorener den Machenschaften der Verdunkelung nachgehen zu können."

Aus: Stimmen Stimmen. 20 Jahre Peter-Huchel-Preis. Ein Lyriklesebuch. Eggingen: Edition Isele, 2003.

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