Joachim Petrick

Frag Lacher in den Bauch

01.12.2009 | 00:13

Brauchen wir eine Multi- klerikale Architektur für Gottes- Häuser?

Brauchen wir eine Multi- säkular- klerikale Architektur für Häuser Gottes, des Glaubens, der Kultur  in unseren Städten?,
damit problemlos ungenutzte, leere Kirchen, Moscheen, Pagoden, Synagogen aus gesegnet, wie eingesegnet, gut von neuen Eigentümern um gewidmet, genutzt werden können?

Bisher ist es in unseren Städten eher so, dass, insbesondere christliche Kirchen, wenig frequentierte Kirchen, Gemeindehäuser, gleich welcher Konfession, die oft Filetstücke am örtlichen Immobilienmarkt sind, aus segnen, gar lieber abreißen, profitabel in Eigentumswohnungen, statt Sozialen Wohnungsbau, verwandeln, als diese Andersgläubigen iw Ungläubigen  auf der Suche nach eigenen Orten der Andacht, eines Alltagslebens im Glauben, im geordneten wie ungeordneten Unglauben, der Stille, der Kultur zu überlassen, geschweige denn zu übereignen.

Mir schweben in Dörfern, Stadtteilen, Städten, Metropolen Multi- klerikal- funktionale Zentren vor, die Gläubige aller Religionen, Konfessionen wie Ungläubige gleichermaßen auf Augenhöhe zur multifunktionalen Nutzung zur Verfügung stehen.
Gegenwärtig ist es doch so. dass die Ungläubigen, kulturell ausgeschildert ausgewildert, mit Räumlichkeiten in den Dörfern, Stadtteilen, Städten, Metropolen unter-versorgt sind, während bestimmte Religionen, Konfessionen mit kirchlichen Räumen, Gottes Häusern über-versorgt, unter der Last der finanziellen Aufwendungen für klerikal ungenutzte Räumlichkeiten ächzen und stöhnen.
Warum sollen nicht die säkular verfassten, politisch geführten, steuerlich finanzierten Dörfer, Stadtteile, Städte, Metropolen unter dem nachhaltigen Gebot der effizienten Nutzung von Ressourcen wie Grund und Boden in ihrem Geltungsbereich der Idee der Ökumene über Kirchen, Konfessionen bis hin zu den Ungläubigen unter dem Aspekt der Finanzierbarkeit durch eine allgemeine Kultur- Flatrate bei Nutzung dieser kommunalen, städtischen Räumlichkeiten neuen Schub verleihen?

Dabei bedenket wohl:

Was den Christen/innen der Kirchturm, samt Glocke, zur Herbeirufung der Gemeinde, sind den Muslimen Minarette in alle Himmelsrichtungen. Wissenschaftlich gesehen, beides ein gelungener Versuch, sich mit klerikal archtektonischen Mitteln dem Phänomen Schall effizienz anzunähern. "Minna sei so nett, schreib ein Sonett, begebe Dich direkt über LOS aufs Minarett und unterbreite der Gemeinde rufend Deine Dichtkunst. Papellapapp!!, bist du öde, bist du blöde, du weißt doch, dass ich als Frau im Islam nicht auf das Minarett "bei Allah" darf, auch wenn ich wollte, wie du willst, dass ich sollte. Mannomann!. Wer war eher da: "Der Kirchturm oder die Glocke?" Von wann ist die Volksweise in enorm höflicher Frageform Norm: "Sag mal, hast du einen an der Glocke?" Ist wohl im Sinne gemeint: "Hast du einen Riss in der Birne!?" Kein Wunder, bis du aus der Schweiz, wo es nicht heißt "Geiz ist geil heßt", sondern "Schweiz ist geil, Schweiz spart früher als andere für geistige Notzeiten.

Hier ist, meine ich, nicht nur angesichts des Ergebnis des Schweizer Volksentscheids gegen Moscheen mit Minarett, die städtebaulich entwickelnde Politik im ökumenischen Sinne säkular wie klerikal gefordert und gefragt.
tschüss
JP

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 01.12.2009 um 00:47
Ne brauchen wir nicht!
In Sarajevo hatte eine Frau, die eine Tuch getragen hatte und fotogen in die Moschee kam 100 US$ bekommen (1996-2001). Die Kirchenhäuser schossen wie Pilze aus dem Boden des sonst zerstörten Land und wurden durch die königliche Fondation aus Saudistan errichtet. Die meisten meiner moslemischen Freunde in Sarajevo waren damit nicht zufrieden, - wenn es das ist wonach Du gründest...
Schackerbilly schrieb am 01.12.2009 um 09:05
Exakt. Und Frauen in Burka sorgen beim durchschnittlichen Bosniaken für nicht weniger Aufsehen und Unverständnis als beim Deutschen oder Schweizer.
Joachim Petrick schrieb am 01.12.2009 um 15:45
Hallo sachichma,
mir schweben in Dörfern, Stadtteilen, Städten, Metropolen Multi- klerikal- funktionale Zentren vor, die Gläubige aller Religionen, Konfessionen wie Ungläubige gleichermaßen auf Augenhöhe zur multifunktionalen Nutzung zur Verfügung stehen.
Gegenwärtig ist es doch so. dass die Ungläubigen, kulturell ausgeschildert ausgewildert, mit Räumlichkeiten in den Dörfern, Stadtteilen, Städten, Metropolen unter-versorgt sind, während bestimmte Religionen, Konfessionen mit kirchlichen Räumen, Gottes Häusern über-versorgt, unter der Last der finanziellen Aufwendungen für klerikal ungenutzte Räumlichkeiten ächzen und stöhnen.
Warum sollen nicht die säkular verfassten, politisch geführten, steuerlich finanzierten Dörfer, Stadtteile, Städte, Metropolen unter dem nachhaltigen Gebot der effizienten Nutzung von Ressourcen wie Grund und Boden in ihrem Geltungsbereich der Idee der Ökumene über Kirchen, Konfessionen bis hin zu den Ungläubigen unter dem Aspekt der Finanzierbarkeit durch eine allgemeine Kultur- Flatrate bei Nutzung dieser kommunalen, städtischen Räumlichkeiten neuen Schub verleihen?

tschüss
JP
Deaktivierter Nutzer schrieb am 01.12.2009 um 07:19
Interessanter Gedanke.
Die "Freien Christen" z.B. zelebrieren ihren Gottesdienst bewusst nicht in kirchenähnlichen Gebäuden. s.: www.freie-christen.com/
Punkt 4.

Mir sind schon ehemalige protestantische Gotteshäuser aufgefallen, welche inzwischen von koptischen Christen genutzt werden.
Joachim Petrick schrieb am 01.12.2009 um 15:46
Hallo chrisamar,

danke für den Hinweis!
tschüss
JP
Nos Nibor schrieb am 01.12.2009 um 11:59
Wer sich für das Thema > Religion und Architektur< interessiert, der sei auf eine Posse verwiesen, die derzeit in Leipzig gegeben wird:
Justament morgen gibt es einen großen Festakt anlässlich des 600jährigen Bestehens der Uni . In den Jahren zuvor wurde viel Geld durchs Land und den Bund investiert, um den Campus mitten in der Stadt auf den neuesten Stand zu bringen. Es wurde abgerissen, saniert, neu gebaut und was halt dazu nötig ist.
Nun muss man wissen, dass nicht nur das christliche Bürgertum bei solchen Gelegenheiten gern >tabula rasa< praktizierte, sondern auch die unchristliche DDR. Erstere eliminierten im 19. Jh. die in der alten Uni integrierten mittelalterlichen Klosteranlagen zugunsten neuer Häuser für die Uni, letztere beseitigten 1968 nicht nur die im Kriege entstandenen Ruinen der alten Uni, sondern jagten die völlig intakte gotische Universitätskirche gleich mit in die Luft. Eine Missetat ohne Zweifel, wert immer wieder als solche benannt zu werden.
Mit Beginn der Planungen und des Neubaus des Uni-Komplexes nach der Wende, begannen auch die Auseinandersetzungen um den möglichst originalgetreuen Wiederaufbau der Universitätskirche. Während die Kirchen, natürlich, aber auch viele Leipziger den Wiederaufbau der Kirche forderten, standen eine gefühlte Mehrheit der anderen Leipziger und eine durch Diskussion und Abstimmung ermittelte Mehrzahl des Stadtrates und der Universität mit kulturellen, ökonomischen und auch funktionellen guten Argumenten dagegen. Ein Pauliner-Verein focht für den Wiederaufbau der Kirche, etwas später dann als Reaktion darauf eine Bürgerinitiative >Pro-Uni< dagegen.
Es gab Interventionen von ganz oben, Rücktritt eines Rektors und Beschimpfungen des Nachfolgers, der aber Gott sei Dank offensichtlich stärkere Nerven besitzt, Architektur-Wettbewerbe und Suche nach Kompromissen.
Es ginge zu weit, das ganze Hin und Her hier auszubreiten, wen’s im Detail interessiert: www.buerger-pro-uni.de aber auch www.paulinerkirche.de

Und es gab klare Aussagen um was es wirklich geht:

„…ein Wissenschaftsbetrieb, der meint auf die Frage nach Gott verzichten zu können, verleugnet seine Wurzeln und wird anfällig für ideologische Vereinnahmungen. Religions-, Meinungs- und auch Wissenschaftsfreiheit setzen voraus, dass es Glauben, Überzeugungen, wissenschaftliche Ergebnisse gibt, die sich frei entfalten können müssen. Deswegen braucht die Universität Leipzig ein geistliches Zentrum…“

Das Zitat stammt aus einer Stellungnahme des Innenstadt-Konvents der evangelisch-lutherischen Kirche und gemeint ist natürlich die Universitätskirche.
Entstanden ist ein Gebäude, das aussieht wie eine riesige bräsige Kirche, sogar mit Türmchen und Glocke, aber außer einem kleinen integrierten christlichen Andachtsraum, der sich Kirche nennen wird, eine Universität beinhaltet.( Angucken! s.o.)
Der Streit um Architektur ist also auch ein Kampf um Inhalte. Der Kampf um die Trennung von Staat und Kirche kann sich auch als bauliche Metapher abbilden. Hier nur nicht anhand muslimischer,
sondern christlicher Symbolik ausgefochten.
Joachim Petrick schrieb am 01.12.2009 um 16:26
Hallo Nos Nibor,
vielen Dank für Ihre niederschmetternden Beispiele seit dem 19 Jahrhundert in Leibzig, wie ich es auf keinen Fall gemeint, geschweige denn gelungen finde.
tschüss
JP
Nos Nibor schrieb am 01.12.2009 um 17:33
...wenn schon >L<, dann bitte mit harten >P<.
Joachim Petrick schrieb am 01.12.2009 um 18:32
Oh Gottogott!, ja doch Leipzig, soviel Zeit für pp muss sein,
vielen Dank für den harten "P" Hinweis.
JP
kinkelstein schrieb am 01.12.2009 um 12:04
Mit derartigen Projekten wäre man wieder einen Schritt weiter zum neoliberalen Einheitsbrei postmoderner Beliebigkeit. Nein, den architektonischen Widerspruch, das Unbehagen vor dem Unbekannten, die Auflösung des kulturellen Codes muss Bestandteil der menschlichen Existenz bleiben.
Joachim Petrick schrieb am 01.12.2009 um 15:56
Hallo kinkelstein,
was den Christen/innen der Kirchturm, samt Glocke, zur Herbeirufung der Gemeinde, sind den Muslimen Minarette in alle Himmelsrichtungen. Wissenschaftlich gesehen, beides ein gelungener Versuch, sich mit klerikal archtektonischen Mitteln dem Phänomen Schall effizienz anzunähern. "Minna sei so nett, schreib ein Sonett, begebe Dich direkt über LOS aufs Minarett und unterbreite der Gemeinde rufend Deine Dichtkunst. Papellapapp!!, bist du öde, bist du blöde, du weißt doch, dass ich als Frau im Islam nicht auf das Minarett "bei Allah" darf, auch wenn ich wollte, wie du willst, dass ich sollte. Mannomann!. Wer war eher da: "Der Kirchturm oder die Glocke?" Von wann ist die Volksweise in enorm höflicher Frageform Norm: "Sag mal, hast du einen an der Glocke?" Ist wohl im Sinne gemeint: "Hast du einen Riss in der Birne!?" Kein Wunder, bis du aus der Schweiz, wo es nicht heißt "Geiz ist geil heßt", sondern "Schweiz ist geil, Schweiz spart früher als andere für geistige Notzeiten.

tschüss
JP
Lethe schrieb am 08.12.2009 um 12:51
was wir wirklich benötigen, sind klügere und aufgeklärte Menschen
Joachim Petrick
Hamburger, begeistert vom Theater Stadtgefluester, 66-71 in Westberlin gelebt, 1982-89 Beliner Maueröffner, Sympathisant"Tanzender Lachoffensive", bin fuer spontane Humortests im Oeffentlichen Nahverkehr.
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