Joachim Petrick

Frag Lacher in den Bauch

04.01.2012 | 03:32

Jerome David Salinger (1919- 2010) zum Gedenken

Verkörperte und lebte J. D. Salinger mit dem 16-jährigen Holden Caulfield als literarischer Figur seines  Romans "Fänger im Roggen"
das Gefühl einer weltweit missbrauchten, verlorenen Jugend, im und nach dem Zweiten Weltkrieg?

Gab J. D. Salinger vor allem mit seinem einzigen Roman
"Fänger im Roggen"
diesem Gefühl einer, seiner missbrauchten, missachteten, verworfenen, verlorenen Generation sein Gesicht und eine eigene Sprache?
War diese verlorene Jugend des J. D. Salinger, die Heimkehr eines frühreifen wie postadoleszenten GIs aus dem Zweiten Weltkrieg, der seelisch mittenmang den Blöcken, Ost und West, in seinen jugendlich, kindlichen Wünschen, Träumen zerschellt, zermalmt, als
"Fänger im Roggen"
zwischen die Fronten der verlogenen Heissen & Kalten Kriege, zuletzt in Korea geraten, all seine Wut, seinen Hass, seine Aggression gegen sich und andere, die Wutspirale eines Amokläufers, in sich zusammen gestürzt erlebte?

Bei diesem Sturz nach innen, nach dem Krieg soll J. D. Salinger – wegen eines „front shock" – eine Zeitlang in psychotherapeutischer Behandlung gewesen sein,  als Person zu einem Solitär unter allen Diamanten seiner Zeit gepresst, auf innere Dialog,  Selbstgespräche geworfen, zu der einzigen Klarheit gelangt, niemals mehr laute, stille noch stumm beredten Lügen zu ertragen?

Orginalttext J. D. Salinger aus  seinem Roman"Fänger im Roggen":

"....anhaltenden Depressionen, ist das erste Mal richtig glücklich: „Ich war plötzlich so verflucht glücklich, weil Phoebe immer im Kreis herumfuhr. Ich hätte beinah geheult, so verflucht glücklich war ich, falls das jemand interessiert“.[3] So setzt Holden in der letzten Szene seine Jägerkappe auch endlich richtig herum auf – er ist erwachsen."

Hat sich J. D. Salinger irgendwann in dieser Zeit tektonischer Verschiebungen von Heissen zu Kalten Kriegen, nach innen wie außen, für all seine Lebenszeit das Gelübde abgenommen, niemals seinen Gedanken und sei es auch nur putativ als Agenten von Lügen, den Weg zu  öffentlichen Bühnen des Medien- , Kultur-, Literaturbetriebes, allgemein geschäftiger Verlogenheit, freizugeben?

War J. D. Salinger ein Mensch,  der sich in fortgesetzten Zeiten von Kommandogesellschaften, Kommandowirtschaften, an den sichtbaren wie unsichtbaren Fronten des Kalten Krieges ausgetreckten Händen, herbeieilenden Befehlen ur Gefolgschaft durch Flucht in die gedanklichen Weiten seiner Inneren Befindlichkeit entzogen, seinen Inneren Seelenbetrieb, Gezeiten , Ebbe, Flut, unter größten Anstrengungen regungslos gehalten hat?, wenn ja,
warum?,
um den Kalten Krieg zu überwintern?

Der kalte Krieg dauert in gewandelten Formen fort.

Andere nennen das Innere Immigration in die Nische eines Lebensgefühl, das mit dem Begriff Depresssion umschrieben ist,  in dem selbst Glück, Schönheit, Harmonie, Eintracht, Frieden, Überleben, der Fluch des Übriggebliebener gleichermaßen ständig lauernde Begleiter sind?

Rühren von daher die Kult gewordenen, prägenden Wortschöpfungen, unauflösbaren Wortverbindungen des J. D. Salinger, wie
"gottverdammt" ,
"verflucht glücklich",
ein Gedanke des Holden Caulfield über seine kleine Schwester Phoebe in seinem Roman
"Fänger im Roggen",
als diese unbeschwert immer im Kreise tanzend herumfuhr:
"Ich hätte beinah geheult, so verflucht glücklich war ich, falls das jemand interessiert".

Hat das Ende des Kalten Krieges mit dem Berliner Mauerfall am 09. November 1989 den Seelenbetrieb des J. D. Salinger nicht mehr erreicht?, oder besteht der Kalte Krieg in Wirklichkeit fort, ist der Kalte Krieg gar von den Rändern der einstigen Blöcke her nach innen in die Mitte des Lebens aller Länder gerückt, sich neue Nahrung zu suchen, neue Quellen zu schaffen?

Selbst ein J. D.  Salinger Gedicht, wie das vorliegende, kündet, wie in einem staatlich verordneten Thriller vom Missbrauch Jungerwachsener im Kugehagel von MIssachtung, Herabsetzung durch die gesellschaftlichen Verhältnisse der Art von dauerhaft organisierten Krisen, Krieg, Katastrophen, die häufig in asymmetrischen Endkampf Gefechten enden?

(sie= Plural)

"Nichts im Ton
der Zikade verrät
wie nah sie dem Tode"

(Haiku=japanischer Dreizeiler)

Diese und andere Geheimnisse hat J. D. Salinger, geboren am 01. januar 1919, bei seinem natürlichen Wandeln vom Leben zum Tode am 27. Januar 2010 achtsam beschwiegen, nahezu unbeachtet mitgenommen.

JP

siehe:

de.wikipedia.org/wiki/Jerome_David_Salinger
(* 1. Januar 1919 in New York; † 27. Januar 2010 in Cornish, New Hampshire,[1] meist abgekürzt als J. D. Salinger) war ein US-amerikanischer Schriftsteller

 
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Joachim Petrick
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