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Christian Dittmar spielt Trompete und eigentlich findet er, dass Vuvuzelas als kulturelles Element auch ein bisschen den Reiz dieser WM ausmachen. Aber weil viele, viele Menschen die plastikgewordene Version der afrikanischen Kuhtröte allmählich nicht mehr ertragen können, BILD.de schon Stimmen für eine Anti-Vuvu-Petition sammelt und auf Twitter sogar Hilferufe Richtung Forschung ertönen, hat der Fraunhofer-Ingenieur mit seinen Kollegen jetzt ein Gegenmittel entwickelt, einen Filter, der das Fußballschauen zumindest für die Fernsehgucker wieder ohrenlieb macht. Oder machen könnte.

Dittmar gibt gerne zu, dass er nicht als erster auf die Idee gekommen ist. Die Fernsehsender setzen bereits akustische Tricks ein, um das dunkel Summen wenigstens ein bisschen zu dämpfen. So richtig befriedigend ist das aber nicht, und dafür gibt es Gründe: Töne sind Druckwellen, die mit einer bestimmten Frequenz auf das Ohr treffen. Jede Tonhöhe hat ihre eigene Frequenz und in einem Geräusch, dass sich aus vielen Tönen zusammensetzt, gibt es viele, viele Frequenzen. Im Stadion kommen dann viele Geräusche zusammen, und ihre Töne überschneiden sich mit den Tönen der anderen Geräusche.

Das Fernsehen fummelt jetzt mit dem Equalizer an den Geräuschen herum: Ein Equalizer verstärkt oder schwächt immer einen bestimmten Frequenz-, sprich Tonbereich des Geräuschs. Zum Beispiel, wenn man an der Stereoanlage die Bässe runterdreht. Diese Frequenz wird aber in allen Geräuschen zugleich reduziert. Das klingt dann irgendwann sehr sonderbar.

Im Internet gibt es jetzt viele Miniprogramme, mit denen man das eigene Fernsehgeräusch auf dieselbe Weise nochmal nachregeln kann, aber das klingt natürlich noch sonderbarer. Ganz anders die Lösung der Fraunhofer-Forscher: Die schieben nicht einfach einen Regler runter, sondern haben eine Software entwickelt, mit der das Vuvuzelageräusch aus den anderen Geräuschen herausgerechnet werden kann. Der eigentliche Zweck des Programms ist natürlich ein anderer, es ist für Musik gedacht, und um einzelne Instrumente aus der Musik herauszufiltern. Aber das passr natürlich auch für Stadionmusik und geht so: Computer bestimmt den Frequenzsalat der Tröte, und genau dieser Frequenzsalat der Tröte wird vom Frequenzssalat aus Jubel, Klatschen, Gesang und Kommentar abgezogen. Weg ist die Tröte.

Die Kultur bleibt dabei natürlich auf der Strecke. Aber nur im Fernsehen.

Das Fraunhofer-Institut für Digitale Medientechnologie in Ilmenau hat das Programm (Dittmar zufolge "das beste, was es derzeit gibt") jetzt verschiedenen Fernsehsendern angeboten.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.