Kathrin Zinkant

Blog von Kathrin Zinkant

07.06.2010 | 03:11

Öl: New Little Kill, Ixtoc und der Golfstrom

Es ist einiges passiert an diesem Wochenende, rund 50 Tage nach der Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon im Golf von Mexiko und ein paar Tage seit meinem letzten Blog. Nachdem am Mittwoch noch ein Roboter bei dem Versuch, das Steigrohr in 1500 Meter Tiefe gerade abzusägen, in eben diesem steckengeblieben war, gelang es BP am Samstag, die geplante Kappe über dem Leck anzubringen. Ein Teil des ausströmenden Öls wird jetzt abgefangen und in Tankerschiffe geleitet. BP ist darauf so stolz wie ein Schulkind, das statt der ewigen fünf in Mathe endlich mal eine vier plus mit nach Hause bringt, und hegt nun die Hoffnung, sein Image als grüner Ölriese sei vielleicht doch noch zu retten. Das Wall Street Journal berichtet am Sonntag jedenfalls über eine neue Imagekampagne, die nächste Woche startet und mit der BP den Bürgern sein glorreiches Krisenmanagement noch näher bringen will.

Wie offensichtlich diese Werbelüge ausfällt hängt jetzt nur noch davon ab, wie es mit dem Feigenblatt am Meeresgrund so läuft. Die Kappe fängt derzeit angeblich etwa ein Drittel des austretenden Öls ein, was soviel heißt wie: Es fließen weiterhin 2,4 Millionen Liter Öl täglich an der Kappe vorbei ins Meer – vielleicht sogar mehr, weil die Sägearbeiten am Steigrohr das Leck um bis zu 20 Prozent vergrößert haben. Um die "maximale" Menge (impliziert: nicht das gesamte Öl) ableiten zu können, muss BP noch alle restlichen Ventile an der Abdeckung schließen, und da lauert schon die nächste Panne, denn unter den Bedingungen da unten können sich Kristalle bilden und das Absaugrohr verschließen und damit wäre dann auch dieser "Rettungsversuch" gescheitert.

Man muss also nicht in die Hände klatschen und zur Tagesordnung übergehen, nur, weil BP ein Pflaster auf der Schußwunde installiert hat. Interessant ist gerade deshalb auch die Behauptung der Washington Post, die nicht näher definierte Gemeinde der "Wissenschafler" sei sich völlig einig darin, dass die Katastrophe den Golf von Mexiko nicht in ein zweite Totes Meer verwandeln werde. Ok, man müsste ohnehin eine ganze Menge Salz dazu kippen, aber wie kann denn bitte jemand sicher sein, dass das alles glimpflich ablaufen wird?

Als Begründung soll wohl das inzwischen häufig zitierte Beispiel der Ixtoc-I-Katastrophe ausreichen, in deren Verlauf mindestens das zweieinhalbfache der bisher unter Deepwater Horizon ausgelaufenen Menge Rohöl in den Golf von Mexiko floss - und wie wir heute wissen, hat das Ökosystem diesen Schlag über die Jahre mit Ach und Krach überstanden. Also doch die Tagesordnung?

Tatsache bleibt, das die augenblicklich Situation in jeder Hinsicht neu ist. Ixtoc-I wurd nahe der Küste gebohrt, 50 Meter unter der Wasseroberfläche, das Öl war leicht, es brannte über der Austrittsstelle ab (was BP vermutlich dazu inspirierte, es anfangs auch einfach mal mit Anzünden zu versuchen), es wurden keine Chemikalien in das ausströmende Öl injiziert, der betroffene Küstenabschnitt war kein sensibles Feuchtgebiet.

Das Leck von Deepwater Horizon liegt in der bislang kaum erforschten Tiefe von 1500 Metern. Das austretende Öl ist meiner Kenntnis nach nicht leicht, sondern eine vergleichsweise schwere Pampe. BPs unüberlegter Masseneinsatz von Chemikalien unter und über der Wasseroberfläche hat vermutlich die vielzitierten Ölschwaden gezeitigt, die großvolumig den Sauerstoff aus dem Ozean eliminieren, und mithin auch dem Plankton zu schaffen machen werden, jenen Kleinstlebewesen, die das Fundament der globalen Nahrungskette bilden. Und: Das Öl betrifft jetzt nicht nur weit größere Küstenbereiche samt der sensiblen Marschen, es wird vermutlich auch nicht so lieb sein, und im Golf von Mexiko bleiben. Das IFM Geomar schätzt, dass das Öl noch in diesem Sommer den Süden der US-Ostküste verschmutzen wird. Hier die zugehörige Abbildung:

Zu guter letzt ein Ausschnitt aus der Daily Show mit Jon Stewart, die vergangene Woche erhellendes über die Sicherheitsbemühungen von BP zu berichten wusste.

The Daily Show With Jon Stewart Mon - Thurs 11p / 10c Cenac - The Spilling Fields - Oil Leak Containment Ideas www.thedailyshow.com Daily Show Full Episodes Political Humor Tea Party

 
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Kommentare
Deaktivierter Nutzer schrieb am 07.06.2010 um 06:46
Ja, was soll man dazu überhaupt noch sagen ? Der Anfang vom Ende könnte auch vieles andere schon vorher gewesen sein ! Nach Tschernobyl hat man die Atomkraft ja auch nicht verdammt ! Wahrscheinlich werden wir, die wir da perspektivlos zusehen müssen, uns alle irgendwann nur noch ratlos anschweigen können !
Die nächsten Katastrophen dieser Art werden folgen. Wie ein Schneeball, der immer schneller und Schneller zur Lawine wird !
poor on ruhr schrieb am 07.06.2010 um 11:09
Danke für den informativen Blog.

"Unheimlich schlimm das Ganze!" , und obwohl dieser Satz von mir ehrlich gemeint ist, kommt er mir nur wie eine Sprechblase vor.

Ich weiss auch nicht, was man dazu noch sagen kann. Dem Kommentar von Ehrlicher möchte ich mich gerne anschließen.

So wenig haben wir in Griff, so sehr wir auch denken, dass es die Technik schon richten wird in unserem nie gestilltem Hunger nach Öl.

Wenn wir nicht Ernst machenmit einer nachhaltigen Umweltpolitik wird es so kommen, wie Ehrlicher es beschreibt.

rr
philoron schrieb am 08.06.2010 um 00:04
Was tun wir eigentlich, damit man kein Öl mehr in 1500m Tiefe des Meeres fördern muss?
GeroSteiner schrieb am 08.06.2010 um 00:22
Wir konstruieren und bezuschussen die Beforschung von ineffektiven Elektroautos, deren zentnerschwere Batterien dann mit Atomstrom aufgeladen werden. Die Batterien können dann bei einem Kurzschluss das Fahrzeug samt Fahrer in Sekunden in einen Glühfaden verwandeln. Die Illuminati der Stromgiganten, sozusagen.

Gleichzeitig werden alle Haushalte mit quecksilberdampfhaltigen Energiesparbirnen bestückt, deren Entsorgung mangels ausreichender Rückgabe- und Sammelstellen dann aus Verzweiflung über den Hausmüll erledigt wird.

Ansonsten fällt uns nur noch ein, das eigene Auto auf Erdgas umzurüsten, damit man nicht mehr in Tiefgaragen sondern nur unter dem Sternenhimmel parken kann. Per aspera ad astra.
GeroSteiner schrieb am 08.06.2010 um 00:13
BP

BP hat im ersten Quartal 2010 den Gewinn gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt. Vor Bestandswertveränderungen (Replacement Cost Profit) belief sich der Gewinn auf knapp 5,6 Mrd. Dollar (Vorjahr: 2,39 Mrd. Dollar). Gewinn, nicht Umsatz!

Ein vernünftiger Blow-Out-Preventer (BOP) kostet etwa 500.000 Dollar, hat manchmal die Ausmaße eines Doppeldeckerbusses, kann auf vielerlei Weise den Ölfluss aus einem Bohrloch unterbrechen und ist in der Regel "Foolproof" aber nicht "Damn Foolproof". Fehlbedienungen können so ein Notabschaltungsventil leider völlig unbrauchbar machen, wenn das Bohrgestänge die Dichtungen zerstört. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ist allerdings nicht einmal klar, ob BP überhaupt einen BOP installiert hat(te). Das wird zwar immer wieder gesagt, aber es könnte auch ein einfaches Ventil gewesen sein, was sich durch das verbogene Gestänge nicht mehr verschließen ließ. Die Ermittlungen werden da kaum Erbauliches zutage fördern, da es offenbar Verquickungen von Ölbohrern und Genehmigern gegeben hat - auch hinsichtlich der zu installierenden Sicherheitsvorkehrungen.

Das Positive daran: Das Öl kommt durch den Golfstrom irgendwann bei uns in Europa an. Mit der geeigneten Filtertechnik und Aufbereitungstechnik lassen sich da aus den schwarzklebrigen Teerklümpchen der Badehose sicher noch ein paar Tropfen Benzin für den Rasenmäher gewinnen und bei eBAy gibt's dann die passenden Miniaturraffinerien zu kaufen.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 08.06.2010 um 04:09
Ja, so ist das mit der Menschheit: Zuerst erschuf sie die Arroganz - und nun, da Arroganz nichtmehr möglich ist, folgt der Sarkasmus. Ich selbst verstehe das nur zu gut. Vielleicht sollte die Menschheit sich kollektiv nun erst einmal der anderen,ursprünglicheren Seelenregungen besinnen: Der Demut, der tiefen Trauer und der aufrichtigen Reue !
GeroSteiner schrieb am 08.06.2010 um 22:15
Demut?
Demut - also der Mut zu dienen!
Mir ist kein Fall bekannt, in dem humilitas bei unseren gängigen Vorbildern, Vordenkern und Vorturnern als Tugend bezeichnet worden wäre.
Demut ist der erste Schritt zur Niederträchtigkeit.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 09.06.2010 um 05:54
@Gero Steiner schrieb "Demut ist der erste Schritt zur Niederträchtigkeit".
Das ist ja interessant ! Ich bin der Meinung, dass die Geistesgrößen unserer Menschheitsgeschichte vor allem demütig waren ! Für mich ist Demut das Gegenteil von Hochmut !
GeroSteiner schrieb am 09.06.2010 um 20:41
Könnte es sein, dass Sie Demut mit Bescheidenheit verwechseln?

Echte Demut ist idealisierter Kitsch. Bei Lichte besehen ist die öffentlich zur Schau getragene Demut oft Feigheit und also der erste Schritt zur Niedertracht. Ausnahmen bestätigen die Regel.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 10.06.2010 um 02:32
@Gero Steiner: sind Sie Sprachwissenschaftler, oder wieso postulieren Sie hier ihre ganz persönliche Wortauslegung als allgemeingültige Wahrheit ?
Ich nenne sowas Unverschämtheit und das ist auch das Gegenteil von Demut, sowie auch der von Ihnen genannten Bescheidenheit. Mir gefällt das Wort Demut nun einmal,Ihnen nicht,so what ?
weinsztein schrieb am 10.06.2010 um 03:49
Verharren Sie in Demut, Ehrlicher, die steht Ihnen so gut.

Unter welchem Nick auch immer, w oder m.

"New Little Kill" ist das Thema, nicht Demut oder Hochmut

Es geht um BP und Umweltdreck und um unser Überleben.

Und nicht um Ihren Stuss, Hoch- oder Demut oder sonstwas.

Ich sehe Sie als fake der etwas dooferen Art.
GeroSteiner schrieb am 10.06.2010 um 13:27
Persönlicher Angriff statt Demut?
Auch nicht schlecht.

Schreiben Sie nicht der Menschheit vor, was sie zu tun habe oder was gut für sie sei, sondern geben Sie persönlich ein Beispiel, sonst wird Demut zur Anmaßung. Das erst ist Größe.

Bauen Sie aus Ihrer Demut eine Ölsperre und bereuen Sie Ihren Ölverbrauch zutiefst. Kündigen Sie Ihrem Stromanbieter, Ihrem Erdgasversorger, Ihrer Tankstelle, löschen Sie sämtliche Stearinkerzen, fliegen Sie nie wieder mit einem Flugzeug und entfernen Sie sämtlichen Kunststoff (Teppichboden, Gardinen, Haushaltsgeräte, ...) aus Ihrer näheren Umgebung.

Sollte Ihnen das nicht möglich sein, ist auch Ihre Demut genau das, was ich weiter oben schrieb.
Deaktivierter Nutzer schrieb am 11.06.2010 um 09:17
@Gero Steiner, sie dreschen wohl auch lieber drauf,anstatt eine einfache Frage zu beantworten, die ich wichtig und legitim finde !(den Wortwitz mit der Unverschämtheit als Gegensatz zur Demut können Sie bei Ihrer Selbstgerechtigkeit ja auch garnicht verstehen, deshalb sind Sie ja auch glatt über meine Frage hinweggeschrappt) Also, ich bleibe dabei: Wieso postulieren Sie ihre persönliche Wortauslegung(bei Demut) als allgemeingültige Wahrheit ?
GeroSteiner schrieb am 11.06.2010 um 18:12
Wer drischt hier wo drauf?
Suchen Sie einen Job als Forumsinqusitorin?
Meine Stimme haben Sie.

Wenn Sie mit Logik nicht weiterkommen und selbst der Rabulismus versagt, dann wird's schwer.

Dabei ist es ganz einfach: Wenn Sie unbedingt das letzte Wort haben wollen, müssen Sie mir bloß recht geben.
Kathrin Zinkant
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