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Mögen Sie Trüffel? Ich mutmaße zwar, dass man sein kulinarisches Leben prima ohne die Dinger bestreiten kann. Soll aber keiner müssen, nicht wahr? Das finden auch Italienische und französische Forscher, und haben folgerichtig das Erbgut dieser seltenen, höchst anmutigen, angeblich schmackhaften und folglich exorbitant teuren Erdpilzknolle ausbuchstabiert. Das Resultat wurde jetzt in Nature veröffentlicht. Frage: Was haben wir davon?

Erstmal natürlich: Erkenntnis. Wissenschaft unterliegt keinem Zweckzwang. Forschung ist frei, und hat nichts anderes zu sein, als neugierig. Trotzdem gefiele das Trüffelgenom sicher auch der schwarzgelben Koalition, der die anwendungsbezogene Forschung doch so eng am Herzen liegt. Die Forscher schreiben, dass sie mit ihrer Arbeit die Trüffelproduktion erleichtern, respektive antreiben wollen. Auf dass sich auch der einfache Mann ein bisschen Glück auf den Teller hobeln kann!

Schön, wenn Forschung auch soziale Ziele verfolgt. Andererseits hätte ein Volkstrüffel was von römischer Dekadenz, und die gilt es ja eher zu verhindern. Zumal: Der Trüffel hat eigene Sorgen, der schwarze Périgordtrüffel, vor allem. Der wächst nicht nur an den Wurzeln der Périgord-Eiche, sondern auch anderswo, außerdem hat er einen chinesischen Verwandten, der genau so aussieht, dem Original aber weder olfaktorisch noch gustativ das Wasser reichen kann. Der perfide Trick: Ein paar echte Knödelchen unter die falsche Ware zu mischen, damit die Nase des Käufers nichts bemerkt. Der noch teurere weiße Trüffel d'Alba aus Italien leidet derweil unter kroatischen Billigkopien. Was das die Trüffelbauern alles kostet!

Im November, als die Forscher ihre Resultate vorab auf einer Konferenz vorstellten, berichtete Science, die Trüffelindustrie habe sich hilfesuchend an die Genetik gewandt. Der genomische Text soll es richten, und vermutlich kann er das auch. Anders als erwartet unterscheiden sich Trüffel des Périgord-Typs nämlich doch ziemlich deutlich voneinander, wenn sie in verschiedenen Regionen angebaut werden.

Sprich: Künftig sollen Gentests sicher stellen, dass die Preise für echte Trüffel nicht mehr durch Fälschungen versaut werden. Was das mit der Ankündigung der Forscher zu tun hat, das "tiefere Verständnis der Périgord-Trüffels" werde "substanzielle Auswirkungen sozialer und kultureller Natur haben" - nun, der Freitag hat eine email geschickt und ist auf die Antwort gespannt.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.