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Mit flotten Worten fordert mein Namensvetter Christian Füller immer wieder, so auch am 27.12.11 unter www.taz.de/Debatte-Zukunft-der-Bildung/!84375/, die Internetifizierung der Schule und gießt seine Verachtung über die Lehrer aus. Er fordert "liquides Lernen" statt "Wissensverklappung", grenzt "Lernen1.0" gegen Lernen2.0" voneinander ab, fordert "Cloud" statt Buch.
Man kann Christian Füller zugute halten, dass er — wie viele andere — an der Situation der Schule in Deutschland leidet. Aber lassen wir doch bitte für einen Moment einmal die Produktion heißer Luft.
Wozu sollte die Schule da sein?
Darauf gibt es überraschend eine Antwort: Eine Demokratie benötigt eine große Anzahl im Sinne der Aufklärung gebildeter Bürger, die insbesondere zu vernünftiger, rationaler Entscheidungsfindung fähig sind. Aufgabe der Schule in einer Demokratie sollte es sein, die dazu notwendigen Kenntnisse, Methoden, Qualifikationen, Kompetenzen zu vermitteln. Das ist kein Privatvergnügen der Einzelnen oder der Familien, das ist lebensnotwendige Voraussetzung für das Weiterbestehen der Demokratie überhaupt. Man könnte leicht alle Curricula an diese Leitidee anpassen: wir hätten begründbare, für alle Beteiligte verständliche, vernetzte Inhalte. Die Vorbereitung auf einen eventuellen Beruf widerspricht dieser Zielbestimmung im Allgemeinen nicht. Es sollte aber klar sein: Der "Abnehmer" der Schulen sollte in erster Linie die Zivilgesellschaft unseres Landes sein (einschließlich der Politik). Und: Aufklärung und Bildung sind keine Ergebnisse irgend einer handelbaren "Dienstleistung".
Wenn Teile der Bevölkerung — überwiegend aus religiösen Gründen — sich der allgemeinen Bildung verweigern, dann kann die Gesellschaft dies in Einzelfällen ertragen; greift das aber um sich, dann gibt es ein Problem für die Demokratie. Aus guten Gründen greift die Gesellschaft nur in absoluten Notfällen direkt in die Familien ein. Im Sinne der Demokratie müsste es aber ein Gegengewicht gegen eine eventuelle autoritäre und ideologisierte familiäre Sozialisation geben. Die entgleisende Situation in Teilen der USA sollte eine Warnung sein.
Wozu ist die Schule da?
Die Schule in Deutschland erfüllen diese Aufgabe nur sehr unzureichend und insbesondere nicht systemisch sondern nur aufgrund von individuellen Initiativen (sei es von einzelnen Lehrern oder einzelnen Schulen). Die Gründe für dieses Versagen sind einfach: Große Teile des ach so gemeinsinnigen Bürgertums wollen Schulen, die zur Reproduktion von sozialen Schichten und zum Verteilen von Berechtigungen verwendet werden können. Dazu dienen der inhumane aber allgegenwärtige Zeitdruck und die ständige, das Interesse an Bildung tötende Beurteilung. Dazu dienen auch die oft abseitigen Inhalte und die Weigerung, den Schülern jeweils überhaupt zu begründen, warum genau dieser Inhalt oder gerade diese Fachmethode für sie jetzt wichtig ist. (Das wird noch nicht einmal den Lehrern gegenüber jederzeit begründet!) Das deutsche Bürgertum scheitert gerade in diesen Jahren daran, ein Schulsystem für alle als Voraussetzung der Demokratie einzurichten. Eine entscheidende Kanonade gegen eine Änderung zum Besseren wurde von der bürgerlichen Vorhut aus Hamburg geschossen — und wir können sagen, wir sind dabei gewesen.
Die allseits — auch von Christian Füller — hochgelobten Initiativen für Privatschulen ändern nicht nur nichts am systemischen Problem, sie verstärken es noch, weil sie sowohl die soziale Segregation verstärken wie auch das Einfallstor für Partikularinteressen religiöser wie wirtschaftlicher Art sind. Privatschulen und Schulen religiöser Träger gehören verboten!
Was ist das Internet?
Mit "Internet" ist in der Regel das WWW gemeint. Das "Web" ist am CERN zur Verteilung von "grauem Material" einwickelt worden. (Dieses Argument ist zwar bezogen auf die aktuelle Situation weitgehend aussagelos, das merkt aber kaum jemand, da im Mathematikunterricht zwar jahrelang Analysis betrieben wird, nicht aber Logik.) Das Internet ist nicht der Ausweg aus der Eco'schen Geheimbibliothek, wie Christian Füller meint, es ist eine, allerdings wenig poetische, Annäherung an Jorge Luis Borges' Bibliothek von Babel.
Diesen Charakter hat das Web bis heute behalten: Man findet zu jedem Suchbegriff weit überwiegend Unsinn, der entsteht, indem jeder mal irgendwie vor sich hin"denkt" und das dabei hinten herauskommende Zeug als mitteilenswert betrachtet. Aus diesem höchst liquiden Misthaufen allein kann man kein rationales Weltverständnis aufbauen. Jeder Mensch, auch jeder Schüler, der Mist als solchen erkennen will, benötigt Vorkenntnisse. Also: Vor-Kenntnisse. Wo kommen die her?
Wir sind alle Zwerge, wenn wir nicht auf den Schultern von Riesen stehen. Und auf die Schultern von Riesen steigen wir, indem wir uns deren Methoden und Kenntnisse aneignen. So drohend das auch klingen mag: Es handelt sich um das Einüben in Denktraditionen, teilweise durchaus auch revolutionäre Denktraditionen, und darum geht es in der Schule. Für dieses Ziel gibt es hervorragendes Material im Web und außerhalb. Das "Internet" tritt ganz banal teilweise an die Stelle des Lehrbuchs, sehr zur Sorge der Verlage. Ein neues Paradigma für den Unterricht ergibt sich aus dem Web-Einsatz noch lange nicht.
Indem Christian Füller "das Internet" als [liquiden?] Steinbruch des Wissens bejubelt und den Lernenden dort Schäufelchen des Wissens schürfen lässt [Die Metaphernschmiede war heißgelaufen!], stößt er uns in den Zustand von Zwergen zurück. So wie alle Schulen im Land im Wettbewerb gegeneinander alle die gleichen Probleme bearbeiten und mangels Ressourcen schließlich nicht lösen, so erfinden alle Schülerinnen und Schüler im Steinbruch des Wissens herumklickend zwischen Bundesliga-Ergebnissen, Flash-Spielen und Teenie-Chats die gleichen simlpen Presentationsmethödchen und finden die gleichen primitiven Wissenhäppchen ohne je die Chance zu haben, irgend eine Art von Weitsicht zu erwerben. Das liquide Lernen2.0 in der Cloud ist, oh wie chic!, die Vorbereitung auf ein Leben als Steinbruchsklave.
Weitere Bemerkungen zum Thema Internet und Schule:
Die Kinder der Bildungsbürger, die Buch-Leserinnen und Geige-Spielerinnen profitieren vom Internet am meisten. Sie haben ihre Methoden, Daten zu erschießen, sie in Kenntnisse zu verwandeln, zu strukturieren, zu bewerten aus Büchern. Sie haben die notwendigen Vor-Kenntnisse, sie stehen schon auf jemandes Schultern und klettern weiter. Es sei ihnen gegönnt! Fördern wir sie weiter! Aber die anderen, die Internet-Klicker und wirren "Surfer" sollten wenigstens eine Chance bekommen.
Der Turm des Wissens namens Wikipedia ist beispielsweise in seinen Physik-Teilen inhaltlich hervorragend aber in der Schule praktisch nicht einsetzbar, seit die Ingenieur-Studenten die Artikel dazu benutzen, zu zeigen, wie gut sie ihren LaTeX-Formelkasten beherrschen. Die notwendige didaktische Reduktion muss entweder jeder Lehrer selber leisten — oder in einigermaßen geprüfter Qualität ein Schulbuchautor.
Die Schulbuchverlage reagieren panisch und unsinnig, aber das ist deren Problem und gesamtgesellschaftlich unwichtig. Bis die Kontrollsoftware auf den Schulcomputern installiert werden kann, gibt es kaum noch welche, weil die Schüler individuell mit Notebooks und Tabletts herumlaufen. Ja: Wir setzen Computer breit im Unterricht ein! Ja: Wir haben Internet in jedem Klassenraum! Ja: Wenn ich gerade einigermaßen spontan erläutere, wie Buffon das Alter der Erde abgeschätzt hat, schaut jemand schnell seine Lebensdaten nach. Nein, daraus ergibt sich kaum das zu Unrecht bejubelte Lernen2.0.
Liegt es an meiner Unfähigkeit? Seitdem Apple und die Telekom auf "Cloud" umstellen, finde ich keinen Platz mehr für meine unterrichtlichen Web-Seiten mit ihrem Medienmix, außer in den vorformatierten und standardisierten "Cloud"-Angeboten. Nach meiner persönlichen Erfahrung beendet die "Cloud" Kreativität und Individualität und fördert sie nicht.
Was nun?
In der Geschichte der Physik gab es um 1800 eine Phase, in der die deutsche "Naturphilosopie" blühte. Die hübscheste Sumpfblüte war Goethe, der so ziemlich in allen Bereichen danebenlag, am schönsten in seiner Farbenlehre, nicht zufällig bei Steiners immer noch beliebt. Woher kam dieses wilde und ergebnislose aber tief empfundene deutsche Spekulieren? Der Heidelberger Professor Muncke schrieb 1833: Die Ausländer, namentlich die Engländer und Franzosen […] hatten schon früher mit weit größeren und ausgedehnteren Hülfsmitteln gearbeitet, als den auf die Kräfte kleinerer Staaten beschränkten deutschen Gelehrten zu Gebote standen. […] In Deutschland fehlten all diese Impulse und die ihnen angemessenen Hilfsmittel, seine Gelehrten wandten sich daher zur Speculation in der Voraussetzung, hierdurch es den Nachbarn gleich zu thun oder sie wohl gar noch zu übertreffen.
Heute sind in Deutschland die Hülfsmittel für die Schulen unanständig knapp. Die KMK und unsere 16 Bildungsbürokratien agieren tatsächlich selbst-beschänkt und betreiben eine lächerliche Kleinstaaterei. Nun fehlt allerdings aktuell jegliche Aussicht auf politische Kräfte, die dieser Kombination aus Kleingeisterei, Mittelmäßigkeit und Missgunst ein Ende setzen wollten. Wir, die aktuellen deutschen Gelehrten sind also wieder, diesmal im Bezug auf Bildungspolitik, zum Speculieren verurteilt. Mangels politischer Kraft, mangels Möglichkeit, ein auch nur angemessenes Schulsystem zu denken und auf den Weg zu bringen, mangels der Möglichkeit, die entscheidenden Fragen zu stellen, beackern wir die Neben-Nebenwidersprüche und hacken auf der untersten Ebene der Akteure im bestehenden System herum. Selbst für die Grünen war und ist vielleicht auch immer noch die Anzahl der (Computer-)Mäuse im Klassenraum ein entscheidender Indikator für Fortschritt.
Nicht nur im Bezug auf die Finanzwirtschaft handeln die Kabinette gegen die vernünftigen Interessen der überwiegenden Mehrheit der Bevölkerung.
Es handelt sich um eine Systemfrage!
die Schüler schleimen wieder um die Wette
die Denker lassen Drachen steigen
Utopia onaniert im Seidenbette
die Zeiten stinken und die Dichter — schweigen [K.Wecker]
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Bis August letzten Jahres hat der Namensvetter Christian Füller auch hier im Freitag geschrieben. Sich selbst nannte er provozierend "Pisaversteher", um die Bertelsmanndoktrin der Privatisierung des Bildungswesens als Brosche vor sich herzutragen. Dass er als Bildungsredakteur im Zentralorgan der Grünen arbeitet, passt bildungsideologisch bestens zusammen. Von der von dir angemahnten Qualität der Bildungspolitik und den Aufgaben, die Bildung zu leisten hätte, sind nicht nur die Grünen meilenweit entfernt. Da sind die Bildungsprivatisierer, die Zurichter der Zöglinge auf die von der Wirtschaft festgelegten Rahmenbedingungen, inzwischen zu stark geworden. Gelernt haben sie auch, sich propagandistisch ins Zeug zulegen, indem sie die Terminologie des Netzes verwenden, um Affinitäten zur Technikmoderne zu suggerieren. Was dabei auf der Strecke bleibt, ist das demokratische Bewusstsein, denn ohne dieses funktioniert die Wertschöpfung - nicht die Werteschöpfung (!) - reibungsfreier.
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Ihre Kritik an Schule und Schulpolitik, ihre Skepsis gegenüber dem internetbasierten schulischen Lernen teile ich. Aber die Forderung nach einem Verbot von Privatschulen ist eine Illusion und in der Sache falsch: das Verbot würde spätestens in den Bundesländern an Volksbegehren und -entscheiden scheitern, die Alternative ist eine bessere Qualität der öffentlichen Schulen ( die natürlich ihren Preis hat ).
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Mir ging es nicht um eine "realistische" Äußerung. Die Konkurrenten der öffentlichen Schulen erhalten allerdings vom Staat die gleiche Ausstattung, so dass man mit wenig finanziellem Aufwand eine besser erscheinende Alternative anbieten kann. Durch diese Regelung haben private Anbieter immer das gewisse Sahnehäubchen mehr. Die öffentlichen Schulen können diese Konkurrenz deshalb nie gewinnen. Die i.d.R. von Religionsgemeinschaften gesteuerten Alternativen sind immer ein wenig sauberer oder sonstwie "schöner"; dazu bedarf es minimaler zusätzlicher Mittel, die die öffentlichen nicht haben. Wenigstens diese Bevorzugung sollte man abstellen. Aber das ist wahrscheinlich auch nicht realistisch.
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@Klaus.Fueller
Die Konkurrenten der öffentlichen Schulen erhalten allerdings vom Staat die gleiche Ausstattung... Das ziehe ich in Zweifel. Wobei ich nicht weiß, was du mit Ausstattung meinst. Meiner Kenntnis nach sind es zwei Drittel bis drei Viertel, der Kosten, die laufend zugeschossen werden. Manche sprechen auch von 90 Prozent. Die Differenz wird von den Eltern beglichen. Außerdem: Nicht nur das Finanzielle spielt eine Rolle. Die Elternschaft privater Schulen muss sich einbringen in den schulischen Betrieb. Sie arbeitet deutlich mehr mit, weil die sozialen und ethnischen Hintergründe andere sind. Das Problem ist, dass die Bezahlhürde diese Spaltung begünstigt und das problematische Schülerklientel sich verdichtet in den öffentlichen Schulen sammelt. Da mit Abstand die meisten privaten Schulen in kirchlicher Trägerschaft sind, ist ein zusätzliches Hindernis, eine solche Schule zu besuchen, gegeben. Zwar werden katholische private Schulen nicht nur von Katholiken besucht, dagegen steht der staatliche Zuschuss, aber überwiegend. Der Skandal in diesem Zusammenhang ist, dass die Zugangskriterien nicht transparent sind. Mit anderen Worten: Die Schüler sind, je nach Andrang und Warteliste, handverlesen. |
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Hallo, die Einwände liegen ja auf der Hand: Wissen muss angeeignet, muss "verstanden" werden. "Verstehen" aber ist "Einordnen", das setzt Strukturkenntnisse voraus, die im Internet gerade nicht erworben werden können, deren Anwendung kann da kaum geübt werden.
Dennoch: Einfach nur Nein sagen zu dem, was CFüller da ansagt, das dürfte nicht reichen. Denn Recht hat er ja damit, dass das WWW ein unendliches System von Wissen (und Dummheit, muss man hinzufügen) ist, das täglich von den Anwendern des WWW aufgesucht wird. Wissen wird in der Tat in einem völlig anderen Maß und in völlig anderer Form in den einzelnen Lernsituationen zur Verfügung stehen und diese Situationen beeinflussen. Ein Beispiel: Ich sage im Unterricht, die EU hat gerade mal soviel Beamte und Angestellte wie die Stadt München, von einem Wasserkopf kann nicht die Rede sein, holt ein Schüler aus seinem Smartphone eine Milliarden-Euro-Zahl über die Verwaltungskosten der EU, die gewaltig groß ist und ich steh da mit meiner Weisheit... Das Wissen des Lehrers kann in jedem Moment überprüft werden. Muss man sich erst mal dran gewöhnen, das bloße Verbot von Smartphones im Unterricht hilft da nicht viel weiter. Aber es kommt eben auch oft vor, dass von den Schülern nur unverstandene Textschnippelchen aus dem WWW serviert werden, und dann wollen sie, weil es ja richtig ist, auch noch eine gute Note dafür haben... Hier steht eine neue didaktische Aufgabe vor der Schule: Den Schülerinnen und Schülern die Gerüste für das Verstehen der vielen, vielen Wissensschnippel zu geben. Die Erarbeitung grundlegender Begriffskonzepte gehört deshalb in den Mittelpunkt der Schule. Das kann bedeuten, dass das WWW im Unterricht über lange Strecken deshalb nicht genutzt wird, um es später besser benutzen zu können. Da ist an didaktischen Figuren zu arbeiten, die in einem Wechsel von geradezu kontemplativer Begriffsarbeit ohne jeden PC und Arbeit am PC, im WWW, mit Youtube bestehen, das eine klärt das andere, das andere illustriert das eine und bringt neue Perspektiven. Diese didaktische Figur ist noch längst nicht geklärt. Die neuen Smartboards ermöglichen einen so noch nicht gekannten Zugriff auf optische Medien, der immer stärker den Unterricht bestimmen wird. Aber schon fragen die Schüler zu Beginn der Stunde drängend "Sehen wir heute wieder einen Film?", weil das einfacher ist, als sich an einem Unterrichtsgespräch zu beteiligen oder einen Text bearbeiten zu müssen. Wie stellt man im Unterricht den Zusammenhang zwischen der schönen und sehr oft ja auch sehr inhaltsreichen Welt dieser neuen Medien her und dem, was an Struktur und grundlegender Kenntnis im Unterricht verstanden werden soll? Wenn im Unterricht mit den Filmangeboten von Arte oder 3sat arbeitet, über Natur- oder Sozialphänome, dann arbeitet man mit Medien, deren Informationsinszenierung man als Lehrer nicht ansatzweise mit einem Buch oder einem Rollenspiel hinbekommen kann. Sie stellen eine erhebliche Bereicherung dar. Der Unterricht um diese Medien herum muss dann für die Schülerinnen und Schüler aber einen erkennbaren und nachvollziehbaren Mehrwert haben. Sie müssen erkennen können, dass dieser Unterricht sie auf den Gegenstand des Arte-Film vorbereitet, dass sie ihn schneller und gründlicher Verstehen, dass der Lehrer über die Background-Informationen verfügt, die ihnen den Film leichter machen. Und ebenso nach dem Film. Der Lehrer muss den Film so verständlicher machen, dass die Schüler nach dem Film die Arbeit mit dem Film als bereichernd erleben. Da muss es in Zukunft einen eingespielten Wechsel von grundlegender Begriffsarbeit und der Reichhaltigkeit, die diese neuen Medien ermöglichen, geben können, der für grundlegende Konzepte didaktisch schon durchgespielt ist. Da stehen Schule und Unterrichtsentwicklung vor einer schwierigen neuen Aufgabe, die nach meinem Überblick noch gar nicht recht erkannt ist. Nicht klagen, sondern die Chancen dieser neuen Situation erkennen. (Ob mit oder ohne CFüller... egal...) Chryselers |
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Ich arbeite mit diesem ganzen internetbasierten Medienmix ja bereits heute. Das bereichert erheblich den Unterricht. Allerdings ersetzt das nicht die Arbeit mit didaktisch aufbereitetem Material, an dem man überhaupt erst die Denkstrukturen entwickeln kann, mit deren Hilfe man dann in der "Wildnis" des Internet zu bestehen in der Lage ist. Das aufbereitete Material kann (teilweise) in Papierform als Schulbuch vorliegen oder als Hypertext mit allen möglichen Medien. Im Moment erzeuge ich dieses Material eher selber und greife auf Schulbücher als eine Informationsquelle von vielen zurück.
Urheberrechtliche Fragen soll der Kultusminister mit den Rechteinhabern der Medien (3sat, …) klären. Die Schulbuchverlage als "Informationsprovider" müssen sich dieser Situation anpassen oder sie sollen untergehen. |
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Vorsicht! "… die Chancen dieser neuen Situation erkennen …" kann in Selbstbetrug münden. Wir Lehrer haben uns als eine Art von Beschwörung diese Formel bei jeder Verschlechterung der Situation in den letzten 15 Jahren gegenseitig zugeraunt.
Währenddessen haben viele amerikanische Schulen problemlos Geräte zur Messung kosmischer Strahlung (ca. 2000€, viel zu teuer für uns, braucht man ja nur 2x im Jahr) und schwedische Schulen hat man zum Experimentieren Schülergruppen aus 12 Schülern. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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