Ich muss mir immer wieder das geniale Interview durchlesen, das Frank Rieger in der FAZ mit dem Thrillerautor Daniel Suarez (Daemon und Darknet) geführt hat.
In einem Teil führt Suarez aus, wie man zu einer neuen Wirtschaftsordnung gelangen könnte:
Die Initiative muss daher vielmehr aus dem Volk kommen - und dabei denke ich nicht an Proteste und Demonstrationen, sondern an den Aufbau und die Erprobung neuer Wirtschaftsformen, digitaler Währungen, Augmented Reality und vermaschte Open-Source-Netzwerke, die eine neue Ökonomie und damit ein soziales Geflecht schaffen, das die etablierten Mächte samt ihren selbsternannten Torwächtern und Lobbyisten eher umginge als stürzte. Solch ein System würde zunächst nur in embryonaler Form geschaffen. Es zöge immer mehr Anhänger an, die aus der bestehenden Ökonomie herausgefallen sind, und setzte sich schließlich durch, wenn eine kritische Masse sich dem neuen System angeschlossen hätte. Man könnte sich auch eine Übergangsphase vorstellen, in der die Menschen mit einem Bein in der alten und mit dem anderen in der neuen Ökonomie stünden, so dass der Übergang nicht so abrupt ausfiele. Man stelle sich nur einmal vor, wie viele gut ausgebildete Menschen es gibt, die gerne einen Neuanfang in einer Welt wagten, in der ihre Schulden - die Erbsünde der freien Märkte - getilgt wären. Entscheidend ist, dass die Verantwortung für Aufbau und Erhaltung der Netzwerkknoten bei einzelnen Gemeinschaften liegt. Für die vernünftige Regulierung sorgt dann eine Gesellschaft, deren Bürger die physische Kontrolle über ihre Infrastrukturnetze ausüben.
Vor allem der Gedanke, diese Wirtschaftssysteme zu "erproben" ist interessant. Aber wo könnte so eine Erprobung stattfinden? In Industrieländern vor allem in solchen Gebieten, aus denen sich die Wirtschaft schon zurückgezogen hat, sprich strukturschwache Regionen. Statt also die Struktur zu stärken, sollte man in solchen Gebieten neue Strukturen erproben. In Deutschland wären da das Ruhrgebiet und die ostdeutschen Länder zu nennen.