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Mit dem Musikfernsehen ist es ähnlich wie mit dem gut gemachten Radio. Es gibt heute sogar mehr davon als früher, aber da der Schund (das muss man wohl so sagen) noch sehr viel stärker zugenommen hat, und dies besonders auf den klassischen Verbreitungswegen, sind qualitative Musiksendungen heute nur noch sehr schwierig zu finden und werden meist nur noch auf schwierigeren Verbreitungswegen ausgestrahlt. Natürlich kenne ich kaum jemanden, der nicht Viva Zwei (oder wenigstens dem alten Viva oder MTV - kennt noch jemand Onyx?) hinterhertrauert, aber immerhin gibt es heute go.tv, Deluxe Music, iMusic-TV und Tim Renners Motor TV, dazu kommen noch diverse europäische Musiksender über Satellit und - wer's mag - das Angebot im Pay-TV.
Diese Sender ermöglichen es, Musikvideos tatsächlich wieder in Fernsehauflösung und nicht als Youtube-Briefmarke anzuschauen, ohne Viva's Kiddyabzocke (Lars und Verena: 94% Liebe, 49 Cent ärmer) und auch mit größerer Titelrotation als die Top30-AC-Soße, vor der man sich schon auf den meisten Radiofrequenzen nicht mehr schützen kann. Die einstige Funktion, die Viva jedoch ursprünglich mal hatte, nämlich eine große Öffentlichkeit für die Vielfalt des Musikbiz herzustellen (nicht von ungefähr wurde der Aufbau des deutschen Anti-MTVs größtenteils von den Major Labels finanziert), können diese Sender, und kann auch Youtube oder MySpace nicht schaffen. Dafür ist die Lücke, die der Rückzug des Musikfernsehens nicht nur hierzulande geschaffen hat, inzwischen zusehr fragmentiert. Aber vielleicht ist es gerade diese Kleinteiligkeit des Musikpublikation heute, worin die Chance für neue, kleine, echte Bands besteht, groß herauszukommen. Nicht von ungefähr hat sich MySpace inzwischen zum Musikkarrierehelfer Nr.1 gemausert. |
Ausgabe 11/10
18.03.2010
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