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Ich habe dieses Buch gestern von der Frau in die Hand gedrückt bekommen, über die ich hier schon geschrieben habe. Wir hatten ein Arbeitstreffen und mussten weniger besprechen, als gedacht, was dazu führte, dass wir eben auch über den Feminismus geredet haben.
Schon als ich die Einleitung las, dachte ich: das ist einen Blogbeitrag wert. Wenn ich richtig gesucht habe, wurde dieses Buch hier beim Freitag noch nicht besprochen.
Nina Power schreibt in dieser Einleitung, dass die Auswüchse scheinbarer Emanzipation „unserer politisch desolaten Zeit ein erbärmliches Zeugnis aus“stellen. Der Titel lehnt sich an Marcuses „der eindimensionale Mensch“ an, in welchem der Mensch total in der „Welt der liberalen Demokratie und des Konsumdenkens“ aufgeht. Power ist davon überzeugt, dass die Dinge, die wir heute als emanzipatorische Momente wahrnehmen, nichts weiter sind, als sich immer mehr straffende Fesseln. Vom Vermarktungs- und Leistungsdruck sind freilich Männer wie Frauen gleichermaßen betroffen, auch wenn es subtile Unterschiede gibt.
„Heiter ist dieses Buch beim besten Willen nicht“ steht da in der Einleitung geschrieben.
Ich bin gespannt.
Die bisher gefahrenen feministischen Taktiken, wie die „Rückeroberung des Körpers“ das Eindringen in männliche (Erwerbs)Sphären hatten zwar weitreichende Auswirkungen, ließen die dahinter stehenden Strukturen aber weitgehend unberührt.
Gleichberechtigung
Im Grunde ist Gleichberechtigung nichts, was der Kapitalismus nicht auch wollen würde. Ihm ist es egal, wer die Arbeit verrichtet, wer den Mehrwert schafft. Trotzdem verdienen Frauen weniger, trotzdem sind sie im Niedriglohnsektor überrepräsentiert.
Aber, merkt Power an, es ist unter Umständen wichtiger, sich über „grundlegende strukturelle und ideologische Einflussfaktoren“ Gedanken zu machen, als über „Repräsentationsfragen“.
Denn: die „außergewöhnlichen Frauen“, die sich mittlerweile in den Schaltzentralen der Macht finden, sind oft nicht das, was sie zu sein scheinen. Sie sind nicht diejenigen, die sich trotz ihres ‚Frau-seins‘ an die Macht gekämpft haben, um diese wohlmöglich zu nutzen, damit sie die Welt mutmaßlich ‚besser‘ machen können. Sie verkörpern meist vielmehr die schlimmste Seite der Macht. Sie sind „Lockvögel“.
„Die Manipulierung von Race und Gender als Lockvögel für die Demokratie zeigt die Korrumpiertheit der Identitätspolitik“.
Conduleeza Rice als ehemalige Außenministerin wird als Beispiel für das Lockvogeldasein angeführt. Trotz ihrer Machtposition litten schwarze Frauen (und auch Männer und Kinder) am meisten unter den Folgen von Hurrikane Katrina.
Ich dachte spontan: ja, trotz Barack Obama leidet der schwarze Teil der Bevölkerung in den USA am meisten unter den Folgen der derzeitigen Finanz(Banken)krise.
Sarah Palin, oder: was es bedeutet, keine Feministin zu sein
In diesem Abschnitt wird besonders deutlich, in welcher Krise sich die Bedeutung des Begriffs ‚Feminismus‘ befindet. Denn Feminismus kann bedeuten, sich wie ein Mann zu Verhalten, für Entscheidungsfreiheit, für den Krieg und gegen Abtreibungen zu sein. Sarah Palin ist zwar nicht die Vizepräsidentin geworden, ist aber „eine Art Terminator-Hockey-Frau, die sich für eine Feministin hält“. Eine Kriegsbefürworterin, die eine aggressive Außenpolitik mit weiblicher Emanzipation in direkten Zusammenhang stellt.
Sie ist übrigens auch in einer Gruppe aktiv, die sich feministisch nennt und Schwangerschaftsabbrüche als Gewaltakt, die der Natur der Frau zuwider laufen, darstellt. Diese Gruppe verteufelt jeden Abbruch, auch wenn der Embryo durch eine Ver-GEWALT-igung entstanden ist.
Aha.
Hawkish and Mawkish - Larmoyante Falken
Im Anschluss an Sarah Palin geht Nina Power nochmal auf die Leute ein, die vor 15 Jahren noch offen gegen feministische Werte gewettert haben und nun in ihrem Namen Kriege führen.
(Auch) Um die Frauen in den islamischen Ländern zu befreien werden diese Kriege angeblich geführt. Dass diese Kriege (auch im Namen der Befreiung der Frauen) die Arbeit muslimischer Feministinnen extrem erschwert haben, ist den Kriegstreibern egal.
Warum, können wir uns sicher denken. Es geht natürlich nicht um Emanzipation, sondern meistens doch eher um Öl und Ähnliches.
„Bombardements im Namen der Frauenrechte“, nennt Nina Power diese höchst widersprüchliche „Strategie“. Gleichzeitig hat im Übrigen die Bush Regierung immer mehr Geld in nutzlose Enthaltsamkeitsprogramme gesteckt und die Möglichkeit, Schwangerschaften abzubrechen, immer weiter eingeschränkt.
„Der imperialistische Feminismus bedient sich zwar der Sprache des liberalen Feminismus (…) seine Methode aber ist der Krieg“ und „die gläubige muslimische Frau wird zur Antithese einer ganz bestimmten Sorte lautstarker konservativer Feministinnen“.
Soweit erstmal. Ich finde, das ist eine Menge diskussionswürdiger Stoff. Das nächste Kapitel heißt dann: die Feminisierung der Arbeit - das werde ich Ender nächster Woche zusammenfassen.
[bearbeitet und verbessert um 12:45h...Konzentration ist ein hohes Gut]
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:-)
;-) Besonders gefallen hat mir "Was nützt der alte Ruf nach Innerlichkeit, wenn es, zumindest aus ihrer Perspektive, keine Innerlichkeit mehr gibt, die "kolonialisiert" oder "befreit" werden könnte? Denn: "Das Private ist nicht länger nur politisch, es ist durch und durch ökonomisch." ...1968... Chicago Boys... Griechenland... What the fuck is going on mit the Menschheit... |
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www.dradio.de/dkultur/sendungen/kritik/1546208/
ja, wer nicht länger auf den (meinen) Rest warten möchte, kann da schon mal gucken, wie es weiter geht. Ich bin jedenfalls begeistert. Auch von diesem Zitat: "Ein Feminismus ohne politische Dimension ist ungefähr so viel wert wie ein mit Strass besetztes Damen-Handy" Was allerdings ein Damenhandy zu einem solchen macht, würde mich schon interessieren ;-) |
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luzieh.fair schrieb am 04.11.2011 um 12:04
Was allerdings ein Damenhandy zu einem solchen macht, würde mich schon interessieren Ich erlaube mir ... die Polarisation der Welle. Der Kontakt mit XY-Chromosom schalte über einen Sensor ein Wellenfilter ein, das den eintreffenden Informationsstrom verrauscht, in dem es eine Polarisationsebene ausfiltert und damit eine gewisse Redundanz hervorbringt. Darum tlfniern Frauen mit Damenhandy so lange ... möglicherweise ;-) Gruß |
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"Im Grunde ist Gleichberechtigung nichts, was der Kapitalismus nicht auch wollen würde." - Der Kapitalismus 'will' alles und von allem das Gegenteil. Aber eigentlich will 'er' immer nur das eine - und davon NICHT das Gegenteil.
Schönes Vorhaben, hat schon mal interessant begonnen. Weiter so! |
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Erst was reinstellen und dann keine Zeit haben, auf Kommentare zu antworten. Nächstes mal geh ich überlegter vor ;-)
Danke für die Blumen, ich setz mich morgen an den nächsten Teil. |
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Da hat man hier, doch endlich mal wieder etwas schönes zu lesen bekommen...;-)
"ließen die dahinter stehenden Strukturen aber weitgehend unberührt."-wirklich, wer hätte das gedacht!? |
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Danke, Neobe. Wie oben geschrieben, morgen setz ich mich an den nächsten Teil. Mal gucken, was ich daraus mache :-)
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Der Titel lehnt sich an Marcuses „der eindimensionale Mensch“ an, in welchem der Mensch total in der „Welt der liberalen Demokratie und des Konsumdenkens“ aufgeht. Power ist davon überzeugt, dass die Dinge, die wir heute als emanzipatorische Momente wahrnehmen, nichts weiter sind, als sich immer mehr straffende Fesseln. Vom Vermarktungs- und Leistungsdruck sind freilich Männer wie Frauen gleichermaßen betroffen, auch wenn es subtile Unterschiede gibt.
Adorno und Horkheimer haben in den späten 50-ger / frühen 60-ger Jahren einen Briefwechsel geführt, in dem sie die wachsende ökonomische Bedeutung der Frau in der sich entfaltenden Wirtschaft im Nachkriegsdeutschland extrapolierten und die soziologischen Folgen einzuschätzen versuchten. Soweit ich den Tenor noch erinnere, lagen sie nicht weit daneben. Die bisher gefahrenen feministischen Taktiken, wie die „Rückeroberung des Körpers“ das Eindringen in männliche (Erwerbs)Sphären hatten zwar weitreichende Auswirkungen, ließen die dahinter stehenden Strukturen aber weitgehend unberührt. Die Rückeroberung des Körpers mag mit einem besonderen Lebensgefühl einhergehen … wie auch immer. Das Eindringen in männliche Erwerbsphären bedeutet im ersten Ansatz zunächst einmal, sich den Sitten und Gebräuchen zu stellen. Häufig gehen die Eindringlinge dann aber im System auf, als erfolgreiche Protagonistinnen; man(n) hat ihnen keinen Platz gemacht, sie haben ihn sich erstritten … was immer das bedeutet und was immer man davon halten mag: es weist in seiner soziologischen Perspektive auf Adorno und Horkheimer zurück. Sie sind nicht diejenigen, die sich trotz ihres ‚Frau-seins‘ an die Macht gekämpft haben, um diese wohlmöglich zu nutzen, damit sie die Welt mutmaßlich ‚besser‘ machen können. Sie verkörpern meist vielmehr die schlimmste Seite der Macht. Sie sind „Lockvögel“. Ich bin mir nicht sicher, ob die Frauen in höchsten Ämtern als Lockvögel zu bezeichnen sind; häufig waren sie Herren über Leben und Tod. Maggy Thatcher hat in GB gewütet wie ein Tornado. Die Folgen sehen wir heute, nur wie ein Lockvogel hat sie sich nicht verhalten, eher wie ein feuerspeiender Drache. „Die Manipulierung von Race und Gender als Lockvögel für die Demokratie zeigt die Korrumpiertheit der Identitätspolitik“. Die Manipulierung von Rasse und Geschlecht als Lockvögel für die Demokratie zeigt die Korrumpiertheit der Identitätspolitik Nun ja, zunächst impliziert der Satz, dass es so etwas wie Rasse gibt und zusammen mit dem Geschlecht zu Markte getragen wird. Aber das nicht nur auf dem Stand der Demokratie, sondern beide liegen ebenfalls in den Auslagen von Marketing, der Werbung, der Mode und … und … und. Dies kann nicht der Maßstab sein, an dem Korrumpiertheit sich messen ließe Gruß Kuni |
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Lieber Kuni,
"was immer das bedeutet und was immer man davon halten mag" würde mich ja schon interessieren. Ich glaube, der Lockvogel ist hier nicht als Sirene gemeint, die auf der Insel sitzt und singt, sondern eher so: eine Frau ist an der Macht, Juhuu! Jetzt habt ihrs geschafft, ihr Frauen. Ihr könnt es wenn ihr wollt. Nur: ändert leider die Tatsache, dass es eine Frau ist, die an der Macht ist nichts am Wesen der Macht selbst. Und so zeigt sich "meist vielmehr die schlimmste Seite der Macht". "Race und Gender", Kunibert, sind soziologische Kategorien, die genau so genannt werden, wie sie hier stehen. "Rasse" hat im (sozial)wissenschaftlichen Terminus nichts zu suchen. Aus historischen Gründen vor allem. Aber auch weil die Kategorie in der amerikanischen Schule ihren Ursprung findet und aufgrund der speziellen amerikanischen (Einwanderungs)geschichte eine andere Bedeutung hat, als der Begriff der "Rasse" ihn bei "uns" hätte, würde er in der Soziologie einhellig gebraucht werden. Will sagen: die sozialwissenschaftliche Kategorie "race" lässt sich nicht einfach mit "rasse" übersetzen, weshalb sie weiterhin "race" genannt wird. Genau wie die Kategorie "gender" nicht mit "Geschlecht" übersetzt wird. Es geht hier, um Rollen. Um das so genannte "soziale Geschlecht". Ich hofffe wir sehen uns hier beim zweiten Teil erneut. |
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Adorno hätte jetzt frankfurter Strasshandy und Horkheimer kommt eh aus Zuffenhausen, wie Porsche...
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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