Magda

Mal sehen

13.01.2012 | 14:08

Brandt-Schröder-Wulff - Ostinato der Verachtung

Kluge Sozialforscher haben herausgefunden, dass die Beobachter eines Fußballspiels – auch wenn sie zu beiden Mannschaften kein besonders inniges Verhältnis haben - dennoch irgendwann Partei ergreifen für eine Seite, sonst macht das Gucken keinen Spaß.

Vielleicht hat mich dieses Phänomen dazu bewogen, mehr zu Wulffs Seite zu neigen, vielleicht ist es, weil ich BILD nicht mag. Natürlich weiß auch ich, dass die Dinge nie so einfach stehen.

Wäre Politik nur reine Macht- und Interessenpolitik, dann würden sich viel weniger Leute dafür interessieren. Politik ist „Welttheater“   sie hat dramatische Momente ebenso wie sie die Posse und den Boulevard bedient.

Ich frage mich selbst schon geraume Zeit, warum ich – gegen viele vernünftige Einsichten – eher auf der Seite derer bin, die den Wulff zumindest nicht so streng beurteilen wie z.B. zu Guttenberg. Warum ich zur zu Guttenberg-Schuhdemonstration gegangen bin, bei Wulff aber zurückzucke.

 Erinnerte

Heimatlosigkeit

Zurück zu Wulff. In einem anderen Blog habe ich scherzhaft gemeint, er sähe meinem Bruder ähnlich und das stimmt sogar. Vor allem aber erinnert mich der Umgang mit ihm an eigene Herkunftserfahrungen, an ein Gefühl der Heimatlosigkeit, die nicht mit dem „Osten“ zusammenhängt, sondern mit meiner Familiengeschichte, meiner ersten „West“erfahrung noch als Kind und der Beobachtung der "guten" bürgerlichen Gesellschaft mit ihren Reflexen.

Der Umgang mit Leuten, die nicht in das bürgerlich-saturierte Schema passen scheint nicht mehr so intolerant wie in den 50er Jahren. Damals war meine katholische Mutter, allein mit zwei Kindern, eine im Westen völlig indiskutable Person und entschloss sich – u. a. auch aus diesen Gründen - lieber nicht zu dem einzigen Verwandten nach Unna in Westfalen zu ziehen, sondern in Leipzig zu bleiben. Der Westen erinnerte sie ständig an ihre Abspaltung von der einst bürgerlichen Familie.

Willy Brandt

alias „Karl Frahm“

Die Kampagne mit dem Unterton „Willy Brandt alias Karl Frahm“ hat mich einige Jahre später weiteres über die Bundesrepublik gelehrt. Willy Brandt kannte seinen Vater nicht und das hat ihm Diskriminierung und gern genutzte Möglichkeiten zur Verletzung eingetragen.

Willy Brandt setzte sich durch wie später ein gewisser Gerhard Schröder. Auch er vaterlos, aus anderen Gründen, auch dessen familiären Verhältnisse weder wohl- noch gutbürgerlich. Und es war sofort jemand bereit, dies zum Thema einer allgemeinen Charaktereinschätzung zu  machen.

Wolfgang Büscher schrieb damals in der Welt: „Es gab Väter, die ihre Söhne nicht kannten, und Söhne, die ihre Väter vergaßen. Hierin verkörpert Schröder Deutschland, auch hierin. Der Mann ist medial hoch begabt, medial im alten Sinne. Ein Medium aber muss leer sein. Durchlässig. Mehr Projektionsfläche als Projektor. Der klassische Projektor ist der Vater. Wo er abwesend ist, ist eine Art von Freiheit: Unruhe, Suchen. Da ist nicht die Macht der Prägung, und da ist keine Rebellion. Gegen wen soll denn ein Muttersohn rebellieren - gegen die arme, tapfere Frau, die ihn durchbringt, so gut sie kann?“

Vaterlosigkeit

als Makel

Ein Text, der die Vaterlosigkeit eines Menschen zum Makel macht zum Hintergrund der Charakterschwäche, der Leere und des Unkreativen, förderte in mir eine ganz irrationale temporäre Parteinahme für Schröder, dessen Verhalten und politische Entscheidungen mir deshalb nicht weniger suspekt und erschreckend waren. Aber den Hang zur Protzerei, den er immer wieder zeigt, leitete ich nicht aus der Vaterlosigkeit ab. Eigentlich war die ganze SPD – in die Nähe von Macht gelangt – dafür anfällig, schien mir.

Die CDU hat auch ihre Aufsteiger – und wenn diese zu sehr abweichen, dann beginnt das konservative Bürgertum erneut mit der reflexhaften Abwehr. Wenn er dann selbst noch politisch unklug agiert oder sich Verfehlungen zu Schulden kommen lässt, wird die schon immer schwelende Verachtung mit Freude neu entfacht.

Auch Wulff hat keinen Vater. Eine frühe Scheidung und ein Stiefvater, der die Familie ebenfalls sehr früh wieder verließ, waren der Grund. Keine heile Familie, kein solides und beständiges Bürgerschema und das dann auch noch bei einem Katholiken. Wulff machte das anlässlich des Papstbesuches zum Thema: „Kirche und Staat sind bei uns in Deutschland zu Recht getrennt. Aber: Kirche ist keine Parallelgesellschaft. Sie lebt mitten in dieser Gesellschaft, mitten in dieser Welt und mitten in dieser Zeit. Deswegen ist sie auch selbst immer wieder von neuen Fragen herausgefordert: Wie barmherzig geht sie mit Brüchen in den Lebensgeschichten von Menschen um? Wie mit den Brüchen in ihrer eigenen Geschichte und mit dem Fehlverhalten von Amtsträgern? Welchen Platz haben Laien neben Priestern, Frauen neben Männern? Was tut die Kirche, um ihre eigene Spaltung in katholisch, evangelisch und orthodox zu überwinden?“

Er hatte damals vielen kritischen Katholiken aus dem Herzen gesprochen, aber das Echo blieb verhalten und abweisend.

kleinbürgerlicher

Parvenü

Wulffs Politik in Hannover – konservativ, mit starken sozialen Kürzungen – entsprach dem CDU-Muster. Da blieb vieles an Klüngelei im Dunkeln. Als Bundespräsident, der unklug, schlecht beraten mit Vorwürfen umgeht, wird sein Lebensstil zum Thema. 

Während Jakob Augstein in einem Beitrag rügte, dass er so sehr bürgerlicher Durchschnitt ist und wir den Bundespräsidenten hätten, den wir auch verdienten, sieht Welt-Autor Ulf Poschardt ihn ihm den Parvenü.

Scheinbar verständnisvoll thematisiert er die Schwach- und Bruchstellen Wulffs, erwähnt seine schwierige Kindheit und Jugend aber behauptet, in Deutschland bestimme die Herkunft den gesellschaftlichen Erfolg nicht. Hingegen fordert er - gerade vom Amt des Bundespräsidenten - ein Kategorie, die er existenzielle Exzellenz nennt. Und der von ihm bemäkelte kleinbürgerliche Wulffsche Lebensstil hat diese Exzellenz wohl nicht.

Sozialneid ist ein

Problem der Reichen

Könnte es sein, dass Sozialneid nicht der Neid der kleinen Leute auf „die Reichen" ist? Fragte ich mich an dieser Stelle spontan. Ist Sozialneid nicht viel mehr der Neid der Reichen auf andere Reiche? Der macht die Welt so spitz und scharf. Kleine Leute wollen höheren Lohn und bezahlbare Mieten und sie begucken sich die Welt der Reichen mit Interesse, aber nicht mit ewigem Neid. Das tun Leute wie Poschardt vielleicht und sie kompensieren diesen Neid mit Beiträgen wie den in der Welt. Ich denke, ich habe Recht, denn der Begriff Sozialneid wurde in diesen Gefilden kreiert.

Konservative

Lehmschicht

Zurück zur obigen These, zu den Aspekten, die Menschen zur Parteinahme bringen ob beim Fußball oder in anderen Lebensbereichen: Ich habe eine „Schlagseite“ zur Wulff, eine nicht ganz logische, aber trotzdem schlüssige. Und vielleicht ist auch bei mir Wulff nur der „Aufhänger“.

Diese Bundesrepublik wird von einer Lehmschicht dieser konservativen, Bürger mit „Sinn für Höheres“ erstickt, die nichts ändern wollen. Sie hat sich auch viel weniger geändert als ich dachte oder hoffte. Einige Seitenaspekte der Wulff-Debatte zeigen Kontinuitäten mit langen Wurzeln. Es war ein bisschen leichter in der DDR ohne "Wurzeln" zu leben, die wie Günther Gaus schrieb „ein Land er kleinen Leute“ war. Vielleicht bin ich daher im Umgang mit der Vergangenheit auch nicht so hasserfüllt wie eine verachtungsvolle Bürgerwelt, die sich angesichts der Serien-Einfamilien-Häuschen von Wandlitz in ihrem ästhetischen Sinn zutiefst verletzt fühlt. 


 
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Kommentare
Alien59 schrieb am 13.01.2012 um 15:32
Da möchte ich mit keinem Wort widersprechen.
blog1 schrieb am 13.01.2012 um 16:20
Schröder und Wulff sind ohne (leibliche) Väter aufgewachsen und kommen beide aus einfachen Verhältnissen, was das finanzielle Umfeld betraf. Beide sind Juristen, was den Zugang zu einer politischen Karriere erleichtert.

Solche Personen haben sehr häufig einen extrem ausgeprägten Ehrgeiz und Geltungsdrang. Von Schröder weiß man, dass er, lange bevor er Kanzler wurde, einmal vor dem Kanzleramt stand, an den Gitterstäben rüttelte und sagte" ich will hier rein". Väter stärken im Idealfall ihren Söhnen den Rücken. Unterbleibt dies, wird dieser Mangel durch eine Bestätigung im Außen kompensiert, sehr häufig im Sport. Schröder war Fußballer. Als Mittelstürmer hatte er den Spitznamen „Acker“.

Bei Wulff war dieser Ehrgeiz zweifellos auch vorhanden. Er wirkte aber im Gegensatz zu Schröder eher verhalten und traute sich beispielsweise die Kanzlerschaft nicht zu. Während also Schröder in seiner Außenwirkung nur so vor Selbstbewusstsein strotzte, hatte man bei Wulff den Eindruck, dass er eher der devote Beobachter war, der geduldig auf seine Chance lauerte.

Seine Bewunderung für Unternehmerpersönlichkeiten wie beispielsweise Maschmeyer war bereits frühzeitig erkennbar. Der wirtschaftliche Erfolg diente als fast alleiniger Beurteilungsmaßstab, nicht etwa die charakterlichen Eigenschaften. Ich erinnere mich an einen Auftritt von Wulff bei Sabine Christiansen, in der er voller Bewunderung von ihm sprach. Wulff wollte dazu gehören und mit seinem Aufstieg zum Ministerpräsidenten vermittelte man ihm den Eindruck, er gehört dazu. Die Bodenhaftung ging verloren. Der tiefe Fall war vorprogrammiert.

Schröder bewunderte diese Leute nicht, er kungelte nur mit ihnen. Der Genosse der Bosse.

Schröder machte sich auch keine Illusionen über die Rolle der Medien. Er nutzte die Medien als Projektionsfläche für seine Politik. Wulff hingegen glaubte, dass er bei entsprechendem Wohlverhalten gegenüber dem Boulevard, auch von demselbigen geschont würde. Ein fataler Irrtum, wie sich herausstellte. Deshalb auch der völlig konsternierte Wutanruf bei Bild.
h.yuren schrieb am 13.01.2012 um 16:21
liebe magda, zuviel der verständnispflege. siehst du in dem jungen mann vielleicht einen möglichen sohn, den du mütterlich beschützen möchtest?
nun, ich bin selbst auch einer aus der vaterlosen generation. hatte aber niemals ein gutes verhältnis zur macht, in welcher gestalt auch immer.
die jungs, die du hier aufgereiht hast, waren bzw. sind machtkrank, sonst hätten sie sich die ochsentour der parteiarbeit nicht angetan. allesamt ging ihnen das gefühl ab, sich für eine maschinerie zu verdingen, die das gewaltmonopol beansprucht. nicht von ungefähr. wie zum beispiel wulff mit kriegsvokabular um sich wirft, mit drohgebärden und imponiergehabe, sagt mir, dass der mann noch nie dazugekommen ist, über seine rolle auf dieser bühne nachzudenken. das erwarte ich auch von keinem parteisoldaten der cdu.
brandt war der einzige nicht-jurist in der reihe. das spricht für ihn. aber er hat den radikalen-erlass unterschrieben. das spricht sehr gegen ihn. über den anderen hannoveraner kein wort.
SchmidtH. schrieb am 13.01.2012 um 18:22
Mein Gott, mein Gott!

Wenn alle ihre Thesen stimmen sollten, dann stellt sich doch unweigerlich die Frage, warum Angela Merkel gerade von diesem "Mob" so gestützt wird?

Weil sie Dienerin "fremder" Herren und Damen ist oder weil sie diesen "Mob" im Griff - also Informationen über sie besitzt - hat?
Oder ganz einfach. Sie nur eine so genannte Frau ist.
goedzak schrieb am 14.01.2012 um 00:11
Magdas Thema ist ja nicht Wulff (und deshalb kann auch keine Parallele zu Merkel gezogen werden), sondern die neue alte Bürgerlichkeit der meinungsführenden Schichten, die zwar heute im Gewande einer hippen "Vierzig-ist-das-neue-Dreißig-socialmedia-smartphone-Schickeria" daher kommen, aber wenns um die Wurst geht, wieder auf die Muster ihrer Eltern und Großeltern zurückgreifen. Der soziale Dünkel kleidet sich zwar in die Form einer modern-ästhetischen Kritik, bleibt aber im Kern, was er ist.
Alien59 schrieb am 14.01.2012 um 08:08
Weil Merkel, trotz "Ost-Vergangenheit", aus einem Pfarrhaus kommt, mit einer Mutter, die ebenfalls CDU-Politikerin ist. Sie passt viel besser zu den Kritikern als zu Brandt-Schröder-Wulff.
Magda schrieb am 13.01.2012 um 20:19
Danke für die Kommentare.
@ Alien59 - :-))

@blog1 - Die Hintergründe von Schröders Leben und Karriere sind interessant und bekannt. Für Ehrgeiz und Karrierestreben gibts unterschiedliche Motive und Hintergründe.
Mich interssierte daran der Umgang der bürgerlichen Gesellschaft mit seinen familiären Verhältnisse, mit der Vaterlosigkeit.

@ h.yuren- liebe magda, zuviel der verständnispflege. siehst du in dem jungen mann vielleicht einen möglichen sohn, den du mütterlich beschützen möchtest?

Du liebe Güte, warum so einfach.
Es steht dort oben, was mich daran interessiert. Die (west)deutsche bürgerliche Gesellschaft und ihren Blick auf Menschen,die nicht ins Muster passen.

Mütterlichkeit außerdem ist nun wirklich kein reines Beschützerinnen-Verhalten. Ganz im Gegenteil. Da kann ich Dir nur einen schönen Spruch von Peter Rühmkorf anbeiten: "Mutterliebe, ein Fass ohne Boden". :-)))

@ SchmidtH - was Sie meinen verstehe ich glattweg nich. Ich stelle auch gar keine Thesen auf.
Columbus schrieb am 13.01.2012 um 23:41
Liebe Magda,

Wie Sie doch, so im Überblick und mit Fürsorge, der 13, einer ganz vater- und mutterlosen Zahl, dazu an einem Freitag, also einem Tag an dem diese Zahl ganz besonders unglücklich ist, eine solche, von tiefem Gefühlswissen geprägte Analyse zu den vater(lands)losen Gesellen, liefern, das ist unnachahmlich!

Im Ernst, Sie meinen das wirklich so? Nein, ich halte es für einen Scherz zum Datum.

Grüße
Christoph Leusch
goedzak schrieb am 14.01.2012 um 00:17
Ich bin im Gegenteil und allen Ernstes und bar jeder Ironie, dass wir es hier mit einem Text zu tun haben, aus dem viel Lebenserfahrung, wenn nicht gar Weisheit spricht.
Vielleicht kann das nur sehen, der aus eigener Erfahrung weiß, was mit "Land der kleinen Leute" gemeint ist.

Es gibt natürlich auch in der aktuellen Bundesrepublik ein Land der kleinen Leute, aber es liegt im Dunkeln, und das sieht man nicht.
goedzak schrieb am 14.01.2012 um 00:22
Muss heißen:"...bar jeder Ironie DER MEINUNG, dass..."
Columbus schrieb am 14.01.2012 um 02:11
Das kann ich ja nicht ändern.

Aber eine solche Suppe ess´ ich eben nicht und das wollte ich, nach gefühlt 999. klugen Kommentaren in den letzten Tagen, die hier beim dF in den Threads stehen, einmal noch hinschreiben.

In Preußen ist man dickfelliger, bräsiger und vielleicht braucht es dann einen gröberen Klotz für so ein, ´mal kurz zusammengerührtes Gebräu zum Freitag.

Das Ostinato der Verachtung, es existierte für Brandt z.B. nur in rechten Kreisen. Die operierte gerne mit "Herbert Fram", -Ich habe noch so ein "Schreibmaschinenheftchen" der Hetzer, es hat kulturhistorischen Wert.-, was aber Brandt nicht sonderlich kratzte. Er verwendete seine späteren Hetznamen auch als Tarnnamen, usw. Es gab er eher ein Ostinato der Hochachtung und spätestens seit der Vizekanzlerschaft/Kiesinger auch eine Chance zur Kanzlerschaft, die nur die SPD selbst noch hätte torpedieren können, wenn sie doch lieber große Koalition (Barzel/Schmidt) gespielt hätte.

Auch der Werdegang und Lebensweg, die Lebenserfahrung Brandts lässt sich nicht mit dem Leben Wulff parallelisieren. Selbst zw. Schröder und Wulff, die ja nun die gleichen (Geschäfts-)freunde teilten, liegen Welten im Temperament, im Willen und auch in der politischen Geschicktheit.

Vor allem erschreckend, der ganze Text geht an der Frage des höchstens Amtes völlig vorbei.
Der "fehlende Vater" als Einfühlmotiv, diesem BP noch die Stange zu halten, das verkennt die Schwere und Tragweite des Geschehens.

Aus beruflicher Praxis kenne ich solche Sachen bei Ko-Alkoholikern, die treu zum Indexkranken stehen, obwohl er weiter machte, und am Ende immer wieder um Entschuldigung bat.

Unsinn ist natürlich, Wulff und den Freiherrn in ein Boot zu setzen. Aber auf die Idee kommen doch auch nur wirkliche Frohnaturen.

So "gefährlich" wie der Franke, kann Wulff nimmer mehr werden. - Aber all´ diese Sachverhalte rutschen an Magda vorbei, bzw. interessieren Sie nicht.

Da kommt dann noch das Fußballbild und das Fass ist wirklich voll. Wie gesagt, ernst kann ich das nicht nehmen, wenn es so naiv dahin menschelt.

Dann kommt noch ein Schlenker der mich besonders nervt, der zur selbstattestierten Friedfertigkeit. Zw. Ost- und West-Deutschen gab es da keine großen Unterschiede. Nur die Zaumzeuge waren unterschiedlich eng geführt und das führt u.a heute dazu, dass in 1% Migrantenanteil Landkreisen mehr gewütet wird als in der Großstadt Frankfurt am Main.

Grüße
Christoph Leusch
weinsztein schrieb am 14.01.2012 um 04:19
@Columbus

Geschätzter Herr Leusch,
mein freundlich gemeinter Rat:
wenn Sie ausgeschlafen sind, drucken Sie Magdas Blog und Ihren eigenen langen Kommentar aus, legen beide nebeneinander. Lesen Sie sie mit Sorgfalt.

Vielleicht schreiben Sie als Fachkraft im Bereich Medizin und Gesundheitswesen ja einen neuen Kommentar mit weiteren Hinweisen zu Magdas "Einfühlmotiv", Wulff die Stange zu halten, zu Sie ganz besonders nervenden Schlenkern, Herr Leusch, und weiteren Beispielen aus Ihrer beruflichen Praxis, etwa zu "Ko-Alkoholikern, die treu zum Indexkranken stehen".
Oder Sie entschuldigen sich.

Während der Lektüre von Kommentaren zu Ihrem Abschied aus der FC nebst jähem Wiedereintritt ahnte ich irgendwann, dass wir hier solche Ein-und Ausfälle wie oben (wie gewohnt per langem Kommentar und angereichert per Ostinati) von Ihnen zu erwarten haben werden.

Magda schreibt gut, aber bitte - das ist kein Vorwurf an Sie.

Mit freundlichen Grüßen
weinsztein
goedzak schrieb am 14.01.2012 um 13:49
Ist ja auch eine (für einen ach so subtilen und 'sprachmächtigen' Autoren) erstaunliche billige Reflexreaktion, wenn der 'Wessi' einer 'Ossa' auf die (vermeintliche!) Beschönigung ihres Herkunftslandes "der kleinen Leute" antwortet, "dass in 1% Migrantenanteil Landkreisen mehr gewütet wird als in der Großstadt Frankfurt am Main". So sind se eben, die kleinen Leute, wa? Na ja, nebenbei, eine schöne Bestätigung für Magdas These vom bürgerlichen Dünkel. Proleten sind nicht nur vaterlos, sondern auch Nazis.

- Schönen Gruß an Hubertus!
Columbus schrieb am 14.01.2012 um 17:12
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weinsztein schrieb am 14.01.2012 um 04:19

Brandt, Schröder, Wulff in ein Paket, lieber Weinzstein, das ist doch Seelenbräu. Dazu noch den notorischen Schmonzes "Poschis" und Herrn Büschers Text, der sich sofort als Kolportage zu erkennen gibt. Ich bitte Sie!

Mit dem Amt, das nötig und wichtig ist, hat das
nichts zu tun, und die Unfähigkeit dazu ergibt sich nicht aus einem, zwei oder drei, verzeihlichen Fehlern, sondern aus dem Umgang mit ihnen und aus dem beklagenswerten Wiederholungsmuster. Von wegen Lehrling, der nun auf dem Weg zum (politischen) Gesellen und Meister wäre.

Aber bitte. Mein kurzer, ironischer Einwurf zu Magdas Text war exakt so gemeint: Eine solche Rührsuppe gefällt mir persönlich nicht. Punkt.

Zum Restlichen: Ich habe mir noch nie Threads oder Kommentare, auch nicht die eigenen, die ich hier so eintippe, je ausgedruckt. - Wenn Sie das machen. Ok.

Der Rest ihres Kommentars, lieber Weinsztein, werte ich als ihre Mitteilung, wie bescheiden Sie meinen Beitrag, meine Beiträge, u.u. seit XXX, nun finden. Daran kann ich auch nichts ändern. Das bleibt Ihnen überlassen.

Für was aber, sollte ich mich entschuldigen? Mein Verweis auf Ko-Aloholiker, -als Bild, lieber Herr Michels-, Deutsche als politische Ko-Alkoholiker, im Bezug auf Wulff (andere Fälle leicht denkbar), macht klar, dass dessen Mangel für dieses Amt und der Schade der dem Amt damit zugefügt wird, nicht erstmals im Dezember 2011 in Erscheinung trat und, das ist wichtig, Bevölkerung, durchaus so allgemein angesprochen, "gerne die Stange hält".

Grüße
Christoph Leusch
Columbus schrieb am 14.01.2012 um 19:26
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goedzak schrieb am 14.01.2012 um 13:49

Das war, zugegeben, lieber Goedzak, zu grob.
Aber mir steht eben, manches Mal, anders als z.B. dem Herrn Scheck am Abrollband, für diesen Part z.B. kein solches zur Verfügung:

"Diese Bundesrepublik wird von einer Lehmschicht dieser konservativen, Bürger mit „Sinn für Höheres“ erstickt, die nichts ändern wollen. Sie hat sich auch viel weniger geändert als ich dachte oder hoffte. Einige Seitenaspekte der Wulff-Debatte zeigen Kontinuitäten mit langen Wurzeln. Es war ein bisschen leichter in der DDR ohne "Wurzeln" zu leben, die wie Günther Gaus schrieb „ein Land er kleinen Leute“ war. Vielleicht bin ich daher im Umgang mit der Vergangenheit auch nicht so hasserfüllt wie eine verachtungsvolle Bürgerwelt, die sich angesichts der Serien-Einfamilien-Häuschen von Wandlitz in ihrem ästhetischen Sinn zutiefst verletzt fühlt."

Der erste Satz widerspricht schon den sozialen und ökonomischen Änderungen seit 1989, die sehr viel, fast revolutionär, änderten. Diese Änderungen bedrohen und das ist doch nun eine tägliche Grunddiskussion seither, das Sozialstaatsgebot des GG, der schon stark verblassten, alten BRD.

Es lassen sich sogar gebaute Symbole dafür finden, was sich verändert hat. An Deutschlands Hafeneingang Nr.1 steht zukünftig die "Elbphilharmonie", die dann tatsächlich der globalisierten "Lehmschicht", vor, während oder nach dem Geschäft, oder als Programm für die Begleitung, oder als "Kurzurlaubsziel", gibt, wonach es ihr verlangt. - Das ist nämlich immer gleich, die schöne Stimme, die man bestimmt schon kennt. - Sehen Sie es anders?

Von Wulff zu Brandt gibt es kein Geflecht durch die Geschichte. Die "lange Wurzel", ist da eine Sentenz wie, "Ich höre das Gras wachsen".

Dann kommen unvorsichtige Sätze, die ständig die Ebenen wechseln. Geht es um persönliches Verzeihen, oder ist hier der politisch-historische Kontext gemeint? Die DDR als "Land der kleinen Leute" stört mich nicht so sehr (die sozialen Unterschiede waren geringer. Aber seither hat sich was für Gesamt D. zum Schlechten verschoben!), wie die historisch "hasserfüllte, verachtungvolle Bürgerwelt" danach hin geschrieben.

Gegenthese:

Diejenigen, die Magda mit der "Lehmschicht" meint, die interessierte 1989 weder Wandlitz, noch je Geschichte. Die Lehmschicht lebt in der Welt ihrer Möglichkeiten.

Aber jene Bürger, die immer so nebenbei mitschwingend hier was abbekommen, interessiert an Kultur und Bildung, die ärgern sich ganz besonders über die "Guttis" und "Wulffis", die nämlich immer nur Kreide fressen, wenn es absolut nicht anders geht.

Sie ärgern sich, wenn dann solche "Geschichten" von einem erheblichen Teil der Bürger letztlich nach dem Mann/ Frauschaften-Solidarisierungsprinzip beantwortet werden.

In einem Jahr, so sprach der Präsident, ist alles längst vergessen, und "Gutti" schreibt über ´n großen Teich, ein paar Rückkunfts-SMSen.

Zu Ihrem letzten Satz. In allen Geschichten die hier bisher abgehandelt wurden, ging es nun weder um Proleten, noch um Nazis. Wulff, Fehlanzeige, Schröder, Fehlanzeige, Brandt, wäre irre überhaupt zu fragen. Einer der Kommentatoren hier? Nein.

Ist es bürgerlicher Dünkel Proleten für Nazis zu halten? - Ich glaube das ist eine Projektion!

Bürgerlicher Dünkel ist nun wieder, eine Entwicklung der Nachwende und Jetztzeit, der schon einmal in der BRD weitergehend überwunden war, nämlich zu glauben Distinktionsmerkmale zu kennen, mit der sich die Gesellschaft schichten lässt.

Sie sind nun simpler als im ganz klassischen Bürgertum (das wollte Geschichte kennen und Traditionen), ökonomischer orientiert, aber nichtdestotrotz geht es damit wieder zurück in eine Gesellschaft vor 68, wenngleich mit anderen Mitteln.

Grüße
Christoph Leusch
ChristianBerlin schrieb am 14.01.2012 um 00:20
Liebe Magda,

Dein Mut in Ehren. Da sind viele interessante Gedanken drin.

Folgender zum Beispiel:

Es war ein bisschen leichter in der DDR ohne "Wurzeln" zu leben, die wie Günther Gaus schrieb „ein Land er kleinen Leute“ war.

Die Frage ist nur, ob die Verachtung der bürgerlichen Gesellschaft beidemale dieselbe ist. Um in Deiner Logik zu bleiben: Aus Sicht der besseren Gesellschaft war der OberProlet von Wandlitz ein lange nicht bezwingbarer Gegner, der Parvenu von Bellevue dagegen nur ein williges Instrument.

Hast Du den ersten Beitrag aus dem gestrigen Monitor 629 gesehen? Da kommt einem der Gedanke, dass ein Minsterpräsident wie Christian Wulff (und vermutlich vor ihm schon Gerd Schröder) vor allem von schillernden Geschäftsleuten wie Fard oder Maschmeyer be-freundet wurde. Gut möglich, dass die bürgerliche Gesellschaft deshalb einmal verächtlicher auf ihn herab schaut(e).

Das hätten die Medien-Eigner und Meinungsmacher aber durchaus der Kanzlerin klar machen können, bevor sie ihn zum Präsidenten machte, in aller Deutlichkeit und unter Hinweis auf die resultierenden Horror-Szenarien. So wäre der Schaden für die Republik und auch für Christian Wulff geringer gewesen.

Absehbar war nämlich alles - jedenfalls nach ihrem jetzigen Reden. Alles was Wulff originär vorgeworfen wird, betrifft hat er schon in seiner Zeit als Ministerpräsident getan, was jetzt dazu kam, sind davon nur Verschlimmbesserungen und Folgeschäden durch vergebliche Verschleierungsversuche. Warum dann nicht damals gleich die volle Breitseite, damit er gar nicht erst ins Amt kommt und die Kanzlerin die Nominierung wieder zurücknimmt - wie Helmut Kohl das aufgrund von Medienberichten bei Steffen Heitmann tat?

Wenn das absehbar war, warum, lieber Kollege Schirrmacher, warum lieber Monitor, lieber JA und lieber KD, habt ihr das dann nicht schon damals gesehen und gesagt? Warum tauchen solche Videos mit Fart und die einfach zu recherchierende Widerlegungen von Wulffs Falschauskünften gegenüber dem Landtag erst jetzt auf, wo er Präsident ist?

Das ist dieselbe Frage, die viele auch zur Banken- und Euro-Krise haben. Warum wisst ihr erst so spät, dass alles vorhersehbar so kommen musste?

Relevant ist deshalb für mich nur das, was an wirklich neuen Fakten zutage kommt oder auch wenn neue Fragen gestellt werden, auf die niemand vorher kommen konnte.

Und da gibt es Dinge, die geklärt werden müssen. Ich denke auch, sie lassen sich aufklären und werden geklärt - ergebnisoffen.

LG Christian
Achtermann schrieb am 14.01.2012 um 09:42
@ ChristianBerlin

Das hätten die Medien-Eigner und Meinungsmacher aber durchaus der Kanzlerin klar machen können, bevor sie ihn zum Präsidenten machte, in aller Deutlichkeit und unter Hinweis auf die resultierenden Horror-Szenarien. So wäre der Schaden für die Republik und auch für Christian Wulff geringer gewesen.

Welcher Schaden? Wir blicken doch jetzt ein wenig tiefer in die Strukturen unserer Gesellschaft. Einige Belege wurden zutage gefördert, die zeigen, dass die Hierarchisierung der Gesellschaft tatsächlich so funktioniert, wie der kleine Achtermann sich das vorstellt. Wir sahen, wie die Presse sich die Bälle zuspielte, indem der Springerverlag die verbalen Einlassungen des Oberhauptes auf des Chefredakteurs Mailbox z.B. an den Spiegel weiterleitete, der diese dann scheibchenweise publizierte. Uns wird die Macht der Presse gegenüber den Politikern, aber auch deren Ohnmacht gegenüber den wahren Bossen unserer Gesellschaft vorgeführt. Das eine Prozent, zu dem wohl auch unser aller Präsident gerne gehören wollte, bleibt weitgehend vorwurfsverschont, weil etwa, mit Hilfe der Presse, aus dem Börsenzockerskandal ein Verschuldungsproblem der Staaten gemacht wird.

Man kann über die Persönlichkeit des Präsidenten sich Gedanken machen, sich in seine Persönlichkeitsstruktur einfühlen. Das ist ein winziger Anteil, der die Handlungsmotive des Präsidenten in seiner Amtsausübung beschreibt. Eine seiner Aufgaben sei, so wird immer wieder kolportiert, der Gesellschaft Halt und Orientierung durch die Macht des Wortes zu geben. Doch solange wir keinen Präsidenten wie etwa den Hausmeister Lothar Dombrowski haben, muss der Achtermann davon ausgehen, eingeseift werden.
ChristianBerlin schrieb am 14.01.2012 um 14:12
@Achtermann

Dieser Argumentation kann ich nicht widersprechen. Für den revolutionären kleinen (Achter)mann ist naturgemäß jeder gesellschaftliche Schaden ein Gewinn.

;)
Achtermann schrieb am 14.01.2012 um 17:32
@ ChristianBerlin

Für den revolutionären kleinen (Achter)mann ist naturgemäß jeder gesellschaftliche Schaden ein Gewinn.

Ich bin und bleibe staatstragend. Wir brauchen keine Bankentürme mit Spiegelfassaden. Was wir brauchen sind Universitäten und Schulen, die Bildung vermitteln, Krankenhäuser, in denen Personal nicht ausgebeutet und Patienten angemessen behandelt werden. Wir brauchen keine Privatisierung der Daseinsvorsorge über Hedge-Fonds, die die Altersarmut fördern. Was wir brauchen ist die echte umlagefinanzierte Rente, in die alle einbezahlen. Die Aufzählung könnte ich weiterführen. Die Beispiele genügen, dass gesellschaftlicher Schaden der den 99 Prozent zugefügt wird, kein Gewinn für mich ist. Aber das hast du ja selbst erkannt. ;)

Ich bin ein echter Konservativer.
goedzak schrieb am 14.01.2012 um 00:20
Wenn es nicht schon eine fertige Liste nominierter Kandidatinnen gäbe, würde ich rufen: Magda for 'Bloggerin des Jahres 2011'!!
Magda schrieb am 14.01.2012 um 12:10
@ goedzak - Des Jahres? Mindestens des Dezenniums. Danke Dir. Übrigens: Deine Mahnung, wir müssen schreiben hat mich in Bewegung gebracht, mal wieder ein bisschen Zeit an was zu geben.
cuchulainn schrieb am 14.01.2012 um 00:56
ich grüble mal weiter:

warum kam christian wulff eigentlich nicht zu jakob augstein, um einen privatkredit zu dann aber marktüblichen zinsen aufzunehmen?
Magda schrieb am 14.01.2012 um 12:08
Danke für die weiteren Kommentare:

@ Columbus - Es gäbe so einiges, aber mir ist Ihr Anwurf zu durchsichtig und in letzter Zeit auch zu persönlich. Ich habe nie die Absicht gehabt, Analysen zu schreiben, ich bin keine Wissenschaftlerin oder halte mich für eine solche.

Der "fehlende Vater" als Einfühlmotiv, diesem BP noch die Stange zu halten, das verkennt die Schwere und Tragweite des Geschehens.

Sie sollten auch ordentlich lesen. Ich halte niemandem die Stange. Sie dienten mir nur als Beispiel für den Umgang der bürgerlichen Gesellschaft und deren "Wahl der Waffen", wenn es gilt Leute anzugreifen. Dass ich mich in Leute einfühlen kann, die keinen Vater haben und deren Vaterlosigkeit öffentlich als Makel behandelt wird oder als ein Defizit dass man ausgleichen muss, halte ich für eine gute Eigenschaft. Haben Sie keine Empathie?

@ weinstzein- Danke fürs Lesen and so on. :-)))))

@ Christian - ich sehe keinen erforderlichen Mut in einem - irgendwie linken - Blatt. Höchstens, dass es nicht so einfach ist, die Intention des eigenen Beitrages klarzumachen.

Sicherlich sind die Arten der Verachtung unterschiedlich, aber sie gehen von einem gemeinsamen Punkt aus: Dem der zufriedenen, möglichst unangefochtenen Bürgerlichkeit, die sich wenig Fragen stellt.

Der Beitrag von Monitor war der Beste zum Thema Wulff, den ich bisher gesehen habe. Der wird nämlich nicht persönlich oder hysterisch sondern analysiert wie die Verhältnisse in Hannover waren. In Stutgart werden ähnliche Verhältnisse herrschen. Da wäre Wulffs und vorher Schröders Hannover nur ein Beispiel von vielen. Das was Monitor aufklärt, interessiert auch BILD nicht.

Du schreibst:
Wenn das absehbar war, warum, lieber Kollege Schirrmacher, warum lieber Monitor, lieber JA und lieber KD, habt ihr das dann nicht schon damals gesehen und gesagt? Warum tauchen solche Videos mit Fart und die einfach zu recherchierende Widerlegungen von Wulffs Falschauskünften gegenüber dem Landtag erst jetzt auf, wo er Präsident ist?

Was Jakob Augstein zu den beiden Kandidaten früher mal geschrieben hat, kann ich auch servieren:

www.freitag.de/politik/1026-praesident-der-panik

Augstein über Wulff

Wulff selber hat mit seiner provinziellen Freundlichkeit hinter der sich professionelle Härte verbirgt, gute Chancen, ein passabler Präsident zu werden. Wohlgemerkt: Es ist kein Amt, um das man ihn beneiden würde. Denn er wird ein Präsident der Panik sein. Nicht nur der Angst Angela Merkels um ihr Amt. Er wird auch der Präsident der Angst vor Veränderung sein, die immer noch für die Mehrheit Verschlechterung bedeuten wird.

Da spürt man schon den damaligen Abstand.

Über Gauck

Das Land erwacht nun nach der Wahl aus seinem kollektiven Sommernachtstraum, und man möchte so gerne wenigstens einen Gewinner des wirren Treibens sehen. Und ja, es gibt einen: Joachim Gauck, ausgerechnet ihn, den Verlierer. Ihm bleibt die Berliner Mühle erspart. Aber dass er überhaupt noch einmal derart gefragt war - was für eine Freude war das für den alten Mann! Dem glucksenden Gauck, der für Bescheidenheit nicht bekannt ist, war die Genugtuung über die neugewonnene Bedeutung förmlich anzusehen. Dass er gewissermaßen von den falschen Parteien aufgestellt worden war, nahm er hin. Auf die Frage, ob er auch angetreten wäre, wenn Merkel ihn gefragt hätte, antwortete er: „Das wäre mir lieber gewesen.

Also ziemlich realistische Einschätzungen. Kürzlich beim DLF sagt er allerdings plötzlich: Gauck wäre bestimmt der bedeutendere Präsident gewesen.

Und beiden Zitaten spürt man auch schon an: Es ging und geht ihm eigentlich um Merkel.
Nebenher : Das ist eben auch Journalismus. Tagesgeschäft. Aber - im Internet gewinnt so was an Dauerhaftigkeit und ist deshalb ein interessanter Aspekt.
ChristianBerlin schrieb am 14.01.2012 um 14:24
@Magda

Klar. Auch Journalisten widersprechen sich gelegentlich, nicht nur Politiker. Das Risiko, dass es JA am Ende wie Wulff ergeht, ist dennoch äußerst gering. Selbst wenn er Bundespräsident wäre, wäre es nicht dasselbe, wenn er dasselbe tut: Den Hauskredit könnte er sich locker selbst gewähren und die Berichte darüber ebenfalls gleich selbst schreiben, um sie dann von einer von ihm bezahlten Redaktion als die "intelligentesten" auswählen zu lassen. Das System Augstein ist schon jetzt wasserdicht und unangreifbar.

Die Konsequenz aus Deiner Beobachtung kann deshalb nur lauten:

Augstein for President!

Die Linke sollte ihn schon mal als Nachfolger von Peter Sodann für das Amt des höchsten Staatsschauspielers aufzubauen beginnen.

*Vorsicht Satire* ;))))))
Columbus schrieb am 14.01.2012 um 17:54
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Magda schrieb am 14.01.2012 um 12:08

Liebe Magda, wissenschaftliche Analyse in der Zeitung, oder in einem Online-Forum, wer will das? Auch ihr Einfühlvermögen mag ich überhaupt nicht bestreiten.

Aber weil Sie ja stark zusammen ziehen, was nicht zusammen passt. es kommt eben auf die Umstände, Gründe und Hintergründe der Vaterlosigkeit jeweils an, in einem Halbsatz gehen Sie ja selbst darauf ein, und weil Sie tatsächlich völlig unterschiedlichen Biografien, Psychologien und Sozialisationen der drei genannten Politiker da auf einen Punkt bringen wollen, ist das nicht gut.

Gerade bei den Anwürfen gegen Brandt als Vaterlosen handelte es sich mitnichten um den perfiden "Angriff der bürgerlichen Gesellschaft", sondern allerhöchstens des erzkonservativsten Teils von ihr, der Rest rümpfte dazu nur die Nase und war auf Brandts Seite.

Zudem wäre es allzu viel Küchenpsychologie, Brandt selbst nun ein Vaterlosensyndrom anzudichten, bei all´ dem, was dessen, vor allem auch frühe Biografie, ausmacht, Julius Leber war sein früher Mentor, bemerkenswerte Geradlinigkeit und Überblick, schon als Jugendlicher, dann der Widerstand. Das passt nun nicht zu den beiden Westgewächsen Schröder und Wulff. Und zwischen der fast nahtlosen Schülerunion-BP Karriere des Christian Wulff und dem Weg Schröders sind es wiederum so krassen Unterschiede (denken Sie mal an Stamokap, an die tatsächlich einfachen Verhältnisse Schröders).

Das Vaterlosensyndrom gibt es. Aber es gilt auch der alte Spruch, Vergleiche müssen stimmen und Symptome die man beschreiben will, müssen auch ausgeürägt vorhanden sein. Wird der Spagat zu groß, dann wird daraus eine großer Brei. Sie können das ja schon an dem Textzitat Büschers erkennen. Er denkt da an die, von den Mitscherlichs beschriebene "Vaterlose Gesellschaft", die es in Westdeutschland und Ostdeutschland gab, weil selbst die rückkehrenden Väter und die Aufbau-Väter Fremde blieben. Dann hängt er aber gleich einen Klitsch dran, denn das reale biografische Leben Schröders zeigt, was er, und wann, schon früh wollte. Von "Leere" keine Spur. - Also, so viel Unterscheidung muss schon sein.

Grüße
Christoph Leusch
kmv schrieb am 14.01.2012 um 13:44
Hallo Magda,

anregende Ansichten. Danke fürs (mit)teilen!

Die Stellungnahme zu Wulff nehme ich so hin. Meine Betroffenheit gilt eher dem Fall zu Guttenberg. (Meine Ferien hatte ich immer in einem fränkischen Dorf verbracht, da gab es auch eine Grafenfamilie …. und ‚die Wissenschaft‘, (Forschungs-, Verwaltungs- und gesellschaftliche BegründungsInstanz - von der richtigen Zahnbürste bis hin zum individuellen und gesellschaftlichen Handeln) fasziniert mich.

Die Reihe Willy Brandt, Schröder und Wulff erscheint mir etwas willkürlich. Bei der ‚Herbert Frahm Geschichte‘ lag die Betonung auf ‚unehelicher Sohn‘ und schon damals waren die ideologischen Absichten ersichtlich. (Heimatlos, nicht verwurzelt, nicht vertrauenswürdig etc.) Es gab aber wohl in seinem Leben eine Vaterfigur und was mir hier viel wichtiger ist, eine Idee nachdem sich diese Familie ausrichtete.

Bei Schröder war ‚Vaterlosigkeit‘ nicht wirklich das Thema, sondern wirtschaftlich „kleine Verhältnisse“, und despektierliche ausgedrückt die Kittelschürzen-Mutter (die sich abrackerte um ihren Kindern eine bessere Zukunft zu bieten).
Zu Wulff kann ich sehr wenig sagen, da er als Persönlichkeit nie in mein Blickfeld gerückt ist und selbst jetzt seltsam grau und konturlos bleibt.
Interessant finde ich hier, wie in der öffentlichen Diskussion die Marginale in seiner Biographie (Karriere als Ministerpräsident / Änderung (oder Anpassung) erklärt wird. In der Zuwendung zu einem öffentlicheren Leben wird der neuen Frau die treibende Kraft zugesprochen.
Dabei ist es ja so neu nicht, dass ab einem bestimmten Moment, oder wenn ein bestimmter Rang (politisch, wirtschaftlich etc.) erreicht wird der Partner gewechselt wird (auch bei Frauen, hier fällt mir immer Veronika Ferres ein). Ich meine das ganz wertfrei.
Bei Schröder persönlich hat mich immer sein Hang zum Typus, kleineren zarten Gestalt und damit buchstäblich hochsehenden Frauen mit ganz eigener Charakter (Nancy Reagan Typ). Aber auch da dürfte die eigene Betroffenheit wieder die Beobachtung bestimmen.
Sehr verärgert an dieser Generation von Politiker hatte mich die Missachtung der Bildungspolitik, obwohl sie doch Nutznießer des zweiten Bildungsweges waren. Heute sehe ich dies als mangelnde Reflektion des eigenen Werdeganges und die Ausrichtung auf ausschließlich wirtschaftliche Interessen.

Beim Gang durch das deutsche Historische Museum bis ich immer etwas amüsiert, denn natürlich finden sich keine Spuren meiner Familie. Die hält sich zwar seit ein paar Jahrhunderten in diesem Territorium auf, aber nur als Tagelöhner oder allerhöchstens und nur zeitweise als kleinere Weinbauern. ‚Ihr da oben und ihr da unten‘ war ein griffiger Buchtitel in den 70ern. Dennoch ist mir die Gegenüberstellung des Kleinbürgertums versus Gutbürgertum als Erklärungsmodell immer suspekt geblieben. Vielleicht weil ich mit der Industrialisierung unserer Gesellschaft und dem Übergang von einer ständischen Gesellschaft in die heutige Gesellschaft eine kaum beschreibbare Zäsur sehe.

Sozialneid, so wird behauptet, gäbe es in den USA nicht. Außer acht gelassen wird, dass die zutiefst protestantische Überzeugung Reichtum ist der Lohn Gottes für harte Arbeit dort ihre Abwandlung erfuhr, dass jeder seines Glückes Schmied sei. Inbegriffen die Kehrseite, dass der gesellschaftlicher Misserfolg ein persönliches Problem sei. Unser Sozialstaat ist eine Errungenschaft und lenkt den Blick zu Recht auf die Fragen der sozialen Gerechtigkeit und der Chancengleichheit. Manche nennen das Sozialneid, na und?!

Natürlich, wie sollte ich dem widersprechen, bestimmen wirtschaftliche Verhältnisse ein Leben maßgeblich. Jedoch, Biographien, die ärmlichste Verhältnisse als Ausgangspunkt skizzieren und politische Haltung, sportlichen Erfolg oder künstlerischen Durchbruch beispielshaft (auch, wörtlich!) beleuchten gibt es zuhauf. Und gerade die Geschichte von Brandt und vielen anderen hat mir gezeigt, dass genauso bestimmend für die persönliche Identität, die Anwesenheit oder Abwesenheit von Idealen ist. Insofern haftet an „Vaterlosigkeit“ mehr als das Fehlen der konkreten männlichen Person (Ein Münchner Erziehungswissenschaftler hat übrigens mal behauptet: ‚ein schlechter Vater sei besser als gar kein Vater).
„Vaterlosigkeit“ steht auch für die Verkörperung von Welt und den Mangel an Kultur im weitesten Sinne. Traditionell wird ‚dem Manne‘ oder Vater die Rolle der Vermittlung der Welt (Jäger Sammler, Sinnstifter) zugesprochen. Bildlich gesprochen: nach dem Essen bleiben die Herren/Männer sitzen, rauchen und reden während die Frauen/Damen/Dienstmädchen den Tisch abräumten. In diesen Zuschreibungen speist sich der der angenommene (Mehr)wert der Männern/Väter… und nicht zuletzt der bürgerlichen Gesellschaft.
Begriffe wie Würde, Stolz, Selbstbewusstsein verweisen letztendlich auf die Frage nach Zugehörigkeit, persönlicher ideeller Verortung und auf Haltung. … sei es als Adeliger, als Kommunist/Sozialist oder Spitzwegs armer Poet.

--------------

@ Magda „Und beiden Zitaten spürt man auch schon an: Es ging und geht ihm eigentlich um Merkel.“

Touché, den Dreh kriegt er bei jedem Thema. Merkel wird zu einer Art Omnipotenz hoch stilisiert, die mich schon manches Mal rätseln ließ, was ihn denn nun eigentlich beim Schreiben so antreibt.
Magda schrieb am 14.01.2012 um 14:32
@ kmv -"Die Reihe Willy Brandt, Schröder und Wulff erscheint mir etwas willkürlich. Bei der ‚Herbert Frahm Geschichte‘ lag die Betonung auf ‚unehelicher Sohn‘ und schon damals waren die ideologischen Absichten ersichtlich. (Heimatlos, nicht verwurzelt, nicht vertrauenswürdig etc.) Es gab aber wohl in seinem Leben eine Vaterfigur und was mir hier viel wichtiger ist, eine Idee nachdem sich diese Familie ausrichtete."

Diese "Reihe hat sich halt ergeben, sonst hätte ich in der Tat weitere biographische Studien treiben müssen und das wollte ich nicht.
Es ist mir in der Presse - vorher schon mal und zuletzt bei Poschardt - mal so untergekommen.

"Bei Schröder war ‚Vaterlosigkeit‘ nicht wirklich das Thema, sondern wirtschaftlich „kleine Verhältnisse“, und despektierliche ausgedrückt die Kittelschürzen-Mutter (die sich abrackerte um ihren Kindern eine bessere Zukunft zu bieten). "

Doch, doch in dem verlinkten Beitrag spielt auch die Vaterlosigkeit eine große Rolle. Ich denke aber, dass sich beide Zuschreibungen andauernd ablösen.

Bei Wulff sind es auch die "vaterlosen" kaputt-schwierigen Familienverhältnisse.

Insgesamt heißt das Motto da vielleicht eher: Aufsteiger.

"In der Zuwendung zu einem öffentlicheren Leben wird der neuen Frau die treibende Kraft zugesprochen. "

Auch ein interessantes "ostinato", das Sie aufbringen. Ist schon oft aufgetaucht. Bei Schröder - sehr auffällig. Bei Wulff wird da aber auch ständig dieses "cherchez la femme" bemüht. Fand ich sehr ärgerlich, obwohl ich über Frau Wulff nichts weiß.

Sie schreiben zum Thema "Sozialneid"
" Unser Sozialstaat ist eine Errungenschaft und lenkt den Blick zu Recht auf die Fragen der sozialen Gerechtigkeit und der Chancengleichheit. Manche nennen das Sozialneid, na und?! "

Völlig einverstanden, aber ich habe mir da oben im Text eher den kleinen Seitenhieb erlaubt, dass Sozialneid weniger zwischen den Schichten herrscht als unter den "Reichen" selbst.

Was Sie generell über Vaterlosigkeit als Verkörperung von Welt geschrieben haben, hat mich sehr berührt. Das ist es, wenn die Zuschreibung einseitig sein mag, was Kindern - auch Mädchen übrigens - abgehen kann, wenn der Vater fehlt. Das hat bei mir die Aufmerksamkeit auf diesen Aspekt gelenkt.

Was diese Fixierung auf die Merkel angeht - ja, das ist seltsam, aber auch amüsant hin und wieder. Und ich "verteidige" da hin und wieder eine Politikern, aus der ich selbst nicht ganz schlau werde.

Danke für Ihre sehr interessanten Überlegungen und Anmerkungen.
kmv schrieb am 14.01.2012 um 16:17
Was diese Fixierung auf die Merkel angeht - ja, das ist seltsam, aber auch amüsant hin und wieder. Und ich "verteidige" da hin und wieder eine Politikern, aus der ich selbst nicht ganz schlau werde.
dito :-D

„Sozialneid“ - bislang ist mir der Gebrauch dieses Terms nur im Fernsehen aufgefallen. Immer dann, wenn es brenzlig wurde, also tiefer gehende Fragen verhindert werden sollten. Angenommen Maschmeier würde darauf verweisen. Und vielleicht noch etwas von Selfmademan in Raum stellen. Dann würde ich einen Lachanfall bekommen. Würde der zu mir sagen, ja ich wollte Geld, Macht und Ansehen. Jedes Mittel auch im Grauzonenbereich habe ich dafür verwendet um da zu sein, wo ich heute stehen, dächte ich, okay, finde ich grenzwertig ist, nicht meines aber o.k.. Aber so?

Ich denke auch nicht, „dass Sozialneid weniger zwischen den Schichten herrscht als unter den "Reichen" selbst“ . Die Reichen sind ja auch keine homogene Gruppe. So wird sehr genau unterschieden zwischen ‚altem Geld‘ und Neureichs etc., etc.

Generell habe ich die Erfahrung gemacht, lesend oder in persönlicher Anschauung, dass Teile der , sehr vermögend Personen oder Mittelständler, entweder auf ihr Erbe verweisen oder ihr Vermögen einer Gruppe zurechnen bzw. nachvollziehbar erläutern können….

Ich bin, das merke ich jetzt gerade beim Schreiben, tatsächlich der Meinung, dass dieser Begriff „nur“ ein Abwehrmechanismus zu Herkunftsfragen nach Vermögen ist. Und überlege, wie bei manchem anderen Begriff, gar nicht, ob es den wirklich gibt oder nicht. Sondern von er wann und zu welchem Zweck eingesetzt wird.

Jetzt habe ich doch schnell den Artikel gelesen … Nein Gott, wie furchtbar, dazu kann ich nur sagen: Ich nehme die Meinung von Herrn Poschardt als solche zur Kenntnis und füge hinzu: wieder etwas mehr Journalistenverdrossenheit dazu gewonnen.
Magda schrieb am 14.01.2012 um 16:54
"Die Reichen sind ja auch keine homogene Gruppe. So wird sehr genau unterschieden zwischen ‚altem Geld‘ und Neureichs etc., etc. "

Grade drum eben. Aber, ich will keineswegs das letzte Wort haben in der Sozialneid-Arena. :-))
Is auch wurscht.

Poschardt - sag ich doch. Frisch aus der Schöngeisterbahn. Zum Abgewöhnen. Schnöselig, schnöselig.
h.yuren schrieb am 14.01.2012 um 18:17
einspruch, meine lieben, wo ihr die vaterlosigkeit zum makel stilisiert. habt ihr sartres lob der vaterlosigkeit nicht gelesen?
was fehlte sartre z.b. an welt, weil er seinen vater nie gesehen hat?
tut mir leid, aber das hochjodeln des traditionellen bildes der heiligen familie ist mir zu billig. wahrscheinlich gehört zum gefühlsmäßigen ensemble allein der echte vater oder der biologische. es tut mir leid, aber da kann ich nicht folgen. das ist mir zu primitiv. meinetwegen auch zu archetypisch. zu wenig durchdacht.
kmv schrieb am 14.01.2012 um 18:56
... ja dieser Term scheint tatsächlich in den Jahren 2004 bis 2007 intensiv in Zeitungs-Berichterstattungen verwendet worden sein ...

... diese gesamte Debatte habe ich nicht mitgekriegt oder ihr keine Beachtung geschenkt, was natürlich auch etwas über meine selektive Wahrnehmung aussagt. :(
kmv schrieb am 14.01.2012 um 18:58
@ h.yuren

... stimmt Sarte ist auch ein gutes Beispiel dafür, dass die Crux nicht in dem fehlenden konkreten Vater liegt.
kmv schrieb am 14.01.2012 um 18:59
@ Magda
keiner schrieb am 16.01.2012 um 13:58
Hallo Magda, hier ein paar eher unzusammenhängende Gedanken, die mir bei der Lektüre durch den Kopf gingen:

Der langweilige Moment im Fussball lässt sich überwinden, und wenn man es eine zeitlang ausgehalten hat, nicht Partei zu ergreifen, eröffnet sich, wenn man Glück hat (es hängt halt auch sehr vom Spiel ab) manchmal eine Dimension, die Zeitreise-Qualität hat und einen über Spiegelneuronen oder so wie einen Live-Beobachter zu durch Savannen streifenden Horden zurückbringt.

Sozialneid scheint es auch in der Richtung Reich auf Arm zu geben, Sie erinnern sich bestimmt an die Westerwelle-Tiraden vom spätrömischer Dekadenz, als es darum ging, ein Verfassungsgerichtsurteil, das ein paar Euro mehr für Hartz4 Empfänger zu bedeuten schien, umzusetzen.

Und es scheint ihn auch immateriell zu geben: Willy Brandt hat in einem Interview mit Gaus von einem Erbe seines Grossvaters gesprochen, und er meinte damit ein geistiges Erbe. Diese Passage hat mich immer beeindruckt, an ihr wurde mir der Hass des bürgerlichen Lagers, das für sich in Anspruch nahm, Hüter und Träger der Kultur zu sein und doch oft nur materielle Vorteile verteidigte, plötzlich nachvollziehbar.

Und zum Schluss: In Augsteins Gartenblog machte mich Helena Neumann neulich darauf aufmerksam, dass Vaterlosigkeit ein gemeinsames Merkmal auch von Moses, Mohammed und Jesus sei. Leider zankten wir uns da gerade, so dass ich es versäumt habe, sie nach den Implikationen dieser Gemeinsamkeit zu fragen, die ihr aber bewusst zu sein schienen...
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