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Politik : Erkenntnisse aus dem neuesten "Straßenfeger"

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Kürzlich kaufte ich mir mal wieder den neuen „Straßenfeger“, der von Obdachlosen vertrieben wird. Darin auch ein kurzes Interview mit dem Historiker Prof. Wolfgang Benz , Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, der die Konferenz „Feindbild Muslim – Feindbild Jude“ initiierte, die heftige Debatten hervorgerufen hat.

Ich will gar nicht auf die einzelnen Fragen eingehen und auch nicht auf den Streit um diese Konferenz, den man in der Netzwelt verfolgen kann. Die Hintergründe einer Kontroverse, die auf der „Achse des Guten“ zur Exmittierung eines der Mitglieder führten, sind auch im Freitag im Gespräch mit dem betroffenen Journalisten beleuchtet worden.

www.freitag.de/kultur/0929-posener-achse-des-guten

Am Ende des Interviews mit Prof. Benz stand – mal wieder – eine Feststellung, die mich erschreckt hat, weil sie exemplarisch ist für den der Nützlichkeit zugewandten und der Nachdenklichkeit abgewandten Zeitgeist. Auch was die Hochschulpolitik angeht. Das Zentrum für Antisemitismusforschung bleibe zwar bestehen, erklärte Professor Benz, obwohl in den nächsten anderthalb Jahren die Geisteswissenschaften aus dieser Universität weitgehend verschwinden werden.

Ich erinnere mich, wie ich bei einer Veranstaltung von Historikerinnen in der TU mal gefragt habe, warum sie diese geisteswissenschaftlichen Fächer auch an dieser Universität installiert haben. Die Antwort lautete damals, es gehe ja bei der wissenschaftlich-technischen Forschung immer auch darum, die Verantwortung der Wissenschaftler und Techniker in der Gesellschaft mit zu bedenken und wie könne das anders geschehen, als durch die Begleitung dieser Entwicklungen durch geisteswissenschaftliche, philosophische und politische Bildung und Forschung. Das sei besonders in Deutschland - wo Forschungsergebnisse selbst sowohl mit inhumanen Mitteln erzielt als auch zu inhumanen Zwecken eingesetzt wurden - eine der Konsequenzen des Lernens aus der Geschichte. Das hat mir damals sehr eingeleuchtet. Es ist wohl nicht mehr effizient diese Nachdenklichkeit weiter zu fördern.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.