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Generation rechts?

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Kultur : Flugrouten oder - die Bürger im Protest-Triebwerk

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Unter Verwendung von Michail Sostschenkos “Kuh im Propeller”

Dieser Tage dachte ich mal wieder an Grigori Kossonossow. Kennt den noch jemand? Das ist jener schlichte Kerl, der die Fliegerschule bewacht, in seinem sowjetischen Heimatdorf für das Flugwesen agitieren soll und am Ende in der Dorfbevölkerung den Eindruck hinterlässt, dass Flugzeuge Geräte sind, in deren Propeller sowohl Kühe als auch Pferde – ritsch, ratsch – verschwinden können. Und dass man sowas jetzt fördert.

Hier die legendäre Manfred Krug-Rezitation

“Blüht halt sehr auf, das Flugwesen”, erklärt Kossonossow die Lage. Was würde der bloß sagen wenn er sähe, wie das Flugwesen hier in Berlin aufblüht. Zwar verschwinden keine Kühe im Propeller, aber die Ruhe der Menschen verschwindet im Triebwerkslärm. Und zwar mal in dieser und mal in jener Himmelsrichtung.

Wir selbst stehn dem Flugwesen verhältnismäßig gelassen gegenüber, weil wir schon lange in einer Einflugsschneise leben. Wir sind dran gewöhnt. Im Gegensatz zu den verstörten Eigenheimbesitzern in der Gegend um Steglitz-Zehlendorf, Kleinmachnow und Teltow, die einen energischen Kampf gegen die Flugrouten-Planung des BER (früher BBI) in Schönefeld führten. Lichterfelde gegen Fluglärm

Immer mit dem bürgerlichem Impetus „Das kann man mit uns doch nicht machen“ und begleitet von dem Hintergrund-Ostinato: „Mit uns doch nicht, mit anderen schon“. “Die Anderen” das sind jetzt die Einwohner von Friedrichshagen, die plötzlich den Erholungswert des Müggelsees gegenüber dem des Wannsees vernachlässigt sehen. Denn in dessen Richtung haben sich die Flugrouten verändert

In Friedrichshagen gabs deshalb massenweise Proteste. Gerade gestern haben sie nachdrücklich protestiert. Auch der Regisseur Leander Haussmann, der dort ein Anwesen hat,ergriff das Wort, wie die Morgenpost berichtete, während sie in Kleinmachnow und Lichterfelde jetzt ein bisschen nachgelassen haben mit dem Unwillen. Immer mal wieder erscheinen in der Presse Zeichnungen, die an die Schnittmusterbogen meiner Mutter erinnern. Das sind die sorgfältig gekennzeichneten Flugrouten. In einer Vor- und Nach- der Lärmkommission-Variante.

Promi—West-Bonus

für Potsdam ?

Über Potsdam soll es ganz ruhig bleiben und man sagt, das sei so, weil dort so Promis wie Gunter Jauch wohnen. Überhaupt mehren sich die Stimmen, die in der ganzen Fluglärm-Debatte auch eine Ost-West-Problematik erblicken. Immer östlicher verschiebt es den Lärm und dazwischen sinnierte mal einer, das der ganze Flugplatzbau politisch gewollt, aber ansonsten logistisch völlig unsinnig ist. Das ist wie mit dem Euro, der ist auch politisch gewollt und die Folgen sind nicht immer der reine Segen.

Noch wird Pankow

niedrig überflogen

Wie gesagt, wir wussten, als wir einst hierher zogen, dass Pankow sehr niedrig überflogen wird. Reinickendorf ist noch schlechter dran, da werden vom Sog hin und wieder die Hausdächer beschädigt. Weil ich dran gewöhnt bin und wir gute Schallschutzfenster haben, liege ich manchmal auf der Couch und blicke auf die Lichter der anfliegenden Maschinen mit einem Gefühl zwischen Gemütlichkeit und Abenteuerlust. Drei hintereinander im Anflug in der Dämmerung, das sieht aus, als hingen Lampions in der Luft. “Wo kommen die her, wo wollen die hin”, denke ich. Wenn eine Maschine besonders groß erscheint, laufe ich manchmal auf die andere Seite – die ebenfalls freie Sicht bis nach Reinickendorf ermöglicht – sehe hinterher und sehe sie zwischen den Bäumen niedergehen.

Heute z. B. kam so eine Riesenmaschine an, mit vier Triebwerken, von der man nie versteht, warum sie eigentlich oben bleibt, so hängt die majestätisch träge in der Luft als überlege sie noch, ob sie vielleicht doch lieber umkehrt und irgendwie nach Ffm oder so...Meist aber flitzen die AirBerlin-Chartermaschinen über den Himmel.

In Tegel ist im nächsten Jahr Schluss. Deshalb besuchten wir kürzlich mal wieder den Flughafen, um nachzusehen, wie es da so steht.

Von der Gaststättenterasse blickten wir auf die die anfliegenden Maschinen und bewunderten dieses – fast wie ein Uhrwerf ablaufendes – Starten und Landen. Immer, wenn eine startete, dachte ich bei mir: Die fliegt jetzt gleich über unser Haus und empfand schmerzlich: JetzT sehe ich die dort nicht. Nach dem Motto: “Ich bin so gern, wo ich nicht bin.”

Ich denke, dass ich mein positives Verhältnis zum Flugwesen dadurch belegen sollte, dass ich mal wieder in eine Maschine einsteige. Ich liebe es, wenn sie abhebt, wenn man das Gefühl hat, jetzt ist die Erde weg. Nachdem ich das jahrelang aus Panik- und Enge-Ängsten nicht tun konnte, steige ich jetzt immer nur mit der Erwartung ein, dass eshoffentlich einen kleinen Pikkolo gibt, weil ich so gern einen Schluck auf das Wohl der weißen Wolken trinke.

Manche sehen auch aus wie Kühe und – ritsch ratsch - liegen sie hinter einem.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.