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Ein bisschen verzögert verlief die Veranstaltung und ein bisschen auf der Stelle traten die Teilnehmer der Demo "Global Change - Echte Demokratie jetzt!“, die für viele deutsche Städte angekündigt war, in Berlin. Das Wetter war auf der Seite der Empörten, die Sonne schien und der Wind - hoffentlich of change - wehte am Neptunbrunnen unter dem Fernsehturm aber nicht allzu kalt.
Die Idee war, dass verschiedene spontane oder auch vorbereitete Redner über das sprachen, was ihnen am meisten am Herzen lag. Soziale Gerechtigkeit, wider die Macht der Finanzmärkte, die Verteilung des Reichtums in Deutschland. Freiheit für das syrische Volk und ein Appell zur Freilassung von Mumia Aba-Jamal, der seit Jahrzehnten in den USA im Gefängnis sitzt.
Jüngere und Ältere sprachen da und es war schwierig, ihnen zuzuhören, weil die Technik nicht so gut und - wie ich hoffe - den meisten viele Fakten bekannt waren. Transparente, Transparente - eines davon unterstellte "Die taz lügt". Der Hintergrund ist wohl dieser Beitrag, in dem behauptet wird, der Globale Aktionstag sei eine deutsche Attac-Erfindung.
Mir gingen allerlei Ablenkungen durch den Kopf. Das Unstrukturierte, Spontane, aber auch eine merkwürdige Hekto-Pathetik fanden bei mir nicht die passenden Stellen zum Andocken. Aber ich dachte, manchmal ist es auch schon gut, wenn man einfach nur die Zahl der Teilnehmer mit seiner Anwesenheit erhöht. Wichtig war, dass man keine Camping-Gegenstände mit sich führte, kolportierte der Veranstalter eine der Auflagen der Polizei.
Nach über einer Stunde setzte sich der Zug in Bewegung. An der Einmündung "Unter den Linden" mussten wir noch mal ein bisschen warten und dann gings los. Die Demo sollte noch einmal am Brandenburger Tor anhalten, wo es weitere Statements geben sollte und dann am Bundeskanzleramt enden.
Wir scherten aus. Ich blickte hinter mich. Es war recht gut voll - die Rufe nach Gerechtigkeit verhallten selten. Und die Touristen hatten auch ihre Ansprache. Wie hieß der bloß dieser Titel, der mir - abgewandelt - durch den Kopf ging: „First wie take the Linden, then we take Berlin“.
Auf dem Weg zum Museumscafe wo ich aufs Klo wollte, kam uns einer entgegen im Priestergewand für kühle Tage mit dem merkwürdigen Tellerhut auf dem Kopf. Der sagte zu seiner älteren Begleiterin (???) "Bestimmt die Kommunistische Partei". Wir guckten uns an und lachten. Ich dachte bei mir. Auch Demonstrationen haben ihre Geisterfahrer". Das war er.
Und hier ein paar Impressionen:
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sinnfällig ist der globus, finde ich: da hält zwar einer (oder eine) die ganze welt in der hand - aber "weinen" tut nur europa, als hätte der rest der welt mehr zu lachen.
es gibt auch eine arroganz der ohnmacht. |
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Meinen Sie, das ist absichtsvoll so gemalt? Ich denke eher unbewusst, von daher hats aber auch seine Bedeutung.
Arroganz der Ohnmacht ist ein sinnfälliges Wort. |
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schrieb am
16.01.2012 um 12:16
na, ich hab das zu schneidend formuliert, jedenfalls glaube ich nicht, dass das absichtlich so aufgemalt worden ist. wenn ich mir nämlich vorstelle, wo ich die augen und die tränen hinsetzen würde, dann fielen mir als erstes auch entweder europa (weil mir das am "geläufigsten" ist und ich nunmal da lebe) oder der atlantik ein (weil da am meisten platz ist) - das heisst, beide male wieder nur die nördliche hemisphäre.
die "arroganz der ohnmacht" schliesst mich selber also sehr wohl ein ist kein vorwurf. |
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@cuchulainn
Ist es nicht gerade umgekehrt? Geht es nicht um "Ich- in den Wir- Botschaften"? "Jeder kann nur da weinen, wo er sich wirklich befindet? |
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@Magda
Danke für den präsenten Bericht und weiter Alles erdenklich demonstrierbar Gute für das Neue Jahr 2012 |
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@ cuchulainn - "die "arroganz der ohnmacht" schliesst mich selber also sehr wohl ein ist kein vorwurf."
Nee, habe ich auch nicht so gelesen. Mir gefällt der Begriff trotzdem gut. @ JP - Gutes Neues auch an Dich. |
Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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