Magda

Mal sehen

03.03.2011 | 09:31

Jutta Hoffmann

Solche Zufälle gibt’s manchmal. Geboren an einem 3. 3. und u.a. in der Erinnerung durch einen Film mit dem Titel Der Dritte .

 

„Ich will, dass Du mich siehst, dass Du mich erkennst“, so die fast biblischen Worte in der Schlüsselszene. Und Rolf Ludwig – auch er ein Unvergessener, Großer - lehnt an der Tür und blickt mit hilfloser Sympathie auf die „bekennende“ Margot. Er ist der Hrdlitschka, jener „Dritte“, mit dem es nun endlich richtig klappen soll.

Jutta Hoffmann spielte diese Rolle mit weiblicher Wucht und Zartheit mit Energie und Melancholie. Es war ihr größter Film. Für diese Rolle wurde sie mit Preisen geehrt.

Aber schon vorher war sie als Lämmchen in "Kleiner Mann was nun" nach dem Fallada-Roman oder in der Arnold-Zweig-Adaption als „Junge Frau von 1914“ aufgefallen. Später war sie - umwerfend – die schielende Adele Schopenhauer genannt „Adelmuse“ in der Lotte in Weimar Verfilmung, ebenfalls von Egon Günther. Zusammen mit Jaeckie Schwarz spielte sie in „Die Schlüssel“. Eine tragische Liebesgeschichte, die im polnischen Krakau auch die deutsche Vergangenheit mit einbezieht. Wieder mit einem großen Hoffmann-Monolog.

 

1980 ist sie gegangen – man besetzte sie, wie viele andere Künstler – einfach nicht mehr. Bösartige Vertreibung, üble DDR-Machtausübung, beschämend, kleinlich.

 

In den 90ern hat sie sich in der „Motzki“-Serie abgearbeitet, spielte eine Polizeiruf-Kommissarin und einige Filme. Sie zog sich zurück auf den Lehrauftrag an der Hochschule für Musik und Theater in Hamburg.

 

Kürzlich habe ich sie in einer Krimi-Episode gesehen. Sie spielt eine alte spinnerte Dame mit krimineller Energie. "Ach, ist es soweit", dachte ich.

Noch immer ist sie zart und schlank und wird heute 70 Jahre alt.

 
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Kommentare
goedzak schrieb am 03.03.2011 um 12:32
Das ist wirklich eine Schauspielerin, die sich hinter keiner Kollegin von wo auch immer verstecken muss. Und ihre 'Verekelung' ein typisches Beispiel für das Agieren der kleinkarierten Kulturfunktionäre. - Danke für die Würdigung!

PS: Mich würde wirklich mal interessieren, was unseren/unsere (?) Ein-Sternchen-Sniper/-in so umtreibt und was er/sie für Kriterien für die 'Bewertung' hat...
Magda schrieb am 03.03.2011 um 13:05
Danke Dir für den Kommentar. Tja, das würde ich auch gern wissen, mit den Sternchen oder - sagen wir mal - "deuten". :-))
Magda schrieb am 03.03.2011 um 13:38
www.filmmuseum-potsdam.de/de/350-2340.htm

Hier gibts ab 11. März eine Ausstellung über Jutta Hoffmann.
Nietzsche 2011 schrieb am 03.03.2011 um 16:30
Ja, Jutta Hoffmann war ein wirklicher Star. Im Gegensatz zu den heutigen Möchtegerns. Leider hat die bundesdeutsche UnterhaltungsINDUSTRIE nur Interesse am Verschleiss von Serienstars.
Danke für diese Laudatio!
indyjane schrieb am 04.03.2011 um 11:35
- ja, großes dankeschön -
einer meiner lieblingsfilme ist KARLA von hermann zschoche mit dem ebenfalls weg-geekelten "großen" jürgen hentsch -
"Hier agiert sie als junge Lehrerin Karla, die in der Provinz ihren Lehrerberuf nach dem Studium antritt und deren unkonventionelles Verhalten bei den Kollegen auf keine Gegenliebe stößt. Jutta Hoffmann glänzt in der Rolle mit einer selbstbewußten Kraft, ohne Anpassung und Betrug ihr Leben meistern zu wollen..."

ralf schenk in der berliner zeitung
www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2011/0303/feuilleton/0013/index.html

kerstin decker im tagesspiegel:
www.tagesspiegel.de/kultur/die-unbeirrbare/3904232.html

www.neues-deutschland.de/artikel/192257.die-zaehe-zarte.html
Magda schrieb am 04.03.2011 um 13:44
Danke Dir für die Ergänzung. Lustigerweise hat meine Kommilitonin Karla, die im Berliner Umland aufgewachsen ist, mir heute per Mail noch mal diesen Film ins Gedächtnis gerufen.

Sie schreibt: "In dem Film kam eine Szene in einer Schulaula vor (ca. 30 sec. lang), welche an einem Wochenende in einer Stahnsdorfer Schule gedreht wurde, wofür wir Schüler der Gegend als Komparsen angefragt und mit Gage (ca. 20 Mark?)honoriert wurden. Die betreffende Szene kann ich auswendig, denn sie wurde gefühlte 1000 mal gedreht. Das ganze Werk haben wir damals nie gesehen, es wurde sofort verboten (11. Plenum, Plenzdorf, Zschoche), was es nur interessant machte. Zuvor war mir die Bedeutung eigentlich nicht recht klar und auch ziemlich egal. Das "Filmen" hat uns jungschen Hühnern einfach Spaß gemacht. Nach der Wende sah ich dann den Film zum ersten Mal und fand ihn wunderbar, ehrlich und nachdenklich, in jedem Fall sehenswert."

Irre sowas, finde ich.
Gruß
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