Magda

Mal sehen

22.07.2011 | 10:55

Mein Namenstag

Seit wir hier den Matussek durch die Gasse gejagt haben, bin ich durch katholische „Flashbacks“ gestraft. Und muss mich erinnern, dass ich heute Namenstag habe. Seltsamerweise wurde der in unserer katholischen Kleinfamilie in der Leipziger Diaspora überhaupt nicht gewürdigt. Ich weiß auch gar nicht, wie es in katholischen Gegenden damit bestellt ist.

 

Tatsache ist aber, dass es zwei Magdalenas gibt, die einen Namenstag rechtfertigen. Die eine ist eine Adlige, die im Mittelalter bei den „Unbeschuhten Karmeliterinnen“ in Florenz zugange war. Sie heißt Maria Magdalena de Pazzi. Ihr Gedenktag wäre der 25. Mai gewesen. Visionen hatte sie auch und die wurden schriftlich niedergelegt, aber nicht von ihr sondern von Zeitgenossen. Ich bin leider eine höchst triviale Alltagsnatur und halte es da mit Helmut Schmidts lapidarem Satz von den Visionen und dem Arzt.

Ich habe mich für die ursprüngliche Namensgeberin entschieden: Maria MagdalenaUnd davon ist die aus Magdala geblieben, Magdalena. Allerdings endet mein Name nicht auf „a“, sondern auf „e“. Darauf muss ich bei offiziellen Schreiben immer hinweisen. Nebenher: Es gibt noch ein Magdala zwischen Weimar und Jena.

Magdala also war jener biblischer Ort am See Genezareth und jene Maria von dort hat Jesus die Füße gewaschen, mit ihren Haaren getrocknet und gesalbt, glaube ich, auch noch. Sie war eine große Sünderin, sagt die Bibel. Eine Prostituierte gar. Aber Jesus mochte solche Frauen. Ob er sie besucht hat weiß man nicht. Sie dienten ihm als praktisches Beispiel für Vergebung und Wiederaufrichtung der Gefallenen und Gestrauchelten. Angeblich trieb er ihr Dämonen aus und sie folgte ihm nach. Jüngerinnen wurden in der Bibel nicht überliefert, worüber die Frauen oft klagen.

Die Überlieferungen sind ohnehin so vielfältig, dass ich mir eine aussuchen kann. Eine der Überlieferungen heißt Jesus Christ Superstar und da singt diese Maria Magdalena ein sehr schönes Lied. „I don’t know how to love him“.Alle großen Popsängerinnen haben sich an diesem Lied versucht, manche auch vergangen. Von ABBA-Sängerin-Agnetha bis Susan Boyle, das gecastete britische Talent.

Ich wähle die Version der etwas schrägen Sinead o’Connor. Die singt das schön gebrochen und dicht am Rande der Hysterie.

Also wenn ich Visionen hätte, dann hätte ich mir gewünscht, ein bisschen umfangreicher singen zu können. Jedenfalls mit einem Stimmenumfang, der für diesen Song gereicht hätte. Insgesamt wäre ich lieber eine große Sünderin als Visionärin. Große Sünder und Sünderinnen werden bewundert oder gehasst, die kleinen Sünderinnen und Sünder werden ausgelacht und das ist viel schlimmer als Strafe.

 
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Kommentare
Ehemaliger Nutzer schrieb am 22.07.2011 um 11:10
Hallo Magda,

in der Tat wird in der Bibel von Jüngerinnen nichts berichtet, was ich allerdings auch für der Zeit geschuldet halte. Maria von Magdala ist aber von den Texten her nicht als Sünderin bekannt. Das hat die Kirche nachträglich aus ihr gemacht, wohl vor allem, weil die Texte sie Jesus sehr nahe kommen lassen. Sie ist nämlich diejenige, die (z.T. zusammen mit zwei anderen Frauen) das leere Grab entdeckt und der dann nicht geglaubt wird. Außerdem hat sie sich nicht verdrückt als es kritisch wurde. So die Bibel. Das passt aber nicht so recht ins Bild von der Jünger und der männlich geprägten Struktur. Da ist eine Sündern schon eher recht. Aber: die Bibel ist eine Sammlung von mehr oder weniger erbaulichen Geschichte und Legenden. Jedenfalls in historisch-kritischer Sicht.

Dennoch: alles Gute zum Namenstag!

Meta
Don Quijote schrieb am 22.07.2011 um 11:43
@Metathon
Aber: die Bibel ist eine Sammlung von mehr oder weniger erbaulichen Geschichte und Legenden. Jedenfalls in historisch-kritischer Sicht.

Das kann nicht mal ich als Vollheide so stehen lassen. Die Bibel ist ein Kompendium ältester und tiefster Weisheit, wenn diese auch überwuchert ist, ganz im Rabelais'schen Sinne: "Mit einer großen Wahrheit kann man nichts besseres tun als sie unter einem Berg von Narretei zu vergraben."

Und das gerade in historisch-kritischer Sicht.

Q.
goedzak schrieb am 22.07.2011 um 13:31
Mit dem unantastbaren Titel 'Weisheit', spätestens aber beim hinzugefügten Adjektiv 'tiefste' fängt die Verklärung an. Sollte die 'historisch-kritische Sicht' nicht etwas sachlicher sein?
Rahab schrieb am 22.07.2011 um 13:36
wieso verklärung? einiges gehört zu dem, was im Alten Orient weisheitsliteratur genannt wurde.
ob die immer tief-tiefer-am tiefsten war/ist, das ist ne andere abteilung.
Rahab schrieb am 22.07.2011 um 11:28
1. war Maria von Magdala friseuse
und 2. gab es vielleicht keine jüngerinnen, aber geldgeberinnen gab es! nachzulesen in Lukas 8, 1-3.
S. Steinebach schrieb am 22.07.2011 um 11:54
Zu Maria Magdalena habe ich einen ganz interessanten Link gefunden:

www.heiligenlexikon.de/BiographienM/Maria_Magdalena.html
dame.von.welt schrieb am 22.07.2011 um 11:58
Um weiteren Matussek-Flashbacks vorzubeugen, empfehle ich dringend die Lektüre von 'Die Bibel nach Biff' von Christopher Moore. Darin kommt 'Maggie' reichlich vor und ist allseits beliebt. www.literaturschock.de/buecher/3442541824.htm
www.leser-service.de/bookinist/content/text/belle/@mobibel.htm

Fröhlichen Namenstag!
Rahab schrieb am 22.07.2011 um 12:03
und dann hätten wir auch noch dieses
www.matrixseite.de/Texte/evangelium-MM.html

Magda, du stehst in einer guten tradition!
Magda schrieb am 22.07.2011 um 12:15
Na, das ist aber ein bisschen unübersichtlich-esoterisch.
Rahab schrieb am 22.07.2011 um 12:20
ne, das ist ein fund aus Nag Hammadi.
Magda schrieb am 22.07.2011 um 12:47
Also die Seite selbst wirkt aber so.
Rahab schrieb am 22.07.2011 um 13:07
das kann an der übersetzung liegen...
du kannst ja mal danach googeln, da gibt es noch mehr
und dann hast du es da eben auch mit einem ausschnitt eines denkens zu tun, der weder ibns vertraute christliche noch ins vertraute jüdische reinpaßt.
da ist aber bei anderen apokryphen nicht sehr viel anders.

Luise Rinser hat sich übrigens von diesem evangelium zu ihrem Magdalena-roman inspirieren lassen.
Magda schrieb am 22.07.2011 um 14:02
"Luise Rinser hat sich übrigens von diesem evangelium zu ihrem Magdalena-roman inspirieren lassen."

Ach ja, dieses Miriam-Ding. Ich erinnere mich. Mir hats damals nicht so gefallen, weiß aber nicht mehr warum. Klang immer so, glaube ich, als wenn die sich selbst für Miriam hielt.
Magda schrieb am 22.07.2011 um 12:09
Hallo,
danke für die Ergänzungen. Ich wollte ja nicht ein ganzes "Bibelfass" hier aufmachen. Könnte ich ja gar nicht. Eher ein bisschen Ironie eingießen.

@ Methathon - "Aber: die Bibel ist eine Sammlung von mehr oder weniger erbaulichen Geschichte und Legenden. Jedenfalls in historisch-kritischer Sicht."

Na klar. Man sagt auch, dass der Koran der historisch-kritischen Methode "noch" nicht unterzogen ist. Deshalb manchmal so starr.

@ Don Quijote - ich glaube , dass Du mit Methathon gar nicht so weit auseinander bist.

@ Rahab - Friseuse war sie. Bestimmt mit einem Hungerlohn.
Aha. Ich gucke nach.

@ S. Steinebach - Den Link hab ich glaube schon oben versteckt verlinkt.

@ D.v.W. - Grüß Dich. Das Buch habe ich mir - auf Dein Anraten - gekauft und gerade jetzt fällt mein Auge wieder drauf. Endlich mal lesen!!!!!! sagt es mir vom Bücherbord. :-))

Gruß an alle
Rahab schrieb am 22.07.2011 um 12:19
ne Magda, hungerlohn kann es nicht gewesen sein, denn Lukas 8, 3 sagt ja, sie gehörte zu denen, welche aus ihrer habe handreichungen taten - kurzum: die jünger durchfütterten.
und die friseuse - das ist eine spielerei mit dem wortstamm g-d-l und stammt aus der zeit, als alle noch davon ausgingen, dass frauen zur zeit Jesche sowieso nur arm und verheiratet oder reich und hure waren.
Ehemaliger Nutzer schrieb am 22.07.2011 um 14:25
Naja, der Koran ist ja auch viel jünger und schon allein zeitlich näher dran. Starr finde ich den Koran nur bei den sog. Fundamentalisten, aber die gibt es in allen drei Buchreligionen. Das liegt wohl in der Natur der Sache...
archinaut schrieb am 24.07.2011 um 00:56
Ach, jetzt komme ich leider viel zu spät zum Gratulieren....
der Namenstag ist im (katholischen) Schwabenländle wichtiger als der Geburtstag, soweit ich weiss..... Alles Gute also!
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.08.2011 um 14:39
@Liebe Magda,
ich bin erst heute nacht dazu gekommen, Ihre Eingebungen zu lesen - wunderbar.
Visionen bedürfen der professionellen Hilfe. Ihnen mag man nur den Weg der ewigen Sünderin verordnen - unexpected benefits included. Sie haben nicht die Konstitution, um auf Dauerdroge durch die Welt zu schwanken.
www.youtube.com/watch?v=Zj81NPEHUR8&playnext=1&list=PLC6FA9ECB7522B93D

Im übrigen, iss es nich' schön, sich vorzustellen, falls gar nichts mehr geht, einfach nur allen Sünden abschwören zu können, gemäß der Schule machenden Devise des Vaters vom heiligen Augustinus : Man kann ja nie wissen! Der ließ sich nach einem langen, ausschweifendem Leben ganz schnell noch taufen; zu seiner Zeit eine sehr verbreitete Attitude, den Anstregungen christlichen Lebens elegant zu entkommen, um sich das Sahnehäuptchen, die Ewigkeit, nicht entgehen zu lassen.

Also, mir gefällt diese V... Ich sehe Sie schon erhobenen Hauptes durch die Himmelspforte schreiten...mit spitzem (!) Federkiel...
www.youtube.com/watch?v=18GTVeXNWfg

Gibt es eigentlich auch eine heilige Helena?
Oder brauche ich einfach mal wieder frische Luft,
Ahoi HN
Ehemaliger Nutzer schrieb am 10.08.2011 um 14:46
deutsche Sprache - wieso entdecke ich meine Fehler erst nach dem Abschicken - nach.... ausschweifenden Leben. Allein das Bild davon lässt mich die Fälle ducheinander bringen - auch wieder so eine Lüge - Sünde.
Magda schrieb am 10.08.2011 um 15:42
Hallo,
nee, eine heilige Helena gibt es wohl nicht. Die ist eben -griechisch-hellenisch und nicht christlich. Aber, genau weiß ich es nicht.

Ahoi
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