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Kultur : Mein Namenstag

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Seit wir hier den Matussek durch die Gasse gejagt haben, bin ich durch katholische „Flashbacks“ gestraft. Und muss mich erinnern, dass ich heute Namenstag habe. Seltsamerweise wurde der in unserer katholischen Kleinfamilie in der Leipziger Diaspora überhaupt nicht gewürdigt. Ich weiß auch gar nicht, wie es in katholischen Gegenden damit bestellt ist.

Tatsache ist aber, dass es zwei Magdalenas gibt, die einen Namenstag rechtfertigen. Die eine ist eine Adlige, die im Mittelalter bei den „Unbeschuhten Karmeliterinnen“ in Florenz zugange war. Sie heißt Maria Magdalena de Pazzi. Ihr Gedenktag wäre der 25. Mai gewesen. Visionen hatte sie auch und die wurden schriftlich niedergelegt, aber nicht von ihr sondern von Zeitgenossen. Ich bin leider eine höchst triviale Alltagsnatur und halte es da mit Helmut Schmidts lapidarem Satz von den Visionen und dem Arzt.

Ich habe mich für die ursprüngliche Namensgeberin entschieden: Maria Magdalena. Und davon ist die aus Magdala geblieben, Magdalena. Allerdings endet mein Name nicht auf „a“, sondern auf „e“. Darauf muss ich bei offiziellen Schreiben immer hinweisen. Nebenher: Es gibt noch ein Magdala zwischen Weimar und Jena.

Magdala also war jener biblischer Ort am See Genezareth und jene Maria von dort hat Jesus die Füße gewaschen, mit ihren Haaren getrocknet und gesalbt, glaube ich, auch noch. Sie war eine große Sünderin, sagt die Bibel. Eine Prostituierte gar. Aber Jesus mochte solche Frauen. Ob er sie besucht hat weiß man nicht. Sie dienten ihm als praktisches Beispiel für Vergebung und Wiederaufrichtung der Gefallenen und Gestrauchelten. Angeblich trieb er ihr Dämonen aus und sie folgte ihm nach. Jüngerinnen wurden in der Bibel nicht überliefert, worüber die Frauen oft klagen.

Die Überlieferungen sind ohnehin so vielfältig, dass ich mir eine aussuchen kann. Eine der Überlieferungen heißt Jesus Christ Superstar und da singt diese Maria Magdalena ein sehr schönes Lied. „I don’t know how to love him“.Alle großen Popsängerinnen haben sich an diesem Lied versucht, manche auch vergangen. Von ABBA-Sängerin-Agnetha bis Susan Boyle, das gecastete britische Talent.





Ich wähle die Version der etwas schrägen Sinead o’Connor. Die singt das schön gebrochen und dicht am Rande der Hysterie.

Also wenn ich Visionen hätte, dann hätte ich mir gewünscht, ein bisschen umfangreicher singen zu können. Jedenfalls mit einem Stimmenumfang, der für diesen Song gereicht hätte. Insgesamt wäre ich lieber eine große Sünderin als Visionärin. Große Sünder und Sünderinnen werden bewundert oder gehasst, die kleinen Sünderinnen und Sünder werden ausgelacht und das ist viel schlimmer als Strafe.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.