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Der Stern hat nachgeforscht und weitere Prominente, deren NSDAP-Mitgliedschaft bisher noch nicht bekannt war, als Parteigenossen geoutet. Meine erste Quelle war Weltonline und dort ist die Kommentarfunktion - nach vielem Hin und Her - deaktiviert worden.
Der frühere Chef des Goethe-Instituts, Hilmar Hoffmann, der 2005 verstorbene Generalbundesanwalt Kurt Rebmann und der linksliberale Politologe Iring Fetscher seien, so der „Stern“ Mitglieder der NSDAP gewesen. Und wieder hebt die Debatte darüber an, ob jemand ohne sein Wissen oder gegen seinen Willen und überhaupt ...
Das ist die zweite Welle der Enthüllungen zur NSDAP-Mitgliedschaft nach der „Deutschen Einheit“. Zuvor waren u.a. Günter Grass, Dieter Hildebrandt, Walter Jens und noch andere prominente Männer in der Öffentlichkeit als NSDAP-Mitglieder oder Mitglieder der SS genannt worden.Auffällig der Ton verhaltener Genugtuung, wenn es um Persönlichkeiten ging, die als eher links galten.
Erich Loest
NSDAP-Mitglied
Dass auch Erich Loest, DDR-Schriftsteller und Oppositioneller, Mitglied der NSDAP war, wurde jetzt publik. Zwar hatte Loest schon in seiner Biographie erklärt, man habe ihn über eine Mitgliedskarte informiert, aber bei Kriegsende sei er der Meinung gewesen, es sei zu dieser Mitgliedschaft nicht mehr gekommen.
Ein anderer DDR-Oppositioneller misst gern mit zweierlei Maß, wenn es um die Vergangenheit geht, die er sonst gern in eine Kontinuität des Schreckens stellt, wenn es passt: Joachim Gauck z. B., dessen Eltern – Mitglieder der NSDAP – von ihm schnell und leicht als “einfache Mitläufer” charakterisiert werden, lässt das Recht auf Anpassung bei den „Mitläufern“ der DDR-Zeit nicht gelten. Da duldet er solche Begründungen nicht eine Minute. Dafür war sein Hass zu groß und sein Mut zu klein in jener Zeit. Das muss er noch abarbeiten. Hier schon einmal behandelt
ehrlichsten
Wenn man es formal sieht, so ist Hanns Martin Schleyer, dem ermordeten Arbeitgeberpräsident die größte Ehrlichkeit im Umgang mit seiner Geschichte zu konzedieren. Er hatte, - so Zeitzeugen – wenig Probleme mit seiner NS-Vergangenheit: Er wird zitiert als einer, der natürlich alles gewusst hat in der Nazizeit und sich nicht auf die Uninformiertheit herausredet. Dass er energisch mitgehandelt hat, ist Gegenstand von Debatten. Seine Offenheit trug ihm „Achtung“ ein bei Leuten, die Machtbewusstsein und eine gewisse Skrupellosigkeit respektieren. Das wird nicht als brutal-gewissenlose Verbohrtheit gesehen, sondern als Geradlinigkeit gewürdigt.
Die Vergangenheit – in Deutschland kann man sagen „Vergangenheiten“ - als Aufregungs- Enthüllungs- und Maulstopfer, wenn alles andere nichts mehr nutzt. Die Vergangenheiten sind ein Spuk geworden, der nichts mehr „aufarbeitet“ und erklärt. Sie sind wie ein Tontaubenschießstand. Man wirft Figuren hinein und der Beschuss geht los. Die deutschen Vergangenheiten werden – so personalisiert - zu Waffen der Gegenwart wie alle Geschichtsschreibung. Solch ein Umgang ist wenig befreiend, finde ich. Aber ich kann mich irren...
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Zur DDR kann ich wenig bis nichts sagen.
Wie jedoch bereits in "meinem" dann gesperrten Antisemitismus-Blog diskutiert, nicht zuletzt am Beispiel eines Textes von Moishe Postone erläutert, war (und ist) die bundesrepublikanische "Aufarbeitung" geprägt von beinahe maximaler Bigotterie. Nichts gewußt bis in höchste Kreise (welche Nürnberg überlebten) und dann der totale Bruch zwischen dem Dritten Reich und der BRD; mit allem reload vorheriger Machtstrukturen und Besitzverhältnisse... "Schleyer war am ehrlichsten", vielleicht. Herrhausen und andere eher mit der Gnade der späten Geburt gesegnet. Aber was sagt uns das? Die Opfer werden genauso instrumentalisiert wie die Täter und das Personalisieren, das Individualisieren ist doch Neoliberalismus in Reinkultur. Dem System - jedweder Couleur - wird damit Absolution erteilt. |
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"war (und ist) die bundesrepublikanische "Aufarbeitung" geprägt von beinahe maximaler Bigotterie."
Für den Osten gibts dazu inzwischen auch "Festschreibungen" und die sagen: Einseitig und unter Ausblendung vieler Aspekte. Sicher war das so, aber im Ganzen war sie umfassender. Manchmal sogar "zuviel". Und sie hat sich auch gewandelt. Waren nach 1945 fast nur Kommunisten überhaupt das Thema, wurden später auch andere Gruppen des Widerstandes gewürdigt, z. B. Christliche Kreise einbezogen. Na es ist ein weites Feld. |
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liebe magda, bei uns kursiert (zunehmend) folgender witz: zu nazi-zeiten gab es
100 000 widerstandskämpfer, 17 millionen davon lebten später in der ddr. und meine omi will nun meinen opi für die feiheitsmedaille vorschlagen, weil er auch in der fdj war und sich auch angepasst hat -wie la merkel. was will ich sagen: nicht ist aufgearbeitet oder frei durchdacht. nichts - oder wenig. |
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@ kay.kloetzer - den kannte ich noch garnicht.
Aber einen anderen etwas makabren. Wie war das mit den Diktaturen? Achja: An der Mauer sind Millionen Menschen umgekommen, weil es in Auschwitz den Schießbefehl gab. Nebenher: Von Günter Gaus stammt die Wendung vom "Recht auf Anpassung". Und manches, was an Debatten begonnen hatte in den 90er Jahren wurde durch Instrumentalisierung wieder verschüttet. Und - die Merkel hat im Gespräch mit Gaus auch mal über ihren Opportunismus nachgedacht. Später aber hat sie das vermieden und - die Rede geht - sie hat konstatiert, dass man mit Westleuten darüber nicht reden kann. Gruß an Opi. :-)) |
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liebe magda,
es gibt da eine kabarett-szene mit zwei alten frauen. in leipzig lachen sich die leute krumm, im westen, stuttgart zum beispiel, herrscht totenstille. wir haben überlegt warum. eine vermutung: die ostler empfinden sich als historische sieger und leben ironisch-selbstgerechte distanz. die szene geht ungefähr so: - mein mann macht mir sorgen - warum? - er hält sich in letzter zeit für adolf hitler - oh - ich weiß nicht, was ich machen soll - sie können doch den führer jetzte nicht im stich lassen |
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liebe magda, in der rückwärtsrepublik nützt der blick zurück nichts, solange nur an der oberfläche herumgewischt wird, um diesem oder jenem eins auszuwischen.
erst wenn an den mehrtausendjährigen säulen des systems gesägt wird, gibt es hoffnung auf freie aussichten zurück und in die zukunft. welche dicken säulen ich konkret im sinn habe? na, das versteht sich eigentlich von selbst: das tausendjährige heilige römische reich deutscher nation. inzwischen nennt sich das nachfolgegebilde zwar nicht selbst cdu-staat, so aber sieht die nachgeburt in wirklichkeit doch aus. alle kanzler waren cdu-ler bis auf drei, die aber auch in der cdu hätten sein können, wenn man ihre regierungstaten vergleicht. "aufarbeitung" ist immer bemüht zu retten, was zu retten ist, obschon da so gut wie gar nichts in diesem winkel der welt war und ist. punkt. |
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""aufarbeitung" ist immer bemüht zu retten, was zu retten ist, "
Das stimmt in jeder Beziehung. Wenn ich es aufs Schneiderhandwerk beziehe, so rettet Aufarbeitung eine alte Klamotte und macht daraus ne Neue. Passt doch prima. Gruß |
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Rot gleich braun ist ja schon eine seit längerem benutzte These. Wenn sie aber "nachweisen" können, dass ein Roter braun IST, dann ist das die Erfüllung ideologisch-propagandistischer Feuchtträume, die allerbeste Methode, die Herkunft der Braunen aus bürgerlichen Nestern vergessen zu machen.
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Hallo Magda,
vielleicht outen sich ja noch ein paar.... jetzt - nach dem Geständnis von Lars von Trier ;-)) |
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schrieb am
18.07.2011 um 19:09
... Gauck, wie abgelaufenes Eingemachtes…
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Ausgabe 21/2012
24.05.2012
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