Magda

Mal sehen

16.04.2011 | 12:54

Pilgern mit dem Martinshorn

Brabbelpredigt zur bevorstehenden Semana Santa

Sind Sie auch so erfreut wenn Ihnen jemand sagt, er sei mal weg? Und meint, man hätte ihn verstanden. Und der dann auch  - ätsch - Enttäuschung bereitet , weil er gar nicht weg bleibt, sondern bald wieder da ist. Und auch noch behauptet, dieses Weg (wird kein leichter sein_Naidoo ächz) habe ihn geläutert?

Hape Kerkeling ist so einer. Pilgern ist „in“, hat er vor einiger Zeit erklärt. Wir sollten von ihm, weil er weg war, anders denken als bisher, wo er wieder da ist. Als wenn das so einfach wäre: Geht dort raus, pilgert die Abteilungen „Besinnung“ und „Kontemplation“ kurz mal an, ordnet seine Gesinnung neu und kommt wieder rein als eine andere Figur. Titel:  „Isch erpilger misch neu“. Auf dem Jakobsweg und alle Welt durfte dran teilhaben.

Das Internet hat auch was von einer Pilgerreise. Man sagt, man nähme allerlei Erkenntnisse mit als User. Tatsächlich? Gucken Sie sich mal die Verhältnisse im wirklichen virtuellen Leben an. Alle die weg sind, sind überhaupt nicht geläutert, sondern rasseln herum wie die Schweine im Koben. Sie sind ausgezogen, und anderswo hin gepilgert. Da schreien sie „Exodus“ oder auch „Exil“, diese Knallschoten. Leidensprofis vom Feinsten, in der „ishargossip“-Version für intellellektuelle Adorno-Hirnis mit dem richtigen Knall auf dem falschen Pilgerweg. Na, is doch wahr.

 Trost hingegen naht – es gibt noch den Martin Buchholz, der lässt sich nicht auf Pilgerreisen ein. Nix da. Er bleibt dann mal da und pilgert ohne wegzulaufen. Pilgern nicht auf dem Jakobsweg, sondern mit dem Martinshorn. Nee, so heißt das nicht, sondern Pilgern auf dem Martinsweg

Besser als mit BILD durch die Gefilde der Politik zu pilgern- da wird man erst recht unfromm und bleibt ungeläutert. 

Der bloggt leider nicht mehr, der Martin Buchholz mit seinen Newsletter hier in der Community. Aber im Exil isser nich, der nicht. 

 
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Kommentare
kay.kloetzer schrieb am 16.04.2011 um 17:31
manchmal gehe ich durch die jakob-straße nach hause. sie ist tatsächlich ein abschnitt des jakobsweges. nie verlasse ich sie sie so, wie ich sie betreten habe. immer hat mein hirn während des laufens irgendetwas ausgeheckt. meist nichts großes. und das sind nur 100 meter!
ich glaube schon, dass rückzug, konzentration oder auch das betonen der rein körperlichen verausgabung zu etwas führen können, einem bewusstmachen vielleicht. man muss das ja nicht pilgern nennen. und schon gar nicht muss es auf dem jakobsweg sein. es sei denn, man wohnt in der nähe ...
h.yuren schrieb am 16.04.2011 um 20:35
liebe magda, ich mag da und dort und manchmal auch weg sein, aber der link, der mich zum martin lockte, wollte nicht playen. liegts an meiner rudimentären technikausrüstung oder warum spricht der nicht mit mir?

zu jakob fällt mir nichts ein außer 'billiger jakob' und dass die gezähmten dohlen oft so hießen.
mir sind übrigens alle wochen gleich, sancta oder nicht.
Magda schrieb am 16.04.2011 um 21:54
Oh meine Güte, ich wollte mich ja nur gemäßigt lustig machen, nicht kontemplativ wirken. Schwere exegetische Irrtümer sind Euch unterlaufen. Ihr seid dem Text nicht gewachsen.

@ h.yuren - der Link führt doch zu Martin Buchholzens CD. Ich habs getestet.

Pilgert weiter Ihr Lieben, vielleicht ist ja mein Elaborat einfach missglückt. :-((((((((
kay.kloetzer schrieb am 16.04.2011 um 22:06
nö, ist doch schön. ich wollte nur darauf verweisen, dass manchmal alles weite so nah ist. und umgekehrt.

antrag: unsatz des abgelaufenen jahrzehnts ist "ich bin dann mal weg."
begründung: 1. das individuum stellt sich in den mittelpunkt eines leeren raums. 2. der sprechende bleibt unkonkret bis vage ("dann mal"). 3. die realitätsflucht des sprechenden kann und darf für unsere jugend keine vorbildwirkung haben
goedzak schrieb am 16.04.2011 um 22:32
Ich bin frühjahrsmüde, d.h., ich esse, trinke, rauche, pilgere, arbeite, denke, fühle, quatsche, träume nicht - ich penne nur noch. Allerdings, in den Wachphasen...
Magda schrieb am 16.04.2011 um 22:46
Schöne Ausdeutung, liebe kay, wenn ich nur selbst wüsste, was ich...:-)) eines weiß ich jedoch, dass ich Hape Kerkeling nich leiden kann.

@ goedzak - Ach müde bin ich auch. Und in den Wachphasen gähne ich.

Gruß
kay.kloetzer schrieb am 16.04.2011 um 22:55
ach ihr! wach zu sein, wird doch völlig überschätzt. am besten essen, trinken, rauchen, pilgern, arbeiten, denken, fühlen, quatschen, träumen kann man noch immer im traum.
kay.kloetzer schrieb am 16.04.2011 um 22:56
ach ihr! wach zu sein, wird doch völlig überschätzt. am besten essen, trinken, rauchen, pilgern, arbeiten, denken, fühlen, quatschen, träumen kann man noch immer im traum.
goedzak schrieb am 22.04.2011 um 23:29
Ich träume leider seit einiger Zeit nur Scheiß. Mein Traum ist traumloser Schlaf!
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