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Frieden – Wie geht das?

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Klaus von Dohnanyi, Erich Vad

Hardcover, gebunden

160 Seiten

22 €

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Drama

Deutschland, Frankreich 2026

93 Minuten
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Herta Müller und Viktor E. Frankl

Der chinesische Dichter Liao Yiwu hat ein Buch über seine Gefängniserfahrungen geschrieben. Der Titel "Für ein Lied und hundert Lieder". Es muss - nach den Rezensionen - ein schreckliches, grandioses, aber auch "irritierendes" Buch sein.

Die FAZ verwies dieser Tage auf die "grandiose Lobrede", die die Schriftstellerin Herta Müller auf den Dichter und sein Buch gehalten hat.

Darin sagt sie u. a. "Die widerwärtige Nähe, in die man in Lagern und Gefängnissen gepfercht ist, wird durchs besessene Fixieren noch quälender. Der Beobachtungszwang zerrt jedes Detail ins Persönliche, frisst die letzte Kraft, die man für sich selbst brauchte. Und trotzdem ist dieser Beobachtungszwang eine Gnade, weil er die Menschlichkeit erhält, indem er einen hinterrücks schont - wahrscheinlich sogar rettet. Denn wer beobachtet, ist zur Hälfte außerhalb, auch wenn er ganz drin ist. Und da, wo Verwahrlosung und Vegetieren befohlener Zustand sind, wird Beobachten zur einzig möglichen geistigen Beschäftigung. Die Wahrnehmung ist eine Qual und die Qual der Wahrnehmung eine Gnade."

Diese These resultiert nicht aus Herta Müllers eigener Erfahrung, denn sie war nie inhaftiert. In ihrem Buch "Atemschaukel" verwendet sie neben den Berichten von ihr Befragter Betroffener auch die Erfahrungen des Dichters Oskar Pastior, mit dem sie bis zu dessen Tod zusammenarbeitete.

Rezensenten nennen das "mit den Augen des Opfers" gesehen. Dass sie immer auch jene anklagt, die - aus ihrer Sicht - zu leise treten, die diktatorische Systeme nicht entsprechend benennen und ächten, gehört zu all ihren öffentlichen Äußerung hinzu.

Ihre These aber, dass das Beobachten eine lebensrettende Haltung unter allen Haft- und Lagererfahrungen ist, habe ich anderswo auch noch gefunden, aber nicht so verdüstert und nicht so menschenabgewandt.

Der Psychologe und Neurologe (1905-1997) Viktor E. Frankl wurde als Jude in der NS Zeit in das KZ Theresienstadt und später nach Auschwitz deportiert. Er hat seine Geschichte in einem bewegenden Buch geschildert: "...trotzdem Ja zum Leben sagen". Ein Psychologe erlebt das KZ.

Auch er sieht in der Einnahme des Beobachterpostens eine psychologisch wichtige Schutzposition. Er schreibt, er habe sich oft vorgestellt, wie er später in einem Hörsaal steht und seine Erfahrungen aus dieser Zeit mitteilt, das habe ihn am Leben gehalten.

Sich vorzustellen, man müsse das aufschreiben um später Bericht zu erstatten, schafft offensichtlich einen trostreichen Abstand und hilft, die gerade erlebten Prügel, die eben erlebte Demütigung von sich wegzuschieben ins scheinbar "objektive". Später wird man es eindordnen Hängt es mit der eigenen familiräen Erfahrung zusammen, dass ich mich mit Herta Müllers kunstvollen Texten nicht so anfreunden kann wie mit Jewgenija Ginsburgs Gulag-Erinnerungen. Schleicht sie sich in die Opfer ein, verleibt sie sie sich ein oder bin ich ungerecht?

Mache ich Unterschiede und wenn ja, mache ich sie zu Recht oder kann man - je nach eigenem Hintergrund - da gar nicht gerecht sein?

- auch hier zu finden. Magdas Kram

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.