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Seit einer Woche bin ich zurück aus Japan im mir mittlerweile recht beschaulich anmutenden Berlin. Gestern war ich erstmals wieder in der Redaktion und habe mich deshalb mit der Nahrungsaufnahme außer Haus beschäftigt.

Wir essen meist im Büro, am Schreibtisch sitzend. Das ist ohnehin schon wenig inspirierend und eher ungesund. In den letzten Wochen habe ich zudem meist Suppen mit Hilfe von Gemüsebrühwürfeln, Fadennudeln und lieblos hinzugefügten Karotten- und Möhrenschnipseln gekocht.
An diese unsägliche Tradition wollte ich nach meiner Rückkehr nicht mehr anknüpfen und mich stattdessen mit liebevoller Hingabe der Zubereitung meines Pausenmahls widmen. Dass die einfach mal so gekaufte rosa Bento-Box dabei eine große Rolle spielen würde, merkte ich erst am Montagmorgen, als ich wieder einmal bereits um vier Uhr wach wurde, weil ich der mitteleuropäischen Zeit immer noch voraus bin und aus lauter Langweile anfing, Onigiri mit Surimi-Gurken-Frischkäse-Füllung herzustellen und eine Abwandlung des Cha-Soba-Salats anzurichten.

Das Öffnen der rosa Box zur Mittagszeit ein paar Stunden später glich einer Offenbarung! Es erstaunte mich selbst ein wenig, wie sehr mich jene kitschige, symmetrische, filigrane Anordnung des Essens erfreute.


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So war es dann nicht verwunderlich, dass ich am gestrigen Abend das Repertoire erweiterte und mir für heute Sushi, gefüllt mit Thunfisch, Mayonaise, Wasabi rollte, erneut Soba-Nudeln kochte, morgens noch ein wenig Obst in Scheiben schnitt, alles entsprechend arrangierte und so für das heutige Mahl um eine Box erweitern musste.

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Ich merke bereits jetzt: ich bin in eine Bento-Abhängigkeit geraten. Dabei habe ich in Japan nur ab und zu welche gekauft. Jedoch habe ich viele Onigiri gegessen, die es neben den Bentos in jedem Konbini – das Wort kommt von Convenience Store – in den unterschiedlichsten Varianten für wenig Geld gibt. Was dem Italien-Urlauber also der Chianti auf dem Sofa, ist mir die Bento-Box. Mit dem Unterschied, dass es hier ebenso gut schmeckt wie im Ausland.

Ein wichtiges Merkmal ist die Ausgewogenheit der Inhalte, aber erst heute habe ich begonnen, mich ein wenig mehr mit Bentos zu beschäftigen – mir war beispielsweise nicht bewusst, dass es sie bereits im 5. Jahrhundert gab. Was jedoch im Netz hauptsächlich zu finden ist, sind Anleitungsseiten und Blogs mit Bentos, die ähnlich der schrillen Stadtteile in Tokio weit über dem ertragbaren Level des Nichtjapaners liegen – und mich gerade deshalb so faszinieren.
Nach wie vor habe ich die vielen unterschiedlichen Eindrücke des Urlaubs noch nicht verarbeitet, fühle ein Brummen in der Brust, wenn ich meine Fotos betrachte und spüre, dass mein Leben dadurch nicht mehr so ist wie vorher, die Einordnung der Dinge sich verändert hat – so wie dies mit jeder Reise oder neuen Erfahrung geschieht, in immer ganz unterschiedlichen Ausmaßen.

Viel zu Gucken gibt es zum Beispiel auf Bento Anarchy, nach welchen Dingen ich in den nächsten Tagen einmal in Kaufhäusern Ausschau halten werde, ist hier und hier zu finden und auch Flickr ist voll mit Bildern der abstrusesten Bento-Umsetzungen. Genug Inspiration also für meine nächsten tausend Boxen.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.